Verplichtung familie aber jedes wort verletzt

hallo,

erstmal möchte ich klar stellen das ich keine psychologische beratung brauche. ich brauche tips wie man dingen gegenübertreten kann ohne sie zu nahe an einen ran zu lassen.

ich bin bei meinen großeltern aufgewachsen.
beide liebe ich von ganzem herzen, da sie für mich nie oma und opa waren, sondern eher eltern. immerhin habe ich dort gewohnt, mit ihnen gelebt, mich als kind an ihnen orientiert und als vorbilder genommen.

leider ist meine oma durch schicksalschläge sehr verbittert.

jeder bei uns wird mit vorwürfen überhäuft, nie hört man worte wie: du schaffst das schon, alles wird gut.
hier heißt es: du bist zu dumm, zu faul usw.
man kann einfach nur da sitzen und nichts sagen, den kopf einziehen und hoffen das es einen nicht trifft. doch man kann dem nie entgehen!
sagt man auf die vorwürfe etwas, ist es garantiert auch falsch!

ich habe dieses thema bereits mit psychologen besprochen. der rat von ihnen war immer der selbe. wenn es zu verletzend ist, sollte man begegnungen aus dem weg gehen bzw den kontakt abbrechen.

leichter gesagt als getan! immerhin gibt es ja auch einen menschen der darunter leidet, nämlich mein opa.

konkret hab ich ihr sonntag eine sms geschickt zum muttertag und heute die antwort erhalten das sie ja eh nur die doofe oma ist. es war lieb gemeint, kam von herzen und jetzt verletzen mich diese worte unglaublich, da sie mir zu verstehen gibt das sie muttertagswünsche von mir nicht annimmt weil ich ja nur die enkelin bin und sie mir eh unterstellt das ich sie hasse. denn niemand liebt sie!

wie kann man so einem menschen gegenübertreten? immerhin liebe ich sie ja, so paradox wie es vielleicht ist.

gibt es wirklich nur diesen einen weg den kontakt abzubrechen?

oder kann mir jemand ein buch empfehlen wie man mit solchen konfrontationen umgehen kann?

kann mir jemand aus erfahrung vielleicht einen tip geben was ich tun kann um mir solche dinge einfach nicht zu herzen zu nehmen?

es muß doch noch etwas anderes geben als einfach alles abzubrechen!

ich hoffe das ich jetzt nicht gegen die regeln verstoße mit dieser anfrage!

vielen dank für alle ratschläge die ihr geben könnt!

gruß

Hallo Dominique,

darf ich fragen wie alt deine Oma ist?

Leider ist es so, dass im Alter manche Charaktereigenschaften immens verstärkt werden. War deine Oma denn schon immer so oder ist das erst seit einiger Zeit so?

Eventuell kann es sein, dass deine Oma eine Altersbedingte Krankheit hat, die ihr negatives Verhalten erklärt. Mir würde da z.B. Altersdemenz einfallen. Manche ältere Menschen werden garstig mit ihren Mitmenschen, weil sie es verständlicher weise selber nicht ertragen können immer mehr zu vergessen. Mit dieser Unnahbarkeit wollen sie ihre Vergesslichkeit auch oft vertuschen.

Hier mal ein Link wo du die Symptome von Demenz nachlesen kannst. Vielleicht hast du das ein oder andere mal bei deiner Oma beobachtet.

http://www.caritas.de/21157.html

Das ist nur eine Vermutung von mir, das möchte ich unbedingt hinzufügen!

Gruß

Samira

hallo samira!

vielen dank für deine schnelle antwort!

sie ist 67 und seit gut und gerne 20 jahren verteilt sie schon ihre giftspritzen unter uns.
also eher weniger demenzkrank.

leider ist sie wirklich verbittert durch ihr leben.
und je älter sie wird, desto schlimmer wird es auch!
uns tut es ja auch leid das ihr leben so schwer war und mir tut es zb auch in der seele weh das ich nicht immer ein „artiges“ kind war und sie auch mal geärgert habe wenn ich meinen dickschädel durch setzen wollte!

ich wünschte ich könnte einfach sagen, rechts rein links raus!
oder die gelassenheit zu besitzen mir zu denken, egal was sie sagt, sie meint es eigentlich nicht böse! aber leider trifft es mich einfach immer mit voller härte!

