'Vermeidende Persönlichkeit'

Hallo,

Frage:
Jemand Ängstliches (hatte bereits mal als Diagnose Soziale Phobie), auf den die obige Bezeichnung passt, der keine spezifischen Ängste hat, aber:

  • ständig unter Druck und Spannung steht
  • fast immer Angst hat, Job und Partner zu verlieren (vor allem bei RELATIV unsicheren Partnerschaften / Anstellungen), auch Freunde, abgelehnt zu werden vom Gegenüber meist auch, auch bei Unbekannten, besonders bei Menschen, von denen er sich abhängig fühlt
  • dessen Angst gemindert ist, wenn eine Person immer „da“ ist (z.B. Freund immer erreichbar und netter Arbeitgeber),
  • der merkt, dass er gewissermaßen eingeschränkt lebt, also persönliche Weiterentwicklung zugunsten von „Sicherheit“ aufgibt (normalerweise merkt ein solcher das ja nicht)

Wie lautet dessen Herausforderung? Wie kann er seine Angstmauern Stück für Stück abbauen? Warum fühlt er sich von einem Partner, der nicht ängstlich ist, sich weiterentwickelt, sich nicht zurückzieht, bezüglich des „Herauskommens“ aus den eigenen Mauern abhängig? Und: Warum stößt er diesen Partner misstrauisch zurück (auch, um die gefärhliche Welt außen zu halten)? Wie sieht eine langfristige eigenverantwortliche Veränderungsstrategie aus? Wie lassen sich die Beziehungen zum anspruchsvollen, herausfordernden Teil der Welt aufrecht erhalten? Wie „vermeidet“ er, Verdrängung dieser Herausforderung zu verhindern?

Danke und Gruß

bzw. auch: wie lässt sich der Rückzug vermeiden und sich andauernde, enge Beziehungen ermöglichen?

Hallo,

wäre es nicht sinnvoller und zielführender diese Problematik mit einem Psychotherapeuten zu erörtern?

Gruß

Samira

Hallo Samira,

das hat damit erstmal nichts zu tun. Es ist meiner Meinung nach immer sinnvoll und verantwortungsvoller, sich selbst um das Durchschauen und Vorwärtskommen zu bemühen, als die eigene Verantwortung jemand anderem zu übertragen.

An einen Therapeuten kann man sich zusätzlich wenden. Da hilft es auch, wenn man selbst weiß, worum es geht (ggf. in einigen Bereichen besser bescheid weiß, man kennt sich ja eh besser), denn jeder PT bringt seine eigene Problematik mit hinein; viele z.B. eine narzisstische, vor der man sich auch schützen kann.

Bei generalisierten Angststörungen soll auch langfristige PT nicht immer / selten helfen.

Außerdem habe ich mich an das Forum gewandt, weil es ein Selbsthilfeforum ist.

Gruß

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Hallo.

Die „Herausforderung“ in einem solchen Fall sollte meines Erachtens lauten, sich selbst zu sein, es auszuhalten, alleine zu sein und mit sich selbst zu sein und sich unabhängig von der Anerkennung anderer machen.

Für mich sieht diese „Krankheits“-Schilderung nicht nach einer sozialen Phobie aus, ganz im Gegenteil. Ein Soziophobiker meidet seine Umwelt und hat Angst vor anderen Menschen. In dieser Fallschilderung klammert der-/diejenige (Angst etwas zu verlieren) und braucht offensichtlich die Anerkennung.

Der letzte Teil des Postings klingt für mich nach einem typischen Borderline-Verhalten (klammert am geliebten Partner, um ihn dann zurückzustoßen, Vermeidung der „gefährlichen“ Welt da draussen).

Hallo,

  • ständig unter Druck und Spannung steht

  • fast immer Angst hat, Job und Partner zu verlieren…

  • dessen Angst gemindert ist, wenn eine Person immer „da“ ist
    (z.B. Freund immer erreichbar und netter Arbeitgeber),

  • der merkt, dass er gewissermaßen eingeschränkt lebt, also
    persönliche Weiterentwicklung zugunsten von „Sicherheit“
    aufgibt (normalerweise merkt ein solcher das ja nicht)

das klingt sehr anstrengend, ein Leben mit erhöhtem Stress-Pegel. Da erscheint es mir logisch, daß er das Vermeiden zunächst einmal „braucht“, da der Stress sonst unerträglich würde. Auch wenn das Vermeiden auf die Dauer nicht gut ist.

Warum stößt er diesen Partner misstrauisch zurück…?

Vielleicht hat dieser Partner, der selbst nicht ängstlich ist, nicht besonders viel Empathie und kann es nicht wirklich verstehen, daß ein anderer überhaupt so ängstlich sein kann, und will diesen Menschen unbedingt in irgendwelche „Herausforderungen“ hineinjagen?

