liebe/-r experte/-in,
da mich meine derzeitige brille (-3,25dpt) schon seit längerem nicht mehr glücklich macht, überlege ich, mir eine neue zuzulegen.
deshalb bin ich jetzt bei meinem augenarzt und bei nem optiker gewesen. leider konnten mir beide nur bedingt weiterhelfen. beide diagnostizierten eine sehkraft (mit brille) von etwa 125%. aber irgendwie fühle ich mich dennoch eingeschränkt.
ich habe ein enorm gut ausgeprägtes räumlich-optisches bzw. figuratives vorstellungsvermögen. vermutlich hab ich nur deshalb die unteren reihen des tests richtig erraten können. von sehen kann da aber eher nicht die rede sein. beim betrachten verschiedener objekte aus kurzer distanz seh ich vortrefflich. (ja, typisch für kurzsichtigkeit) aber bei nur wenig größerer entfernung ist bei gleichem bogenmaß (!) alles verschwommen. das macht mich echt unglücklich.
beispielsweise sitz ich in der vorlesung (hinten, um nicht allzu steil nach oben blichen zu müssen) und versuche vergeblich, das kleingedruckte zu lesen. die ränder der buchstaben sind unscharf, ich muss eventuell die augen zusammenkneifen, irgendwann bekomm ich dann kopfschmerzen und bei weniger kontrast (etwa wenn es draußen sehr hell ist) ist nichts mehr zu machen. mitstudenten haben hingegen keine probleme damit.
gibt es nicht zwei komponenten, die zur sehkraft beitragen: zum einen die adaptation der linse und zum anderen die auflösung der retina? letzteres dürfte ja bei mir (über-)durchschnittlich gut sein…
voll auskorrigiert wäre ich bei einer viertel dpt stärker (-3,5). dabei wird der kontrast erhöht, die buchstabenränder des sehtests erscheinen mir schärfer aber die 150% oder 160% sind trotzdem nicht drin…?!
sonstiger befund: keine hornhautkrümmung, keine abweichungen von den willkürlichen sichtachsen, keine andere auffälligkeiten (bis auf eine leichte glaukomneigung, die zwar beobachtet wird, sich aber momentan nur in einer kleinen einwölbung des nervus opticus zeigt. vermutlich eher wenig relevant für die sehweite, oder).
woran könnte das beschriebene liegen und was mach ich am besten? die dpt allein scheinen es ja nicht unbedingt zu sein.
Hallo Henning,
soviel ich verstehe, ist die Sehkraft mit -3.25 Dpt. in beiden Brillengläsern auf jedem Auge über 100%?
Und mit -0.25 Zusatz wäre die Sicht in der Ferne noch besser? Worauf bezieht sich der Satz: „in wenig größerer entfernung ist bei gleichem bogenmaß (!) alles
verschwommen.“ => Auf die bisherige Brille mit -3.25 bds?
Es scheint mir, dass die Brillengläser mit -3.25 zu schwach sind für die Ferne und Sie bei zusammenkneiffen der Augen (Erhöhung der Tiefenschärfe durch Verkleinerung der Blende/ Pupille) eben besser sehen. => Lösung: die Brillengläser auf -3.5 Dpt. ändern.
Im Zweifel sollte man eine Cycloplegie durchführen, d.h. Lähmung der Akkommodation oder eine Untersuchung mit einem Infrarot-Videoskiaskop (Plusoptix), um die tatsächliche Brechkraft der Augen herauszufinden.
Das Problem sollte sich lösen lassen. Hoffe, Ihnen geholfen zu haben.
Mit freundlichen Grüßen,
W. Hanuschik
Augenarzt www.augen4berlin.de
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Die Auskünfte und Ratschläge, die hier erteilt werden, ersetzen nicht die Beratung durch einen Arzt und sind vollkommen unverbindlich. Ratschläge von Fachkundigen (Ärzten und/oder Heilpraktikern, Apothekern usw.) sind von diesem Vorbehalt nicht ausgenommen, da durch die Schriftform eine echte Diagnosestellung, somit auch ein Therapievorschlag, ausgeschlossen ist.
