Hallo,
was sind die Vor- und Nachteile der Verhaltenstherapie und der Tiefenanalyse in Hinsicht auf eine Therapie gegen Angst (soziale Phobie)?
Wo sind die Erfolge euerer Meinung größer? Was wird am meisten praktiziert?
Ich stehe vor der Entscheidung mich für eine der beiden Therapieformen zu entscheiden. Was würdet ihr empfehlen?
Lasst dabei bitte die Faktoren der Zeit und der Kompetenz der beiden Therapeuten. Beide sind sehr freundlich und wirken kompetent. Zeit will ich nicht als Faktor mit einbeziehen.
das ist eine interessante Frage. Ich war aufgrund einer Angststörung in Behandlung. Zunächst machte ich eine ambulante Verhaltenstherapie. Diese half mir besser mit der Angst umzugehen. Allerdings war diese dadurch nie weg und wurde mit der Zeit wieder schlimmer.
Daraufhin machte ich eine psychosomatische Kur. Hier wurde vor allem mit der Tiefenanalyse gearbeitet.
Mittlerweile geht es mir gut. Ich muss allerdings sagen, dass ich immer noch nicht die genaue Ursache kenne (wenn es die eine überhaupt gibt).
Was mir wohl am meisten geholfen hat, war, in der Kur Gleichgesinnte getroffen zu haben, die mich verstanden. Das trug dazu bei, dass ich mich nicht mehr so unnormal fühlte. (Man meint ja immer alle anderen kennen solche Probleme nicht)
Bei mir ging es darum, zu erkennen wer ich wirklich war und alle meine Seiten und Facetten so annehmen zu können.
Der Chefarzt in der Klinik, in der ich war, war der Ansicht, dass man durch Erkennen der Ursache von jetzt auf gleich geheilt werden kann, was ich jetzt einmal so im Raum stehen lassen möchte.
Vermutlich ist es aber schwer, pauschal zu sagen diese oder jene Therapieform ist besser.
Da ich wie gesagt der Meinung bin, dass mir am meisten der Austausch mit Gleichgesinnten geholfen habe, bin ich gerade dabei meinen Blog aufzusetzen. Ich habe dort schon einmal vor gut einem Jahr etwas geschrieben, den Blog aber nir bekannt gemacht. Diesen bin ich gerade dabei neu aufzusetzen, da ich immer noch sicher bin, das könnte vielen helfen. Nächste Woche sollte das neue Gewand stehen. Kannst ja schon einmal auf www.psog.de schauen und mir gerne auch unter [email protected] eine Nachricht senden, wenn Du noch Fragen hast.
Ansonsten wünsche ich Dir viel Erfolg bei der Therapie für welche Form Du Dich auch entscheidest. Wenn Du Dich wirklich darauf einlässt, bin ich Dir sicher, dass Dir beide helfen werden.
Da die beiden Richtungen unterschiedliche Brillen tragen, sind auch die Begriffe, Kriterien und Meßmethoden, mit denen sie „Erfolg“ feststellen, nicht wirklich vergleichbar. Und sogar wenn man feststellen könnte, dass eine der beiden seltener erfolgreich wäre, könnte doch gerade sie die beste für diesen speziellen Klienten sein, der hier fragt. Aber wer Dinoo nicht persönlich kennt, wie soll der einschätzen, was zu ihm vielleicht besser passen könnte?
Die Entscheidung ist in Wahrheit aber leichter als gedacht. Wo viele Wege nach Rom führen, kommt es vor allem darauf an, einen dieser Wege überhaupt zu beginnen. Und wie beruhigend: ALLEM Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns leben hilft.
sorry, aber hier einen treffenden rat zu geben, ist mir zu gefährlich. du hast dich mit sicherheit schon mit dem ein oder anderen thema beschäftigt.
mir hat folgender tip meist weitergeholfen:
da wo die angst am größten ist, da gehts hin, da ist der richtige weg.
versuch diese einstellung mal in deine entscheidung einzubauen, für oder besser gegen welche form entscheidest du dich ?
Hallo,
was sind die Vor- und Nachteile der Verhaltenstherapie und der
Tiefenanalyse
Sehr geehrter Herr Dinoo,
bevor ich in die Beantwortung Ihrer Frage einsteige, sollte ich von Ihnen noch erfahren, was Sie mit „Tiefenanalyse“ meinen:
Tiefenpsychologie (das wäre nach CGJung)
oder
Psychoanalyse (das wäre nach Sigmund Freud)?
Noch ein Tip:
wenn Sie eine Expertenfrage stellen, haben Sie keine Gruppe, sondern eine Einzelperson als gegenüber.
Deine Frage ist schwierig zu beantworten, da sowohl unter den Begriff der Verhaltenstherapie als auch unter den Begriff der tiefenpsychologisch fundierten Therapie unterschiedliche konkrete Verfahren fallen. Aus Deiner Frage geht nicht hervor, welche Art von Verhaltenstherapie oder tiefenpsychologisch fundierter Therapie die Therapeuten anbieten.
Meiner Kenntnis nach ist die Wirksamkeit der kognitiven Verhaltenstherapie bei sozialer Phobie eindeutig nachgewiesen, während die Wirksamkeit bei tiefenpsychologisch fundierter Therapie noch fraglich ist.
