Verstehe nicht Bulimie

Hallo,

ich habe eben das Anti-Bulimie-Werbevideo angeschaut:
http://www.youtube.com/watch?v=pkI1Yrf66_0

Ich hatte ja vorher schon darüber gehört, dass Magersüchtige sich selbst als zu dick empfinden. Das will mir aber nicht in den Kopf. Es ist doch offensichtlich, dass die Betroffenen dürr sind, wie können sie sich als dick wahrnehmen? Ich glaube manchmal, dass das eigentlich gar nicht der Fall ist. Von einer Ex-Bulimiekranken hatte ich zum Beispiel mal gehört, dass Sie mit sich selbst einen Wettbewerb durchführte, aber sehr wohl wusste, wie dünn sie ist.

Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass Bulimie eine so weit reichende Krankheit ist, dass 1+1 nicht mehr 2 sind.

Ich bin generell an Phänomenen der Wahrnehmung interessiert und mich würde die Meinung darüber eines Betroffenen bzw. ehemaligen Betroffenen interessieren.

Viele Grüße
Alex

Hi,

Ich bin generell an Phänomenen der Wahrnehmung interessiert
und mich würde die Meinung darüber eines Betroffenen bzw.
ehemaligen Betroffenen interessieren.

bin ich zwar nicht, aber schon vielen „begegnet“.

ich habe eben das Anti-Bulimie-Werbevideo angeschaut:
http://www.youtube.com/watch?v=pkI1Yrf66_0

das sagt doch eigtl. alles :wink:

Ich hatte ja vorher schon darüber gehört, dass Magersüchtige
sich selbst als zu dick empfinden.

BTW: du darfst Magersucht/ Anorexia_nervosa nicht mit Bulimie verwechseln.

Das will mir aber nicht in
den Kopf. Es ist doch offensichtlich, dass die Betroffenen
dürr sind, wie können sie sich als dick wahrnehmen?

So wie ich sie wahrgenommen habe, haben die einfach Wahrnehmungsstörungen. Ihr Gehirn scheint das was die Augen sehen irgendwie falsch zu interpretieren. Ob man das als Außenstehender verstehen kann weiß ich nicht. Vielleicht muss man das einfach so hinnehmen…

Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass Bulimie eine so
weit reichende Krankheit ist, dass 1+1 nicht mehr 2 sind.

Was meinst du was die Psyche so alles kann. Leute mit Flugangst WISSEN auch (fast immer), dass der Flieger GANZ SICHER nicht abstürzen wird. trotzdem drehen die u.U. total ab…

Grüße,
J~

Hallo Alex
Zunächst muss man die BULIMIE-Erkrankten von den MAGERSÜCHTIGEN (Anorexia nervosa) unterscheiden, sowohl was Aussehen als auch Persönlichkeitsstruktur betrifft.
Die Magersüchtigen sind immer klapperdürr und stehen oftmals am Rande des Todes, sterben manchmal mit extremem Untergewicht in einer Klinik usw.
Sie denken immer, dass sie zu dick sind, auch wenn sie extrem dünn sind. Man kann mit ihnen kaum über ihre Probleme reden, sie kommen auch eher selten in psychotherapeutische Behandlung, sind oftmals schizoide Typen.
Die Bulimiker(innen) sind oftmals normalgewichtig, manchmal auch durchaus etwas dicker. Sie wissen ziemlich genau, was los ist, worum es geht und ommen öfters in Behandlung. Sie ersuchen ihre Fress-Anfälle meistens durch Erbrechen auszugleichen, damit sie nicht dicker werden.
Gruß,
Branden

Hallo,

Was meinst du was die Psyche so alles kann. Leute mit
Flugangst WISSEN auch (fast immer), dass der Flieger GANZ
SICHER nicht abstürzen wird. trotzdem drehen die u.U. total
ab…

Naja, das ist etwas anderes. Der Flieger kann sehr wohl abstürzen…

Hallo Alex,

so wie ich das Video verstehe, geht es nicht nur um Bulimie sondern um Essstörungen- „Anorexie - Bulimie“.

