Hallo Christoph,
das Problem der deutschen Bildung ist doch wie so vieles in D.
die staatliche Einflußnahme.
jepp.
Private Hochschulen machen es doch auch hierzulande vor, dass
der Markt besser als der Staat funktioniert. Als Beispiel
seien die WHU und die EAP genannt.
Darüber kann man streiten
. Eine Hochschule kann man erst dann als funktionierend betrachten, wenn etliche Generationen Studenten und Lehrer durch das System gegangen sind. Zu „gut funtionieren“ gehört auch Nachhaltigkeit. Ausserdem ist eine Ein-Fakultäten-Hochschule nicht mit einer Universität zu vergleichen.
BTW: Heute war ein nettes Zitat in der SZ.: (SZ 15.1.2004) http://www.sueddeutsche.de/jobkarriere/berufstudium/…
**** Cooney fällt dazu eine Anekdote über Leland Stanford ein, den kalifornischen Eisenbahnbaron des 19. Jahrhunderts. Bevor er die nach ihm benannte Hochschule gründete, erkundigte er sich bei dem damaligen Harvard-Präsidenten Charles Eliot, was man denn für eine Weltklasse-Universität brauche. „Zwanzig Millionen Dollar“, erwiderte Eliot. „Ok, kein Problem“, meinte Stanford. „Und etwa hundert Jahre Zeit“, fügte Eliot hinzu. Cooney lässt die Worte wirken, bevor er schelmisch die Pointe präsentiert: „Manchmal geht es freilich auch schneller. Stanford hat es schon in 70 Jahren geschafft.“ *****
Absolventen dieser
Hochschulen haben zu einem hohen %-Satz bereits vor dem
Abschluß einen Job.
Einen Job zu haben oder nicht zu haben sagt nichts über Elite oder nicht aus, Sorry. Entscheidend ist, um welche Jobs es sich handelt.
Woran liegt das?
Zum einen sicherlich an der internationalen,
praxisorientierten von Praktika durchzogenen und dennoch
wissenschaftlich ausgerichteten Ausbildung, zum anderen aber
auch an dem excellenten Netzwerk, dass sowohl die
Hochschullehrer als auch die Alumni-Organisation zur Verfügung
stellen.
Du darfst nicht den Fehler machen von WiWi auf andere Fächer zu schliessen. Praxisorientierung ist in BWL ganz klar zwingend erforderlich. Wo soll man aber Elementarteilchenphysik in der Industrie machen? Die freie Wirtschaft ist eine Facette unseres Geminwesens, aber nicht alles.
Diese Schulen weisen eine große Gemeinsamkeit mit
„US-Eliteuniversitäten“ auf. Private Finanzierung über
Studiengebühren, die übrigens einen verschwindend kleinen
Anteil ausmachen, da sie dazu da sind die laufenden Kosten der
Hochschule zu decken, und „Donations“ Spenden der Alumni und
der Unternehmen denen sie im Zweifelsfall vorstehen, sind der
Kern der Finanzierung.
Ähnlichkeiten: Ja. Aber soweit ich das sehe, bei weitem nicht ein vergleichbares eigenes Vermögen. Das macht erst die Unabhängigkeit der US-Elite-Unis möglich. Zudem hat die deutsche (!) Wirtschaft ein ganz anderes Interesse den eigenen Führungsnachwuchs zu fördern als z.B. in der Physik, Chemie, Biologie, Philosophie und Geschichte. Auch hier scheint es große kulturelle Unterschiede zwischen Europa und den USA zu geben. Soziale Verantwortung ist für die US-Elite eine wichtige Aufgabe (auch wenn es natürlich auch zahlreiche Ausnahmen gibt). Bei uns achtet man mehr auf das eigene Gehalt und die eigenen Steuervorteile, soziale Aspekte werden deligiert: hier sind der Staat und die Kirchen zuständig.
Harvard z.B. hat ein Nettovermögen von
irgendwas über 20 Mrd. US$. Damit kann man schon mal die ein
oder andere Investition tätigen.
