Verhaltensstörung!Psychosomat. Klinik?

Hallo, ich hatte den Artikel erst bei Forum Allg. Medizin drin, dachte aber, hier besser aufgehoben zu sein!
Also: Die Mutter eines Klassenkameraden meines Sohnes ist verzweifelt! Alles begann damit, daß der ältere Sohn (Stefan) in die Schule kam. Am ersten Schultag weinte er, legte sich auf den Boden, umschlang sich mit den Armen, er hatte einfach Panik. Christoph, der Kleine (damals 2,5 Jahre alt) bekam das mit und hatte Angst um seinen Bruder und weinte mit. Seit diesem Tag bemerkten die Eltern, daß bei seinem Verhalten mit Wasser in Verbindung zu seiner Haut etwas nicht mehr stimmte. Er ließ sich nicht waschen, Wasser erschien ihm unerträglich auf der ganzen Haut, andererseits jammerte er oft über „trockene“ Hände (damit meinte er trockene Haut) und lief nur noch mit einem nassen Schwamm in den Händen rum (weil die trockenen Hände/die trockene Haut so unangenehm waren)Wenn die Hände dann abgetrocknet waren, mußte sofort 1 Pfund Creme drauf, weil er „es“ sonst nicht aushielt. Außerdem tut ihm die Haut weh. Als er in den Kindergarten kam, wurde es noch schlimmer. Er zieht keinerlei Unterwäsche an, kann es nicht aushalten auf der Haut, nix mit Nähten, hat also das ganze Jahr keine Socken an, immer barfuß in den Schuhen, nur weiche Fleecepullis (ohne Nähte), nur Jogginghosen (ohne Unterhose drunter), die Pullis nur ohne Bündchen. Jetzt geht er seit heuer in die Schule und zieht immerhin Socken ohne Nähte an, was wiederum nur unter langem Zureden tgl. funktioniert.Keine Mütze, nur Stirnband usw. Er kann die Nähe anderer Kinder/Menschen nicht gut aushalten, d.h. in der Schule Hand in Hand mit einem anderen Kind ist eine Katastrophe. Die Nähe der Eltern/Oma ist was anderes, das geht o.k. Das komische ist, zum Schwimmen geht er ohne Probleme und gern, allerdings ist es hinterher eine Katastrophe, wenn er nicht schnell zuhause seine Creme kriegt. In der Schule ist er auffällig, hippelig, die Lehrerin hats schwer mit ihm. Es besteht Kontakt zur Schulpsychologin, diese hat nun zum Aufsuchen einer psychosmomatischen Klinik geraten. So, das war jetzt ne Menge, aber die Eltern wissen nicht mehr ein noch aus und ich hab angeboten hier im Forum nachzuforschen, da sie kein Internet haben. Vielleicht ist ja der ein odere andere hier, der Tips geben kann??? Vielen Dank im Voraus! Gruß Marion

Hallo,

waren denn die Eltern schon bei einem Arzt oder nur bei dir Schulpsychologin?
Sie sollten auf alle Fälle sich einen weiteren medizinische Rat holen, bevor der Kleine in eine Klinik kommt.
Vielleicht direkt zum Kinderpsychologen oder Kinderarzt mit entsprechender Ausbildung.

alles gute für den Kleinen und seiner Familie
Manu

Hallo

ich kann nur zum Trost dazu beisteuern, dass mir eine Kinderpsychologin, die einige Jahre in der Kinderpsychiatrischen Klinik gearbeitet hatte, einmal erzählt hat, dass die Kinder oft sehr gerne in der Klinik waren, und sehr viele am Wochenende nicht nach Hause wollten. (Sie sollten aber alle am Wochenende nach Hause, damit sie nicht den Kontakt zu ihrer Familie verlieren)

Viele Grüße
Thea

Hallo!
Ich arbeite nun in so ner psychosomatischen Klinik (sogar auf einem Mutter-Kind Schwerpunktz). Vorweg eine Warnung : Ich neige dazu, zu häufig und zu oft „Störungen“ im Zusammenhang mit ADHS / Hyperaktivität zu sehen. Da komme ich jetzt eigentlich weniger wegen der „Hibbeligkeit“ drauf, sondern eher wegen der anderen Beschreibungen von dir. Allerdings gibt es eben eine Reihe von anderen Erklärungsmöglichkeiten. Einige der Beschreibungen klingen für mich nach einer Überempfindlichkeit (Hypersensitivität) für verschiedene Sinnesqualitäten, die im Rahmen einer Reizfilterschwäche (z.B. bei ADHS) auftreten können. Die Symptomatik des grösseren Bruders kann natürlich völlig normal gewesen sein. Bei schwerer Ausprägung würde ich aber auch an eine Trennungsangst denken. Auch diese geht im wesentlichena auf eine biologische Veranlagung (Sensibilität) im Wechselspiel mit psychischen Faktoren und Lernerfahrungen zurück. Möglicherweise haben beide Kinder also eine bestimmte Sensibilität, die im Zusammenwirken mit Lernerfahrungen und Reaktionen der Umwelt verstärkt und so zu einem Problem geworden ist.