Magersüchtige sind sehr kontrolliert. Sie können Dir sogar sagen, wie viel Kalorien ein Blatt Salat hat und wie lange sie trainieren müssen, um diese Kalorien wieder runterzukriegen.

Sie entwickeln Strategien, damit ihre Familien nicht auf die Idee kommen, da könne etwas nicht stimmen. Wenn sie dann „gezwungen“ sind, etwas zu essen z. B. bei Familienfeiern o. ä., dann sorgen sie dafür, dass sie das Essen so schnell wie möglich wieder „loswerden“ können.

Ich glaube, sowohl Bulemiker als auch Magersüchtige haben eins gemeinsam: sie hassen ihren Körper.

Das Wahrnehmungsgefühl in Bezug auf ihren Körper ist gestört.

Verstehen kann ich das auch nicht, aber da beides eine Sucht ist, stellt sich mir eher die Frage, wie die Betroffenen das finden können, was sie „suchen“.

Liebe Grüße
usch

Hi,

Naja, das ist etwas anderes. Der Flieger kann sehr wohl
abstürzen…

nee, das ist nix anderes. Der Flieger KANN abstürzen, man kann aber auch WIRKLICH zu dick sein. Gewisse Menschen sind nicht in der Lage das rational bewerten zu können. Denen dann mit (technischen/medizinischen) Argumenten zu begegnen wird dann recht sinnlos sein.
Öffne dich doch mal anderen Sichtweisen. Sonst ist es sehr verständlich, dass du psychische Erkrankungen nicht nachvollziehen kannst.

Grüße,
J~

Hi,

Öffne dich doch mal anderen Sichtweisen. Sonst ist es sehr
verständlich, dass du psychische Erkrankungen nicht
nachvollziehen kannst.

Sie scheinen mich ja schon sehr gut zu kennen. Obwohl das hier ein Forum ist, können Sie diesen arroganten Unterton bleiben lassen.

Gruß

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Hi,

Sie scheinen mich ja schon sehr gut zu kennen. Obwohl das hier
ein Forum ist, können Sie diesen arroganten Unterton bleiben
lassen.

danke für die fruchtbare und konstruktive Diskussion.
*plonk*

J~

Huhu!

Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass Bulimie eine so
weit reichende Krankheit ist, dass 1+1 nicht mehr 2 sind.

Ich bin zwar kein Betroffener, aber doch, genau so weitreichend ist die Krankheit - 1+1 ergibt Dick, nicht 2 (oder so).

Das kann soweit gehen, das die Betroffenen genau wissen, das sie sich schaden, oder exakt (vom BMI her) im Normalgewicht sind, und sich trotzdem zu dick vorkommen.

Das kann man als Außenstehender einfach nicht nachvollziehen, das muß man so aktzeptieren.

(Und insofern kann ich schon verstehen, das J~ schreibt, das du dich in Psychische Erkrankungen nicht reinversetzen kannst … dazu muß man nämlich aktzeptieren, das Wahrnehmung und vor allem Selbstwahrnehmung sehr subjektiv ist. Und gerade beim Gewicht weicht die Innenperspektive sehr oft von der Außenperspektive ab.)

Viele Grüße!
Ph.

Hallo,

Öffne dich doch mal anderen Sichtweisen. Sonst ist es sehr
verständlich, dass du psychische Erkrankungen nicht
nachvollziehen kannst.

Sie scheinen mich ja schon sehr gut zu kennen. Obwohl das hier
ein Forum ist, können Sie diesen arroganten Unterton bleiben
lassen.

Diese Antwort zeigt jetzt eindeutig, daß Du eben völlig unfähig
bist, dich anderen Sichtweisen oder Denkweisen zu öffnen.
Damit ist jeder Versuch die ursprüngliche Frage zu beantworten
reine Zeitverschwendung.
Gruß Uwi

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Hallo Alex,

Ich hatte ja vorher schon darüber gehört, dass Magersüchtige
sich selbst als zu dick empfinden. Das will mir aber nicht in
den Kopf. Es ist doch offensichtlich, dass die Betroffenen
dürr sind, wie können sie sich als dick wahrnehmen?

ja, wie ist das möglich?

