hallo fredun,
jetzt habe ich dir aus versehen ein sternchen gegeben 
Nur um des korrekten Verständnisses Willen: Bedeutet das, dass
KEIN seriöser Verlag JEMALS versuchen würde, das finanzielle
Risiko, das der Druck/Vertrieb/etc. eines Buches mit
signifikanter Auflage sich bringt, zu teilen?
genau so ist es. mit den 2 ausnahmen, von denen ich schrieb.
Falls das so ist, finde ich es aus betriebswirtschaftlicher
Sicht recht skurril, denn schließlich ist der Autor jemand,
der potenziell an dem Buch Geld verdienen kann und insofern
ist auch der Gedanke nahe liegend, dass er sich am Risiko der
Investition beteiligt.
der autor hat ja schon sehr viel investiert, in den er das manuskript geschrieben hat. das ist eine schwere und langwierige arbeit - ein jahr oder mehr oft - von den vorbereitungen wie z.b. aufwendiger recherche und den kosten dafür mal ganz zu schweigen.
der verlag kauft - nicht anders als ein bäcker sein mehl - den „rohstoff“ manuskript ein. welcher bäcker würde den müller an den produktionskosten für brötchen beteiligen wollen?
(außerdem: hier scheidet sich schon die spreu vom weizen: für einen seriösen verlag ist das manuskript nämlich erst die backzutat, die zusammen mit lektorat, titelgestaltung, werbung, vertrieb u.v.m. das produkt buch ergibt. der zuschußverlag behandelt ein manuskript wie ein endprodukt, das notwendigerweise - quasi zur verpackung - zwischen pappdeckel gefaßt wird. und fertig. wenn dein bäcker dir ein pfund mehl und vielleicht noch die tüte geben würde und behauptete, das wäre ein brot, würdest du ihn wahrscheinlich blöd angucken.)
aber verleger - und ich spreche jetzt von den seriösen - sind ja auch nicht blöd. sie wissen schon, wie sie ihr geld machen können. ´sie werden natürlich ihr unternehmerisches risiko so weit wie möglich versuchen zu minimieren.
wenn zum beispiel ein verlag mit einem autor einen vertrag über einen hardcover macht, dann hat er zuvor die taschenbuchrechte (oder auslands- oder filmrechte o.ä.) schon weiter verkauft. und zwar meist zu einem preis vom 1,x-fachen der produktionskosten inkl. vorschuß für den autor (ja, so gehts nämlich auch! der autor zahlt nix vorweg, sondern BEKOMMT etwas!)
natürlich stellt ein unbekannter autor ein weit größeres risiko für den verlag dar. deshalb wird er auch kaum einen garantievorschuß bekommen und von den laufenden verkäufen nur um die 6 %. somit hat der verleger auch schon wieder risikominimierung betrieben. er hat eben eine neue ware in seinem programm und es wird sich erst noch zeigen müssen, ob die sich bezahlt macht.
Außerdem habe ich beispielsweise auf der Website des Hauses
der Literatur Artikel gesehen, die es offenbar als normal
ansehen, dass der Autor zunächst zuzahlt.
ich gebe zu, der name „haus der literatur“ weckt hochtrabende erwartungen. aber dahinter steckt genau das: ein zuschußverlag names „von goethe“.
tja, wer fragt da noch? mit DEM namen müssen die ja ahnung von literatur haben, oder was 
die wahrheit ist: laß die finger davon. der wohlklingende name ist der marketingtrick. dahinter verbringt sich ein industriezweig, der guten gewinn daraus zieht, schreiben und veröffentlichen wollenden menschen das geld aus der tasche zu ziehen.
wobei ich sogar sagen muß, daß die „wie-lerne-ich-schreiben“-bücher von cornelia von goethe gar nicht mal schlecht sind. das sind 14,- oder 21,- oder werweißwieviel, die man mal riskieren kann. nicht aber zigtausende von €s für ein fernstudium, das vorgaukelt, man sei danach so eine art „staatlich geprüfter schriftsteller“, womöglich noch mit festanstellungsgarantie. und august von goethe zockt dann nochmal ab, indem er sich das drucken der ergüsse des „diplomierten“ schriststellers sehr gut bezahlen läßt.
Neugierig auf erhellende Antwort
ich hoffe, die hast du bekommen.
noch ein tipp: alles, wo es heißt „verlag sucht manuskripte“ oder „verlag sucht autoren“ ist ein zuschußverlag. ein nicht-zuschußverlag muß nämlich keine manuskripte suchen. er kann sich vor manuskripten nämlich nicht retten. die bekommt er dutzend und hundertfach jede woche ungefragt ins haus geschickt.
tipp 2: oft ist es sinnvoll, einen literatur-agenten einzuschalten. der kennt sich in der branche aus und weiß, welcher verlag was sucht. ja, auch er bekommt geld für seine leistung. aber erstens auch erst nachdem für den autor geld geflossen ist und zweitens hat er es dann auch verdient.
schöne grüße
ann