Vermenschlichung der Tiere

Hallo,

was veranlasst Menschen dazu, Tiere zu dressieren und sie dem Menschen gleichzumachen? Es ist ja ein besonderer Typ Mensch, der seine Bestimmung darin findet, einen Schimpansen als Babyersatz im Haus zu halten. Oder einen Hirsch, eingezäunt im 5 Quadratmetergitter in seinem Garten, vielleicht noch mit Blitzlichtgewitter der örtlichen Presse.

Psychologisch gesehen: Sperre ich meinen Schäferhund tagelang ein, habe ich ein psycholigisches Problem, dann wird der Tierschutz eingreifen.

Den Tod des kleinen Eisbären Knut nehme ich zum Anlaß zu folgenden Fragen:

Wie beurteilt man psycholgisch Menschen

die Tiere, in diesem Fall den kleinen Eisbär (ein Einzelgänger, der seine Ruhe braucht und allein durch die Arktis streifen will)

  1. einsperren in ein kleines Gehege
  2. tagtäglich stundenlang mit Blitzlichtgewitter fotografieren lassen
  3. ihn im Käfig von Fototermin zu Fototermin karren

Wie beurteilt man psycholigisch überhaupt Menschen,

die die Realität völlig vergessen?
die nicht mehr erkennen können, daß es Mensch und Tier gibt und darin ein Unterschied besteht.
Ich kann kein Pferd in meinem Wohnzimmer halten und erwarten, daß es sich neben das Sofa legt!
Menschen, die sich dann auch noch wundern und zutiefst trauern, wenn dieses Tier stirbt?

Und das Schlimmste: Die Ursache nicht bei sich selbst suchen.

Wie sehen es die Psychologen, woran unsere Menschheit krankt?
Das würde mich interessieren.

Grüße

Karin

Hallo,

soweit ich das überschaue, vermischt du unterschiedliche Verhaltensweisen.

was veranlasst Menschen dazu, Tiere zu dressieren und sie dem Menschen gleichzumachen?

Das müsstest du konkretisieren. „Dressur“ bedeutet zunächst mal primär das Ausbilden und Erziehen von Tieren. Diese ist notwendig, um ein Zusammenleben zwischen Mensch und Tier zu ermöglichen und um dem Tier Orientierung zu geben. Eine Vermenschlichung vermag ich hier nicht automatisch zu erkennen.

Es ist ja ein besonderer Typ Mensch, der seine Bestimmung darin findet, einen Schimpansen als Babyersatz im Haus zu halten. Oder einen Hirsch, eingezäunt im 5 Quadratmetergitter

Das wird in Deutschland eher selten vorkommen, da schiebt das Tierschutzgesetz einen Riegel vor.

Sperre ich meinen Schäferhund tagelang ein, habe ich ein psycholigisches Problem

Nicht unbedingt. Vielleicht habe ich nur einfach keine Ahnung von Hundehaltung oder keine Lust.

dann wird der Tierschutz eingreifen.

Nicht zwingend, wenn z.B. die Kriterien für Zwingerhaltung erfüllt werden.

Wie beurteilt man psycholgisch Menschen die Tiere, in diesem Fall den kleinen Eisbär (ein Einzelgänger, der seine Ruhe braucht

Die braucht er mitnichten. Er braucht eine Eisbärenmutter, die ihn auf- und erzieht. Hat er die - wie im Fall Knut - nicht, wäre die Tötung des Jungen die einzig akzeptable Vorgehensweise. Hier begann das menschliche Fehlverhalten mit der Entscheidung, den Bären mit der Hand aufzuziehen. Alles Weitere war daran gemessen vergleichsweise harmlos. Über den Sinn und Unsinn von Zoos an sich kann man sicherlich endlos diskutieren.

Wie beurteilt man psycholigisch überhaupt Menschen, die die Realität völlig vergessen?

Zum Beispiel als Tiersammler. „Animal Hoarding“ ist eine psychische Störung, die Menschen, die sich selbst als Tierfreunde und Tierschützer bezeichnen, vergessen lässt, dass sie nicht in der Lage sind, den von ihnen (zuhauf) gehaltenen Tieren ausreichende Versorgung zu gewähren.

die nicht mehr erkennen können, daß es Mensch und Tier gibt und darin ein Unterschied besteht.

