Hallo,
Dadurch vermeidet man aber ein „richtiges, abenteuerliches“
Leben und das Sammeln von Erfahrungen, die der
Weiterentwicklung dienen (dafür nötig sind).
ich möchte Dich bitten, das nicht so eng zu sehen. Wenn Du von den Menschen alle erworbenen psychischen Störungen wegdenkst, dann sind sie hinsichtlich ihrer anlagebedingten psychischen Konstitution immer noch in ähnlicher Weise untereinander verschieden wie in ihren körperlichen Merkmalen. So wie es große und kleine, oder blonde und dunkelhaarige Menschen gibt, gibt es auch solche, die von vorneherein eher Draufgänger sind, und andere, die eher vorsichtig sind. Solche Unterschiede hat man auch bei vielen Tierarten gefunden.
Deshalb gibt es nicht ein „richtiges, abenteuerliches“ Leben für alle, und Weiterentwicklung ist auch für jeden etwas anderes, für den einen „abenteuerlich“, für den anderen nicht notwendigerweise.
…Wobei diese Herausforderung in diesem Fall
nicht für den Ängstlichen gewollt ist (als Hilfe), sondern für
den Partner, der den Ängstlichen (eine Frau) immer verfügbar
haben will und verwöhnt werden will (und evtl. faul ist).
Tolle Partnerschaft, das. Ich verstehe diesen Satz auch nicht auf Anhieb, denn ist ein Ängstlicher nicht leichter verfügbar zu halten als ein Nicht-Ängstlicher? Vielleicht wäre die Distanzierung von so einem Partner eine sinnvolle Herausforderung für diese Person.
In einer Psychotherapie kann man sich auch verstecken, was die
meisten Angstpatienten wohl auch tun. Sie gehen brav zur
Therapie, aber ändern nicht wirklich etwas.
Muß nicht sein. Wenn einer aus eigenem Entschluß hingeht, will er ja etwas damit. Und ein guter Therapeut müßte zum einen bemerken, wenn der Patient sich versteckt, zum anderen die Konfrontation mit der Angst oder mit den Themen den Bedürfnissen und Möglichkeiten des Patienten entsprechend abstufen und dosieren. Man könnte es auch anders ausdrücken: der Patient entscheidet, wo im Moment seine Grenzen sind, und das gehört angesprochen, darüber müssen Patient und Therapeut sich verständigen. Wenn der Therapeut das nicht kann, gehört er gewechselt.
Daher dachte
ich, man könnte z.B. sagen, es hilft:
- regelmäßig das andere Geschlecht anzusprechen
- in einer WG zu wohnen
- versuchen, intensive Beziehungen zu führen
Wenn einer das auf sich allein gestellt machen will oder soll, dann sind das aber Gewaltmaßnahmen. Eine gröbere Zurückweisung beim Ansprechen eines Menschen des anderen Geschlechts, oder beim Versuch, intensive Beziehungen zu führen, kann einen schon arg zurückwerfen und die Angst verstärken. Und solche Frustrationen können durch blöde Zufälle entstehen. Man muß da schon großes Glück haben, eine Zeitlang genügend viele positive Erfahrungen zu machen, die nicht nur banaler Art sind. Ich glaube, das schafft nur ausnahmsweise jemand allein, wenn überhaupt. Deshalb finde ich eine Therapie sinnvoller.
Grüße,
I.