Verlag verlangt Zuschuss!

Hallo,
habt ihr auch ein Manuskript und sucht einen Verlag? Geht mir so.Ein Verlag (Name auf Anfrage) verlangt aber einen Zuschuss in unbekannter Höhe , wenn es zur Publikation kommt. Ist das seriös?

Wer hat da Erfahrungen und kann berichten?
Ich bin gespannt!
Danke.
bernard

hallo bernhard,

grundsätzlich ist es nicht seriös, wenn ein verlag einen zuschuß verlangt. es ist das wesentliche charakteristikum eines verlages, daß er leistungen vor legt (daher kommt der name nämlich), das manuskript in zusammenarbeit mit dem autor bearbeitet, lektoriert, in buchform bringt, am markt plaziert, werbung für das buch betreibt und schließlich auch für den vertrieb sorgt.

es gibt nur 2 ausnahmen, in denen seriöse unternehmen zuschüsse für das buchdrucken nehmen:

  1. wenn es von vornherein ersichtlich ist, daß dieser verlag eigentlich eine bessere druckerei ist, d.h. geld für die dienstleistung, ein buch zu drucken verlangt. das ist genau so zu bewerten, als ob du dir visitenkarten drucken läßt. der einzige unterschied ist, daß ein buch mehr seiten hat.

  2. ausnahme: es ist ein verlag, der sich auf das verlegen sehr besonderer wissenschaftlicher werke spezialisiert hat. die auflagen dabei sind so klein, daß sie die herstellungskosten eines buches nicht decken können. solche verlage verlangen vom autor auch einen druckkostenzuschuß. allerdings wissen das die autoren vorher. solch ein verlag würde aber nie so tun, als fördere er selbstlos junge literaten!

wenn du in den archiven bekannter schreibforen (z.b. literaturcafe, leselupe, lettern.de uvm.) suchst, wird du eine nicht enden wollende flut von beiträgen zu unseriösen druckkostenzuschußverlagen finden. ein guter beitrag ist auch hier zu lesen: http://autorenforum.montsegur.de/cgi-bin/yabb/YaBB.p…

wenn du unbedingt ein buch ohne lektorat, korrektur, werbung und vertrieb veröffentlichen willst, kannst das wesentlich billiger bei BoD machen.

wenn du mir aber sagt, für was für ein manuskript du einen verlag suchst, könnte ich dir vielleicht weiterhelfen.

schöne grüße
ann

Hi!

Ergänzend zu den Ausführungen von Ann, der ich nur zustimmen kann, vielleicht noch ein Hinweis in Richtung Kosten - auch und gerade für Veröffentlichungen per Digitaldruck (wie BoD u.a.):

Wenn für die Veröffentlichung* mehr als 400 Euro verlangt werden, dann tritt das Angebot in die Tonne.
Für die Abnahme von Autorenexemplaren sollte nicht mehr als 60% des Ladenverkaufpreises verlangt werden.
Sonderleistungen wie Layout des Textblockes, des Umschlages, Korrektorat usw. kommen jeweils extra.

*Veröffentlichung = Aufnahme des Manuskriptes in das Produktions-Portfolio des Anbieters, d.h. Einspeisung von Text- und Umschlagdaten in die Digitaldruckmaschinen sowie Meldung des Titels ans VLB, bei Libri, bei diversen Online-Buchhändlern (z.B. Amazon).

Wenn du mehr wissen willst, Email reicht. Ich habe mal ein privates Taschenbuch über BoD herstellen lassen, das war eine bebilderte Biographie zum 70. Geburtstag meiner Mutter (Auflage 50 Stück). Während der Arbeit an dem Buch habe ich eine Menge über den digitalen Buchdruck, über BoD und andere Unternehmen gelernt.

Grüße
Heinrich

Hinweis:

Für Mini-Auflagen bis ca. 100 Ex.,
A5 oder A4 oder A4 beschnitten,
reicht vollkommen der Laserdruck.
In guten Kopier-Läden wird die
Papier-Vorlage oder die Diskette oder die CD
vollautomatisch ausgelesen und auf einer
ca. 6 m langen Kopierstrasse gedruckt.
Mit Klebebindung und schönem Umschlag
hast Du ein vorzeigbares Ergebnis.
Nachdruck jederzeit möglich,
just in time bzw. BookOnDemand.