Zum Vergleich: **** Münchens Ludwig-Maximilians-Universität hatte 2002 einen Etat von 353 Millionen Euro.Im vergangenen, relativ schlechten Jahr erwirtschafteten allein die beiden „Money Managers“ von Harvard einen Ertrag von mehr als zwei Milliarden Dollar an der Börse. ***(SZ 15.1.2004) http://www.sueddeutsche.de/jobkarriere/berufstudium/…
Dabei ist die LMU Deutschlands forschungsstärkste Uni (http://ed.sjtu.edu.cn/rank/rank-2003.mht) …
In Deutschland ist die Elitenbildung seit dem Versagen
derselben im zweiten Weltkrieg verpönt;
Nicht nur das. Die Forschung hat sich von den Katastrophen des 1. Weltkrieges und des Naziregimes nie wieder erholt. Zunächst verwundert das kaum, das etwa 50 Jahre nach dem Wirtschaftswunder noch keine sichtbaren Ergebnisse da sind (Wenn wir dort den Neustart der deutschen Bildung und Forschung setzen wollen). Stanford benötigte auch 70 Jahre, um eine Spitzenuniversität zu werden - und das bei wesentlich besserer Ausstattung. Ähnlich lange hat die ETH Zürich seit ihrer Gründung 1855 gebraucht.
Allerdings steht bei der aktuellen Forschungs- und Bildungspolitik auch nicht zu erwarten, dass sich eine deutsche Uni zu einer Welt-Spitze-Uni entwickelt.
die dauernde
Penetration der SPD mit „Bildung für alle“ und der ewigen
Gleichmacherei haben das übrige dazu beigetragen. Es ist eben
nicht jeder gleich, nicht jeder ist mit Hilfe einer tollen
Ausbildung in der Lage eine Nation/Unternehmen/Non-Profit
Organisation/etc.pp. zu führen. Es gibt eben Menschen die dazu
besser geeignet sind als andere. Diese zu finden und von
besonders qualifizierten Menschen ausbilden zu lassen sollte
auch ein gesellschaftliches Ziel sein. Das diese „Elite“ nicht
notwendigerweise auch über viel Eigenmittel zur Finanzierung
der Ausbildung verfügt ist völlig klar und daher muß das
Stipendiatenwesen in D massiv ausgebaut werden (Unternehemen
und Staat) sowie Banken können dazu übergehen, Ausbildung an
bestimmten Unis als Vermögenswert anzusehen und alleine darauf
niedrig verzinste Kredite zu gewähren. Meinetwegen auch
staatlich gefördert.
ja.
Ohne Eigenverantwortung der Universitäten, ohne
Sanktionsmöglichkeiten der Hochschule gegen das Lehrpersonal
und Studenten wird sich nie eine Elite (auch der Lehrenden)
bilden können. Amtlich verordnet sowieso nie. Leider wird das
die jetzige Regierung niemals begreifen.
Ja und Nein. Sanktionen sind der falsche Weg. Wesentlich wichtiger ist das (Uni-)Betriebsklima und die Unikultur. Auch mit Sanktionen läßt sich nichts gegen den Dienst nach Vorschrift machen. Exzellenz ist ja gerade das Herausragende, Nicht-Alltägliche und Nicht-Einklagbare ohne das hier jemand mit $$$$$ oder der Peitsche winkt. Sanktionen führen jedoch gerade dazu, dass genau das getan wird, was in den Vorschriften steht (negative Sanktionen) bzw was getan werden muß, um die entsprechende Zulage zu erhalten (positive Sanktionen). Beides ebnet den Optimierern, Seilschaften und dem Mittelmaß den Weg.
Man sollte bei dieser Diskussion auch sagen, dass es bei Elitenbildung nicht nur um fachliche Leistung geht, sondern auch um die leider altmodische Herzensbildung. Dazu gehört z.B. auch Offenheit für Neues und soziales Engagement, was in einem rein auf Fachleistung getrimmten System wie in D völlig zu kurz kommt. Die Vermittlung der Dschungelmentalität (jeder ist sich selbst der Nächste) gehört IMHO nicht zur Elitebildung. Zur Elite zu gehören bedeutet nämlich auch, dass die Frage „Was kann ich für die Gemeinschaft tun?“ im Vordergrund steht und nicht „Wie optimiere ich meinen Geldbeutel?“. Genau das wollte Marco mit seinem Bush-Beispiel ausdrücken. An dieser Stelle gibt es in den USA eine ganz andere Kultur als bei uns (Auch wenn die ).
Aufgrund der kulturellen Unterschiede und fehlenden Nachhaltigkeit der deutschen Politik wird es noch sehr lange dauern, bis es in D Elite-Unis geben wird.
Ciao R.