Wie sieht eine langfristige eigenverantwortliche
Veränderungsstrategie aus?

Ehrlich gesagt, halte ich auch eine Psychotherapie für sinnvoller. Dieser Partner kann der Person nicht helfen, denn er will zuviel und macht deswegen Druck.

Die Begriffe, die Du da so reichlich hineinstreust: Herausforderung, eigenverantwortliche Strategien usw. - was ist da die Logik? Sie kommen mir vor wie leere Worthülsen, bloße Ideologie.

Grüße,

I.

Hallo,

Es ist meiner Meinung
nach immer sinnvoll und verantwortungsvoller, sich selbst um
das Durchschauen und Vorwärtskommen zu bemühen,

das halte ich für äußerst schwierig bis unmöglich - kaum jemand dürfte die Distanz zu sich selbst haben, die nötig wäre, zu durchschauen, wie er „tickt“.

wenn man selbst weiß,

… zu wissen meint

worum es geht

man kennt sich ja eh besser)

Man kennt seine Gedanken und Gefühle, macht sich ein (zwangsläufig subjektives) Bild von sich selbst - aber zu einer sinnvollen und hilfreichen Analyse fehlt der neutrale Blick von außen.

Außerdem habe ich mich an das Forum gewandt, weil es ein
Selbsthilfeforum ist.

Bei manchen Problemen ist Selbsthilfe aber nicht möglich. Wie bei körperlichen Krankheiten ist auch bei psychischen Leiden fachmännische Hilfe angesagt.

Dass es gelingen könnte, sich mit Hilfe hausgemachter Selbsttherapievorschläge von Laien an den eigenen Haaren aus dem Sumpf zu ziehen, erscheint mir utopisch.

Gruß
Kreszenz

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Hi,

Außerdem habe ich mich an das Forum gewandt, weil es ein
Selbsthilfeforum ist.

w-w-w ist ein Wissens-, kein Selbsthilfeforum.

Zudem: Das Internet leistet zwar viel, aber ob möglicherweise komplexe psychische Störungen über den PC zu therapieren sind, bezweifle ich.

Gruß,
Anja

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Hallo Igeline,

ich gebe da Kreszentia voll und ganz recht. Und bin der Meinung, dass man sich selber das Ganze eher schön redet, wenn man glaubt man könne solch eine Problematik alleine lösen.

Gruß

Samira

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Hallo,

  • ständig unter Druck und Spannung steht

  • fast immer Angst hat, Job und Partner zu verlieren…

  • dessen Angst gemindert ist, wenn eine Person immer „da“ ist
    (z.B. Freund immer erreichbar und netter Arbeitgeber),

  • der merkt, dass er gewissermaßen eingeschränkt lebt, also
    persönliche Weiterentwicklung zugunsten von „Sicherheit“
    aufgibt (normalerweise merkt ein solcher das ja nicht)

das klingt sehr anstrengend, ein Leben mit erhöhtem
Stress-Pegel. Da erscheint es mir logisch, daß er das
Vermeiden zunächst einmal „braucht“, da der Stress sonst
unerträglich würde. Auch wenn das Vermeiden auf die Dauer
nicht gut ist.

Ja, es geht dabei ja um das Verteidigen der eigenen Grenzen, weil eine ängstliche Person, wenn sie ein Risiko eingeht, es meist „voll auskostet“- ungewollt, aber aus Gründen der Sehnsucht nach Nähe und Anerkennung. Dann ist der Rückzug (und die Verletzung) vorprogrammiert.

Warum stößt er diesen Partner misstrauisch zurück…?

Vielleicht hat dieser Partner, der selbst nicht ängstlich ist,
nicht besonders viel Empathie und kann es nicht wirklich
verstehen, daß ein anderer überhaupt so ängstlich sein kann,
und will diesen Menschen unbedingt in irgendwelche
„Herausforderungen“ hineinjagen?

Ja, das kein sein. Wobei diese Herausforderung in diesem Fall nicht für den Ängstlichen gewollt ist (als Hilfe), sondern für den Partner, der den Ängstlichen (eine Frau) immer verfügbar haben will und verwöhnt werden will (und evtl. faul ist).

Ehrlich gesagt, halte ich auch eine Psychotherapie für
sinnvoller. Dieser Partner kann der Person nicht helfen, denn
er will zuviel und macht deswegen Druck.

Ja, der Partner kann nur „da“ sein, was aber zu erwarten wäre- oder?

Die Begriffe, die Du da so reichlich hineinstreust:
Herausforderung, eigenverantwortliche Strategien usw. - was
ist da die Logik? Sie kommen mir vor wie leere Worthülsen,
bloße Ideologie.

