Versailler Vertrag

Guten Abend!

Der Versailler Vertrag wurde - und wird wohl von manchen heute noch - „Schandvertrag“ genannt.

  1. Wer hat den Begriff geprägt?
  2. Wurde dieser Vertrag gleich nach dem Bekanntwerden der Bedingungen so genannt?
    D.h. im Frühjahr 1919?
  3. Oder hatte Hitler, die Nazis den Begriff dann kultiviert?

Danke, Stucki

Wer genau den Begriff geprägt hat, weiß ich nicht, aber er kursierte schon 1919 gemeinsam mit der Dolchstoßlegende in rechtskonservativen Kreisen. Hitler ging vor allem mit dem Begriff „Novemberverbrecher“ hausieren.
Der Begriff bezieht sich vor allem auf §231 (Kriegsschuldparagraph) des Vertrages, in dessen Zusammenhang die immensen Reparationsforderungen zu stellen sind.

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Also das halte ich für falsch… Schandvertrag wurde er eben nicht nur in rechten Kreisen genannt… sondern fast die gesamte deutsche Bevölkerung sah ihn als Schande an… Deutschland trug die Alleinschuld, hatte Reparationen zu zahlen, die es nie hätte zahlen können und wurde politisch wie militärisch derart verkleinert das man nicht im geringsten nach aussen stark war. Deswegen war Hitler doch unter anderem auch erfolgreich weil er Revisionspolitik betrieb, was ein grossteil der Deutschen verlangte. Dolchstoss - ja- das war eindeutig rechts aber Schandvertrag eben nicht. Selbst Chruchill schreibt in seinem Werk, das dieser Vertrag unerfüllbar war und der frz. Marschall Foche sagte unmittelbar nach der Unterschrift… das dies einen Waffenstillstand auf 20 Jahre bedeutete. Er hatte leider recht.
Das Problem war doch, das der Vertrag vor allem die milit. Sträke Deutschlands minderte… wo hingegen Frankreich und England usw. ihre militärische Stärke behielten, ja sogar aufrüsteten. Ansich logisch der Gedanke der dann kommt. Da England diese Diskrepanz sah… kam es in den 20ern zu verschiedenen Abrüstungskonferenzen…

Grüsse Robert

Versailler Vertrag, Dolchstoß usw.
Hallo,

… Schandvertrag wurde er eben
nicht nur in rechten Kreisen genannt… sondern fast die
gesamte deutsche Bevölkerung sah ihn als Schande an.

Die Frage ist: Von wem wurde er kultiviert, zielgerichtet benutzt usw.

Deswegen war Hitler doch unter anderem
auch erfolgreich weil er Revisionspolitik betrieb, was ein
grossteil der Deutschen verlangte.

So weit ich gelesen habe, war das schon etwa Anfang der 30er Jahre kein Thema mehr. Reparationen liefen fast aus, D war wirtschaftlich ebenso weit wie die Nachbarstaaten - nur da war die Weltwirtschaftskrise …

Dolchstoss - ja- das war eindeutig rechts …

Angeblich war der Begriff von einem englischen General gegenüber Hindenburg genannt worden.

… aber Schandvertrag eben nicht.
Selbst Chruchill schreibt in seinem Werk, das dieser Vertrag
unerfüllbar war und der frz. Marschall Foche sagte unmittelbar
nach der Unterschrift… das dies einen Waffenstillstand auf 20
Jahre bedeutete. Er hatte leider recht.

Die Amerikaner waren gegen den Vertrag, da sie ihn für die Wurzel weiterer Konflikte hielten, konnten sich aber nicht durchsetzen. Andererseits war der V.Vertrag, verglichen mit dem Frieden von Brest-Litowsk zwischen Russland und D ein Jahr zuvor, eher als „milde“ zu bezeichnen.
Die Frage ist aber doch, wie weit der Vers. Vertrag die Ursache für Hitler und dann den 2. Weltgrieg war. Zum Teil wohl; Hauptursache scheint mir, dass die konservativen Kreise und das Militär die Niederlage nicht verkraften konnten. Sie haben schon weit vor Hitler in den 20er Jahren im Geheimen eine Planung für einen Revanchekrieg gemacht (Quelle: DIE ZEIT, Nr.11, 7.3.1997).

Gruß, Stucki

Hi!

Die Amerikaner waren gegen den Vertrag, da sie ihn für die
Wurzel weiterer Konflikte hielten, konnten sich aber nicht
durchsetzen. Andererseits war der V.Vertrag, verglichen mit
dem Frieden von Brest-Litowsk zwischen Russland und D ein Jahr
zuvor, eher als „milde“ zu bezeichnen.

Exakt das, dieses „eher als ‚milde‘ zu bezeichnen“, ist das Versagen des Versailler Vertrages. Im Endeffekt ist mit dem Versailler Vertrag eine bedingte Kapitulation unterschrieben worde. Die Festlegungen des Vertrages über Kriegsschuld, Gebietsabtritte, Reduzierung der Streitkräfte und Reparationszahlungen waren so hart, dass rechtsnationale Kräfte sie erfolgreich als Agitationsgrundlage nutzen konnten. Aber die Bedingungen waren nicht hart genug, um in politischen Kreisen und in der Bevölkerung den Wunsch nach „Nie wieder!“ aufkommen zu lassen.

