Verlierer-Unis

Hallo,

die deutsche Regierung meint ja, Universitaeten
in Elite- und Verlierer-Unis trennen zu müssen.

Was haltet Ihr als Experten davon?

Nützt das tatsächlich den Elite-Unis?

Inwiefern wird der Gesamtbildungsstandart
darunter leiden? Leidet er überhaupt, oder
wird der Durchschnitt sogar besser?

Gruss, Marco

Hi!

die deutsche Regierung meint ja, Universitaeten
in Elite- und Verlierer-Unis trennen zu müssen.

Ich denke, es soll eher eine Trennung in Elite- und Normalunis erfolgen.

Was haltet Ihr als Experten davon?

Ich bin zwar kein Experte für Hochschulwesen, denke aber dass eine Fokussierung einzelner Institutionen auf eine sog. Elite kein Fehler sein kann.
Parallel auch die Standards der „normalen“ HOchschulen zu verbessern sollte natürlich weiterhin ein Ziel sein.
Wichtig ist es bei diesem Thema zu sehen, dass die Standards nicht von irgendwelchen rot-grünen deutschen Politikern gesetzt werden, sondern durch den internationalen Vergleich. Es besteht massiver Wettbewerb, den Deutschland auf höchstem Niveau für sich entscheiden sollte.

Nützt das tatsächlich den Elite-Unis?

Die Frage ist, ob Eliteunis dem Land nützen. Und das sehe ich so.

Inwiefern wird der Gesamtbildungsstandart
darunter leiden? Leidet er überhaupt, oder
wird der Durchschnitt sogar besser?

Natrülich leidet er nicht, sondern verbessert sich durch den härteren Wettbewerb der Unis untereinander.
Schließlich muss man ja nicht ein einziges mal die Eliteunis bestimmen und das dann festschreiben. Jede Uni kann an sich arbeiten und es anstreben, in den Reigen der Elite aufsteigen. Genauso können Eliteunis wieder zu Durschnitt werden.

Grüße,

Mathias

Als ob wir keine anderen Probleme hätten…
Hi!

die deutsche Regierung meint ja, Universitaeten
in Elite- und Verlierer-Unis trennen zu müssen.

Wieso „Verlierer-Unis“?

Was haltet Ihr als Experten davon?

Grundsätzlich bin ich dafür, da es langfristig dem Bildungsstandort Deutschland nutzen wird. Konkret finde ich es zzt. ziemlich frech von unserer Regierung, den Unis Stellen und Mittel zu streichen, dennoch Studiengebühren einzuführen (die nicht direkt an die Unis zurückfliessen) und dann auch noch öffentlich zu diskutieren, Elite-Unis einzurichten, die dann mehr Mittel bekommen…
Wie gesagt, den Ansatz finde ich gerechtfertigt, zzt. müssen aber erst einmal die Probleme der „normalen“ Unis gelöst werden, bevor man über grosszügige Mittelverteilung an „Elite“-Unis spekuliert!

Nützt das tatsächlich den Elite-Unis?

Sicher, da sie mehr Kohle und einen guten Ruf kriegen (in wiefern das gerechtfertigt ist, sei dahingestellt…). Und dem Bildungsstandort Deutschland insgesamt natürlich auch.

Inwiefern wird der Gesamtbildungsstandart
darunter leiden? Leidet er überhaupt, oder
wird der Durchschnitt sogar besser?

Ich denke nicht, dass der gesamte Bildungsstand leiden wird. Warum denn? Nur, wie gesagt, zuerst mal müssen die konkreten Probleme der Unis gelöst werden, bevor man über sowas spekuliert!

Grüße an die Elite und alle anderen! :wink:)
Iceman

Hallo Marco,

was mich hier ankotzt, ist einmal mehr der Versuch, über staatliche Maßnahmen eine Elite zu erzwingen.

Elite kommt nicht durch den Prägestempel „Elite“ zustande, sondern alleine(!) durch Leistung.

Jede Hochschule sollte soviel Freiheit bekommen, dass sie auf ihrem Gebiet elitär werden kann, nämlich dadurch, dass sie dort besser agiert als der Rest (Ausstattung, Lehrkörper, Studenten).

Von außen verordnete Elite endet doch nur wieder in der selben „elitären“ Lächerlichkeit, in der z.B. Witten-Herdecke agiert.

Grüße
Jürgen

Hi Marco,

was hält Professoren davon ab, für ihrer Meinung nach gute Studenten Sonderveranstaltungen anzubieten, sie besonders zu fördern und zu fordern?
Eben - nicht.
Warum passiert das eher selten?

