Versmaß von Herrmann und Dorothea

Liebe Experten,
unsere Deutschlehrerin zitierte gern den Anfang von Herrmann und Dorothea: „Hab ich den Markt und die Straßen doch nie so einsam gesehen, nicht fünfzig deucht mir blieben zurück von all’ sein Bewohnern.“ Sie versäumte nie zu erklären dass es sich um das Versmaß Hexameter handele, bei dem der erste… ein…, der zweite jedoch immer ein Daktylus (?) sein müsse. Wer kann den Satz bzw. die Erklärung vervollständigen?
Vielen Dank im Voraus.
Grüße
Uwe C. Christiansen

Lieber Uwe,

Der Hexameter geht so:

_ Hexameter [griech.], antiker Vers aus 6 metrischen Einheiten (Daktylen [-~~] oder Spondeen [-)-]); dabei ist das 5. Metrum meist ein Daktylus, das letzte Metrum stets ein Spondeus. Grundschema:

  • /- /- /- /-~~/-x

Der H. ist der Vers der homer. Epen, in Verbindung mit dem Pentameter (eleg. Distichon) der Vers von Elegie und Epigramm; von der dt. Dichtung übernommen.

© Meyers Lexikonverlag._

Also auch das erste Glied ist ein Daktylus.

Gruß Fritz

Übrigens: Hermann mit nur einem „r“

Hallo Uwe,

wundere Dich nicht, wenn Du auch nach der Erklärung des Versmaßes mit dem Text nicht zurecht kommst. So wie Du ihn zitierst, ergeben sich nur teilweise Hexameter.
Korrekt lautet er:

„Hab ich den Markt und die Straßen noch nie so einsam gesehen!
Ist doch die Stadt wie gekehrt! wie ausgestorben! Nicht funfzig
Deucht mir blieben zurück von allen unsern Bewohnern.“

Gruß
H.