Verlust der Impulskontrolle?

Hallo,

Stellt nachfolgendes Verhalten eine behandlungsbedürftige Persönlichkeitsstörung dar und worauf wird diese zurück geführt? Beispiele:

  • Die Person fühlt sich beleidigt, wird daraufhin handgreiflich und schlägt den verbalen Angreifer mit Fäusten zusammen.
  • Die Person wird im Bus angesprochen, einen Platz zu räumen und wird daraufhin völlig aggressiv, beschimpft die andere Person lautstark auf vulgäre Art und Weise.
  • Die Person findet einen Schlüssel nicht und schlägt vor lauter Wut das Mobiliar zusammen.

Bei der Person handelt es sich um einen promovierten Akademiker in gehobener Position, der ansonsten eher ruhig und schüchtern auftritt und sich in bestimmten Situationen, wo er sich ungerechtfertigt angegriffen fühlt, jede Beherrschung verliert. Kein Alkohol- oder Drogenmissbrauch. Wie bezeichnet man dieses Krankheitsbild und wie wird diese Störung behandelt?

Hallo Leopold,

für eine genaue Diagnose reichen die Angaben, die du gemacht hast, noch nicht aus, da die beschriebenen Kontrollverluste bei sehr verschiedenen psychiatrischen Erkrankungen vorkommen.

Unter „Persönlichkeitsstörung“ (nur weil du den Begriff ins Gespräch gebracht hast) würde man es nur dann eingruppieren, wenn es über viele Jahre besteht - quasi seit dem frühen Erwachsenenalter. Persönlichkeitsstörungen sind nämlich tief greifende psychische Störungen, die auch ziemlich schwierig zu behandeln sind.

Wenn es erst seit kürzerer Zeit besteht, wäre es am ehesten hilfreich, der Frage nachzugehen, ob es Belastungen oder traumatisierende Erlebnisse gibt, die die allgemeine Anspannung so weit ansteigen lassen, dass die kleinste zusätzliche Anforderung „das Fass zum Überlaufen bringt“.

Das ist nur ein winziger Ausschnitt aus den möglichen Erklärungsansätzen - und wie man das ganze letztlich benennt, ist dabei nicht so entscheidend. Manchmal ist es auch eher schädlich, wenn man einen „psychiatrischen Stempel“ aufgedrückt bekommt. Wenn z.B. jemand , der sowieso schon bis zu seinen Grenzen belastet ist, durch eine psychiatrische Diagnose Schwierigkeiten im Beruf oder in der Familie bekommt, belastet das ja noch mehr und verbessert nichts.

Ich würde am ehesten raten, über einen vertrauten Hausarzt (dem man die Probleme ohne Angst ehrlich schildern kann) eine Psychotherapie verordnen zu lassen und mit dem Psychotherapeuten im Gespräch zu ergründen, was der Kontrollverlusten zugrunde liegt und (noch wichtiger) Techniken zu erarbeiten, mit denen man sich zukünftig vor solchen Ausbrüchen schützen kann.

Nur falls es jemand vorschlagen sollte: Wenn die Kontrollverluste nicht sehr häufig (täglich oder mehrmals pro Woche) auftreten, würde ich erst einmal keine Medikamente einsetzen.

Liebe Grüße
Heike