Hallo Ihr Forumer!
Mein Freund leidet unter starken Verlassenheitsängsten und denkt in vielen Situationen immer sofort an ein Ende unserer Beziehung, obwohl von beiden Seiten aus kein Ende in Sicht ist. Wir sind im Prinzip sehr glücklich miteinander und sagen uns dass auch gegeseitig, doch diese Ängste kommen manchmal wieder bei ihm hoch und hemmen ihn darin sein Glück mit mir einfach zu genießen. Er macht sich meiner Meinung nach völlig unnötig Sorgen!
Was kann man denn da machen? Gibt es von eurer Seite aus Tip´s an meinen Freund, wie er mit diesen Ängsten besser umgehen kann oder sie gar vertreiben könnte. Und vielleicht auch Tip´s an mich, wie ich mich in seinen Angstattacken ihm gegenüber verhalten soll?
Vielleicht leidet ja jemand unter euch unter dem gleichen Problem…
ich freue mich von euch zu hören.
Liebe Grüße!
Hi,
Ich bin nicht wirklich ein Experte und habe auch noch nicht so viel Erfahrung mit Psychologie aber wenn ich es richtig interpretiere dann könnte es ein generelles Problem von deinem Freund sein Vertrauen aufzubauen. Die Angst könnte somit sehr direkt etwas mit Vertrauen zu tun haben und das muss noch nicht einmal etwas mit dir zu tun haben. Mir hat man vor kurzem einmal die Frage gestellt wem ich vertraue. Eine ehrliche Antwort darauf zu finden ist gar nicht so leicht.
Ist vielleicht ein Ansatzpunkt für dich
Viele Grüße
Me
Hallo,
wirklich arge verlustängste können auf die kindheit zurück gehen mit etwa 2 - 4 (?) jahren hat ein kind angst, dass seine eltern es verlassen… wenn diese ängste bestätigt werden treten sie bei späteren beziehungen wieder auf…
ne andere möglichkeit wäre ein niedriges selbstbewusstsein… wenn er alles was er zu dir sagt als falsch empfindet… was du sagst, gleich negativ gegen ihn auffasst
andernfalls denk ich, dass verlustängste (wenn nicht wirklich extrem) nicht so wahnsinnig schlimm sind da sie eigentlich in einer gewissen weise zu ner beziehung gehören…
lg
Guten Morgen!
Erstmal vielen Dank für eure Beiträge.
Ich denke das diese Änste aus der Vergangenheit stammen und bestimmt auf frühere Enttäuschungen zurückzuführen sind. Und jetzt werde ich immer mit dieser Person verglichen, die ihn damals verlassen hat, aber ihm immer wieder klar zu machen, dass ich nicht sie bin, ist auf Dauer echt schwierig.
Heute Abend bin ich z.B. „alleine“ auf eine Party eingeladen und er hat sofort ein ungutes Gefühl dabei und ich hab das Gefühl mich ständig rechfertigen zu müssen. Aber nur weil er mal nicht dabei ist, heißt das doch nicht das ich mich sofort auf den Nächstbesten stürze.
Wie besänftigt man denn am besten eine solche Person, was will er hören, außer das ich ihn liebe und nicht verlassen werde???
Liebe Grüße!
Guten Morgen Joanne!
Wie besänftigt man denn am besten eine solche Person, was will
er hören, außer das ich ihn liebe und nicht verlassen werde???
Ich fürchte, dass, egal, was du tust oder sagst, dies nicht besonders weit reichen wird. Seine Ängste werden ja nicht durch äußere Faktoren, also dich und dein Verhalten, ausgelöst, sondern kommen aus seinem Innern. Daraus folgt eigentlich, dass sie grundlegend auch nur aus ihm selbst heraus gelöst werden können. Diesen Mangel, den er anscheinend in sich spürt, von außen „stopfen“ zu wollen, kommt vermutlich einem Fass ohne Boden gleich.
Ich vermute auch, dass die „Wurzeln des Übels“ in der Vergangenheit liegen und zwar weit in der Vergangenheit, irgendwo in seiner Kindheit. Meiner Ansicht nach hilft am ehesten eine Bereitschaft seinerseits, sich mit seinen Ängsten auseinanderzusetzen, ihre Gründe aufzuspüren und Selbstbewußtsein und Selbstliebe aufzubauen.
Grüße,
Christiane
Hi Ninquelote!
