Verhaltensbeschreibung = Dissoziation?

Hallo,

vorab: Ich erwarte keine echte Diagnose für den geschilderten Fall, sondern nur ein paar Ideen, in welche Kategorie oder unter welchen Namen man das angegebene Verhalten einordnen würde - bzw unter welchen Fachbegriffen man Informationen finden kann.

Es geht um die Schliderung, dass jemand für kurze Momente sein Wesen ändert, ohne darauf gezielt Einfluss zu haben. Diese Wesensänderungen dauern manchmal nur einige Sekunden an oder werden von der Person selbst für maximal wenige Minuten wahrgenommen. Dieser Mensch wird gewöhnlich als freundlich, ehrlich und hilfsbereit wahrgenommen, sagt aber von sich selbst, dass er gelegentlich scheinbar grundlos und schlagartig sein Denken und Verhalten umstellt, ohne dass er es beeinflussen könnte. So käme es z.B. vor, dass er sich in einem normalen, freundlichen Gespräch plötzlich und grundlos Lügen sagen hört, ohne dass er es stoppen könnte. Die Person behauptet, sich kurz danach wieder „im Griff“ zu haben und sich furchtbar für die Lügen zu schämen und sie aus Scham nicht aufklären zu wollen oder können.

Weiterhin käme es vor, dass diesem Menschen in Stresssituationen gelegentlich die Handlungskontrolle fehlt und er Dinge plant und tut, die zu seinem gewöhnlichen Verhalten überhaupt nicht passen würden. So wie die Person es sagt, ist es zumindest nichts Ungesetzliches, aber offenbar etwas, das ihrem eigenen moralischen(?) Verständnis völlig zuwider läuft. Dieses Verhalten betrifft dann direkt Personen aus ihrem persönlichen Umfeld.

Konkrete Begebenheiten kann ich leider nicht liefern. So viel weiß ich nicht. Allerdings spricht diese Person davon, dass in diesen Momenten ihr eigentliches Ich die Kontrolle verliert und etwas anderes für kurze Zeit übernimmt. Die Person meint, sie hätte keine Erinnerungslücken und würde diese Phasen einfach miterleben. Diese wären aber schwer auszuhalten, weil dieser Mensch dabei andere, insbesondere auch gute Freunde, belügen und hintergehen würde. Er hört und beobachtet diese Situation dann live und mit Schrecken mit, ohne sie aufhalten zu können.

Die Person selbst beschreibt ihre „Aussetzer“ wie diese Tics, bei denen ein Betroffener unkontrolliert Schimpfworte ausruft, nur dass sie bei ihr eben über einige Minuten lang dauern können und sich in völlig anderer Form äußern.

Nicht dass ich Laiin nun gleich eine echte Dissoziative Identitätsstörung vermuten würde, aber gibt es so etwas in abgeschwächter Form? Oder wie ist so ein Verhalten einzuordnen?

Mehr als das hier Geschriebene kann ich leider kaum liefern. Ich kenne diesen Menschen zwar persönlich, aber soweit ich das einschätze, wird er derzeit nicht viel mehr darüber preisgeben.

Freue mich über Antworten!
A

Hallo,

die meisten Verhaltensweisen sind diagnostizierbar, d.h. benennbar, aber nicht alle, deshalb werden oft alle moeglichen Faktoren mit einbezogen um die naechst moegliche Diagnose machen zu keonnen.

Ich denke im Falle dieser Person sind es einfach unterdrueckte Emotionen und Handlungen die sich manchmal entladen.

Du schreibst dass sich die Person fuer ihr Verhalten (z.B. Luegen) waehrend dieser Phasen schaemt. Dies koennte auch der Grund dafuer sein: Die Person will nicht immer lieb und angepasst sein sondern luegen (was sehr viele Menschen tun) oder anderweitig unangepasstes Verhalten zeigen aber unterdrueckt das.

Wenn sie dann in einer Phase ist in der sie die Kontrolle verliert fuehlt sie sich fuer ihre Taten nicht direkt verantwortlich und hat demnach kein schlechtes Gewissen aber konnte trotzdem die (negativen) Gefuehle ausleben.

Als Therapie koennte die Person lernen dass es nicht schlimm ist sich mal daneben zu benehmen (z.B. luegen, schreien…). Wenn sie ihre Gefuehle ausleben kann muessten m.E. die Phasen verschwinden.

Gruss

Desperado

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