Hallo,
in einem Gedicht Mörikes („Verzicht“, aus dem Gedichtzyklus „Bilder aus Bebenhausen“) lautet ein Vers:
Wenig verliert ihr, und nichts wahrlich verlieret die Kunst.
Kann mich jemand über dieses „verlieret“ aufklären? Ich mußte stocken, weil „verliert“ und „verlieret“ in ein- und demselben Satz stehen.
Ist es darauf zurückzuführen, dass das Verb erst in 2.Person Plural konjugiert ist ( ihr verliert) und dann in der 3.Person Singular („die Kunst“, also sie velieret)?
Hieß es früher immer „er/sie verlieret“? Oder wurden „verliert“ und „verlieret“ nebeneinander verwendet?
Gab es, oder gibt es einen Bedeutungsunterschied?
ich bin für jede Hilfe dankbar! 
Schöne Grüße
Hallo,
es gibt keinen Bedeutungsunterschied und soweit ich weiß auch keinen grammatischen Unterschied. „verlieret“ ist eine altertümliche, poetische Form. Im genannten Beispiel dient sie dazu, dem Wort eine Silbe hinzuzufügen, was sich gefälliger anhört/liest.
Sicherlich kann einer der echten Deutschexperten noch mehr dazu sagen.
Gruß,
Myriam
Hallo miteinander!
es gibt keinen Bedeutungsunterschied und soweit ich weiß auch
keinen grammatischen Unterschied. „verlieret“ ist eine
altertümliche, poetische Form. Im genannten Beispiel dient sie
dazu, dem Wort eine Silbe hinzuzufügen, was sich gefälliger
anhört/liest.
Genau so ist es.
Es geht um das Versmaß, das hier eine unbetonte Silbe fordert.
Es gab eine Übergangszeit, in der statt des weggefallenen -e- ein Apostroph gesetzt wurde: verlier’t.
Ich wüsste gern, ob das eine Rechtschreibregel war oder nur die Marotte bestimmter Autoren oder Drucker.
Beste Grüße!
H.
Ich wüsste gern, ob das eine Rechtschreibregel war oder nur
die Marotte bestimmter Autoren oder Drucker.
ob es damals schon rechtschreibregeln gab?