Hi Peter
Hi Mark,
danke für deinen Ausführlichen Beitrag!
Also, zunächst einmal stellt sich die Frage, wo mehr
gearbeitet werden soll. Die Einführung der 42-Stundenwoche in
Bayern gilt zunächst, soweit ich informiert bin, nur für
Angestellte im öffentlichen Dienst und nicht für Beamte. Nicht
dass Du da zwei Dinge durcheinander brinst, Beamte sollen in
Zukunft verstärkt nach Leistung bezahlt werden.
Danke für die Klarstellung!
Ich denke, dass dort ein Exempel statuiert werden soll. Eine
Verlängerung der Arbeitszeit bringt vor allem dem
produzierenden Gewerbe enorme Vorteile.
- Durch die längere Arbeitszeit können mehr Waren produziert
werden, was zu einer Senkung der Stückkosten führt. Dies
bedeutet, dass Unternehmen zu niedrigeren Preisen auf den
Märkten anbieten können (Stichwort Wettbewerbsfähigkeit).
Wird dieser Vorteil dann nicht von den Nebeneffekten steigender Arbeitszeiten aufgezehrt?
Effekt Arbeitsmarkt: Wie wird ein Steigen der Arbeitslosenversicherung vermieden, weil
- die Arbeitslosenzahl nicht steigt
oder
- die Arbeitslosen weniger Leistungen erhalten werden?
Effekt Leistungsfähigkeit:
- wird diese nicht durch die höhere Belastung vermindert?
- steigt der Krankenstand nicht?
- Dieser Effekt wird dadurch verstärkt, dass auch die
Lohnnebenkosten sinken, da für die Mehrarbeit keine
Überstundenzuschläge bezahlt werden müssen.
Wie soll das Sinken der Kaufkraft ausgeglichen werden, wenn bisher bezahlte Überstunden nun wegfallen?
- Unternehmen können mehr Dienstleistungen als vorher
anbieten, was zu einer Verbesserung für Konsumenten führt.
Bleibt die Kaufkraft trotzdem stabil genug, um das Angebot zu bezahlen? (Also s.o. keine Steigerung von Arbotslosigkeit, kein Absinken der Reallöhne?)
- Beispiel Handel und Dienstleistungen: Konsumenten verlangen
heute immer mehr Leistungen (Beratungen, Planungen usw.) und
gleichzeitig muss die Ware immer weniger kosten. Wie will man
das bewerkstelligen? Da laufen den Firmen doch die Kosten weg.
War das früher anders? Haben sich die Gesetze von Angebot und Nachfrage verändert?
Im Klartext: Arbeitzeitverlängerung entspricht einer
Lohnsenkung. Da aber eine direkte Lohnsenkung über den Markt
nicht machbar ist, werden die Arbeitszeiten verlängert.
Soll das bedeuten, dass eine Lohnsenkung nicht machbar ist, weil
- sie nicht durchsetzbar ist, wenn sie beim Namen genannt wird?
- weniger sinnvoll als die Arbeitszeitverlängerung ist?
Nebenbei noch ein wichtiger Punkt:
Arbeit ist keine FIXE volkswirtschaftliche Größe.
Es gibt nicht soundsoviel Arbeit die auf soundsoviele Leute
verteilt werden muss. Das ist eine Gewerkschaftsidiologie, die
in keinem Fall der Realität entspricht. Grundsätzlich ist
Arbeit ein Faß ohne Boden, solange man den Faktor nicht in
Relation zum Preis sieht.
Danke, aber das ist mir vollkommen bewusst. Ich hänge gar keiner Ideologie an, deswegen frage ich hier im Brett, wo aufgrund von Fachwissen geantwortet wird.
Vielmehr hängt der Faktor Arbeit vom Preis der Arbeit ab.
Beispiel: Stell Dir doch einfach mal vor, wieviele Rasen es in
deutschen Gärten gibt, die gemäht werden könnten. Das ist
alles Arbeit. Warum gibt es denn so wenige Leute, die sich von
anderen Ihre Rasen mähen lassen? Es ist doch Arbeit
vorhanden!?! Wahrscheinlich doch daran, dass die Arbeit zu
teuer ist. Wenn Du aber Arbeit billiger machst, wären mehrere
Leute bereit, sich den Rasen mähen zu lassen.
So denke ich auch. Aber dabei muss die Kaufkraft für Arbeit in geringerem Maße sinken, als der Preis für Arbeit. Und so wie ich die Parameter einschätze, komme ich nicht darauf, wie das ohne Steigerung der Effektivität oder der Effizienz geschehen soll. Welcher Effekt der Arbeitszeitverlängerung soll dies erreichen?
Ist natürlich ein einseitiger Ansatz, muss ich zugeben. Würde
mich hier auch um eine rege Diskussion freuen.
Ich auch sehr! (Mehr über Fakten als über Meinungen)
Gruß,
Peter