Meiner Ansicht nach hilft am
ehesten eine Bereitschaft seinerseits, sich mit seinen Ängsten
auseinanderzusetzen, ihre Gründe aufzuspüren und
Selbstbewußtsein und Selbstliebe aufzubauen.
Ja ich glaube du hast da sehr recht. Er hat auch schon gesagt, das das Problem bei ihm liegt und er sich darum kümmern muß daran was zu ändern. Und er zeigt sich da auch bereit dazu, denn er meint selbst: Wenn man in einer Beziehung steckt und mehr als nötig ans Verlassenwerden denkt, dann kann man sie auch gleich bleiben lassen.
Nur wie kann ich ihm da helfen? Ich kann ich ja nicht quasi sagen:„das ist dein Problem, ich hab da nichts mit zu tun!“
Diesen Mangel, den er anscheinend
in sich spürt, von außen „stopfen“ zu wollen, kommt vermutlich
einem Fass ohne Boden gleich.
Nur diesen Satz verstehe ich nicht ganz, was du damit meinst „von außen zu stopfen“ - Vielleicht kannst du darauf nochmal eingehen.
Machs gut…Ciao!
hi joanne,
doch, das kannst du.
sein selbstwertgefühl ist am boden und müsste mit eventuell professioneller hilfe gestärkt werden.
du kannst ihn lediglich unterstützen, denn du bist partnerin, nicht seine mutti.
strubbel
§
)
Hallo Joanne!
Nur wie kann ich ihm da helfen? Ich kann ich ja nicht quasi
sagen:„das ist dein Problem, ich hab da nichts mit zu tun!“
Wie strubbel schon schreibt: Du kannst ihn unterstützen, aber du kannst ihm nicht helfen im Sinne von „ihm etwas abnehmen“ oder „seine Probleme direkt beeinflussen“. Unterstützen heißt z.B. für ihn da sein, gesprächsbereit zu sein, generell Zuwendung zu signalisieren etc., es heißt aber auch: auf sich selbst und die eigenen Bedürfnisse achten und sie auch respektieren, Grenzen setzen, aufpassen, nicht seine Verantwortungen zu übernehmen. Damit ist ihm nämlich nicht geholfen. Du bist ja seine Partnerin und willst es vermutlich auch bleiben und nicht in eine Mutter- oder Laientherapeutinnenrolle „abrutschen“. Dann ist die Partnerschaft nämlich auf die eine oder andere Weise früher oder später garantiert flöten.
Abgesehen davon kannst du die Therapeutinnenrolle gar nicht effektiv erfüllen, da du a) Teil des „Systems“ und somit persönlich betroffen und nicht neutral und außenstehend bist und b) es dir an entsprechender professioneller Erfahrung und Wissen mangelt.
Am effektivsten und schnellsten kommt er seinen Ängsten wahrscheinlich wirklich auf die Spur, wenn er sich professionelle Unterstützung bei einem Therapeuten holt. Wozu bezahlt man schließlich seine KK-Beiträge? 
Diesen Mangel, den er anscheinend
in sich spürt, von außen „stopfen“ zu wollen, kommt vermutlich
einem Fass ohne Boden gleich.Nur diesen Satz verstehe ich nicht ganz, was du damit meinst
„von außen zu stopfen“ - Vielleicht kannst du darauf nochmal
eingehen.
Ich meine damit so etwas in der Art: Wenn jemand keine (oder nur geringe) Liebe zu sich selbst verspürt, so kann sie ihm nicht von außen gegeben werden. Wenn er sich selbst nicht für liebenswert hält, findet Liebe, die ihm von jemand anderem (also von außen) entgegengebracht wird, keinen Widerhall in seinem Innern und „versickert“.
Sagen wir mal sein Bild von sich selbst ist, dass er nicht liebenswert ist und es deswegen sowieso gerechtfertigt und „normal“ wäre, ihn plötzlich für jemanden anderen (der halt im Gegensatz zu ihm selbst von ihm als liebenswert gesehen wird) zu verlassen, dann ist dieses Bild erst einmal so stark, das es sozusagen den Raum einnimmt, den eigentlich seine Liebe zu sich selbst einnehmen sollte. Diese Selbstzweifel und Selbstherabwürdigungen müssen erst einmal „abgebaut“ werden, bevor überhaupt „Platz“ da ist, sich selbst zu mögen und Liebe von jemand anderem tatsächlich auch annehmen zu können.
Sorry, das klingt jetzt ein bisschen holprig und ist auch nicht ganz stimmig, aber ich bekomme es gerade nicht besser formuliert.
Schönen Gruß,
Christiane