Hi,

du musst dir eins vor Augen halten:
Man kann nciht einfach mit anderen Menschen umspringen, wie man möchte. Egal, ob Oma, Opa, Bruder, Freund,…
Gibt es die Hemmschwelle nicht mehr, dass man sich eine verletzende Bemerkung auch mal verkeift, und gibt es die Wahrnehmung nicht mehr, dass man sich entschuldigen könnte, dass sogar der Beschimpfte auf eine Erwiderung noch ärger beschimft wird, dann stimmt etwas Grundlegendes nicht mehr.
Meistens komtm man an das „WAS“ nicht heran, die Person (deine Oma) müsste das wollen und zulassen und sich fachgerecht behandeln lassen.
Du kannst es nur ertragen (warum?) oder den Kontakt (zumindest zu deiner Oma) abbrechen.
Grüße,
JPL

Hallo!

Der Weg um mit Verletzung besser umgehen zu können ist- Verständnis!

Dein Grossmutter hat ein Leben gelebt- viel erlebt…und Du wirst Vieles von ihr nicht wissen und daher auch überhaupt nicht verstehen können.
Sie ist verbittert schreibst Du- und das hat ja Gründe.

Vielleicht versuchst Du mal ihre Lebensgeschichte zu erfahren?

Frage sie selber- sofern sie darüber sprechen möchte…spreche mit Deinem Opa…vielleicht mit anderen Menschen, die allerdings mit einem liebevollen Blick auf sie sehen können.

Damit schaffst Du eine gewisse Distanz- nämlich nicht nur wie eine Tochter auf Liebe und Anerkennung warten- sondern auch mit dem Verstand eines Erwachsenen diesen Menschen ansehen und vielleicht lernen nachzuvollziehen, warum sie so ist.

Ob Du dann für Dich entscheidest, Dich zurückzuziehen…den Kontakt vielleicht anders zu gestalten ( lernen, mit weniger zufrieden zu sein) wirst Du sehen.
Immerhin- hat sie Dir ein Aufwachsen ermöglicht, was Dir doch- so klingt es- auch gut getan hat…schön für Dich war…-- alleine das ist doch eine sehr besondere Leistung, für die man sehr dankbar sein kann!

kitty

Hallo,

erstmal möchte ich klar stellen das ich keine psychologische beratung brauche.

Nunja. Letzten Endes bist du es, die ein Problem hat, mit der Situation zurechtzukommen. Und die Ursachen, warum das so ist, liegen in dir begründet.

Mir scheint, dass das Gefühl, nichts wert zu sein, tief sitzt. Dazu mag zum einen beigetragen haben, dass du - aus welchen Gründen auch immer - nicht bei deinen Eltern aufwachsen konntest, aber auch das Verhalten deiner Großmutter mit ihren Schuldzuweisungen hat da sicher seinen Anteil.

Du bist längst erwachsen, doch die Sehnsucht, die in dir steckt, liebevoll behandelt zu werden und etwas von der Liebe, die du gegeben hast, zurückzubekommen, ist die eines ungeliebten Kindes. Aus diesem Grund gelingt es dir auch nicht, die Verletzungen einfach wegzustecken oder dich zu distanzieren: Im Grunde deines Herzens hoffst du verzweifelt, dass es einen Weg gibt, diese Liebe doch noch zu erlangen.

Für einen Erwachsenen, der seine Kindheit im Urvertrauen auf die Liebe seiner Familie erleben konnte, gibt es im Normalfall Probleme, wie du sie beschreibst nicht. Auch wenn Eltern im Alter vielleicht eher unerfreuliches Verhalten zeigen, trifft es einen nicht mehr existenziell. Wenn dieses Urvertrauen allerdings nie da war, rennt man oft sein Leben lang dem Gefühl nach Liebe und Geborgenheit hinterher.

ich brauche tips wie man dingen gegenübertreten kann ohne sie zu nahe an einen ran zu lassen.

Dafür gibt es keine Tipps, denn wie schon geschrieben: Du kannst nur gehen oder es aushalten. Verändern kannst du es ebensowenig, wie du es weniger schmerzhaft machen kannst. Das könnte nur deine Großmutter. Und die ist dazu ganz offenbar nicht fähig.

Schöne Grüße,
Jule

@ kitty… was du schreibst, hat hand und fuß.
nur… wie soll ichs sagen, ich kanns einfach nicht.
woher ihre verbitterung stammt, dass wissen wir alle. wir kennen die geschichten. aber…
sie war doch mal anders, warum wird sie jetzt so bösartig das sie einfach alles und jeden verletzt oder vertreibt?
im herzen ist sie gut, wenn wir probleme haben, dann hilft sie wo sie kann, nur halt nicht ohne vorhaltungen…
ich hab verständnis, es tut mir sooo leid für sie! wenn ich könnte würd ich all ihre bitteren erfahrungen auf meine schultern nehmen, nur um sie wieder so unbeschwert und nett zu erleben wie sie früher war.
und helfen lassen wird sie sich nie! denn sie sieht ihre eigenen giftspritzen nicht.
früher hatten sie viele freunde, heute sind fast alle in die flucht geschlagen weil jeder sein paket von ihr bekommt. früher haben wir uns als familie gerne getroffen und zusammen gesessen, heute geht jeder mit unwillen hin bzw gibt es auch schon welche die sich das nicht mehr antun.
es ist so schwer diese ständigen bitteren anschuldigungen zu ertragen wenn sie aus dem mund eines menschen kommen den man so sehr liebt!

