Verstöße gegen das Arbeitszeitgesetz - was tun?

Ein Freund von mir arbeitet in einer Elektromechanik-Firma im nördlichen Baden-Württemberg.

In dieser Firma wird das Arbeitszeitgesetz häufig und heftig übertreten:
Angestellte müssen 2 Schichten arbeiten, Kranke werden zur Arbeit geholt usw.
Hauptursache:
Die Geschäftsleitung gibt an die Kunden unrealistische Termine aus oder macht Planungsfehler.

Muss es erst einen Unfall mit übermüdeten Arbeitern geben?
Oder:
Wie kann man so etwas abstellen (möglichst ohne selbst Ärger zu bekommen)?
Meldung an Gewerbeaufsicht, Berufsgenossenschaft, …??

Gruß JoKu

Angestellte müssen 2 Schichten arbeiten,

joku, kannst du das mal etwas konkreter? 2 Schichten (zu wievielen Stunden?) hintereinander?

Kranke werden zur Arbeit geholt

In welcher Form denn? Wird ihnen mit irgendwas gedroht?

usw.

???

Muss es erst einen Unfall mit übermüdeten Arbeitern geben?
Wie kann man so etwas abstellen (möglichst ohne selbst Ärger
zu bekommen)?

Haben die denn keinen Betriebsrat?

Meldung an Gewerbeaufsicht, Berufsgenossenschaft, …??

Haben denn die Mitarbeiter mal das Gespräch mit dem Arbeitgeber gesucht?
Nein, die Frage ist nicht naiv. Nur manche wollen gleich mit „Kanonen schiessen“ ohne überhaupt vorher als Betroffene den Versuch gemacht zu haben, mal direkt mit dem Arbg. zu kommunizieren.
Ansonsten --> http://bundesrecht.juris.de/bundesrecht/arbzg/__17.html

MfG

Angestellte müssen 2 Schichten arbeiten,

joku, kannst du das mal etwas konkreter? 2 Schichten (zu
wievielen Stunden?) hintereinander?

16 Stunden

Kranke werden zur Arbeit geholt

In welcher Form denn? Wird ihnen mit irgendwas gedroht?

Wer nicht will verliert demnächst den Job.
Oder die Firma macht mal wieder Insolvenz und schließt vorübergehend.
In der Gegend gibt es wenig Arbeit.

Haben die denn keinen Betriebsrat?

Nein, zu klein

Meldung an Gewerbeaufsicht, Berufsgenossenschaft, …??

Haben denn die Mitarbeiter mal das Gespräch mit dem
Arbeitgeber gesucht?

völlig uneinsichtig

Ansonsten -->
http://bundesrecht.juris.de/bundesrecht/arbzg/__17.html

Tja, das steht einiges drin, aber wie setzt man es durch?
Wer ist in BW die Aufsichtsbehörde?

Gruß JK

Haben die denn keinen Betriebsrat?

Nein, zu klein

Wieviele Mitarbeiter haben die denn?

Haben denn die Mitarbeiter mal das Gespräch mit dem
Arbeitgeber gesucht?

völlig uneinsichtig

Heißt das jetzt, dass der Arbeitgeber kein Gespräch möchte oder dass es versucht wurde, sich gemeinsam „an einen Tisch zu setzen“ und der Arbg. reagiert im Gespräch uneinsichtig. (ist aus deiner sehr knappen Antwort leider nicht erkennbar)

Ansonsten -->
http://bundesrecht.juris.de/bundesrecht/arbzg/__17.html

Tja, das steht einiges drin, aber wie setzt man es durch?

Durchsetzen muss man das nicht selber, aber ohne Kontakt zur Gewerbeaufsicht, wird diese natürlich davon auch nicht so schnell erfahren.
In einer Gewerkschaft ist von den Mitarbeitern nicht zufällig jemand? Die sind nämlich nicht nur da, damit man an sie Beiträge bezahlt. :wink:

Wer ist in BW die Aufsichtsbehörde?

http://www.gaa.baden-wuerttemberg.de/

MfG

nun,

sieht aus wie ein ganz normaler kleinstbetrieb mit den „normalen“ Gegebenheiten. Solange die MA das mitmachen, ok. Es gibt genug Arbeitslose , dadurch kann ein Unternehmer das tun.