Logik, naja… als ängstliche PErson kann man sich eben gut auf Dauer schützen, in dem man ein Leben in Sicherheit anstrebt. Dadurch vermeidet man aber ein „richtiges, abenteuerliches“ Leben und das Sammeln von Erfahrungen, die der Weiterentwicklung dienen (dafür nötig sind).

In einer Psychotherapie kann man sich auch verstecken, was die meisten Angstpatienten wohl auch tun. Sie gehen brav zur Therapie, aber ändern nicht wirklich etwas. Bei konkreten Phobien hilft vermutlich di Konfrontation (mit Spinnen, anderen Menschen), aber bei generalisierten Änngsten geht es doch um eine allgemeine, ständige Konfrontation. Daher dachte ich, man könnte z.B. sagen, es hilft:

  • regelmäßig das andere Geschlecht anzusprechen
  • in einer WG zu wohnen
  • versuchen, intensive Beziehungen zu führen
  • ?
  • in der Stadt, nicht zurückgezogen, auf dem Land zu wohnen
  • in Beziehungen Nähe und gleichzeitig Konfrontation zuzulassen (d.h. erst einmal selbst zu merken, dass man aggressiv ist und diese Aggression dann auch anwenden

Eine „Ideologie“ ist natürlich auch nur eine Rückzugsmöglichkeit.

Danke
und Gruß

Hallo,

Dadurch vermeidet man aber ein „richtiges, abenteuerliches“
Leben und das Sammeln von Erfahrungen, die der
Weiterentwicklung dienen (dafür nötig sind).

ich möchte Dich bitten, das nicht so eng zu sehen. Wenn Du von den Menschen alle erworbenen psychischen Störungen wegdenkst, dann sind sie hinsichtlich ihrer anlagebedingten psychischen Konstitution immer noch in ähnlicher Weise untereinander verschieden wie in ihren körperlichen Merkmalen. So wie es große und kleine, oder blonde und dunkelhaarige Menschen gibt, gibt es auch solche, die von vorneherein eher Draufgänger sind, und andere, die eher vorsichtig sind. Solche Unterschiede hat man auch bei vielen Tierarten gefunden.

Deshalb gibt es nicht ein „richtiges, abenteuerliches“ Leben für alle, und Weiterentwicklung ist auch für jeden etwas anderes, für den einen „abenteuerlich“, für den anderen nicht notwendigerweise.

…Wobei diese Herausforderung in diesem Fall
nicht für den Ängstlichen gewollt ist (als Hilfe), sondern für
den Partner, der den Ängstlichen (eine Frau) immer verfügbar
haben will und verwöhnt werden will (und evtl. faul ist).

Tolle Partnerschaft, das. Ich verstehe diesen Satz auch nicht auf Anhieb, denn ist ein Ängstlicher nicht leichter verfügbar zu halten als ein Nicht-Ängstlicher? Vielleicht wäre die Distanzierung von so einem Partner eine sinnvolle Herausforderung für diese Person.

In einer Psychotherapie kann man sich auch verstecken, was die
meisten Angstpatienten wohl auch tun. Sie gehen brav zur
Therapie, aber ändern nicht wirklich etwas.

Muß nicht sein. Wenn einer aus eigenem Entschluß hingeht, will er ja etwas damit. Und ein guter Therapeut müßte zum einen bemerken, wenn der Patient sich versteckt, zum anderen die Konfrontation mit der Angst oder mit den Themen den Bedürfnissen und Möglichkeiten des Patienten entsprechend abstufen und dosieren. Man könnte es auch anders ausdrücken: der Patient entscheidet, wo im Moment seine Grenzen sind, und das gehört angesprochen, darüber müssen Patient und Therapeut sich verständigen. Wenn der Therapeut das nicht kann, gehört er gewechselt.

Daher dachte
ich, man könnte z.B. sagen, es hilft:

  • regelmäßig das andere Geschlecht anzusprechen
  • in einer WG zu wohnen
  • versuchen, intensive Beziehungen zu führen

Wenn einer das auf sich allein gestellt machen will oder soll, dann sind das aber Gewaltmaßnahmen. Eine gröbere Zurückweisung beim Ansprechen eines Menschen des anderen Geschlechts, oder beim Versuch, intensive Beziehungen zu führen, kann einen schon arg zurückwerfen und die Angst verstärken. Und solche Frustrationen können durch blöde Zufälle entstehen. Man muß da schon großes Glück haben, eine Zeitlang genügend viele positive Erfahrungen zu machen, die nicht nur banaler Art sind. Ich glaube, das schafft nur ausnahmsweise jemand allein, wenn überhaupt. Deshalb finde ich eine Therapie sinnvoller.

Grüße,

I.

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Psychosen kannst Du selbst nicht heilen.

? Psychosen?
owt

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