Dabei dürfte es sich in vielen Fällen um Menschen handeln, die ein Problem im Umgang mit anderen Menschen haben.

Ich kann kein Pferd in meinem Wohnzimmer halten und erwarten, daß es sich neben das Sofa legt!

Das dürfte auch eher selten vorkommen. Vielleicht solltest du ein wenig weniger emotional, aber dafür etwas realistischer bleiben?

Wie sehen es die Psychologen, woran unsere Menschheit krankt?

Diese Frage lässt sich wohl kaum umfassend beantworten :smile:

Schöne Grüße,
Jule

Hallo,

was veranlasst Menschen dazu, Tiere zu dressieren und sie dem
Menschen gleichzumachen? Es ist ja ein besonderer Typ Mensch,
der seine Bestimmung darin findet, einen Schimpansen als
Babyersatz im Haus zu halten. Oder einen Hirsch, eingezäunt im
5 Quadratmetergitter in seinem Garten, vielleicht noch mit
Blitzlichtgewitter der örtlichen Presse.

Die Motive für die Tierhaltung sind unterschiedlich. Einen Grund hast Du schon genannt: der Babyersatz (oder auch überhaupt „Menschenersatz“). Das muss nicht unbedingt ein Affe sein. Typischerweise sind es Hunde oder Katzen, die von einsamen Menschen gehalten werden, die Deinem Titel am ehesten treffen. Die Katzen schlafen im Bett, sind überfüttert und dürfen überall hochspringen. Die Hunde sind neurotische Kläffer, selbstverständlich bekleidet und oftmals auch falsch ernährt.
Bei den exotischen Tieren, die üblicherweise nicht als Haustiere gehalten werden, geht es meist um das Extravagante - man möchte auffallen oder man hat sich in eine Tierart „verschossen“ und möchte es unbedingt haben - ungeachtet der Bedürfnisse der Art.

Psychologisch gesehen: Sperre ich meinen Schäferhund tagelang
ein, habe ich ein psycholigisches Problem, dann wird der
Tierschutz eingreifen.

Ich glaube, dass es eher ein rechtliches Problem ist und der Tierschutz greift erst ein, wenn dort auch etwas gemeldet wird. Was die Person für psychologische Probleme hat, wird niemanden interessieren.

Den Tod des kleinen Eisbären Knut nehme ich zum Anlaß zu
folgenden Fragen:

Wie beurteilt man psycholgisch Menschen

die Tiere, in diesem Fall den kleinen Eisbär (ein
Einzelgänger, der seine Ruhe braucht und allein durch die
Arktis streifen will)

Ich weiss nicht was man da psychologisch beurteilen kann. Eisbären werden in Gefangenschaft selten geboren. Eisbären sind vom Aussterben bedroht. Jatzt hat man da so ein kleines Exemplar dieser Gattung, das zwei Möglichkeiten bot: entweder per Menschenhand großzuziehen oder sterben lassen. Knut selbst wird bei der Auszucht kaum gelitten haben, denn Dörflein hat sich, so weit ich das mitbekommen habe, sein Leben für den Bären geopfert und sich auf Augenhöhe seines Schützlings begeben. Dass der Eisbär nicht ausgewildert werden soll, war von Anfang an klar - somit ist es egal ob das Tier sich selbst versorgen kann oder nicht. Die Menschenmassen haben sicher Stress verursacht, wobei die Besucher lange Zeit nur Stundenweise zugelassen waren.
Der Berliner Zoologische Garten ist ein Zoo der „alten Schule“ - mit einem inzwischen völlig überholten Konzept. Darüber kann man diskutieren, aber das betrifft alle Tiere in dem Zoo.
Der kleine Eisbär hat aber durch seine Lebenslage die Öffentlichkeit auf die Gefahr des Fortbestehens seiner Art aufmerksam gemacht. Das sollte als Pluspunkt so stehen bleiben und hat nichts mit Vermenschlichung zu tun.

  1. einsperren in ein kleines Gehege

Das ist im Zoologischen Garten bei allen Tieren der Fall und hat nichts mit Vermenschlichung zu tun.

  1. tagtäglich stundenlang mit Blitzlichtgewitter fotografieren
    lassen

Hat auch nichts mit Vermenschlichung zu tun, sondern mit dem öffentlichen Interesse und der Vermarktung des Produktes Knut.

  1. ihn im Käfig von Fototermin zu Fototermin karren

s.o.

Wie beurteilt man psycholigisch überhaupt Menschen,

die die Realität völlig vergessen?

Wahrnehmungsstörung. Das von Dir gemeinte ist aber eher fehlende Fachkenntnisse und wahre Empathie mit dem Geschöpf.

die nicht mehr erkennen können, daß es Mensch und Tier gibt
und darin ein Unterschied besteht.

Ich kann kein Pferd in meinem Wohnzimmer halten und erwarten,
daß es sich neben das Sofa legt!

Menschen, die sich dann auch noch wundern und zutiefst
trauern, wenn dieses Tier stirbt?

Ich war neulich beim Tierarzt im Wartezimmer. Da kam eine Frau mit einem Katzentransportkorb heraus und mein Sohn rannte hin und sagte freudig: „Wir haben auch so einen Korb und eine Katze, guck mal!“ Die Frau antwortete nicht. Da schaute ich aus meinem Buch hoch und die Frau an, die es nicht für nötig hält einem 6-jährigen zu antworten und sah dass sie weinte. Ich sagte zu meinem Sohn, schau mal, sie ist traurig. Er setzte sich hin und frage mich was los ist. Sie sagte dann mit kehliger Stimme zu meinem Kind „das gehört zum Leben dazu“. Das hat mich so berührt, dass mir auch gleich die Tränen in den Augen standen. Kurz danach kam die Tierärztin heraus und ich sagte: Ach, ist das traurig, wenn ein Tier stibt. Sie lächelte nur und meinte, dass es dem Tier nun endlich gut geht. Sie hätte schon lange nicht mehr so eine verwahrloste Katze gesehen.

Und das Schlimmste: Die Ursache nicht bei sich selbst suchen.

Da hast Du recht - trifft aber auf vielen Bereichen der Menschen zu - Haupttopic: Beziehungen!

Wie sehen es die Psychologen, woran unsere Menschheit krankt?
Das würde mich interessieren.

Wenn es um die Tiere geht, so ist das ein schwieriges Feld. Man sagt ja auch „jemanden wie ein Tier behandeln“ und meint damit nichts Gutes. Was ist schlimmer: ein Chihuahua im rosa Strickmäntelchen, der nie einen eigenen Schritt nehmen darf, da er immer getragen wird oder ein Huhn, dass nie das Sonnenlicht sehen oder scharren darf und ein Paar Zentimeter Gitter zum Laufen hat?

Die Menschen haben schon immer die Tiere ausgenutzt und tun es immer noch - ob durch Chi chi (Hunde, Katzen, Affen), Massentierhaltung (z.B. Hühner, Schweine oder Rinder) oder als Wirtschafts- und Prestigeobjekt (z.B. Tiger, Geparden, Schlangen oder Pferde).

Die Menschen sind in ihrer Masse einfältig. Nach „Crocodile Dundee“ haben sich die Amis haufenweise Krokodile und Alligatoren angeschafft, die in sogar in der New Yorker Kanalisation zur Plage wurden. Nach Harry Potter war das Lieblingshaustier der Engländer Eulen.

Mit Tierliebe hat das Alles nichts zu tun. Ich würde aber der alten Tante mit ihren verzogenen Pudel, der nie ohne Mäntelchen rausgehen darf, nichts vorwerfen - das steht in keinem Verhältnis zu dem was man tagtäglich im größeren Umfang unterstützt: die Fleischproduktion, die Vernichtung der natürlichen Lebensräume, die Gier dem Tier nahe zu sein (Whalewatching, Delphinarien) oder der Konsum von Medikamenten und Kosmetika, die in Tierversuchen getestet wurden.
Auch die Psychologie bedient sich der Tierversuche und das deutsche Recht sieht das Tier als Sache - da ist zum echten Tierschutz noch ein langer Weg!

Viele Grüße