Ob es sittlich korrekt ist, das ist eine andere Frage. Unfair ist es schon, bedenke man, wenn ort klein, dann auch bald Gerücht schnell rum: ergo: er findet keinen mehr, der für ihn arbeitet:frowning:( beide schlechte karten.

Jetzt die Antworten nochmal etwas exakter:

Arbeitszeiten Sa und So ohne Bezahlung. Alles läuft in ein ominöses Zeitkonto,
welches aufgrund der Personalknappheit wahscheinlich nie abgebaut werden kann;
die Leute haben zwischen 150 und ca. 1000 - in Worten Eintausend - Stunden,
die lt. Vertrag innerhalb eines Jahres abgebaut werden müssen.

Offiziell „gezwungen“ wird niemand, schon gar nicht schriftlich.
Aber die Ansprachen der Vorgesetzten sprechen Bände.
Bereits bei Neuaufträgen werden die Wochenenden wie elbstverständlich eingeplant, um Termine einzuhalten.

Haben die denn keinen Betriebsrat?

Betriebsrat wurde mit der letzten Insolvenz abgesägt und - natürlich - nicht wieder gewählt.
Der Teil der Mitarbeiter, die geblieben sind, verloren SÄMTLICHE Urlaubs- und Zeitkonten-Ansprüche.
Der Teil der Mitarbeiter, der hiermit nicht einverstanden war, durfte gehen.

Wieviele Mitarbeiter haben die denn?

etwas unter 100

Haben denn die Mitarbeiter mal das Gespräch mit dem
Arbeitgeber gesucht?

Ist völlig uneinsichtig
Es zählt nur der Auftrag - egal wie und ob er überhaupt zu realisieren ist.
Wenn der Chef mal Zeit hat, ist diese auf ca. 5 Minuten begrenzt.
Argumentiert wird damit, daß die Arbeiter ihre Pflicht nicht richtig erfüllen, und daher die Aufträge in die Hosen gehen.
Völlig unrealistische Termine (Lieferzeiten von Lieferanten zählen nicht, weil, die gibt es nicht!) führen dazu, dass fast nur schlampige und unzureichend, wenn überhaupt geprüfte Ware das Haus verläßt.
Folge: Sehr hohe Fehlerrate beim Kunden. Schuld daran sind natürlich wieder die Ausführenden = Arbeiter. Die können gar nicht anders, als „irgendwie“ den Kram fertig zu stellen.
Oft wird noch am Material gebastelt, wenn schon der Kunde auf dem Hof steht.
Es gibt keine Möglichkeit, (neue) Teile wirklich zu testen, um die Fehler auszumerzen, die schon lange bekannt sind und immer wieder zu Beanstandungen seitens des Kunden führen = Unzufriedenheit und sehr hohe Folgekosten.

Selbst neue Aufträge werden so knapp bemessen, dass sofort wieder Überstunden anfallen, um die Arbeit zu bewältigen.
Normale Arbeitszeiten gibt’s höchstens in Ausnahmefällen.
Es gibt Mitarbeiter, die im letzten halben Jahr nur an 5 Wochenenden zu Hause waren.
Vertraglich ist bei einigen MA eine 40-Std.-Woche angesagt.
Lt. Vertrag sind mit dem Gehalt ALLE anfallenden Überstunden abgegolten.
Wirklich ALLE, oder gibt’s auch hier eine Obergrenze?

In einer Gewerkschaft ist von den Mitarbeitern nicht zufällig jemand?
Die sind nämlich nicht nur da, damit man an sie Beiträge bezahlt. :wink:

Lt. Anruf bei der Gewerkschaft ist das heute normal,
und wer seinen Arbeitplatz behalten will, muß entweder buckeln oder gehen.

Lt. Betriebsarzt hat diese Firma die höchste Unfallquote in ganz BW !!!

Was kann man da tun?

Gruß JK