Ich denke, die Therapie ist für dich ausgereizt.
Mit dieser Aussage gehe ich nicht konform.
Ich bin der Meinung, dass ich lange Zeit brauchte, um mich
ausreichend auf die Therapie einzulassen. Darüberhinaus sind
viele Stunden damit verstrichen, meinen Alltag zu
Stabilisieren.
Es gibt auch eine gewisse Therapieabhängigkeit. Das Ziel einer jeden wirklich guten Therapie ist es, den Patienten so schnell wie möglich selbständig werden zu lassen. Nach einigen Jahren der Behandlung ohne dass diese Selbständigkeit erreicht wurde, scheint mir persönlich das Ziel verfehlt zu sein.
Du solltest versuchen, wieder auf eigenen Beinen zu stehen.
Dein Gedanke, jetzt mit EMDR weiterzumachen, zeugt von einer
gewissen Resistenz, Eigenverantwortung zu übernehmen.
EMDR soll mir dabei helfen belastende Ereignisse anders
abzuspeichern, damit sie in der Gegenwart als nicht mehr so
belastend empfunden werden. Daher verstehe ich nicht, in
welchem Zusammenhang die mangelnde Eigenverantwortung steht.
EMDR ist absoluter Humbug. Selbst wenn man daran glauben sollte, reicht nach den Befürwortern dieser Methode bereits eine einzige Therapiestunde aus. Dass du dich gerade für diese Methode entschieden hast, zeugt für mich persönlich von einer Resistenz gegenüber einer Besserung deines Zustandes. Der Zusammenhang zwischen mangelnder Eigenverantwortung und dem Bedürfnis, diese Therapie anzuwenden liegt meiner Meinung nach darin, dass traumatische Erlebnisse mit der „Winke-Winke-Methode“ weggezaubert werden sollen, ohne dass der Patient auch nur ein klein wenig zum Loslassen beitragen muss.
Wenn du feststellst, dass es ohne Therapie tatsächlich nicht
geht, kannst du immer noch das Angebot, dich für einige Wochen
stationär behandeln zu lassen, in Anspruch nehmen. In akuten
Notfällen, gibt es keine Wartezeit.
Das ist richtig. Jedoch handelt es sich dann um ein akut
Krankenhaus und auch dort geht es hauptsächlich um die erneute
Stabilisierung.
Eine spezifische Klinik hat Wartezeiten von bis zu einem Jahr.
Nur hier kann sich, meiner Meinung nach, ein langfristiger
Behandlungserfolg einstellen.
Aber wie schon geschrieben, habe ich aus familiären Gründen
nicht die Möglichkeit an einer stationären Behandlung
teilzunehmen…
Auch hier denke ich persönlich, dass die Familie nur als Vorwand genommen wird. Was denkst du, passiert mit deiner Familie, wenn du einen Unfall haben solltest? Auch dann würden sich Lösungen finden lassen. Andererseits sehe ich in einem Klinikaufenthalt die grosse Gefahr einer Manifestierung der Grundstruktur. Aber das kannst nur du für dich alleine entscheiden.
Nach einigen Jahren der Therapie sollte meines Erachtens der Patient wieder in das Leben hinaustreten und Altes loslassen. Dazu gehört natürlich der Wille, auf eigenen Beinen zu stehen. Eine Therapie alleine bewirkt absolut nichts, wenn dein Wille nicht darauf gerichtet ist.