@jlp genau das haben mir psychologen bis jetzt geraten! aber so ganz bring ich es einfach nicht übers herz! genau da liegt mein problem.

Hallo!

Es gibt dazu nur einen Satz: Änder Dich oder die Situation.

Die Situation wirst Du nicht ändern- weil Du Deine Oma nicht ändern kannst!
Verstehen, warum sie sich so geändert hat- wirst Du vermutlich auch nicht.

Also- bleibst nur DU!

Du kannst das, was Deine Oma mitmacht- mitgemacht hat nicht tragen- das ist IHRES!
Aber Du kannst nach DIR schauen!

Wenn Du sagst, sie ist innerlich ein guter Mensch- dann sage Dir, daß sie Dir das Beste wünscht und würde DANN auch verstehen, wenn Du Dich zurückziehst.

Man muss nicht alles verstehen…man muß nur wissen, ab wann man unter einem anderen leidet und dann für sich den besten Weg finden!

kitty

Verpflichtungen anderen gegenüber . . .
Hallo,

„Verpflichtungen anderen gegenüber dürfen nicht die Untreue mir selbst gegenüber beinhalten“ oder anders ansugedrückt „Man kann anderen durch Selbstverleugnung nicht helfen“.

Du willst Deiner Oma helfen - schreibst Du. In Wahrheit willst Du, dass sie sich ändert. Darauf hast Du aber keunen bzw. kaum Einfluss und wenn sie das nicht will, kannst Du gar nichts machen.

Offenbar will sie nicht - also bleibt nur, bei Dir bzw. bei Deinem Umgang mit dem Thema und den zugehörigen Menschen was zu ändern. „Abstand halten“ ist m. E. ein guter Tipp.

hallo tom,

das sie sich nicht ändern wird, weiß ich.
mir gehts nur darum wie ich lernen kann damit umzugehen das es so unumstößlich ist und sehr wahrscheinlich noch schlimmer wird…

Hallöchen,

Meine Mama hat auch solche Phasen, wo die ganze Welt schlecht ist.
Dann bekomme ich auch imemr einiges ab (falscher Freund, kann nicht mit Geld umgehen lalala, alles solche Kleinigkeiten)

  1. hab ich mir angwöhnt, nicht mehr auf diese Tiraden einzusteigen, sondern sie vor sich hinschimpfen zu lassen
  2. wenn sie mal wieder ein besonders schlechten Tag hat, sag ich, meistens am Telefon (sie wohn weiter weg), dass ich jetzt auflege, da es kein Zweck hat, ich meld mich wieder, wenn sie besser drauf ist.
  3. nicht mehr alles erzählen. sie erfährt nur noch das, was ich für „ungefährlich“ halte, und sie nicht auf die Palme bringt.

Du für Dich musst Dir immer klar machen, dass sie nicht Dich persönlich meint, die Angriffe sind nur ein Ausbruch ihrerseits, den sie einfach nicht kontrollieren kann.

Dickes Fell hilft da ungemein, Abstand halten, und es sich nicht zu Herzen nehmen.

Das dauert eine Weile, aber man kann es wirklich lernen.

LG
Wölkchen

2 „Gefällt mir“

Situation z.B. mit Humor entspannen
Hi

konkret hab ich ihr sonntag eine sms geschickt zum muttertag
und heute die antwort erhalten das sie ja eh nur die doofe oma
ist.

Spontan hätte ich da zurück geschrieben:
„Stimmt schon, aber ich mag dich trotzdem.“

gibt es wirklich nur diesen einen weg den kontakt abzubrechen?

Überhaupt n icht. Man braucht nur die Strategie zu ändern und schon ändert sich die gesamte Kommunikation zwischen euch. Wenn du die Sache mit Humor und locker angehst, kommt das alles anders rüber und tzurück, könnte ich wetten. Wenn Oma allerdings schon so dement und paran oid ist, dass sxie damit gar n kichts mehr anfangen kann, nun gut, dann wars trotzdem den Versuch wert.
Ein Freund von mir ist 94 Jahre alt und noch völlig klar im Kopf. Manchmal „muss“ ich aber seine zeitweise bittere Stimmung mit kleinen Scherzen aufbrechen.

oder kann mir jemand ein buch empfehlen wie man mit solchen
konfrontationen umgehen kann?