Eben - darum!

Es ist für diese Herren und Damen mehr Arbeit und wird darum kaum gemacht. Die paar Fälle, die mir bekannt sind, sind da eher die Bestätigung der Regel.

Eine dieser Ausnahmen (mir sehr gut bekannt :wink: )ist ein Prof, der ca. 3/4 seines Etats über Drittmmittel einwirbt und Studis, die er regelrecht anwirbt, gute Arbeitsbedingungen bietet.
Wohlgemerkt, er arbeitet schon mit Studis zusammen, nicht erst mit Diplomanden oder Doktoranden.
Es gibt Seminare (freiwillige, ohne offiziellen ‚Schein‘), Projektarbeit, etc.

Der Lohn dieser Aktion:
Gut 100 Doktoranden (noch mehr Diplomanden und eine große Zahl von Post-Docs) in den letzten 20 Jahren und von denen wurden etwa 10 inzwischen irgendwo auf der Welt Professor.

Du siehst, beim entsprechenden Engagement der Lehrenden geht das auch heute schon mit der Elite. Übrigens ist dieses Wort in diesem Kreis angenehmerweise nie gefallen bzw. ich hab es so nie gehört.

Gandalf

Zähneputzen und Rasieren
Hallo.

ich habe das Gefühl, die Bundesregierung denkt nur zwischen dem morgentlichen Zähneputzen und Rasieren.

Elite per Dekret - na ja… [siehe meine Vorredner]

Vielmehr denke ich, dass die verschiedenen Universitäten in Deutschland in ihren verschiedenen Fakultäten jeweils Spitze [elitär] werden müssen.

Den Universitäten ist dass Geld so knapp, da muss endlich was passieren, so rauschen wir in Deutschland gen Talsohle mit hartem Aufschlag. [Beispiel: Die UNi Leipzig hat zwwischen Weihnachten und Neujahr ihr Haus geschlossen um Heizkosten und Stromverbrauch zu senken. Es ist kein Geld mehr da. Armes Deutschland.]

Christian

Hi!

die deutsche Regierung meint ja, Universitaeten
in Elite- und Verlierer-Unis trennen zu müssen.

Wieso „Verlierer-Unis“?

Was haltet Ihr als Experten davon?

Grundsätzlich bin ich dafür, da es langfristig dem
Bildungsstandort Deutschland nutzen wird. Konkret finde ich es
zzt. ziemlich frech von unserer Regierung, den Unis Stellen
und Mittel zu streichen, dennoch Studiengebühren einzuführen
(die nicht direkt an die Unis zurückfliessen) und dann auch
noch öffentlich zu diskutieren, Elite-Unis einzurichten, die
dann mehr Mittel bekommen…
Wie gesagt, den Ansatz finde ich gerechtfertigt, zzt. müssen
aber erst einmal die Probleme der „normalen“ Unis gelöst
werden, bevor man über grosszügige Mittelverteilung an
„Elite“-Unis spekuliert!

Genau das ist das Problem. Bei der jetzigen Mittelknappheit ist die Einführung von Elite-Universitäten ein Schlag ins Gesicht von Millionen Studenten der „normalen“ Unis, die von der Hand im Mund leben müssen.

Eine Errichtung von Elite-Unis ist IMO totaler Schwachsinn. Wenn den bestehenden Unis endlich mal das Geld gegeben werden würde, dass sie brauchen, um renomierte Forschung zu betreiben, dann würden unsere Fakultäten von alleine zu Institutionen mit Weltruf werden. Das einzige was gemacht werden sollte, ist, dass man den Wettbewerb zwischen den Hochschulen fördert (keine Zentrale Studienplatzvergabe usw). Denn dadurch werden die Hochschulen von alleine besser.
Eine Elite per Beschluss zu züchten, ist ja wohl nur noch dumm…

mfg
deconstruct

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Hallo,

ich halte eine Einführung von Elite-Universitäten für reinen Schwachsinn. Bei der jetzigen Mittelknappheit ist die Einführung von Elite-Universitäten ein Schlag ins Gesicht von Millionen Studenten der „normalen“ Unis, die von der Hand im Mund leben müssen.

Wenn wir den Unis generell mehr Geld geben, einen größeren Etat für Forschungsprojekte bereitstellen und den Wettbewerb zwischen den Unis fördern, dann löst sich das Problem von selbst.