Das finde ich auch faszinierend und ich kann dazu nur allgemeine Betrachtungen mitteilen.

Es heißt, die deutsche Sprache hätte eine besondere Stärke darin, psychologische Sachverhalte darzustellen. Auf jeden Fall ist das Wort Wahrnehmung wirklich genial geprägt. Nicht nur sehen, hören, riechen oder schmecken wir - wir nehmen [für] wahr. Ein zweiteiliger Prozeß: Registrierung von Sinnesreizen und dann etwas, das das Gehirn noch damit macht, hinzufügt oder verändert, bevor sie in das Bewußtsein gelangen. Aber manchmal bedarf es nicht einmal irgendwelcher Sinnesreize.

Was da im Gehirn eines anderes Menschen, einer Magersüchtigen vor sich geht, bleibt Dir zunächst verborgen, so daß Du die Wahrnehmung dieses Menschen nicht unmittelbar nachvollziehen kannst, sie ist subjektiv und gehört ihm oder ihr allein, Einfühlen ist nicht möglich.

Wodurch wird die Wahrnehmung im Gehirn noch so geformt, und zwar, wie es scheint, in jede mögliche Richtung hin? Ich nehme an, durch Gefühle, durch zum Teil unbewußte Motive. Gefühle können ja auch das Denken völlig verändern und beeinträchtigen.

Mir fallen leider nur ziemlich banale Alltagsbeispiele ein, z. B. die Wirkung von Hunger auf die Wahrnehmung von Lebensmitteln. Ich möchte es so ausdrücken: die Gefühle und Motive versehen die bloßen Sinneseindrücke mit einer Bedeutung. Sinneseindruck: Essen - Bedeutung: darauf habe ich jetzt Appetit und ich freue mich schon so drauf!

Was bedeutet die subjektive Wahrnehmung ich bin zu dick einer Magersüchtigen?

und mich würde die Meinung darüber eines Betroffenen bzw.
ehemaligen Betroffenen interessieren.

Damit kann ich nicht dienen, aber das könnte jetzt vielleicht helfen, die mögliche Bedeutung im Kontext zu erfassen.

Grüße,

I.

Hallo,

na ja, eigentlich kann man da nicht mal von 1+1 reden, weil auch 1-1 = dick ist.

Verstehen kann man das nicht. Genauso wenig, wie man verstehen kann, dass ein Betroffener sagt: ist doch ganz normal, dass man nach dem Essen kotzt. Ich kann es nicht verstehen, aber ich weiss, dass es schon hilft, dass ich zuhören kann :smile:

Liebe Grüße
usch

Hallo,

vielen Dank an alle, die versucht haben, auf meine Frage zu antworten. Leider ist bis jetzt keine Antwort von einem/r Betroffenen dabei. Denn ich glaube, dass Erklärungen aus erster Hand sehr viel aufschlussreicher sein können.

Viele Grüße
Alexander

Hallo Uwi,

Diese Antwort zeigt jetzt eindeutig, daß Du eben völlig
unfähig
bist, dich anderen Sichtweisen oder Denkweisen zu öffnen.

Nein. Die Antwort von J~ zeigt eindeutig, dass er gespieltes Verständnis echtem Verständnis vorzieht, auch, wenn er das vielleicht nicht weiß. Diese Art von „Verständnis“ mag für einen Therapeuten die letzte Rettung sein, aber das ist nicht das, was ich hier gesucht habe. Für solch eine Allerwelts-Antwort, die auch noch in einem herablassenden Ton vorgebracht wurde, brauchte ich die Frage hier nicht zu stellen. Wie bereits geschrieben, ist dafür wohl eine authentische Antwort am besten.

Damit ist jeder Versuch die ursprüngliche Frage zu beantworten
reine Zeitverschwendung.
Gruß Uwi

Etc.