Vergiss die Bücher, probier lieber neue Strategien aus.

kann mir jemand aus erfahrung vielleicht einen tip geben was
ich tun kann um mir solche dinge einfach nicht zu herzen zu
nehmen?

Tipps sind nichts wert. Obwohl - vielleicht war das hier auch einer. :wink:

es muß doch noch etwas anderes geben als einfach alles
abzubrechen!

Siehe oben!

ich hoffe das ich jetzt nicht gegen die regeln verstoße mit
dieser anfrage!

Regeln sind zum Brechen da.
Gruß,
Branden

Hallo Jule,

tschuldige wenn ich mich kurz einklinke. Ich fand deine Antwort nur so aufschlussreich. Kennst du vielleicht ein Buch, in dem man das mit dem Urvertrauen nachlesen kann?

MfG
Elmar00

Ändern kann man daran schon etwas, würde ich sagen. Menschen, die in der Lage sind, ihre emotionale Abhängigkeit zu hinterfragen und sich davon lösen können, dass die Liebe von den Eltern oder Großeltern kommen muss und gleichzeitig liebevolle Freunde oder einen liebenvollen Partner haben, das hilft ihnen zu wachsen. In unserer heutigen Ego-Gesellschaft finden sich aber immer weniger Menschen, die die Lücke kompensieren könnten. Die Großfamilie existiert nicht mehr, viele Familien bestehen nur noch aus einem (oft überforderten) Elternteil (meistens Mutter) und das Kind bzw. die Kinder. Studien haben bereits gezeigt, dass es in den Biographien von Menschen die in ihrer Kindheit Probleme hatten und es trotzdem geschafft haben, wichtige Personen gab, die sie in der Entwicklung unterstützt haben.
Also: erkennen, wie die Zusammenhänge sind und woanders Liebe suchen, wenn es im Elternhaus damit nicht klappt!

Alles Gute
von Elmar!

Hi,

ich muss sagen, in diesem Fall hat Branden mal voll und ganz recht.

Aber auch wenn Du keine psychologische Beratung brauchst: Du willst ja nicht nur wissen, wie man ‚einem solchen Menschen‘ gegenübertritt, sondern eben gerade, wie man das dann nicht so nah an sich ran läßt.

Nun, erstmal werden auch manche Menschen ‚einfach so‘ im Alter bitter und zankig, meistens solche mit Demenz. Aber bei jemand dementen ist es natürlich etwas einfacher, das einfach an sich abprallen zu lassen.

Deine Oma ist wohl der Meinung, dass sie eben ‚nur‘ die ist, die sie ist, und dass sie nicht liebenswert ist (was sie durch ihr Verhalten ja in gewisser Weise zur Wahrheit werden lässt).

Nun, um andere zu lieben & ihnen Liebe zu zeigen, muss man sich erstmal selbst lieben. Das tut Deine Oma wohl weniger…

Sprich, Du solltest eigentlich sozusagen Mitleid mit Deiner Oma haben. Sie ist sicherlich nicht gerne so, wie sie ist, und sie ist sicherlich auch nicht glücklich darüber, mit ihrem Verhalten Freunde & Verwandte vertrieben zu haben.

Dass sich Leute zurückziehen, ist für sie aber natürlich auch eine Bestätigung, dass sie nicht liebenswert ist… etc. Teufelskreis.

Du sagst, Du kannst Deine Oma nicht ändern. Die Strategie der Kommunikation (siehe Branden) schon.

Aber auch für Dich kannst Du versuchen, Ihr Verhalten eben nicht ‚persönlich‘ zu nehmen, sondern es als Ausdruck ihres Leidens zu verstehen, sozusagen. Klar, schwerer gesagt als getan. Wenn mich jemand runtermacht, nehm’ ich’s auch erstmal persönlich. Aber ich kann das dann auch ganz rational in ein Verhaltensmuster einordnen, dass mit mir absolut nichts zu tun hat.

gruss, isabel

Hallo,

zu Bindungstheorie und Urvertrauen gibt es einiges an Literatur. Vielleicht googlest du zunächst mal die beiden Begriffe, da wirst du sicher auf Weiterführendes stoßen. John Bowlby könnte dich vielleicht interessieren - aber ganz bestimmt auch viele andere.

Schöne Grüße,
Jule