Vermehrter Urin-Absatz in der Nacht/Melperon

Liebe Experten,

es geht um meine Oma, die jetzt fast 92 Jahre alt ist. Sie hatte NIE Probleme, ihren Urin einzuhalten. Wir haben uns eher immer gewundert, wie selten sie auf die Toilette muss.

Bis auf Alters-Diabetes und einem Bypass (im Jahr 2001) ist sie organisch ok.

Der Hausarzt kommt seit längerer Zeit einmal im Monat, prüft den Blutdruck, nimmt Blut ab! Ihre Langzeit-Zucker-Werte sind in Ordnung, so dass wir nicht spritzen müssen.

Jetzt baut meine Oma seit gut zwei Wochen rapide ab. Der Arzt war nach den ersten Anzeichen schon da (Blutabnahme), Toilettenstuhl haben wir hier, seit Donnerstag lassen wir (meine Mutter und ich wechseln uns ab) sie nachts nicht mehr allein, seit heute kommt morgens ein Pflegedienst…

Bloß: Sie muss in den letzten zwei Nächten fast stündlich Urin lassen. Und richtig viel! Die Frau vom Pflegedienst wollte es vorhin kaum glauben! Meine Oma isst normal, trinkt nicht mehr als sonst, nimmt keine neuen Medikamente…und tagsüber muss sie auch nicht ständig.

Ich habe vorhin mit dem Arzt telefoniert und um einen Hausbesuch gebeten. Nächste Woche Montag hätte er Zeit, da er diese Besuche nur Anfang des Monats tätigt! Danke schön!

Die Frau vom Pflegedienst meinte, die Nieren arbeiten bei alten Menschen nun einmal anders! Klar, aber von heute auf morgen?

Ich wollte schon zuvor mal den Arzt wechseln, da ich nicht so viel von ihm halte, aber meine Oma ist seit Jahrzehnten bei ihm und sehr stur.

So, die Frage: Was kann dazu führen, dass meine Oma plötzlich nachts so viel Wasser lassen muss? Wir müssen ihr wirklich fast jede Stunde auf den Toilettenstuhl helfen.

Da das nachts natürlich kein Dauerzustand sein kann, haben wir jetzt Windeln bestellt, deren Lieferung noch aussteht. Der Pflegedienst wollte eigentlich heute schon Probepackungen mitbringen.

Dazu haben wir seit Montag Melperon hier! Da ich dieses Medikament nicht unbeaufsichtigt nachts verabreichen wollte, haben wir in Absprache mit dem Pflegedienst/Arzt heute um 10.30 meiner Oma 50ml gegeben - ergo die niedrigste Dosis. Danach war sie total unruhig und verwirrt (konnte nicht sprechen etc.)! Nichts mit Schlafen und Ruhe! Wir dachten schon, dass sie jetzt stirbt! Gegen 13 Uhr kam sie wieder zu sich und hat auch etwas gegessen (ich habe sie gefüttert; sonst hat sie immer noch allein gegessen).

Der Arzt ist nicht zu erreichen, daher habe ich jetzt eine Ärtzin über den ärztlichen Bereitschaftsdienst der Kassenärztlichen Vereinigungen für heute Nachmittag bestellt.

Sie wirkte am Telefon auch nicht sonderlich interessiert! Was kann ich denn tun? Welche Fragen kann ich stellen?

Übermüdete Grüße

Kathleen

Hallo,

der Bereitschaftsarzt war ja wohl schon da. Vielleicht mit einer neuen Erkenntnis?!

Das Problem kann sehr vielschichtig sein. Mag sein, dass ich es im Folgenden unangemessen einenge:

Wenn es ihr schlechter geht, kann es sein, dass zum Beispiel der Blutdruck englitten ist: Hoher Blutdruck treibt mehr Blut durch die Nieren und Urin ist letztlich „nur“ abgepresstes Blut.

Umgekehrt kann es sein, dass ihr Herz nicht mehr gut mitmacht (oder für kurze Zeit unbemerkt nicht gut mitgemacht hat) und so die Niere zu schlecht durchblutet war und nun der Urin nicht mehr konzentriert wird. Oder sie hat eine chronische Herzinsuffizienz entwickelt, solange sie aufrecht steht, verlagert sich das Wasser eher in die Bein (Knöchel dick?) und nachts schafft es das Wasser durch die Waagrechte wieder in den Kreislauf und damit zum Teil auch in die Nieren/Blase.

Wenn der Zucker nach oben entgleist ist, „zieht“ das ebenfalls Wasser in die Niere. Messt ihr zwischendurch oder nur der Arzt 1x/Monat?