Hallo, habe gerade den Artikel von Alex über Bulimie und alle Beiträge dazu gelesen. War über viele Jahre selbst betroffen. Bulimie ist nicht unbedingt gleich magersüchtig. Es gibt immer Verknüpfungen mit anderen psychischen Problemen. Ich bin jetzt 46 Jahre alt, bei mir ging das Kotzen in der Pubertät los. Ich dachte plötzlich ein Mittel gefunden zu haben Essen zu können und nicht dick zu werden. Essen eine Sucht, aber nicht offensichtlich wie bei Fettleibigen, die kotzen nicht. Ich glaube die Bulimie ist die versteckteste Essstörung. Man sieht es dem Betroffenen nicht an, erst wenn es in die Magersucht übergeht was nicht unbedingt sein muß, ist es für andere offensichtlich. Das war bei mir nie der Fall. Zu dünn wollte ich nicht werden. Ich kenne jedoch auch Menschen, die das nicht mehr kontrollieren konnten und magersüchtig wurden. Wahrnehmungsstörung könnte man wirklich dazu sagen, aber es steckt mehr dahinter. Alle drei Essstörungen sind Suchterkrankungen. Ich habe eine Psychoanalyse gemacht und Berge von Sperrmüll aus meinem Leben aufgeräumt. Es ist unvorstellbar was man verdrängen kann, wo Ursachen dafür liegen. Bulimie = Kotzen man kotzt
falsch, man hätte lernen müssen zu reden, sich zu wehren. Könnte noch Seiten dazu schreiben. Grüße Martina

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo,

ich habe eben das Anti-Bulimie-Werbevideo angeschaut:
http://www.youtube.com/watch?v=pkI1Yrf66_0

Ich hatte ja vorher schon darüber gehört, dass Magersüchtige
sich selbst als zu dick empfinden. Das will mir aber nicht in
den Kopf. Es ist doch offensichtlich, dass die Betroffenen
dürr sind, wie können sie sich als dick wahrnehmen?

Nimm mal folgendes als Analogie: Stell dir einen Turner vor mit athletischer Figur; auch so jemand kann sich als zu schwach empfinden. Erklärung? Na, denk’ mal drüber nach, ich glaube, man kommt drauf.

Ich glaube
manchmal, dass das eigentlich gar nicht der Fall ist. Von
einer Ex-Bulimiekranken hatte ich zum Beispiel mal gehört,
dass Sie mit sich selbst einen Wettbewerb durchführte, aber
sehr wohl wusste, wie dünn sie ist.

Du meinst, sie hat mit anderen einen Wettbewerb durchgeführt und empfand sich dabei als zu dick?

Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass Bulimie eine so
weit reichende Krankheit ist, dass 1+1 nicht mehr 2 sind.

Und was ist dann a + a? Etwa 2a? Du bist doch Mensch und kein PC bzw. Rechenmaschine, oder?

Gruß

Hermann

Hallo,

Nimm mal folgendes als Analogie: Stell dir einen Turner vor
mit athletischer Figur; auch so jemand kann sich als zu
schwach empfinden. Erklärung? Na, denk’ mal drüber nach, ich
glaube, man kommt drauf.

Mir ist gestern eine bessere Formulierung eingefallen, um meine Frage zu verdeutlichen: Ist es so, dass Magersüchtige (müsste doch jetzt der richtige Begriff sein?) auch andere (dünne) als zu dick wahrnehmen? Oder sehen sie sich ausschließlich selbst im Spiegel als zu dick? Falls sie Alle als zu dünn wahrnehmen, dann habe ich das Problem verstanden.

Um auf deine Analogie zurückzukommen: Ich habe eine Erklärung: Ein Turner, der sich selbst als zu schwach empfindet, vergleicht sich mit besseren Turnern. Aber genau deshalb finde ich, dass auch das eine schlechte Analogie ist, es sei denn, Magersüchtige vergleichen sich selbst mit noch Magersüchtigeren, anstatt mit den meisten Menschen, oder meinst du was anderes?

Du meinst, sie hat mit anderen einen Wettbewerb durchgeführt
und empfand sich dabei als zu dick?

Nein, mit sich selbst, aus irgend einem Grund.

Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass Bulimie eine so
weit reichende Krankheit ist, dass 1+1 nicht mehr 2 sind.

Und was ist dann a + a? Etwa 2a? Du bist doch Mensch und kein
PC bzw. Rechenmaschine, oder?

