Hallo Alex,
danke für dein Posting.
Nimm mal folgendes als Analogie: Stell dir einen Turner vor
mit athletischer Figur; auch so jemand kann sich als zu
schwach empfinden. Erklärung? Na, denk’ mal drüber nach, ich
glaube, man kommt drauf.
Mir ist gestern eine bessere Formulierung eingefallen, um
meine Frage zu verdeutlichen: Ist es so, dass Magersüchtige
(müsste doch jetzt der richtige Begriff sein?) auch andere
(dünne) als zu dick wahrnehmen? Oder sehen sie sich
ausschließlich selbst im Spiegel als zu dick? Falls sie Alle
als zu dünn wahrnehmen, dann habe ich das Problem verstanden.
Ich glaube kaum, dass eine Magersüchtige (seltsamerweise wird das immer als typisch weibliches Problem stilisiert- das sage ich jetzt als Privatperson, also kann nicht wissenschaftlich argumentieren in diesem Zusammenhang) kaum ein Problem damit haben dürfte zu erkennen (im Sinne: Umwelt erkennen), dass sie zu dünn ist. Da ist offensichtlich ein ganz anderes Problem am Werke.
Um auf deine Analogie zurückzukommen: Ich habe eine Erklärung:
Ein Turner, der sich selbst als zu schwach empfindet,
vergleicht sich mit besseren Turnern.
Das war die Idee in dieser Argumentation, genau.
Aber genau deshalb finde
ich, dass auch das eine schlechte Analogie ist, es sei denn,
Magersüchtige vergleichen sich selbst mit noch
Magersüchtigeren, anstatt mit den meisten Menschen, oder
meinst du was anderes?
Die Krankheit Magersucht ist aller Voraussicht nach und meiner bescheidenen Meinung nach nicht reduzierbar auf das Problem einer Wahrnehmung in den Bereich der Außenwelt, es ist wohl eher eine Fehlwahrnehmung sich selbst- der Innenwelt- gegenüber. Da ist natürlich jetzt spekulativ einiges möglich. Man könnte denken, dass da das Problem existiert, dass die betroffene Person ein sexuelles Problem hat. Welcher halbwegs normal gestrickte Mann dürfte wohl sein Vergnügen haben, mit einer solchen Frau zu schlafen? Und wenn man ein sexuelles Problem hat, also keine Typen an sich ranhaben möchte, was liegt näher als zur Lösung etwas zu nehmen, was ziemlich sicher nicht daneben geht? Ist aber nur so ein Einfall von mir und sicher auch noch recht subjektiv.
Du meinst, sie hat mit anderen einen Wettbewerb durchgeführt
und empfand sich dabei als zu dick?
Nein, mit sich selbst, aus irgend einem Grund.
Möglicherweise aus eben dem, den ich versucht habe zu skizzieren.
An deinem Posting hat mich übrigens gestört, dass du das Problem als ein rein rationales hingestellt hast: Eigentlich müssten die doch erkennen, dass… Na sicher, wo ist dabei auch das Problem? Daher meine vielleicht etwas unsaubere Antwort, sorry also, ich sehe ja nun, dass du offenbar über diesen Pfad die Diskussion eröffnen wolltest. Ich kenne übrigens eine Magersüchtige, die allen Ernstes und steif und fest behauptet, sie äße gerne. Nun gut, mag auch sein, dass gaaanz dünne Menschen Schilddrüsenprobleme haben. Außerdem: Was soll man dazu sagen?
Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass Bulimie eine so
weit reichende Krankheit ist, dass 1+1 nicht mehr 2 sind.
Und was ist dann a + a? Etwa 2a? Du bist doch Mensch und kein
PC bzw. Rechenmaschine, oder?
Schon wahr, aber entweder die Wahrnehmung ist gestört, oder
nicht.
Ja, und hier hat man doch den Unterschied: Selbstwahrnehmung und die Wahrnehmung der Umwelt.
Falls es doch so ist, dass die erkrankten sich selbst,
und nicht andere, als zu dünn ansehen, dann habe ich bis jetzt
keinen Anhaltspunkt, diese „Inkonsequenz“ zu verstehen.
Vielleicht doch? Aber ich will um Gottes willen hier nichts runterzuhandeln versuchen auf die Ebene der Sexstörung mit allen tiefenpsychologischen Auslegungsmustern. Eine andere Idee habe ich aber leider momentan auch nicht. Ich versuche das Problem- daher auch mein Turnerbeispiel- von einer anderen Seite her zu betrachten. Frauen bzw. junge Mädchen sind ja die, denen die Krankheit Magersucht zugeschrieben wird. Ich würde meinen, dass Magersucht KEIN spezifisch weibliches Problem ist. Vielleicht gibt es unter den Psychologen, die meinen Kommentar lesen, ja den/die ein oder andere/n, die da ähnlich denken?
Dazu muss ich mal sagen, dass ich schon viele Erfahrungen mit
veränderter Wahrnehmung gemacht habe,
Ich auch…
unter anderem hatte ich
als Kind unter Fieber manchmal eine sehr „veränderte“, und
damals extrem Panik-Einflößende „Blickweise“. Daher glaube ich
mit ziemlicher Sicherheit behaupten zu können, zu verstehen,
was Autisten durchmachen, die ja eine Störung haben, das
Wahrgenommene filtern/zuordnen zu können. Aber dazu zählt
sowohl die Selbstwahrnehmung als auch die der Umgebung.
Das ist aber auch nur eine besondere Form der autistischen STörung, soweit ich informiert bin. Du denkst glaube ich auch eher in die Richtung des Autisten, der auf einem bestimmten Gebiet eine herausragende Begabung hat- Musik, Malerei. Die meisten Autisten haben das aber - wenn ich richtig informiert bin- nicht; womit ich natürlich auf gar keinen Fall behauptet haben will, dass Autisten geistig minderbemittelt sind!.
Gruß
Hermann