Hallo,
ich denke bei der Diagnose „soziale Phobie“ wäre eine Verhaltenstherapie zunächst eher geeignet. Während der Therapie werden Sie und der Therapeut ja eine Art Bestandsanalyse machen und so mehr Hintergründe entdecken, dann können Sie immer noch entscheiden, die Therapieart zu wechseln. Ich muss allerdings sagen, dass die Zeit nicht außer Acht gelassen werden sollte. Da kommt es wirklich auf die Qualität des Therapeuten an. Da die Psychoanalyse sehr häufig mit Deutungen von Verhalten arbeitet, kann es sein, dass kein Ende gefunden wird, d.h. bei Deutungen vergangenen Erlenbens kann so oder aber auch ganz anders gewesen sein. Die Verhaltenstherapie hält sich zunächst an Faktisches und versucht, das Sie störende konkrete Verhalten zu verändern. Natürlich kann es eine innere Sperre gegen Veränderung geben, deren Ursache unklar ist, aber ein guter Verhaltenstherapeut wird auch mit Ihnen zusammen Erklärungsmöglichkeiten finden.
Mit freundlichem Gruß
C.F.
Am meisten praktiziert wird die Tiefenpsychologie, wobei der Name fälschlicherweise suggeriert, dass dort eben tiefer vorgegangen werde als zum Beispiel bei der Verhaltenstherapie, die speziell an Ängsten entwickelt wurde. Da ich aber selber Verhaltenstherapeut bin, bin ich hier eben auch sehr parteiisch, dennoch hoffe ich Dir ein wenig mit meiner Meinung weitergeholfen zu haben. Zum anderen bist Du ein echter Glückspilz, wenn Du zwischen zwei Therapeuten aussuchen kannst. Die meisten müssen ein Jahr und mehr auf einen Therapieplatz werden, wenn sie denn überhaupt einen bekommen.
Hallo,
gerade bei Angststörungen (und Depressionen) ist Verhaltenstherapie erwiesenermaßen effektiver als Psychoanalyse/Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie.
Schöne Grüße
Christoph Wimmer
die Frage läßt sich sehr klar beantworten: Die Verhaltenstherapie ist definitiv die Therapieform, die sich bei Angststörungen wissenschaftlich als am effektivsten herausgestellt hat.
Eine tiefenpsychologische oder analytische Therapie arbeitet primär klärungsorientiert, während eine Verhaltenstherapie zusätzlich auch noch mit konkreten, verhaltensorientierten Verfahren, u.a. Konfrontation, arbeitet, was bei Ängsten sehr wirksam und notwendig ist. Reine Klärung reicht da meistens nicht aus.
Hallo,
ich bin da nicht neutral, weil ich selber aus der verhaltenstherapeutischen Ecke komme. Der Forschungsstand ist aber so, dass bei eingegrenzten Ängsten, also bei solchen, die nicht das Symptom für eine tieferliegende Krankheit sind, Verhaltenstherapie die beste Methode ist. Das wird dir auch deine Krankenkasse bestätigen. Auch viele Analytiker wenden inzwischen bei Phobien und eingegrenzten Ängsten VT-Techniken an.
Das wichtigste Element ist aber bei jeder Therapie die Patient - Therapeut - Beziehung.
Schwerpunkt der Verhaltenstherapie sind in der Regel lösungsorientierte Ansätze, die bei eine sozialen Phobie helfen, den Alltag bald wieder entspannter gestalten zu können. Oft werden gezielte Übungen in Verbindung mit Entspannungsverfahren zum Abbau der Angst eingesetzt.
Bei der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie ist der Schwerpunkt die Bearbeitung der lebensgeschichtlichen Hintergründe der Problematik.
Erfahrene Psychotherapeuten beider Richtungen werden jedoch sowohl die aktuelle Situation als auch die Lebensgeschichte berücksichtigen, so dass es aus meiner Sicht am besten ist, nach dem persönlichen „Bauchgefühl“ zu entscheiden, wo Sie sich am besten aufgehoben fühlen und welchen der beiden Aspekte Sie für sich momentan in den Mittelpunkt stellen möchten.
Hallo Dinoo,
als Therapeut einer anderen Schule muss ich voraus schicken, dass ich gegen beide genannten Verfahren meine Vorurteile habe. Trtzdem versuche ich etwas zur Beantwortung beizutragen.
Die besser untersuchte und mit höheren Erfolgsraten versehene Methode ist die der Verhaltenstherapie (VT), insbesondere bei „leichteren“ Phobien, wozu eine Sozialphobie aber leider nicht gehört. Die VT ist pragmatischer und kann schneller zu spürbaren Verbesserungen führen. Eine Analyse hingegen könnte mehr zu den Ursachen vordringen. Als besonders wichtig in der Wahl eines Therapeuten halte ich das „Bauchgefühl“ zur Person. Die „Chemie“, die therapeutische Beziehung muss stimmen, damit man sich auf den Veränderungsprozess einlassen kann; und das ist etwas anderes als die Kompetenz.
Ich hoffe, dass ich Ihnen weiter helfen konnte. Für weitere Fragen oder Gedanken stehe ich gerne zur Verfügung.
Thomas Kühn
Hallo Dinoo,
ich bin Verhaltenstherapeutin, könnte Dir also nur zu diesem Verfahren etwas sagen. Aber es ist so, dass die meisten Therapeuten im Laufe ihrer Praxistätigkeit sowieso ihren eigenen Stil entwickeln und sich auch in anderen Verfahren weiterbilden. Tiefenanalyse allerdings gibt es meines Wissens nicht - entweder ist es Psychoanalyse oder tiefenpsychologishc fundierte Therapie.
Jedenfalls würde ich Dir empfehlen, nach Sympathie zu gehen. Der Therapeut, bei dem Du Dich wohlfühlst und Vertrauen hast, ist der richtige für Dich (ich mejine nicht, ob er freundlich oder kompetent ist, siondern wie Du Dich fühlst).
Viel Erfolg!