Als die Bedingungen des Versailler Vertrages bekannt wurden, lehnte Scheidemann die Unterschrift darunter mit den Worten ab: „Welche Hand müsste nicht verdorren, die sich und uns in diese Fesseln legt?“ In Militärkreisen wurde sogar erwogen, den Krieg wieder aufzunehmen - was unweigerlich zu einer Katastrophe geführt hätte. Die Kaiserliche Marine hat so gehandelt, als sie bei der Übergabe der Flotte in Scapa Flow die eigenen Schiffe versenkte. Eine solche selbstgewählte Totalvernichtung war dem Heer und damit der Zivilbevölkerung logischerweise nicht zuzumuten.

Der Versailler Vertrag hat nicht nur zum Aufstieg rachtsnationaler Kräfte und der Nationalsozialisten geführt, sondern war auch maßgeblich dafür verantwortlich, dass der Zweite Weltkrieg für Deutschland in einer bedingungslosen Kapitulation enden musste.

Wie sagt ein deutsches Sprichwort so treffend:
„In der allergrößten Not bringt der Mittelweg den Tod.“
Genau das ist durch den Versailler Vertrag geschehen.

Die Frage ist aber doch, wie weit der Vers. Vertrag die
Ursache für Hitler und dann den 2. Weltgrieg war. Zum Teil
wohl; Hauptursache scheint mir, dass die konservativen Kreise
und das Militär die Niederlage nicht verkraften konnten. Sie
haben schon weit vor Hitler in den 20er Jahren im Geheimen
eine Planung für einen Revanchekrieg gemacht (Quelle: DIE
ZEIT, Nr.11, 7.3.1997).

Interessant ist in dem Zusammenhang, dass es die Oberste Heeresleitung war, die den Waffenstillstand gefordert hat. Und wenige Jahre später fordern sie Revanche. Der Weg in die totale Vernichtung war vorgezeichnet.

Grüße
Heinrich

Also als Anmerkung um zu zeigen das eben nicht nur die rechten Kreise die Revisionspolitik verfolgten:

Die Demokratische Partei (DDP) - verlangte Revision des VV
Die Deutsche Volkspartei (DVP) - verlangte Revision des VV
Zentrum - lag auf der Linie des Revisionismus, ebenso auch Bay. Volkspartei

  • die Deutschnationalen und die rechten… das ist klar… aber wir sehen es sind eben nicht nur die rechten kreise die den VV ablehnten

Quelle: Die Weimarer Republik 1918 - 1933, Bundeszentrale für politische Bildung

Hallo,

Aber die Bedingungen waren nicht hart genug, um in politischen
Kreisen und in der Bevölkerung den Wunsch nach „Nie wieder!“
aufkommen zu lassen.

Ob die Deutschen dazu schon reif genug waren? Vielleicht hätte das zu einem noch größeren Widerstand geführt!?

Als die Bedingungen des Versailler Vertrages bekannt wurden,
lehnte Scheidemann die Unterschrift darunter mit den Worten
ab: „Welche Hand müsste nicht verdorren, die sich und uns in
diese Fesseln legt?“ In Militärkreisen wurde sogar erwogen,
den Krieg wieder aufzunehmen - was unweigerlich zu einer
Katastrophe geführt hätte.

Sie kam dann ja auch - mit 25 Jahren Verzögerung …

Der Versailler Vertrag hat nicht nur zum Aufstieg
rachtsnationaler Kräfte und der Nationalsozialisten geführt,
sondern war auch maßgeblich dafür verantwortlich, dass der
Zweite Weltkrieg für Deutschland in einer bedingungslosen
Kapitulation enden musste.

Mir ging es in meiner Ausgangsfrage darum, wer den Begriff „Schandvertrag“ geprägt bzw. populär gemacht hatte. Bei einem Vortrag vor einer wohl eher konservativen, aber keinesfalls reaktionären oder gar radikalen Vereinigung vor einiger Zeit fiel dieser Begriff wieder (!), was mich zu einem „Hört, hört!“ veranlasste und mir dann auch einige Kritik einbrachte …

Interessant ist in dem Zusammenhang, dass es die Oberste
Heeresleitung war, die den Waffenstillstand gefordert hat. Und
wenige Jahre später fordern sie Revanche. Der Weg in die
totale Vernichtung war vorgezeichnet.

Daher meine ich auch, dass es weniger der VV war, der Revanchegelüste förderte, sondern eher die Niederlage an sich. Das Militär, das Soldatische spielte in D eine enorme Rolle, der Offizier war doch die Respektsperson schlechthin. Und dann haben die einfach verloren! Das haben die nicht verwunden.
Hinzu kommt noch, dass D damals kulturell, wirtschaftlich, technisch/wissenschaftlich die führende Nation auf dem Kontinent war (politisch wohl nicht so sehr), was das Selbsbewustsein/-überschätzung erheblich übersteigerte. Ein Riese oder Elefant sollte sich in seiner Umgebung eben vorsichtig benehmen … Aber das sind nur so Gedanken, die mir da kommen.

Gruß, Stucki