Eine Uni die das nötige Geld für Forschung und Lehre hat, kann in der internationalen Liga mitspielen. Dazu brauchen wir keine Elite-Uni in die nur einige wenige Auserwählte und Politiker- und Vorstandsvorsitzenden-Söhnchen hineinkommen wie in den USA.

In den USA ist der Unterschied zwischen einem Abschluss einer normalen Universität und dem einer Elite-Universität ungefähr so groß, wie der zwischen einem Hauptschul-Abschluss und einem Abitur bei uns. Dies wurde mir schon in mehren Gesprächen bestätigt.

mfg
deconstruct

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Hallo,

Den Universitäten ist dass Geld so knapp, da muss endlich was
passieren, so rauschen wir in Deutschland gen Talsohle mit
hartem Aufschlag. [Beispiel: Die UNi Leipzig hat zwwischen
Weihnachten und Neujahr ihr Haus geschlossen um Heizkosten und
Stromverbrauch zu senken. Es ist kein Geld mehr da. Armes
Deutschland.]

Hier an der Uni Passau wurden seit Februar letzten Jahres keine Bücher mehr für die Bibliothek angeschafft, die Abendmensa wurde gestrichen usw.
Fakt ist, dass die Unis hier in Deutschland von der Hand im Mund leben. Die Mittelkürzungen sind das dümmste, was Politikern in den letzten Jahren eingefallen ist und die aktuellen Spekulationen über Elite-Unis sind ein Schlag ins Gesicht von jedem Studenten und jeder Uni in diesem Land.

mfg
deconstruct

Siegerunis
Hallo,

Inwiefern wird der Gesamtbildungsstandart
darunter leiden?

Der Standard wird unter mehr Geld sicher nicht leiden. Unter einem sinnvollen Elitegedanken erst recht nicht. Elite sollte hier als Leistungselite verstanden werden. Wir haben das in D aber auch in Europa bitter nötig. In meinen Augen wird mithilfe von EU-Fördermitteln auch sehr viel „Zonenrandförderung“ betrieben. Das ist notwendig, darf aber nicht als Exzellenz oder Elite verkauft werden.

Elite heisst aber auch, dass dieser Perosnenkreis einen entsprechenden Einfluss auf (forschungs-)politische Entscheidung hat. Darüber muss man sich im Klaren sein.

Leidet er überhaupt, oder
wird der Durchschnitt sogar besser?

Natürlich wird er besser, wenn man das mit der Elite richtig anpackt.

Die Politik sollte sich aber im Klaren sein, dass mehrere Faktoren für den Erfolg des Konzepts „Elitehochschule“ wichtig sind:
(1) Man muss wissen, was man mit Elite überhaupt meint. Dazu müssen die Fragen beantwortet werden: Was sind die Ziele und wie wird der Erfolg kontrolliert?
(2) Hat man die Ziele definiert, muss man sich überlegen, wie man sie erreicht. Ein Dekret „Die Uni XY ist ab heute Eliteuni“ nützt wahrscheinlich nichts, ein dicker Scheck hilft schon mehr, ist aber auch nicht ausreichend.
(3) Zeit und Kontinuität. Die heutigen Eliteunis wurden auch nicht an einem Tag erbaut. (Dieser Punkt widerspricht der heute üblichen kurzfristigen Forschungsförderung. Mit Abstaubererfolgen ist auf die Dauer keine Elite zu machen).

Es genügt übrigens nicht einmal die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen. Ein Beispiel dafür ist der ETH-Bereich in der Schweiz. Während die ETH Zürich als Elitehochschule durchgeht, kann man das von der ETH Lausanne kaum sagen. Auf den ersten Blick unterscheiden sich beide Hochschulen nur durch die „Amtssprache“. Blickt man hinter die Kulissen, sieht man, das die „Unternehmenskultur“ eine entscheidende Rolle spielt. Dazu gehört: Wer trifft die Entscheidungen? Wer trägt die Entscheidungen? Wie geht man mit Mitarbeitern um? usw.

Es reicht also nicht aus ein „gutes System“ politisch zu verordnen. Man muss auch noch die richtigen Persönlichkeiten gewinnen, um ein stimulierendes Klima zu schaffen. So ist beispielsweise in den Naturwissenschaften der Personalpool gar nicht so gross ist, wie man ihn gerne hätte. Man muss die Leute erst Ausbilden und an die Führungsaufgaben heranführen. Hier liegt die Crux der momentanen Bildungspolitik. Durch die Mittelkürzungen wird der Personalpool weiter verengt, sodass in einer spätern Ausbauphase (wollte man die Idee der Eliteunis in die Tat umsetzen) gar nicht das Personal da ist aus dem man bei Berufungen auswählen kann (Es gibt zuwenige Top-Wissenschaftler).