Schon wahr, aber entweder die Wahrnehmung ist gestört, oder nicht. Falls es doch so ist, dass die erkrankten sich selbst, und nicht andere, als zu dünn ansehen, dann habe ich bis jetzt keinen Anhaltspunkt, diese „Inkonsequenz“ zu verstehen.

Dazu muss ich mal sagen, dass ich schon viele Erfahrungen mit veränderter Wahrnehmung gemacht habe, unter anderem hatte ich als Kind unter Fieber manchmal eine sehr „veränderte“, und damals extrem Panik-Einflößende „Blickweise“. Daher glaube ich mit ziemlicher Sicherheit behaupten zu können, zu verstehen, was Autisten durchmachen, die ja eine Störung haben, das Wahrgenommene filtern/zuordnen zu können. Aber dazu zählt sowohl die Selbstwahrnehmung als auch die der Umgebung.

Viele Grüße
Alex

Hallo Martina,

… aber es
steckt mehr dahinter. Alle drei Essstörungen sind
Suchterkrankungen. Ich habe eine Psychoanalyse gemacht und
Berge von Sperrmüll aus meinem Leben aufgeräumt. Es ist
unvorstellbar was man verdrängen kann, wo Ursachen dafür
liegen.

Ich bin auch der Meinung, dass das eine Sucht ist und zwar eine extrem verbreitete: Genusssucht, die Ursache ist sicher, dass die Leute keine Lebensperspektiven mehr sehen können und sich daher in Ablenkung flüchten. Zur Zeit noch besonders in unserer westlichen Gesellschaft leidet bestimmt jeder 2. unter dieser Sucht, ich sehe mich selbst als gefährdet, da ich mein Wohlfühlgewicht ganz knapp mit Sport halten kann (ich könnte locker pro Tag eine Tafel Schokolade „einatmen“). kotzen wäre natürlich eine Möglichkeit, aber das lasse ich mal besser. Aber das muss doch dann ein ziemlich großer Schritt sein von Bulimie zu Magersucht?! Du sagst ja selber, dass du noch ein Gefühl dafür hattest, wie dein Gewicht ist (und selbst wenn nicht, die Zahlen auf der Wage lügen doch nicht… Soviel zu 1+1=2).

Bulimie = Kotzen man kotzt
falsch, man hätte lernen müssen zu reden, sich zu wehren.
Könnte noch Seiten dazu schreiben.

Sich wogegen wehren?

Viele Grüße
Alex

Hallo Alex,

danke für dein Posting.

Nimm mal folgendes als Analogie: Stell dir einen Turner vor
mit athletischer Figur; auch so jemand kann sich als zu
schwach empfinden. Erklärung? Na, denk’ mal drüber nach, ich
glaube, man kommt drauf.

Mir ist gestern eine bessere Formulierung eingefallen, um
meine Frage zu verdeutlichen: Ist es so, dass Magersüchtige
(müsste doch jetzt der richtige Begriff sein?) auch andere
(dünne) als zu dick wahrnehmen? Oder sehen sie sich
ausschließlich selbst im Spiegel als zu dick? Falls sie Alle
als zu dünn wahrnehmen, dann habe ich das Problem verstanden.

Ich glaube kaum, dass eine Magersüchtige (seltsamerweise wird das immer als typisch weibliches Problem stilisiert- das sage ich jetzt als Privatperson, also kann nicht wissenschaftlich argumentieren in diesem Zusammenhang) kaum ein Problem damit haben dürfte zu erkennen (im Sinne: Umwelt erkennen), dass sie zu dünn ist. Da ist offensichtlich ein ganz anderes Problem am Werke.

Um auf deine Analogie zurückzukommen: Ich habe eine Erklärung:
Ein Turner, der sich selbst als zu schwach empfindet,
vergleicht sich mit besseren Turnern.

Das war die Idee in dieser Argumentation, genau.

Aber genau deshalb finde
ich, dass auch das eine schlechte Analogie ist, es sei denn,
Magersüchtige vergleichen sich selbst mit noch
Magersüchtigeren, anstatt mit den meisten Menschen, oder
meinst du was anderes?