Verlagsnamen und ISBN?
Lass Dir was einfallen :wink:
z.B. United World Publishers
New York - Berlin - Castrop-Rauxel

gerngeschehn:stuck_out_tongue:it

Hallo Ann,

ich freu mich immer über fundierte
umfassende und korrekte Antworten.
Daher besternt.
Wenn Du jetzt noch die Shift-Taste
Deines Keyboards reparieren lässt: perfekt :wink:
Noch sympathischer, dass Du plaziert
ohne tz schreibst, muss ich mal numerieren.

mfg:stuck_out_tongue:it
(ex-Verleger)

hi pit aus charlottenburg,

Wenn Du jetzt noch die Shift-Taste
Deines Keyboards reparieren lässt: perfekt :wink:

ich darf so schreiben, wenn ich feierabend habe :smile:

Noch sympathischer, dass Du plaziert
ohne tz schreibst, muss ich mal numerieren.

DAS dürfte ich eigentlich nicht schreiben, da hast du recht. aber als exverleger kennst du ja sicher den unterschied zwischem lektorat und korrektorat.

herzliche grüße aus spandau
ann

Rückfrage
Hallo Ann,

es gibt nur 2 ausnahmen, in denen seriöse unternehmen
zuschüsse für das buchdrucken nehmen:

  1. wenn es von vornherein ersichtlich ist, daß dieser verlag
    eigentlich eine bessere druckerei ist, d.h. geld für die
    dienstleistung, ein buch zu drucken verlangt. das ist
    genau so zu bewerten, als ob du dir visitenkarten drucken
    läßt. der einzige unterschied ist, daß ein buch mehr seiten
    hat.

  2. ausnahme: es ist ein verlag, der sich auf das verlegen sehr
    besonderer wissenschaftlicher werke spezialisiert hat. die
    auflagen dabei sind so klein, daß sie die herstellungskosten
    eines buches nicht decken können. solche verlage verlangen vom
    autor auch einen druckkostenzuschuß. allerdings wissen das die
    autoren vorher. solch ein verlag würde aber nie so tun, als
    fördere er selbstlos junge literaten!

Nur um des korrekten Verständnisses Willen: Bedeutet das, dass KEIN seriöser Verlag JEMALS versuchen würde, das finanzielle Risiko, das der Druck/Vertrieb/etc. eines Buches mit signifikanter Auflage sich bringt, zu teilen?
Falls das so ist, finde ich es aus betriebswirtschaftlicher Sicht recht skurril, denn schließlich ist der Autor jemand, der potenziell an dem Buch Geld verdienen kann und insofern ist auch der Gedanke nahe liegend, dass er sich am Risiko der Investition beteiligt.
Außerdem habe ich beispielsweise auf der Website des Hauses der Literatur Artikel gesehen, die es offenbar als normal ansehen, dass der Autor zunächst zuzahlt.
Neugierig auf erhellende Antwort
lg
F.

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hallo fredun,

jetzt habe ich dir aus versehen ein sternchen gegeben :smile:

Nur um des korrekten Verständnisses Willen: Bedeutet das, dass
KEIN seriöser Verlag JEMALS versuchen würde, das finanzielle
Risiko, das der Druck/Vertrieb/etc. eines Buches mit
signifikanter Auflage sich bringt, zu teilen?

genau so ist es. mit den 2 ausnahmen, von denen ich schrieb.

Falls das so ist, finde ich es aus betriebswirtschaftlicher
Sicht recht skurril, denn schließlich ist der Autor jemand,
der potenziell an dem Buch Geld verdienen kann und insofern
ist auch der Gedanke nahe liegend, dass er sich am Risiko der
Investition beteiligt.

der autor hat ja schon sehr viel investiert, in den er das manuskript geschrieben hat. das ist eine schwere und langwierige arbeit - ein jahr oder mehr oft - von den vorbereitungen wie z.b. aufwendiger recherche und den kosten dafür mal ganz zu schweigen.

der verlag kauft - nicht anders als ein bäcker sein mehl - den „rohstoff“ manuskript ein. welcher bäcker würde den müller an den produktionskosten für brötchen beteiligen wollen?
(außerdem: hier scheidet sich schon die spreu vom weizen: für einen seriösen verlag ist das manuskript nämlich erst die backzutat, die zusammen mit lektorat, titelgestaltung, werbung, vertrieb u.v.m. das produkt buch ergibt. der zuschußverlag behandelt ein manuskript wie ein endprodukt, das notwendigerweise - quasi zur verpackung - zwischen pappdeckel gefaßt wird. und fertig. wenn dein bäcker dir ein pfund mehl und vielleicht noch die tüte geben würde und behauptete, das wäre ein brot, würdest du ihn wahrscheinlich blöd angucken.)