Die Gegenargumente gegen Eliteunis, die ich von studentischer Seite gehört habe, sind eher aus der Angst geboren, selbst nicht zur Elite zu gehören. In einem System, das Eliteunis hat, müssten sich viele mit dem Gedanken vertraut machen, für eine bestimmte Hochsschule „nicht gut genug“ zu sein. Momentan ist es ja so, das bestenfalls ein Behörde (ZVS) in die Studienortwahl eingreift. „Chancengleichheit“ bedeutet aber nicht, das alle Abschlüsse gleichwertig sein müssen, selbst wenn es auf dem Papier so aussieht. „Chancengleichheit“ bedeutet viel mehr, dass jeder die Chance hat, für seine Fähigkeiten eine angemessene Ausbildung zu bekommen.
Sollten eines Tages Studiengebühren erhoben werden, müsste deshalb über ein entsprechendes System der Begabtenförderung ein Ausgleich für die Gebühren geschaffen werden.
Eine Berufstätigkeit ist neben dem Studium an einer Elitehochschule nämlich nicht zu leisten (MBA und ähnliches vielleicht ausgenommen).

Ciao R.

Hallo!

Ich halte grundsätzlich nichts von „zwei-klassen-gesellschaften“.
Ich finde auch, dass man eher an den „normalen“ Unis die Elite fördern sollte.
Aber wenn man ewig immer wegürzt und streicht wird das natürlich nichts!
Ich finde es gar nicht schlecht, dass die Bundesregierung jetzt endlich schonmal ein wenig mehr Gedankengut in die Bildung investiert, denn schließlich muss erstmal was generelles in der Bildungspolitik und in der Bildung in Deutschland generell verändert werden, bevor man sich über so was wie Elite-Unis Gedanken machen kann, und bevor man sowas überhaupt verwirklichen kann!
Und vielleicht sollte man sich dann auch an den Standarts anderer Europäischer Länder orientieren, die in Bilungsstatistiken und Studien weiter vorne liegen, als Deutschland. Dann würden sie vielleicht auf den Trichter kommen, dass der Weg, den sie gehen, nicht zukunftstauglich ist!

MFG
Berlind

Hi,

Und vielleicht sollte man sich dann auch an den Standarts
anderer Europäischer Länder orientieren, die in
Bilungsstatistiken und Studien weiter vorne liegen, als
Deutschland. Dann würden sie vielleicht auf den Trichter
kommen, dass der Weg, den sie gehen, nicht zukunftstauglich
ist!

Umgekehrt wird ein Schuh daraus.
Unis in UK (Cambridge, Oxford, Imperial College, Univ. College London) und der Schweiz (ETHZ) liegen in Europa in der Forschung vor der besten deutschen Uni. Weltweit liegen dann noch die US-Eliteunis und z.B. die Tokyo University weiter vorne. (Forschungsranking: http://ed.sjtu.edu.cn/rank/rank-Europe.mht) Man kann über den Sinn und Unsinn solcher Ranking natürlich streiten, und es wird andere Rankings geben, die Tendenz ist aber klar. Bei den Top-Unis handelt sich um Institutionen, die in ihrem Land als Elite-Unis gelten.
Wenn man sich am Ausland orientiert kommt man also zu dem Ergebnis, das Eliteunis bessere Forschung machen.

Ciao R.

MFG
Berlind

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Mehr Geld glaubst Du doch selber nicht…

Hallo,

Inwiefern wird der Gesamtbildungsstandart
darunter leiden?

Der Standard wird unter mehr Geld sicher nicht leiden. Unter
einem sinnvollen Elitegedanken erst recht nicht.

Der Standart der Eliteunis leidet nicht, falls sie tatsächlich
mehr Geld kriegen sollten, da hast du recht, *aber*
der Durchschnitt der Gesamtbildung (da gehören dann
nämlich auch die Verliererunis dazu) wird sicherlich
viel weniger Geld kriegen als bisher.

Es reicht also nicht aus ein „gutes System“ politisch zu
verordnen. Man muss auch noch die richtigen Persönlichkeiten
gewinnen, um ein stimulierendes Klima zu schaffen.

