Verstehe ich dieses 'sei' richtig?

Hallo WWW-lers,
Vorab: Seit langem mache ich keine Hausaufgabe mehr… ;o))

Ich habe einen Artikel der Süddeutsche Zeitung zu bearbeiten. Und es gibt zwei Sätze, über denen wir uns nicht einig sind, wie das Verb zu verstehen ist. Der Text geht es um die Schweinegrippe und als Überbegriff unter dem Titel steht: „Selbst im schlimmsten Fall würde die Schweinegrippe die Volkswirtschaft weniger belasten als übertriebene Vorsorge, warnen britische Forscher“

Hier die Sätze (die nicht nebeneinander liegen, sondern sogar in zwei verschiedene Paragraphen stehen) und ein bißchen Zusammenhang dazu:

„Aus den Berichten, die wir bislang erhalten haben, hat sich kein Sicherheitsproblem ergeben“, sagte die WHO-Impf-Expertin Marie-Paule Kieny. Die Organisation untersuchte 41 Todesfälle in sechs Ländern. Die Impfung SEI in diesen Fällen als Todesursache ausgeschlossen worden."

Der andere Satz und Kontext wäre:

„Weltweit sind nach Hochrechnungen der WHO bisher 65 Millionen Menschen gegen die Schweinegrippe geimpft worden. Wie erwartet sei häufig von Schwellungen und Rötungen berichtet worden.(…)Insgesamt seien unerwünschte Nebenwirkungen bei einer von 10.000 Impfungen aufgetreten. Nur eine von 20 derartigen Reaktionen SEI schwerwiegend gewesen.“

In beiden Fällen geht es um den „sei“.

Mensch A behauptet dieses „sei“ sollte man als Zitat verstehen. Also als „Konjunktiv I“. Das hiesse dann, dass der Satz in dem „sei“ steht ist eine wortwörtliche wiedergabe einer Ausage, über die der Journalist sich absolut nicht äussert und ggblls. distanziert.

Mensch B dagegen sagt, dass diese „sei“ sind eine „Abkürzung“, ein Ersatz für „sein würde“. Also letzten Satz könnte man demzufolge genauso sagen: „Nur eine von 20 derartigen Reaktionen würde schwerwiegend sein.“ (Oder „war schwerwiegend gewesen“). Zur Bestätigung gibt B an, dass wäre es so wie A meint, fehlte hier eindeutig der Bezug zu der Mensch, die eben das genauso gesagt hat. Ausserdem die WHO hat lt. diesen Artikel, nichts wortwörtlich gesagt (und deshalb kann nichts zitiert werden) sondern nur Hochrechnungen beknnt gegeben.

Meine Frage an Euch:
Wer hat Recht?
Und vorallem: Weshalb?
Wie kann man das begründen?

Vielen Dank für Eure Antworten und für das Lesen diese Frage!

Schöne Grüße,
Helena

Hallo,

Mensch A behauptet dieses „sei“ sollte man als Zitat
verstehen. Also als „Konjunktiv I“. Das hiesse dann, dass der
Satz in dem „sei“ steht ist eine wortwörtliche wiedergabe
einer Ausage, über die der Journalist sich absolut nicht
äussert und ggblls. distanziert.

dem würde ich zustimmen; grammatisch ist das „sei“ ohne Zweifel Konjunktiv I. Die Funktion ist hier, dass der Journalist berichtet, was die WHO/ein Sprecher der WHO/ein Bericht der WHO zum Thema Schweinegrippe geäußert hat.

Mensch B dagegen sagt, dass diese „sei“ sind eine „Abkürzung“,
ein Ersatz für „sein würde“.

Nein, das geht nicht. Wenn „sein würde“ als Abkürzung oder Umschreibung gebraucht wird, dann für den Konjunktiv II, in diesem Fall also „wäre“: http://canoo.net/services/OnlineGrammar/Wort/Verb/Mo…

Zur Bestätigung gibt B an, dass wäre es so wie A
meint, fehlte hier eindeutig der Bezug zu der Mensch, die eben
das genauso gesagt hat. Ausserdem die WHO hat lt. diesen
Artikel, nichts wortwörtlich gesagt (und deshalb kann nichts
zitiert werden) sondern nur Hochrechnungen beknnt gegeben.

Wenn ich eine Aussage im Konjunktiv I widergebe, muss die weder von einem Menschen stammen noch wortwörtlich so gesagt worden sein. Im Artikel gibt der Autor zu verstehen, dass er zum einen mit der Impf-Expertin von der WHO gesprochen hat und zum anderen veröffentlichte Hochrechnungen der WHO gelesen hat, und erzählt von deren Aussagen bzw. Inhalten.

Das ist zumindest mein Verständnis.