aber verleger - und ich spreche jetzt von den seriösen - sind ja auch nicht blöd. sie wissen schon, wie sie ihr geld machen können. ´sie werden natürlich ihr unternehmerisches risiko so weit wie möglich versuchen zu minimieren.
wenn zum beispiel ein verlag mit einem autor einen vertrag über einen hardcover macht, dann hat er zuvor die taschenbuchrechte (oder auslands- oder filmrechte o.ä.) schon weiter verkauft. und zwar meist zu einem preis vom 1,x-fachen der produktionskosten inkl. vorschuß für den autor (ja, so gehts nämlich auch! der autor zahlt nix vorweg, sondern BEKOMMT etwas!)
natürlich stellt ein unbekannter autor ein weit größeres risiko für den verlag dar. deshalb wird er auch kaum einen garantievorschuß bekommen und von den laufenden verkäufen nur um die 6 %. somit hat der verleger auch schon wieder risikominimierung betrieben. er hat eben eine neue ware in seinem programm und es wird sich erst noch zeigen müssen, ob die sich bezahlt macht.

Außerdem habe ich beispielsweise auf der Website des Hauses
der Literatur Artikel gesehen, die es offenbar als normal
ansehen, dass der Autor zunächst zuzahlt.

ich gebe zu, der name „haus der literatur“ weckt hochtrabende erwartungen. aber dahinter steckt genau das: ein zuschußverlag names „von goethe“.
tja, wer fragt da noch? mit DEM namen müssen die ja ahnung von literatur haben, oder was :wink:

die wahrheit ist: laß die finger davon. der wohlklingende name ist der marketingtrick. dahinter verbringt sich ein industriezweig, der guten gewinn daraus zieht, schreiben und veröffentlichen wollenden menschen das geld aus der tasche zu ziehen.
wobei ich sogar sagen muß, daß die „wie-lerne-ich-schreiben“-bücher von cornelia von goethe gar nicht mal schlecht sind. das sind 14,- oder 21,- oder werweißwieviel, die man mal riskieren kann. nicht aber zigtausende von €s für ein fernstudium, das vorgaukelt, man sei danach so eine art „staatlich geprüfter schriftsteller“, womöglich noch mit festanstellungsgarantie. und august von goethe zockt dann nochmal ab, indem er sich das drucken der ergüsse des „diplomierten“ schriststellers sehr gut bezahlen läßt.

Neugierig auf erhellende Antwort

ich hoffe, die hast du bekommen.

noch ein tipp: alles, wo es heißt „verlag sucht manuskripte“ oder „verlag sucht autoren“ ist ein zuschußverlag. ein nicht-zuschußverlag muß nämlich keine manuskripte suchen. er kann sich vor manuskripten nämlich nicht retten. die bekommt er dutzend und hundertfach jede woche ungefragt ins haus geschickt.

tipp 2: oft ist es sinnvoll, einen literatur-agenten einzuschalten. der kennt sich in der branche aus und weiß, welcher verlag was sucht. ja, auch er bekommt geld für seine leistung. aber erstens auch erst nachdem für den autor geld geflossen ist und zweitens hat er es dann auch verdient.

schöne grüße
ann

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hallo fredun,

jetzt habe ich dir aus versehen ein sternchen gegeben :smile:

Hi Ann, dafür ist mein Sternchen Absicht :smile:

Neugierig auf erhellende Antwort

ich hoffe, die hast du bekommen.

Ja, vielen Dank! Werde mit meinem Manuskript Verlage mit solchen Praktiken meiden.

tipp 2: oft ist es sinnvoll, einen literatur-agenten
einzuschalten. der kennt sich in der branche aus und weiß,
welcher verlag was sucht. ja, auch er bekommt geld für seine
leistung. aber erstens auch erst nachdem für den autor geld
geflossen ist
und zweitens hat er es dann auch verdient.

Kannst Du einen empfehlen?
lg
F.

du hast post (o.w.t.)
wirklich!

schön, dass es doch solch eine rege resonanz auf diesen Artikel gab.
Ichhabe nun begriffen, dass Zuschussverlage doch nicht ganz seriös sind. Ausserdem habe ich inzwischen erfahren, dass eine Seite, die ich selber schreibe und dann in einer Anthologie veröffentlichen möchte ca. 33 Euro kostet.Ich wollte den Verlag nicht kaufen , sondern nur doch ein Manuskript anbieten. Da mein Buch aber etwa 600 Seiten hat, wäre das ein Preis von 19800 Euro !!! Nicht schlecht.
Doch wer kann sich das leisten?
Na ja, war ein versuch.

hallo bernhard,

den link habe ich heute erst bekommen. lesenswert!
er unterscheidet ganz klar zwischen den verschieden arten von „verlagen“ und erklärt das warum: http://www.autoren-magazin.de/zuschussverlage_u.a._u…

aber nochwas: die alternative zum zuschuß- oder selbstverlag wäre, das manuskript wieder und wieder zu bearbeiten - bis es gut genug ist für einen „richtigen“ verlag :wink:

schöne grüße
ann