Das Melperon (!!): Ich hoffe Du hast 50mg gegeben und nicht 50 ml (1ml enthält gewöhnlich 5mg), sonst ist es wirklich ein Wunder, dass sie noch lebt. 50mg sind bei sehr alten Patienten, was Deine Oma ja nunmal ist, oftmals die (halbe) Tagesdosis. Versuch’s mit 25mg Melperon zum Abendessen (benötigt oft Stunden bis es wirkt!).

Deine Oma scheint ja nicht einzunässen, sondern wach zu werden. Windeln würde ich da wirklich nochmal überdenken: Damit nimmt man ihr ein Stück Erwachsensein. Aber ich kann mir eure Not gut vorstellen.

Überlegt auch mal, ob ihr nicht mit eurer Anwesenheit dafür sorgt, dass sie vielleicht nicht mehr trinkt als sonst, aber evtl. sich die Menge zeitlich nach hinten verlagert haben könnte.

Diuretika/harntreibende Medis sollten zügig überdacht werden.

Zur Not Einweisung in Geriatrie.

Viel Glück euch Dreien!

Gruß,

Manticor … mehr auf http://w-w-w.ms/a49dcr

Vielen Dank!!!
Hallo Manticor,

vielen herzlichen Dank für Deine Antwort!!!

der Bereitschaftsarzt war ja wohl schon da. Vielleicht mit
einer neuen Erkenntnis?!

Nicht wirklich, aber der Puls ist normal (78), Blutdruck liegt bei 130 zu 70! Zucker messen wir täglich 2 Stunden nach dem Mittagessen (gestern lag er bei 100).

Ja, Du hast Recht, die Knöchel/Füße sind dick!!! Außerdem hält meine Oma seit drei Tagen keinen Mittagsschlaf mehr, sondern sitzt die meiste Zeit. Wäre das eine Erklärung? Ich meine, dass sich die Wasseransammlung dadurch eben nicht tagsüber im Körper verteilen?

Das Melperon (!!): Ich hoffe Du hast 50mg gegeben und nicht 50
ml (1ml enthält gewöhnlich 5mg), sonst ist es wirklich ein
Wunder, dass sie noch lebt.

Upps, da habe ich mich in der Tat vertippt: Es waren natürlich nur 5ml und nicht 50ml!!! Ich will ja meine Oma nicht umbringen! :smile:

Die Bereitschaftsärztin meinte aber, dass es vorkommt, dass Melperon durchaus kontraproduktive Wirkung zeigt. Sie wollte ein anderes Beruhigungsmittel besorgen (habe den Namen vergessen, soll aber in Richtung Haldol gehen, denn das wollte sie alternativ anfordern), aber die Apotheken hatten es nicht vorrätig!

Da ich noch Diazepam hier habe, was mir nach dem Krebstod meines Mannes verschrieben wurde, hat die Ärztin zugestimmt, dass wir es meiner Oma zur Nacht geben sollten. Und siehe da: Meine Oma hat friedlich geschlafen, und ich habe sie nur gegen Mitternacht und um 5 Uhr auf den Toilettenstuhl setzen müssen.

Kann es sein, dass ihre Unruhe auch auf die Blase schlägt?

Deine Oma scheint ja nicht einzunässen, sondern wach zu
werden. Windeln würde ich da wirklich nochmal überdenken:
Damit nimmt man ihr ein Stück Erwachsensein. Aber ich kann mir
eure Not gut vorstellen.

Derzeit haben wir Einlagen, die sie auch annimmt. Diese sind auch letzte Nacht trocken geblieben. Natürlich wollen wir ihr ihre Selbstständigkeit nicht nehmen und natürlich soll sie auf die Toilette gehen, solange sie es noch schafft.

Überlegt auch mal, ob ihr nicht mit eurer Anwesenheit dafür
sorgt, dass sie vielleicht nicht mehr trinkt als sonst, aber
evtl. sich die Menge zeitlich nach hinten verlagert haben
könnte.

Unser Tagesablauf ist eigentlich seit ihrem Einzug vor 3 Jahren unverändert.

Diuretika/harntreibende Medis sollten zügig überdacht werden.

Die Bereitschaftsärztin hat auf die Medikamentengabe geschaut. Ihr fiel aber nichts auf, was unnötig sei/verantwortlich sei?!

Zur Not Einweisung in Geriatrie.

Dann kann ich meiner Oma gleich die ganze Flasche Melperon geben. Bitte nicht falsch verstehen! :smile: Nein, sie bleibt hier! Wir bekommen das schon hin!

Viel Glück euch Dreien!

Das können wir gebrauchen! Danke noch einmal und liebe Grüße

Kathleen