Hallo,
mein Sohn ist 12 Jahre und ist in seinem Verhalten schon zu Krippenzeiten immer irgendwie aufgefallen. Manchmal in sich gekehrt, dann plötzlich impulsiv, gefühlsausbrüchig. Er ist eigentlich ein wenig selbstbewußter Mensch. Versucht aus meiner Sicht sein mangelndes Selbstbewußtsein durch sich-anstiften-lassen und auffallende Aktivitäten zu kompensieren. So kommt es vor, dass er Dinge in der Schule anstellt, die bei Lehreren und Schülern nicht so gut ankommen.
Für die letzte Aktion (es waren jetzt drei seit der 5.Kl. die aus dem Rahmen fielen) bekam er einen mdl. Verweis.
Leider sind seine Zensuren im Schnitt derzeit 3,5 nicht gerade gut. (Trotz lernen)
Ich frage mich dann ernsthaft, wie ich mit seinem Verhalten richtig umgehen soll. Was ich versuche ist, ihn positive Sichtweisen zu vermitteln, ihn auf die Verletzbarkeit anderer Menschen Gefühle hinzuweisen. Ich stehe in dem Zwiespalt, dass ich seine Aktionen zwar bestraft sehen möchte, aber das richtige Maß zu finden fällt oft schwer. Auffallen tut mir auch, dass er auf viele kleine Lobe gerne reagiert, aber dann ganz schnell den dicken Max makiert (so wie „Große Klappe nichts dahinter“).
Wer hat ähnliche Erfahrungen/Hinweise ?
Hallo Daniela,
ich glaube, das Alter unserer Kinder ist ein ganz schwieriges. Ich habe zwar eine Tochter, womit im Geschlecht ein Unterschied wäre, aber bei mir ist es ähnlich. Große Klappe, schlaue Bemerkungen, schlechte Noten.
Da ich vom Vater des Kindes geschieden bin, habe ich eine Menge zunächst einmal der Lebenssituation zugeschoben. Was aber nicht des Rätsels Lösung sein kann, denn meine Tochter lebt auf eigenen Wunsch abwechselnd bei den Eltern und kommt hervorragend klar.
Wir hatten im letzten Jahr große Schwierigkeiten mit der weitergehenden Schule (Gymnasium) und mittlerweile wiederholt sie die 5. Klasse - mit welchem Erfolg, wird man sehen.
Verschiedener psychologischer Rat ist mir angetragen worden, wir (mein Ex und ich) haben ihn teilweise teuer bezahlt, ohne nennenswerte Ergebnisse. Ein kostenloser, der mir sozusagen auf einem Ausflug von einer guten Bekannten gegeben wurde, die ebenfalls Psychologin ist (sich aber nicht unser annehmen wird, wegen der „Nähe“), hat mir ein bisschen weitergeholfen. Es gibt eine Theorie, dass Kinder in dem Alter nicht für’s Leben oder für die Schule lernen, sondern nur für die Personen, die sie lieben und von denen sie geliebt werden wollen. Und bei dem rasch eintretenden Stress mit Schule, Orientierungsstufenleiter, Fachlehrern tritt oft eine Spannungssituation auf, die die Eltern in Stress und die Kinder in Versagungsängste treiben. Oft haben dann die Kinder soviel zu tun, die Last der Eltern und die Sorge mitzutragen, dass sie vor lauter Beschäftigung mit dem Problem gar nicht mehr zum Lernen kommen.
Den Ansatz einer Lösung davon habe ich schon erlebt. Denn ich habe versucht, mich, die absolut Leistungsorientierte, zu ändern. Und arbeite dran. Die Motivation meiner Tochter hat sich daraufhin auch grundlegend geändert. Ob sie genug tut für die Schule und die Lehrer, werde ich erst demnächst erfahren. Und ich hoffe sehr, dass ich mich nicht von falschen Signalen verleiten lassen werde. Denn Lehrer sind sehr schnell in ihren Vorurteilen und genießen zudem viel zu viel Macht aus meiner Sicht. Es gibt ein Buch mit dem Titel „Plötzlich macht es ‚klick‘“, was das oben beschriebene Problem mit dem Thema Kinder und Schule genau in der Weise beschreibt - und dazu die Lösung gibt - wie ich es hier sinngemäß tue. Vielleicht solltest du mal überlegen, ob das Problem tatsächlich in deinem Jungen zu suchen ist mit der von dir angedachten Lösung, ihn angemessen zu bestrafen, oder ob nicht vielleicht die Umwelt eine Rolle spielt, die ihn in die seine zwingt. Mit den besten Wünschen,
BeBro
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Hallo BeBro,
danke für deinen ausführlichen Rat/Beitrag. Es ist wohl etwas dran, dass Kinder in diesem Alter wirklich nicht für sich lernen. Sie wollen viel Aufmerksamkeit erregen, ihren Platz in der Gruppe finden. Ich fand nun heraus, dass mein Sohn von einem Mitschüler ziemlich unter Druck gesetzt wird. Er soll für ihn Dinge tun, wenn nicht dann passiert dies oder das… Damit hat er auf jeden Fall ein Problem. Dazu kommt dann (wie du schon erwähntest) dass Lehrer auch nicht objektiv entscheiden. Ein mal in der Schublade immer in der Schublade.
Ich denke, dass der richtige Weg ist, durch positives Vorleben ein positives WEltbild zu erreichen. Ich werde versuchen, ihn duch viele KLeinigkeiten zu einer positiveren Lebenseinstellung zu verhelfen, um damit einen Schutz vor äußeren/inneren Angriffen auf die Seele zu schaffen.
Habe mir ein Buch kommen lassen zum Thema „Kinder brauchen Optimismus“. Liest sich ersteinmal ganz vernünftig.