Der Herr Müssteman hat ziemlich viel zu tun, nicht wahr?

Ernst: müsste man gewinnen, funktioniert nur, wenn *viel*
Geld da ist. Geld ist in Amerika. Da gehen die ganzen
deutschen Forscher hin. Du glaubst doch nicht, dass
Amerika ohne das Einkaufen von ausländischen Spitzen-Forschern
so weit vorne läge, oder?

Das ist wie im Fussball, da hat auch der Verein die
besten Spieler, der sie sich leisten kann.

Die Gegenargumente gegen Eliteunis, die ich von studentischer
Seite gehört habe, sind eher aus der Angst geboren, selbst
nicht zur Elite zu gehören.

Meinst Du Bildungs- oder Geld-Elite ?

Gruss, Marco

Etikettenschwindel
Hallo,

nun, die Sache mit dem Geld: Wahrscheinlich soll ein neuer Sparzwang als nächstes als Elite-Bildung verkauft werden, da hast Du recht. Das hat aber mit Elite herzlich wenig zu tun, sondern etwas mit Marketing. Die letzten Preiserhöhungen bei der Deutschen Bahn wurden uns ja auch als Sparpreise verkauft.

Der Standart der Eliteunis leidet nicht, falls sie tatsächlich
mehr Geld kriegen sollten, da hast du recht, *aber*
der Durchschnitt der Gesamtbildung (da gehören dann
nämlich auch die Verliererunis dazu) wird sicherlich
viel weniger Geld kriegen als bisher.

(1) Bei gleichbleibendem Etat wird es keine Eliteunis geben. Auch wenn man andere Unis auflöst. Selbst die guten deutschen Unis leben im Moment auf Pump, d.h. notwendige Investitionen werden hinausgezögert usw. Die Trennung in gute Unis und schlechte Unis haben wir in D längst. Diese Aufspaltung ist schon lange Tatsache, sie war nur lange aufgrund fehlender Ranking nicht so auffällig.
(2) Ausserdem darf man nicht vergessen, dass Eliteunis über weit über ihren eigenen Bedarf ausbilden. D.h. man hat auch in anderen Bereichen gut ausgebildete Leute, sodass insgesamt der Standard steigen dürfte. Ich sehe deshalb eine positive Rückkopplung auf die anderen Universitäten. Geld alleine bewirkt nämlich wenig.

Es reicht also nicht aus ein „gutes System“ politisch zu
verordnen. Man muss auch noch die richtigen Persönlichkeiten
gewinnen, um ein stimulierendes Klima zu schaffen.

Der Herr Müssteman hat ziemlich viel zu tun, nicht wahr?

Hat er. Schade ist nur, das viele (besonders Politiker) von Eliteunis sprechen, ohne je selbst an einer gewesen zu sein. Das fördert natürlich die Phantasie …

Ernst: müsste man gewinnen, funktioniert nur, wenn *viel*
Geld da ist. Geld ist in Amerika. Da gehen die ganzen
deutschen Forscher hin. Du glaubst doch nicht, dass
Amerika ohne das Einkaufen von ausländischen Spitzen-Forschern
so weit vorne läge, oder?

Es ist nicht nur das Gehalt (Natürlich ist es ein Faktor, aber eben nicht der einzige). Du darfst Dich auch von den Gehälter nicht täuschen lassen. Das Leben ist auch in den USA teuer, jedenfalls dort, wo gute Unis sind. Dazu kommt natürlich, das man einem US-Prof das Gehalt auch gönnt, während sich die faule Professoren-Sau in D auch noch dafür rechtfertigen muss, für ihren „8-h-Job“ auch noch ein Akademikergehalt zu verlangen.

Kurz es ist die ganze Unikultur. In D haben wir längst eine „Elite“ an den Unis. Nämlich diese Elite, die eigentlich keiner will: Filz, ohne Vitamin B läuft wenig. Können ist oft nur ein sekundärer Faktor. Wichtiger ist der richtige „Stall“ aus dem ein Wissenschaftler kommt. Mit Leistungselite hat das nichts zu tun.

Das ist wie im Fussball, da hat auch der Verein die
besten Spieler, der sie sich leisten kann.

In D nicht. In D ist das eher wie in Sizilien. Wen der Patron mag und wer dem Patron in die Quere kommt …

Die Gegenargumente gegen Eliteunis, die ich von studentischer
Seite gehört habe, sind eher aus der Angst geboren, selbst
nicht zur Elite zu gehören.