Viele Grüße

Andreas

hallo helena.

„Aus den Berichten, die wir bislang erhalten haben, hat sich
kein Sicherheitsproblem ergeben“, sagte die WHO-Impf-Expertin
Marie-Paule Kieny. Die Organisation untersuchte 41 Todesfälle
in sechs Ländern. Die Impfung SEI in diesen Fällen als
Todesursache ausgeschlossen worden."

frau kieny gibt weiter, daß man die impfung als todesursache ausgeschlossen hat. die impfung IST also als todesursache ausgeschlossen worden.
da aber die SZ frau kieny wiedergibt und deshalb auch nur indirekte informationen hat, schreibt man „sei“ - im sinne von: behaupten/erarbeiteten andere personen.

„sei“ klingt hier ein bißchen altmodischer als „ist“. ob es da einen genauen bedeutungsunterschied gibt, weiß ich nicht.

„Weltweit sind nach Hochrechnungen der WHO bisher 65 Millionen
Menschen gegen die Schweinegrippe geimpft worden. Wie erwartet
sei häufig von Schwellungen und Rötungen berichtet
worden.(…)Insgesamt seien unerwünschte Nebenwirkungen bei
einer von 10.000 Impfungen aufgetreten. Nur eine von 20
derartigen Reaktionen SEI schwerwiegend gewesen.“

In beiden Fällen geht es um den „sei“.

Mensch A behauptet dieses „sei“ sollte man als Zitat
verstehen. […]

gewissermaßen - aber eben nicht genau so - denke ich das in meinen obigen ausführungen auch.

Das hiesse dann, dass der Satz in dem „sei“ steht ist eine
wortwörtliche wiedergabe einer Ausage, über die der Journalist
sich absolut nichtäussert und ggblls. distanziert.

Mensch B dagegen sagt, dass diese „sei“ sind eine „Abkürzung“,
ein Ersatz für „sein würde“.

nää! mit „sein WÜRDE“ hat das gar nix zu tun. es geht schon um (in welcher weise auch immer) belegbare/vertretbare dinge.

(Oder „war schwerwiegend gewesen“)

das schon eher!

sondern nur Hochrechnungen beknnt gegeben.

die hier weitergegeben (und ggf infragegestellt) werden.

also nochmal kurz und knapp:
meiner bescheidenen meinung nach drückt man mit „das sei so und so gewesen“ aus, daß man etwas weitergibt, was man anzweifelt und so nicht hunderprozentig unterschreiben würde.

aber es gibt sicher auch jemanden, ders besser und richtig erklären und belegen kann?!..

ich bin gespannt.
m.

Hallo, Helena,

„Aus den Berichten, die wir bislang erhalten haben, hat sich
kein Sicherheitsproblem ergeben“, sagte die WHO-Impf-Expertin
Marie-Paule Kieny. Die Organisation untersuchte 41 Todesfälle
in sechs Ländern. Die Impfung SEI in diesen Fällen als
Todesursache ausgeschlossen worden."

„Weltweit sind nach Hochrechnungen der WHO bisher 65 Millionen
Menschen gegen die Schweinegrippe geimpft worden. Wie erwartet
sei häufig von Schwellungen und Rötungen berichtet
worden.(…)Insgesamt seien unerwünschte Nebenwirkungen bei
einer von 10.000 Impfungen aufgetreten. Nur eine von 20
derartigen Reaktionen SEI schwerwiegend gewesen.“

Mensch A behauptet dieses „sei“ sollte man als Zitat
verstehen. Also als „Konjunktiv I“. Das hiesse dann, dass der
Satz in dem „sei“ steht ist eine wortwörtliche wiedergabe
einer Ausage, über die der Journalist sich absolut nicht
äussert und ggblls. distanziert.

Ja, es handelt sich um den Konjunktiv I bei der indirekten Rede - damit wird hier die Aussage einer anderen Person zitiert. Wie der Zitierende selbst zum Inhalt der Aussage steht, geht daraus nicht hervor.
http://www.canoo.net/services/OnlineGrammar/Wort/Ver…

Mensch B dagegen sagt, dass diese „sei“ sind eine „Abkürzung“,
ein Ersatz für „sein würde“.

Es handelt sich nicht um eine Abkürzung, sondern um eine ganz andere Form. Diese „würde“-Form ersetzt gelegentlich den Konjunktiv II , hat aber in diesem Zusammenhang nichts zu suchen. http://www.canoo.net/services/OnlineGrammar/Wort/Ver…

demzufolge genauso sagen: „Nur eine von 20 derartigen
Reaktionen würde schwerwiegend sein.“ (Oder „war schwerwiegend
gewesen“). Zur Bestätigung gibt B an, dass wäre es so wie A
meint, fehlte hier eindeutig der Bezug zu der Mensch, die eben
das genauso gesagt hat. Ausserdem die WHO hat lt. diesen
Artikel, nichts wortwörtlich gesagt (und deshalb kann nichts
zitiert werden) sondern nur Hochrechnungen beknnt gegeben.