Gleichzeitig warnen wir ausdrücklich vor Selbstmedikation ohne Rücksprache mit dem behandelnden Arzt, Heilpraktiker oder mit dem Apotheker.
für das was Sie beschreiben, fallen mir spontan drei mögliche Ursachen ein. Ich gehe bei meinen Ausführungen davon aus, dass Sie im „üblichen Studentenalter“ (wegen „Vorlesung“) irgendwo zwiscehn 18 und 35 sind, wenn nicht, bitte nochmal korrigieren:
Die erste Möglichkeit ist das sogenannte Sicca-Syndrom (trockenes Auge, bei 30% der Bevölkerung vorhanden): Probieren Sie doch mal, ob die Beschwerden besser werden, wenn Sie erstens konsequent mehr als 2 l Wasser, Fruchtsaftschorle oder Tee pro Tag trinken (Cola, Kaffee, Alkohol etc. zusätzlich ist kein Problem, zählt aber nicht zu den 2l) und zweitens vor den Vorlesungen die Augen mit Tränenersatzmitteln befeuchten (mindestens 4x/d nehmen, es gibt in der APotheke frei verkäuflich eine ganze Reihe von Produkten, letztendlich muss jeder individuell herausfinden, welches ihm am besten hilft. Besserungen sind nach ca. 2-3 Wochen mit dieser Therapie zu erwarten, wenn es daran lag, wenn nicht hat es nicht geschadet…
Zum zweiten gibt es einige Menschen, bei denen man beim Ausmessen der Brillenstärke auch wenn man sich noch so viel Mühe gibt, dass das nicht passiert, eine zu hohe Kurzsichtigkeit misst. Grund dafür ist das Akkommodationsvermöfgen des Menschen. DH die Fähigkeit, durch Verfomen der Augenlinse die Brechkraft des Auges zu erhöhen. Diesen mechanismus benötigt man eigentlich, um bei Nahblick scharf sehen zu können, einige spannen aber schon bei Fernblick die Linse an, was bei der Brillenbestimmung ohne Ausschalten der Akkommodation dann als zu viel Minus gemessen wird. Diagnostischer Ansatz wäre eine Brillenbestimmung in Zykloplegie, dh nach Gabe von Augentropfen, die die Akkommodation ausschalten. Im Prinzip kann das jeder Augenarzt, praktisch gemacht wird es in den Sprechstunden häufiger, in denen Orthoptistinnen arbeiten. Solch eine Praxis in Ihrer Nähe finden Sie unter www.orthoptistinen.de.
Drittens schreiben Sie zwar, dass Sie keine Abweichungen der Sehachsen zueinander haben, da ich nicht weß, wie Sie das haben untersuchen lassen, möchte ich Ihnen im Falle Sie nicht schon dort waren Mut machen, einmal eine Ortoptistin aufzusuchen. Sie ist die Spezialistin für derartige Probleme und wird Sie in diesr Hinsicht sehr genau untersuchen mit vielen verschiedenen Testmothoden ausführlicher, als dies Optiker oder Optometristen tun. Als Selbstdiagnostik können Sie einmal folgendes versuchen. Verfolgen Sie eine Vorlesung mit nur dem rechten und ein mit nur dem linken Auge, indem Sie das jeweils andere Auge entweder mit einem Taschentuch hinter dem Brillenglas oder einer auf das Glas geklebten Mattfolie oä abdecken. Wenn die Beschwerden dadurch besser werden, liegt es in irgendeiner Form doch an einer „Verschiebung der Sehachsen“, wie Sie es nennen, wir nennen es Heterophorie oder latentes Schielen. Der Grund, weshalb das nicht bei jedem Test gleich herauskommt, ist dass das Gehirn über Ausgleichsmechanismen verfügt, die zu stakr für manche Teste sind.
Ich hoffe, Ihnen ein bisschen weitergeholfen zu haben, wenn Sie etwas noch genauer interessiert, fragen Sie ruhig nochmal nach.