Etikettenschwindel
Hallo,
nun, die Sache mit dem Geld: Wahrscheinlich soll ein neuer Sparzwang als nächstes als Elite-Bildung verkauft werden, da hast Du recht. Das hat aber mit Elite herzlich wenig zu tun, sondern etwas mit Marketing. Die letzten Preiserhöhungen bei der Deutschen Bahn wurden uns ja auch als Sparpreise verkauft.
Der Standart der Eliteunis leidet nicht, falls sie tatsächlich
mehr Geld kriegen sollten, da hast du recht, *aber*
der Durchschnitt der Gesamtbildung (da gehören dann
nämlich auch die Verliererunis dazu) wird sicherlich
viel weniger Geld kriegen als bisher.
(1) Bei gleichbleibendem Etat wird es keine Eliteunis geben. Auch wenn man andere Unis auflöst. Selbst die guten deutschen Unis leben im Moment auf Pump, d.h. notwendige Investitionen werden hinausgezögert usw. Die Trennung in gute Unis und schlechte Unis haben wir in D längst. Diese Aufspaltung ist schon lange Tatsache, sie war nur lange aufgrund fehlender Ranking nicht so auffällig.
(2) Ausserdem darf man nicht vergessen, dass Eliteunis über weit über ihren eigenen Bedarf ausbilden. D.h. man hat auch in anderen Bereichen gut ausgebildete Leute, sodass insgesamt der Standard steigen dürfte. Ich sehe deshalb eine positive Rückkopplung auf die anderen Universitäten. Geld alleine bewirkt nämlich wenig.
Es reicht also nicht aus ein „gutes System“ politisch zu
verordnen. Man muss auch noch die richtigen Persönlichkeiten
gewinnen, um ein stimulierendes Klima zu schaffen.
Der Herr Müssteman hat ziemlich viel zu tun, nicht wahr?
Hat er. Schade ist nur, das viele (besonders Politiker) von Eliteunis sprechen, ohne je selbst an einer gewesen zu sein. Das fördert natürlich die Phantasie …
Ernst: müsste man gewinnen, funktioniert nur, wenn *viel*
Geld da ist. Geld ist in Amerika. Da gehen die ganzen
deutschen Forscher hin. Du glaubst doch nicht, dass
Amerika ohne das Einkaufen von ausländischen Spitzen-Forschern
so weit vorne läge, oder?
Es ist nicht nur das Gehalt (Natürlich ist es ein Faktor, aber eben nicht der einzige). Du darfst Dich auch von den Gehälter nicht täuschen lassen. Das Leben ist auch in den USA teuer, jedenfalls dort, wo gute Unis sind. Dazu kommt natürlich, das man einem US-Prof das Gehalt auch gönnt, während sich die faule Professoren-Sau in D auch noch dafür rechtfertigen muss, für ihren „8-h-Job“ auch noch ein Akademikergehalt zu verlangen.
Kurz es ist die ganze Unikultur. In D haben wir längst eine „Elite“ an den Unis. Nämlich diese Elite, die eigentlich keiner will: Filz, ohne Vitamin B läuft wenig. Können ist oft nur ein sekundärer Faktor. Wichtiger ist der richtige „Stall“ aus dem ein Wissenschaftler kommt. Mit Leistungselite hat das nichts zu tun.
Das ist wie im Fussball, da hat auch der Verein die
besten Spieler, der sie sich leisten kann.
In D nicht. In D ist das eher wie in Sizilien. Wen der Patron mag und wer dem Patron in die Quere kommt …
Die Gegenargumente gegen Eliteunis, die ich von studentischer
Seite gehört habe, sind eher aus der Angst geboren, selbst
nicht zur Elite zu gehören.
Meinst Du Bildungs- oder Geld-Elite ?
Beides. Nicht die Elitebildung bekommen zu haben bedeutet nämlich später nicht den Elitejob zu haben. Bezeichnenderweise geht auch den Studenten um die (zukünftige) Pfründe. Insofern ist die Argumentation ziemlich deutsch. Man könnte ja auch sagen: „Eliteunis ermöglichen es den Besten eines Jahrgangs das beste Studium und die besten Jobs. Vielleicht schaffe ich das ja, wenn ich mich anstrenge.“ Aber auf das Prinzip Leistung mag sich in D so recht keiner verlassen. Sich einer Evaluation oder einer Leistungskontrolle zu unterwerfen, gefällt hier den wenigsten, seien es nun Studenten oder Professoren.
Ciao R.