Hallo Stefan!
Hallo Patrick,
keine Sorge, ich bin dem NLP auch eher kritisch gesonnen,
finde aber schwarz-weiß-Denken nicht sonderlich hilfreich!
Kannst Du das beurteilen, ob ich schwarz-weiß denke?
Nur mal so eine Frage wie lernen die Psychologen den solche
Dinge wie NLP?
Gar nicht. Psychologen erlernen die Wissenschaft der
Psychologie, und NLP ist eine Pseudowissenschaft. An
Universitäten wird dies nicht behandelt.
Wenn schon Haarspalterei, dann lernen nicht Psychologen die
Wissenschaft der Psychologie, sondern Psychologie-Studenten.
Und ich lege meine Hand dafür ins Feuer, dass es sicherlich
mehr Psychologen gibt, die NLP erlernen (ob vor oder während
dem Studium) als Studenten, die die Wissenschaft der
Psychologie erlernen. Aber dies nur so am Rande.
Jeder Psychologe war einmal Psychologie-Student. Das ist die Voraussetzung zum Psychologen. Also gut, ich korrigiere: Psychologen haben die Wissenschaft der Psychologie erlernt.
Weil ich glaub nicht das sie in der Ausbildung so viele
Patienten haben das jeder der es lernt auch am Schluss perfekt
kann oder?
Wie gesagt, Psychologen lernen das gar nicht.
Nicht prinzipiell! Aber sie haben die Möglichkeit dazu, wie
jeder andere auch!
Naja, auch hier genauer: es ist kein Bestandteil ihrer wissenschaftlichen Ausbildung als Studierende. Es ist kein relevantes Fach innerhalb der Psychologie als solches.
Psychotherapeuten können auch ohne jegliche Ausbildung zur
Approbation gelangen. Die können theoretisch auch NLP etc.
anbieten, denn die einzige Beschränkung dergleichen auszuüben
ist m.E. nach der Beitritt in den Dachverband
Neuro-Linguistischer Programmierer (den Begriff muss man sich
alleine erst einmal auf der Zunge zergehen lassen).
Für die Approbation benötigt man meines Wissens (klär mich
bitte auf wenn es anders ist) eine Zusatzausbildung zum
Verhaltentherapeuten oder Analytiker.
Nach dem aktuellen Psychotherapeutengesetz von 1999 ist dies so. Man kann auch zur Approbation eines Psychotherapeuten (nach Heilpraktikergesetz) gelangen.
Zum psychologischen Psychotherapeuten benötigt man keine spezielle Zusatzausbildung in Analyse oder Verhaltenstherapie, sondern kann auch Gesprächstherapie, Hypnotherapie oder Tiefenpsychologische Verfahren als AUsrichtung in der Therapieausbildung wählen (um psychologische Psychotherapeut zu werden). Kassenvertragliche Regelungen gibt es allerdings richtigerweise in den von Dir genannten Verfahren + den Tiefenpsychologischen.
Und wenn man einen aus der Gruppe nehmen würde könnte er doch
die Mimik und CO.KG fälschen oder?
Wenn man etwas über Mimik etc. wirklich wissen möchte, dann
sollte man schon die Psychologie als Wissenschaft bemühen.
… oder ein Buch von Samy Molcho!
Was ist wirkliches Wissen???
Naja, ich persönlich sehe einen Zusammenhang zwischen den Begrifflichkeiten Wissenschaft und Wissen. Und eine wissenschaftliche Methode sollte man schon wählen, um Wissen zu entwickeln. Damit meine ich so etwas wie Hermeneutik oder Emperie. Aber so ganz ohne - mir wäre das zu wenig. Ich käme da recht schnell zur Religion oder Kunst - Dinge die ich nicht begründen brauche.
Es wurde hier lediglich nach Manipulationstechniken gefragt -
da kann NLP hilfreich sein (aber auch sehr gefährlich) - und
nicht nach Wissenschaft.
Naja, konkret wurde gefragt, wie Psychologen (studierte Psychologiestudenten) NLP erlernen. Meine Antwort war: gar nicht. Es gibt da keinen unmittelbaren Zusammenhang zwischen NLP und Psychologie. Der Hinweis hätte auch deutlicher ausfallen können: dies hier ist das falsche Brett!