Meinst Du Bildungs- oder Geld-Elite ?

Beides. Nicht die Elitebildung bekommen zu haben bedeutet nämlich später nicht den Elitejob zu haben. Bezeichnenderweise geht auch den Studenten um die (zukünftige) Pfründe. Insofern ist die Argumentation ziemlich deutsch. Man könnte ja auch sagen: „Eliteunis ermöglichen es den Besten eines Jahrgangs das beste Studium und die besten Jobs. Vielleicht schaffe ich das ja, wenn ich mich anstrenge.“ Aber auf das Prinzip Leistung mag sich in D so recht keiner verlassen. Sich einer Evaluation oder einer Leistungskontrolle zu unterwerfen, gefällt hier den wenigsten, seien es nun Studenten oder Professoren.

Ciao R.

Hallo,

selbst in den im Zusammenhang mit Eliteunis gerne zitierten USA hat man erkannt, dass man eine Elite nur aus einer möglichst breiten Basis bekommen kann. D.h. wenn möglichst viele Menschen überhaupt an die Hochschulen (nicht nur die Elite-Hochschulen) gehen. Nur dann hat man die Möglichkeit, überhaupt eine Elite zu bekommen. Das ist dem Staat dort im übrigen auch erheblich mehr Geld wert, als hier (2.5% des BIP gegenüber

Sparziele
Hallo Fritze

… ist es doch ein Ding, mit welchem großen
Brimborium demletzt von unserer Regierung angekündigt wurde,
man strebe mittelfristig die 1.0%-Marke an. Na ganz toll.

„Brimborium“ ist für diesen Wahlkampfschwindel noch sehr freundlich formuliert. Schade ist dabei nur, dass ein an sich vernünftiger politischer Gedanke durch den Etikettenschwindel wahrscheinlich für die nächsten 10-20 Jahre unmöglich gemacht wird. In Zukunft wird „Eliteuni“ ein Synonym für „Einsparung“ sein. Man merkt das ja schon an den Reaktionen - auch hier im Forum. Jedem ist klar, dass mie Regierung mit „Elite“ eigentlich „Sparen“ meint. Aber da ist nicht nur die SPD so, in Bayern sind wir mit einer ebenso unfähigen CSU-Bildungspolitik konfrontiert. Dort sagt man nicht „Elite“ sondern „Exzellenz“ und meint damit „5-%-Einsparung“.
Solange kein Geld da ist, ist eigentlich auch die Diskussion über Eliteunis vollkommen überflüssig. Man sollte eher diskutieren, wie man die Sparziele mit dem geringstmöglichen Schaden erreichen kann.

Du stimmst mit mir sicher überein, dass es weltweit kaum eine
bessere „Elitehochschule“ gibt, als Harvard in den USA.
Interessanterweise werden aber gerade dort nicht wie bei uns
seitens der ZVS einfach die „intelligentesten“ aufgenommen,
sondern ein gesunder Mix aus Superintelligenten und
anderweitig begabten Menschen (z.B. besonders leidenschaftlich
engagiert, etc.) aufgenommen. So wird dort für eine möglichst
gute, lebendige und sich gegenseitig motivierende
Studierendenschaft gesorgt.

Genau das ist ein wichtiger Aspekt von Unikultur. Geld und Zwang alleine bewirken nämlich gar nichts.

Ich fürchte, solche Dinge werden
hier kaum Beachtung finden.

Darum wird es bei uns auch nicht funktionieren.

Der beste ist, der beim Abitur
(oder sonst einem Standardisierten Test) am meisten Punkte
hat. Dann kommt der mit der zweithöchsten Punktzahl usw. Das
ist so schön objektiv.

… und technokratisch. Typisch für einen überregulierten Staat eben. Aber wie soll man es in D anders machen? Weiss man bei uns überhaupt wie eine Elite aussehen soll? Was zeichnet bestimmte Personen gegenüber anderen aus - und das in einem Land, in dem Gleichheit so wichtig ist? Elite - Ein Haufen Fachidioten, die Publikationen und Patente produzieren, aber ansonsten die Klappe halten und kuschen, wenn die (Bildungs-)Politik Unsinn macht?

Von den anderen Bedingungen, die hier in 100 Jahren nicht
erreicht werden will ich mal gar nicht erst anfangen.

Naja, so schwarz würde ich mal nicht sehen :wink:. Die MPG zeigt ja eigentlich, das es gehen könnte.