Noch ein Vorwort : Bevor man an eine stationäre (psychosomatische) oder sonstige Massnahme denkt, sollte man genauer wissen, was eigentlich vorliegt. Also eine gründliche kinderärztliche Diagnostik (z.B. auf allergische Symptome, Schilddrüsenerkrankungen, andere Stoffwechselstörungen, Schmerzen etc.).
Die Eltern solltensich von möglichst vielen geeigneten Stellen Beschreibungen des Verhalten (wann wird es besser, wann schlechter) geben lassen. Wie verhält sich der Kleine in verschiedenen Situationen (z.B. bei Langeweile, bei interessanten Spielen, allein, in der Gruppe. Bestehen feinmotorische Auffälligkeiten beim Spielen oder Fangen. Wie ist es mit Einnässen oder Einkoten) etc.

Wichtig zu wissen wäre z.B. auch die sog. frühkindliche Entwicklung.
War das Kind schon als Baby auffällig (konnte es z.b. die Nähe der Mutter nicht gut ab, war mit üblichen Massnahmen nicht zu beruhigen, nicht leicht zu Stillen oder zu Füttern, evtl ein Schreibaby) ?

Wie war er im Kindergarten, wie jetzt in der Schule. Bestehen Lern- oder Teilleistungsschwächen, was sagt die Psychologin.

Wie reagiert die Mutter, wie andere Familienmitglieder oder eben das sonstige Umfeld auf das Verhalten bzw. die Problematik ? Bestehen bei der Mutter oder beim Vater möglicherweise „ähnliche“ Symptome (etwa Unruhe, Impulsiviät, Probleme in der Nähe-Distanz-Regulation). Dann verstärkt sich das Problem häufig gegenseitig, weil eben beide Beteiligten ein Problem mit Nähe und Berührung etc. haben.

Soweit ich orientiert bin, gibt es nicht sehr viele psychosomatische Kliniken für Kinder. Wir nehmen Kinder letztlich nur mit ihrer Mutter auf. Für beide wird eine Therapie angeboten. Die Mütter sind in einer Müttergruppe 5 mal wöchentlich betreut. Da geht es aber nicht nur um die Kinder bzw. Mutter-Kind-Beziehung, sondern eben auch um eigene Probleme. In Video-Interaktionsanalysen versuchen wir dann das „Problem“ zwischen Mutter und Kind zu beschreiben. Die Kids haben ihr eigenes Therapieprogramm (u.a. mit Psychotherapie, aber auch therapeutisches Reiten, Musik, Sport etc.). Ob das nun im Einzelfall besser als eine ambulante Betreuung ist, kommt eben auf die individuelle Problematik und Erwartungshaltung an.

Gruss Martin

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Hallo Marion, wir sind selbst „am Rande“ davon betroffen. Ich meine, dass soetwas als Wahrnehmungsstörung (kann unteschiedliche Ausprägungen haben) tituliert wird.
LG, sine

Hallo Marion

Es ist immer heikel eine Diagnose aus Distanz zu stellen.
Tippe auf etwas von autistischen spektrum im weitesten Sinne. Auf eine Störung im Bereich ADHS (vorallem), Wahrnehmung eventuell mit autistischen Syntomen.
Diese werden durch biochemische Vorgänge (Stoffwechsel) im Gehirn ausgelöst. Und da der Gehirnstoffwechsel ja nicht abgekoppelt vom sonstigen Stoffwechsel ist, ist dessen Ursache nebst der Genetik auch dort zu suchen.
Hat er wirklich trockene Haut? Wenn ja, wird ihm sehr wahrscheinlich Fettsäuren helfen, da er ein fettsäuremangel haben könnte. In England wurde gerade eine diesbezügliche Doppelblindstudie abgeschlossen. Aus ca 10000 Kindern wurde 111 mit ADS und so ausgewählt. Ergebnise noch nicht veröffentlicht, aber sehr ermutigend.
Kauf Dir dazu das Präparat Eye Q aus der Apotheke. Denke es wird helfen, wenn er trockene Haut hat, und zwar nicht nu der Haut.
Im weiteren wäre es hilfreich, die Hintergründe seines grossen Fettsäuredefizit zu kennen. Es könnte die gleiche wie die des Übergewichts sein, ausser sein Gewicht entspreche der Menge die er isst. Die Hintergründe lösen nämlich oft weitere Störungen aus, die sich als ADS, Wahrnehmungsstörungen etc auswirken können.
Welceh es sind, kann ich aus den Angeben aber nicht vermuten.
Müsste also mehr wissen, um weitere Tips geben zu können. Könnte Dir bzw der Mutter bei Interesse einen Fragebogen zustellen, aufgrund dessen ich mögliche Sachen vermuten kann, die die Mutter dann medizinisch abklären lassen könnte.

Bin gespannt wie die Mutter reagiert, bzw wie die fettsäuren helfen. Halt mich bitte auf den laufenden.

Gruss
beat