Diese Argumentation scheint mir etwas verworren.

In beiden Fällen werden Äußerungen der WHO-Expertin in indirekter Rede (Konjunktiv I) wiedergegeben.

Gruß
Kreszenz

Mensch A behauptet dieses „sei“ sollte man als Zitat
verstehen.

Genau so ist es.

Also als „Konjunktiv I“.

Genau so ist es.

Das hiesse dann, dass der
Satz in dem „sei“ steht ist eine wortwörtliche wiedergabe
einer Ausage, über die der Journalist sich absolut nicht
äussert und ggblls. distanziert.

Er verhält sich zu dieser Ausage neutral.

Mensch B dagegen sagt, dass diese „sei“ sind eine „Abkürzung“,
ein Ersatz für „sein würde“.

Umgekehrt - „sein würde“ ist die Ersatzform für sei. In Fällen, wo Konjunktiv und Indikativ nicht zu unterscheiden sind, ist die Ersatzform angebracht; in dem zitierten Beispiel jedoch nicht. Da wäre die Ersatzform einfach nur schlechtes Stil.

Gruß,
Max

Hallo!

meiner bescheidenen meinung nach drückt man mit „das sei so
und so gewesen“ aus, daß man etwas weitergibt, was man
anzweifelt und so nicht hunderprozentig unterschreiben würde.

Nein, das stimmt so nicht. Der Konjunktiv drückt einzig und allein die indirekte Rede aus, laso diec Weitergbae. Zwischen

Peter sagt: „Ich bin Weltmeister!“

und

Peter sagt, er sei Weltmeister.

besteht kein Unterschied, was die Wahrheitsvermutung betrifft. Der Schreiber gibt in beiden Fällen lediglich wieder. Möchte ich ausdrücken, daß ich die Aussage anzweifle, nehme ich den Konjunktiv II:

Peter sagt, er wäre Weltmeister.

Gruß,
Max

aber es gibt sicher auch jemanden, ders besser und richtig
erklären und belegen kann?!..

ich bin gespannt.
m.

Hallo,
ich schließe mich meinen VorrednerInnen an und ergänze:

a) Konj. I ist der Normalfall für indirekte Rede. Eine Distanzierung vom Inhalt lässt sich daraus nicht ableiten. Allerdings liest sich der KI in einigen Fällen wie die normale Präsensform im Indikativ. Dann weicht man auf den KII aus.
b) Konj. II drückt in der Tat auch eine Distanzierung aus. Allerdings liest sich der KII in etlichen Fällen auch wie die normale Vergangenheitsform (Präteritum Indikativ), und …
c) … dann weicht man aus auf die Ersatzform mit würde.
d) Die Ersatzform wird auch bei selteneren Konjunktivformen benutzt, die nicht so gebräuchlich sind (ich schwimme - ich schwömme (KII), ich backe - ich büke (KII) etc.
Wer gar keinen Konjunktiv bilden kann, benutzt immer die würde-Form. In Bälde wird die würde-Form den KII ähnlich verdrängt haben wie der Dativ den Genitiv.

Beispiele für klar unterscheidbare Modi:
Indikativ: Er sagt, er hat die Hausaufgaben gemacht.
KI: Er sagt, er habe die Hausaufgaben gemacht.
KII: Er sagt, er hätte die Hausaufgaben gemacht.

Beispiele für nicht unterscheidbaren Präsens Indikativ und KI:
Indikativ: Sie sagen, sie haben die HA gemacht.
KI: Sie sagen, sie haben die HA gemacht = nicht unterscheidbar vom Ind.
KII: Sie sagen, sie hätten die HA gemacht.

Beispiele für nicht unterscheidbaren Präsens Indidkativ und KI sowie Präteritum Indikativ und KII:
Indikativ: Sie sagen, sie gehen immer gemeinsam los.
KI: Sie sagen, sie gehen immer gemeinsam los = nicht unterscheidbar vom Ind.
KII: Sie sagen, sie gingen immer gemeinsam los = nicht vom Präteritum unterscheidbar, daher ausweichen auf:
Ersatzform: Sie sagen, sie würden immer gemeinsam losgehen.

VIELEN HERZLICHEN DANK, AN…
Hallo Antowortenden,
Vielen herzlichen Dank für Eure Antworten.
Ich werde die Betroffenen den Artikelbaum lesen lassen.
Ihr habt uns sehr weiter geholfen!
Liebe Grüße,
Helena