Das in
Deutschland Autofahren und Fernsehen viel wichtiger sind, als
Bildung sieht man schon daran, dass Tankstellen und
Videotheken zwar rund um die Uhr auch an Sonn- und Feiertagen
geöffnet haben, Bibliotheken (insbesondere die an Unis) aber
teilweise nicht mal 38 Stunden in der Woche geöffnet sind.

Bildung ist in D schon ein hohes Gut, solange sie nichts kostet und ohne Anstrengung zu haben ist.

Ciao R.

Hallo Marco!

  1. Zur Zeit wird das gesamte Studium umgestellt: aus FH-Studium mit ca. 4Jahren Dauer wird der Bachelor mit 3Jahren. Aus dem Unistudium mit ca. 6Jahren wird der Master als 2jähriges Aufbaustudium auf den Bachelor. Durch verkürztes Studium senkt man dementsprechend die Kosten.
  2. Zumindest in Niedersachsen werden einige Studienstandorte geschlossen, an anderen Stellen Studiengänge an einem Ort konzentriert. Ebenfalls zur Kostenersparnis.
  3. Weiter müssen alle Unis und Fhs in Niedersachsen nach vorliegendem Plan Einsparungen vornehmen. Diese lassen sich ausschließlich durch Einsparung von Professorenstellen erfüllen. Jede Uni/Fh hat eigene Vorgaben dazu erhalten.
  4. Die Bundesregierung will die Eliteuni einführen. Es ist allerdings in keiner Weise bekannt gegeben worden, was das eigentlich sein soll. Oder für wie viele Studenten das gelten soll. Oder wie diese Studenten ausgesucht werden sollen. Oder wie man das finanzieren will.
  5. Die Bundesregierung will die Ausgaben für Bildung erhöhen. Wiederum hat keiner gesagt, wer das bezahlt oder was bezahlt wird. Btw., Bildung ist Ländersache.
  6. Die Bundesregierung hat bekanntgegeben, daß von jedem Abiturjahrgang 40% der Schulabgänger studieren sollen. Egal was oder wo. Keine Aussage darüber, wer das wiederum bezahlen soll.

Fazit: Keiner weiß, wo es langgehen soll, aber alles soll gleichzeitig gemacht werden - Elitebildung, Kosteneinsparungen, Breitenbildung und höhere Ausgaben. Versteht das irgendwer? Ich jedenfalls nicht.

Gruß
Axel

Hallo,

Das Problem ist nicht Elite oder nicht Elite. Das Problem sind die geradezu lächerlichen Anforderungen, die an vielen Universitäten gestellt werden. Wir brauchen ja angeblich ach so viele super ausgebildete Fachkräfte mit Uni-Abschluss (von denen zur Zeit die meisten auf der Strasse stehen, irgendwelche Not-Jobs angenommen haben oder als „Postdoc“ Werteschleifen drehen). Wozu brauchen wir eine Universitätsausbildung, wenn ein FH-Studium oder eine betriebliche Ausbildung auch reichen würde? Weil es Bewerber von der Uni gibt, die den Job mit FH-Anspruch eben auch machen. Und so gibt es immer mehr gut ausgebildete Menschen hier in Deutschland, die unterfordernde Jobs machen - eine Bildungsinflation.
Danach kommt folgendes: In irgendeinem Bereich fehlt es kurzfristig dann doch mal an den Uni-Absolventen und es wird nach „mehr Fachkräften“ geschrien. Wie bekommen die Unis dem „Bedarf“ nach? Man senkt die Anforderungen - dann kommmen nämlich mehr Studenten zum Abschluß. Und so dreht sich die Spirale immer weiter nach unten.
Ähnlich werden Studiengebühren wirken. Bestes Beispiel ist das Englische System, in das ich einigen Einblick erhalten habe: Es gibt recht hohe Studiengebühren, über sowas wie BAFÖG finanzierbar, also kein Hinderungsgrund. Aber die Unis werden dementsprechend geldgeil. „Wenn wir 6000 Anfänger haben (z.B. Oxford) und davon 70% aussieben in den ersten 4 Semestern, bekommen wir weniger Geld, als wenn wir nur 20% aussieben. Dann ist zwar das Niveau (der Ausgebildeten, nicht der Ausbildung selbst) nur mittelprächtig, aber wir haben volle Kassen.“ Folge: Man züchtet sich einen Sack mittelmaß. (So siehts in Oxford auch aus: ab 21 nur noch besoffene Studenten (18-23) in den Straßen, die sich für die Herren der Welt halten, weil sie es schon in ihren Antrittsvorlesungen so beigebracht bekommen: „Ihr seid die Besten der Besten der Besten auf der Besten Universität der Welt“ - gehört in der Matrikulationszeremonie).
Meiner Meinung nach: Niveau der Ausbildung anheben, in dem man die Anforderungen an die Studenten (und Schüler!!) erhöht, dann gibts zwar weniger Absolventen der „höheren Bildungswege“, aber die sind dann auch wirklich gut. Die Arbeit im Job kann man nämlich auch mit weniger Ausbildung machen.