Es
gibt stets einen Unterschied zwischen dem, was Menschen
behaupten und was Menschen beweisen können. Hier ist wohl der
Hauptunterschied von NLP zur Wissenschaft zu sehen.
Die Basis heute (das dominante Paradigma), um Mimik zu
erforschen, ist z.Zt. die Neurosissenschaft. Meines Wissens
gibt es trotz der offensichtlichen Schnittmenge innerhalb der
Bezeichnungen NLP und Neurowissenschaften aber thematisch
keine Schnittstellen - will sagen: NLP kommt ohne die
Erkenntnisse der Neurowissenschaften aus. Tja, in der heutigen
Zeit will das schon was heißen.
Und was???
In der Psychologie gab es vor gut 50 Jahren die furchtbare „kognitive Wende“. Heute gilt einiges aus dem Kognitivismus durch die sehr junge Neurowissenschaft widerlegt. Die Neurowissenschaft hat es schließlich geschafft, dass spezielle Aussagen relativiert, falsifiziert oder verifiziert werden können.
Ein Beispiel: es gibt diese schreckliche 2-Prozess-Theorie der Emotion (Schachter & Singer, 1962). Dank der Neurowissenschaft kann so etwas nicht mehr aufrecht gehalten werden, weil überlegende neuropsychologische Modelle zeigen, dass dies nicht möglich wäre.
NLP wurde entwickelt aus den Beobachtungen einzelner genialer
Therapeuten und Therapeutinnen wie z.B. Satir, Milton H.
Erickson, … und stellt einen riesigen Methodenkoffer zur
Verfügung, der auch gerne von anderen Therapeuten ausgepackt
wird.
Gerade in diesen sehr wirkungsvollen Methoden, sehe ich die
Gefahr, dass eben Menschen mit wenig Hintergrundwissen meinen,
andere Menschen damit therapieren oder manipulieren zu können.
Meiner Vermutung nach gibt es NLP aber gerade deswegen oder ist deswegen so verbreitet.
Ich persönlich finde, NLP in der Reinform ist eher nicht als
alleinige Basis einer Psychotherapie geeignet. Kann aber gute
Dienste im Coaching leisten.
Dass es wirkt, ist unumstritten. Warum und wie es
„funktioniert“ ist sicherlich nicht wissenschaftlich belegbar.
Aber sind das andere psychotherapeutische Richtungen? Und wie
jede andere Methode auch, hilft NLP nicht jedem und nicht
immer.
Ist die Wirksamkeit unumstritten? Ich weiß es tatsächlich nicht, kann mir aber vorstellen, dass sie es ist - ebenso wie bei einigen Komponenten aus dem großen Methodenkoffer.
Das wichtigste Kriterium in der Arbeit mit der Persönlichkeit
von Menschen (ganz egal in welchem Bereich) ist ganz sicher
die Persönlichkeit des Menschen, der dies tut.
Und die Persönlichkeit des Menschen, der im Zentrum der Arbeit steht. Wenn behaviorale oder kognitive Ideen Hauptinhalt des NLP sind, fürchte ich, dass beides zu kurz kommen könnte.
Auch NLP hat zwei Seiten! Und es ist meines Erachtens ignorant
nur eine davon zu betrachten!
Wenn ich Deine Meinung nicht teile, ist dies ignorant?
Ich will Dir aber gerne sagen, was mich zu einer abwertenden Haltung gegenüber des NLP bringt: der reichhaltige Methodenkoffer - wie Du ihn nennst - ist doch wohl eher nur zusammengetragen. Innovation fehlt mir hier völlig.
Was die Inhalte des Koffers anbelangt - nun, meine Meinung zur kognitiven Psychologie habe ich ja schon mitgeteilt.
Meine persönliche Vorliebe zur Psychologie als Wissenschaft ist eher Emotions- und Persönlichkeitzentriert, und gerade deswegen Biopsychologischer Natur.
Liebe Grüße
Patrick