Die Krankheit Magersucht ist aller Voraussicht nach und meiner bescheidenen Meinung nach nicht reduzierbar auf das Problem einer Wahrnehmung in den Bereich der Außenwelt, es ist wohl eher eine Fehlwahrnehmung sich selbst- der Innenwelt- gegenüber. Da ist natürlich jetzt spekulativ einiges möglich. Man könnte denken, dass da das Problem existiert, dass die betroffene Person ein sexuelles Problem hat. Welcher halbwegs normal gestrickte Mann dürfte wohl sein Vergnügen haben, mit einer solchen Frau zu schlafen? Und wenn man ein sexuelles Problem hat, also keine Typen an sich ranhaben möchte, was liegt näher als zur Lösung etwas zu nehmen, was ziemlich sicher nicht daneben geht? Ist aber nur so ein Einfall von mir und sicher auch noch recht subjektiv.

Du meinst, sie hat mit anderen einen Wettbewerb durchgeführt
und empfand sich dabei als zu dick?

Nein, mit sich selbst, aus irgend einem Grund.

Möglicherweise aus eben dem, den ich versucht habe zu skizzieren.
An deinem Posting hat mich übrigens gestört, dass du das Problem als ein rein rationales hingestellt hast: Eigentlich müssten die doch erkennen, dass… Na sicher, wo ist dabei auch das Problem? Daher meine vielleicht etwas unsaubere Antwort, sorry also, ich sehe ja nun, dass du offenbar über diesen Pfad die Diskussion eröffnen wolltest. Ich kenne übrigens eine Magersüchtige, die allen Ernstes und steif und fest behauptet, sie äße gerne. Nun gut, mag auch sein, dass gaaanz dünne Menschen Schilddrüsenprobleme haben. Außerdem: Was soll man dazu sagen?

Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass Bulimie eine so
weit reichende Krankheit ist, dass 1+1 nicht mehr 2 sind.

Und was ist dann a + a? Etwa 2a? Du bist doch Mensch und kein
PC bzw. Rechenmaschine, oder?

Schon wahr, aber entweder die Wahrnehmung ist gestört, oder
nicht.

Ja, und hier hat man doch den Unterschied: Selbstwahrnehmung und die Wahrnehmung der Umwelt.

Falls es doch so ist, dass die erkrankten sich selbst,
und nicht andere, als zu dünn ansehen, dann habe ich bis jetzt
keinen Anhaltspunkt, diese „Inkonsequenz“ zu verstehen.

Vielleicht doch? Aber ich will um Gottes willen hier nichts runterzuhandeln versuchen auf die Ebene der Sexstörung mit allen tiefenpsychologischen Auslegungsmustern. Eine andere Idee habe ich aber leider momentan auch nicht. Ich versuche das Problem- daher auch mein Turnerbeispiel- von einer anderen Seite her zu betrachten. Frauen bzw. junge Mädchen sind ja die, denen die Krankheit Magersucht zugeschrieben wird. Ich würde meinen, dass Magersucht KEIN spezifisch weibliches Problem ist. Vielleicht gibt es unter den Psychologen, die meinen Kommentar lesen, ja den/die ein oder andere/n, die da ähnlich denken?

Dazu muss ich mal sagen, dass ich schon viele Erfahrungen mit
veränderter Wahrnehmung gemacht habe,

Ich auch…

unter anderem hatte ich
als Kind unter Fieber manchmal eine sehr „veränderte“, und
damals extrem Panik-Einflößende „Blickweise“. Daher glaube ich
mit ziemlicher Sicherheit behaupten zu können, zu verstehen,
was Autisten durchmachen, die ja eine Störung haben, das
Wahrgenommene filtern/zuordnen zu können. Aber dazu zählt
sowohl die Selbstwahrnehmung als auch die der Umgebung.

Das ist aber auch nur eine besondere Form der autistischen STörung, soweit ich informiert bin. Du denkst glaube ich auch eher in die Richtung des Autisten, der auf einem bestimmten Gebiet eine herausragende Begabung hat- Musik, Malerei. Die meisten Autisten haben das aber - wenn ich richtig informiert bin- nicht; womit ich natürlich auf gar keinen Fall behauptet haben will, dass Autisten geistig minderbemittelt sind!.

Gruß

Hermann