Vampy *musstedasjetztmalloswerden*

Privatisierung und andere Statements
Hallo Marco,
das Problem der deutschen Bildung ist doch wie so vieles in D. die staatliche Einflußnahme.

Private Hochschulen machen es doch auch hierzulande vor, dass der Markt besser als der Staat funktioniert. Als Beispiel seien die WHU und die EAP genannt. Absolventen dieser Hochschulen haben zu einem hohen %-Satz bereits vor dem Abschluß einen Job.
Woran liegt das?

Zum einen sicherlich an der internationalen, praxisorientierten von Praktika durchzogenen und dennoch wissenschaftlich ausgerichteten Ausbildung, zum anderen aber auch an dem excellenten Netzwerk, dass sowohl die Hochschullehrer als auch die Alumni-Organisation zur Verfügung stellen.

Diese Schulen weisen eine große Gemeinsamkeit mit „US-Eliteuniversitäten“ auf. Private Finanzierung über Studiengebühren, die übrigens einen verschwindend kleinen Anteil ausmachen, da sie dazu da sind die laufenden Kosten der Hochschule zu decken, und „Donations“ Spenden der Alumni und der Unternehmen denen sie im Zweifelsfall vorstehen, sind der Kern der Finanzierung. Harvard z.B. hat ein Nettovermögen von irgendwas über 20 Mrd. US$. Damit kann man schon mal die ein oder andere Investition tätigen.

In Deutschland ist die Elitenbildung seit dem Versagen derselben im zweiten Weltkrieg verpönt; die dauernde Penetration der SPD mit „Bildung für alle“ und der ewigen Gleichmacherei haben das übrige dazu beigetragen. Es ist eben nicht jeder gleich, nicht jeder ist mit Hilfe einer tollen Ausbildung in der Lage eine Nation/Unternehmen/Non-Profit Organisation/etc.pp. zu führen. Es gibt eben Menschen die dazu besser geeignet sind als andere. Diese zu finden und von besonders qualifizierten Menschen ausbilden zu lassen sollte auch ein gesellschaftliches Ziel sein. Das diese „Elite“ nicht notwendigerweise auch über viel Eigenmittel zur Finanzierung der Ausbildung verfügt ist völlig klar und daher muß das Stipendiatenwesen in D massiv ausgebaut werden (Unternehemen und Staat) sowie Banken können dazu übergehen, Ausbildung an bestimmten Unis als Vermögenswert anzusehen und alleine darauf niedrig verzinste Kredite zu gewähren. Meinetwegen auch staatlich gefördert.

Ohne Eigenverantwortung der Universitäten, ohne Sanktionsmöglichkeiten der Hochschule gegen das Lehrpersonal und Studenten wird sich nie eine Elite (auch der Lehrenden) bilden können. Amtlich verordnet sowieso nie. Leider wird das die jetzige Regierung niemals begreifen.

Gruß
C.

Eigen- oder abgewälzte Verantwortung?
Ich stimme mit Dir überein, nur eins sollte man
nicht tun: unreflektiert „Eigenverantwortung ist
das Allheilmittel“ nachplappern.

Nämlich selbstverständlich hat die von den Studenten
übernommene Verantwortung schon kein Politiker und
kein Professor mehr zu tragen.

Sorge um den zukünftigen Arbeitsplatz motiviert
zwar, diese Motivation ist aber sehr unbarmherzig
und aufreibend. Solche Motivation produziert
Bush-ähnliche Ellenbogenmenschen.

Erzwungene Eigenverantwortung ist abgewälzte
Verantwortung und zeugt von Feigheit, nicht
von Fürsorge.

Gruss, Marco

P.S. Derselben Meinung bin ich übrigens bei
mancher sogenanner „Eigenverantwortung“ im
schulischen Unterricht.
Da zeugt sie allerdings oft eher von Faulheit,
nicht von Feigheit :smile: