Vermieten oder Verkaufen?

Hallo,
ich hätte gerne eure fachliche Meinung zu folgendem Fall:
A und B erben von ihren Eltern gemeinsam ein Haus. Wert: 500 000 bis 600 000 Euro.

A hat ein gesichertes Einkommen als Bankangestellter, ein schuldenfreies Einfamilienhaus und würde das geerbte Haus gerne vermieten. Geschätzte Mieteinnahme: 2000 Euro.

B ist selbstständig und besitzt ein Einfamilienhaus im Wert von 500 000 Euro, das mit etwa 90 000 Euro belastet ist. Der Kredit läuft im kommenden Jahr aus und könnte für eine Rate von 530 Euro (für 10 Jahre) verlängert werden. Andere Banken bieten zwar grundsätzlich günstigere Konditionen, haben B aber wegen seiner Selbstständigkeit bereits als Kunde abgelehnt.

B würde außerdem gerne in sein Haus investieren, besitzt dafür aber keine Rücklagen und bekommt natürlich auch keinen Kredit von der Bank – siehe oben.

Mit Mieteinnahmen, die vermutlich die Bonität von A steigen lassen würden, ist frühestens nach dem Räumen des Hauses in drei Monaten zu rechnen. Aufgrund der Zinsentwicklung müsste der Kreditvertrag aber auf jeden Fall zeitnah verlängert werden.

B sagt sich nun: Wenn wir das Haus behalten, dann bleiben nach Abzug meiner Zinsen (530 Euro) und einer Rücklage für Investitionen im vermieteten Haus (10 %, also 100 Euro) nur 370 Euro im Monat übrig. Gleichzeitig bringen kleine Mietwohnungen in dieser süddeutschen Millionen deutlich mehr Rendite als Häuser. Mein Partner C besitzt zum Beispiel eine Wohnung im Wert von 100 000 Euro (lt. Gutachten), die nach Abzug der Nebenkosten und Rücklagen für Investitionen etwa 350 Euro Rendite im Monat abwirft.

Mal angenommen, wir verkaufen das Haus für 500 000 Euro, dann bekomme ich davon 250 000 Euro, zahle 90 000 Euro Kredit zurück, kaufe eine Wohnung für 100 000 zzgl. 10% Kaufnebenkosten (110 000 Euro), dann habe ich ebenfalls etwa 350 Euro Rendite - und mir bleiben 50 000 Euro übrig, die ich in mein Wohnhaus investieren kann. Außerdem sitzt mir keine Bank mehr im Nacken. Gibt es in der Wohnung einen Mietausfall, habe ich im schlimmsten Fall halt keine Rendite – gibt es im Haus einen Mietausfall, muss ich trotzdem die Zinsen weiter bedienen. Außerdem ist die Vermietung eines Hauses aufwändiger als die einer Wohnung, bei der sich die Hausverwaltung um alles kümmert. Wenn die Heizung im vermieteten Wohnhaus erneuert werden muss, muss ich am Ende noch tausende Euros nachschieben, bei der Mietwohnung beträgt mein Anteil vielleicht ein paar Hunderter.

A meint, es wäre ein Fehler, eine Immobilie zu verkaufen, um eine andere anzuschaffen; hier würde man nur unnötig Steuern und Abgaben zahlen.

Was sagt ihr zu den Überlegungen von A und B? Hat das Hand und Fuß? Hat A unrecht? Oder hat sich B an entscheidender Stelle verrechnet?

Liebe Grüße,
Max

Moin,

ich hätte gerne eure fachliche Meinung zu folgendem Fall:

jeh nuh.
Bei solchen Summen sollte man alle Unterlagen nehmen und gemeinsam zu einem Steuerberater und/oder Vermögensberater gehen und mit dem den Fall verhackstücken.

Wir kennen jetzt nur Teile der Geschichte und entsprechend unsauber wären die Ratschläge.

Gandalf

Hallo Gandalf!

Bei solchen Summen sollte man alle Unterlagen nehmen und
gemeinsam zu einem Steuerberater und/oder Vermögensberater
gehen und mit dem den Fall verhackstücken.

Gehen wir mal davon aus, daß Bs Finanzberater der Ansicht von B ist und As Steuerberater der Ansicht von A. :smile:

Wir kennen jetzt nur Teile der Geschichte

Was für Teile könnten denn noch releant sein?

und entsprechend
unsauber wären die Ratschläge.

Ich suche nicht so sehr nach Ratschlägen als nach zusätzlichen Gedankenanstößen - wenn die mir aufzeigen, an welche Punkte man noch genau hinschauen muss, damit’s sauber wird, um so besser. Ein "Das hängt davon ab, ob … " zeigt mir zumindest, was alles zusätzlich berücksichtigt werden sollte. Auch in Vorbereitung auf die weiteren Gespräche mit Steuerberater und Finanzberater.

Gruß,
Max

Hallo,
ich würde das Haus verkaufen und somit klare Verhältnisse schaffen!

Und ein Verkauf reduziert deutlich die Wahrscheinlichkeit von späteren Streitereien, wenn es zum Beispiel darum geht, Mieter zu finden, die brav monatlich 2.000 in die Kasse spülen.

B wird nämlich voraussichtlich jederzeit ein großes Interesse haben, dass diese Zahlungen regelmäßig reinkommen… während A das auch problemlos aussitzen könnte…

Besonders problematisch wird es bei Renovierungen oder Instandhaltungsarbeiten, die in Eigenleistung erbracht werden:

Es ist fast unmöglich, dass A+B genau die gleiche Leistung dazu erbringen, also muss ein Ausgleich erfunden werden, der auch schon wieder Streitthema werden könnte…

Also: Schnellsten weg mit der Hütte!!

Gruss
Hummel

B ist selbstständig und besitzt ein Einfamilienhaus im Wert von 500 000 Euro, das mit etwa 90 000 Euro belastet ist. Der Kredit läuft im kommenden Jahr aus und könnte für eine Rate von 530 Euro (für 10 Jahre) verlängert werden. Andere Banken bieten zwar grundsätzlich günstigere Konditionen, haben B aber wegen seiner Selbstständigkeit bereits als Kunde abgelehnt.
Fremdkapitalquote unter 20%? Da lehnt keine Bank ab.

vnA

Da lehnt keine Bank ab.

Dachte ich auch. Die Realität aber widerlegt die Theorie. Nimm es als ein Fakt: Vier Banken unterschiedlichster Couleur haben abgelehnt. Begründung: Wir schauen nicht auf die Sicherheit, sondern auf den Steuerbescheid - und da steht, daß sie fast kein zu versteuernders Einkommen haben! Antwort: Klar steht das da - dafür zahl ich meinem Steuerberater und meiner Buchhaltung auch viel Geld, daß ich am Ende kaumn zu versteuerndes Einkommen haben. Frage: Und wovon bezahlen Sie dann Auto, Strom, Telefon? Antwort: Schon mal was von Betriebsausgaben gehört? Bank: Das interessiert uns nicht, wir gehen nach dem zu versteuernden Einkommen …

Ich wollte es auch nicht glauben und dachte zuerst, ich wäre nur an den Depp vom Dienst bei einer Bank geraten - aber es lief bei vier Banken (Großbank, Sparkasse, örtliche Hausbank, Volksbank) identisch ab.

Gruß,
Max

Guten Morgen,

eine Möglichkleit, die mir noch einfällt:

A kauft die Haushälfte von B ab zum 1/2 Verkehrswert. Somit kann A das Haus vermieten, und B kann seine Hälfte wie angemerkt verwenden zu Entschuldung, Renovierung und Wohnungskauf.

Gruß, Harry

Folgende Gesichtspunkte wären für mich noch ausschlaggebend:

* da fehlt noch die langfristige Wertebetrachtung der Immobilie „Haus“ (Werterhaltung, Wertentwicklung im Gegensatz zur kleinen Wohnung oder zum abgezahlten Kredit),das hängt aber stark von der Lage und vom Zustand der Immobilie ab.

* eine andere Betrachtung ist die Werterhaltung für die eigenen Erben (sind Kinder da, die sich dafür Interssieren würden?, etc.). Nicht zu vergessen: Schenkungs- und Erbschaftssteuer im Ggs. zu Geldanlagen.

* was schon angeklungen ist: ein Haus kann auch belastend sein, es ist ggf. mit größeren Erhaltungsaufwendungen und mit Pflichten verbunden (-> Straßenbau, -sanierung und Umlegung auf die Anwohner, etc.).

Gruß, Hans.