Vertrackte Nebensatzkonstruktion

Ich habe recht, bin aber nicht rechthaberisch.

Ich weiß! Das ist meine Rede seit 1794! :wink:

Man glaubts mir aber eben so wenig, wie ich dir jetzt! ;-]

  1. Da ich nicht rechthaberisch bin, kann ich dir ja jetzt
    schlecht widersprechen.
  2. alt: ebensowenig, neu: ebenso wenig, am neuesten: eben so
    wenig?

Oranier

Wenn Du schon dabei bist, hättest Du nicht auch das Komma zwischen
ebensowenig und wie monieren müssen?

Gruß Gudrun *istschonwiederwech*

Liebe Gudrun,

du setzt mir hier immer noch eins drauf und bistschonwiederwech!

Das ist doch nur so ein Geplänkel zwischen mir und Fritz.
Wie würde ich denn dastehen, wenn ich mich hier dauerhaft als kleinkarierter Kommafehlerjäger etablieren würde, wo er imstande ist, das gesamte Gewicht der Weimarer Klassik gegen mich ins Feld zu führen?

An solche gewagten Satzkonstruktionen, wie:

Man glaubts mir aber eben so wenig, wie ich dir jetzt!

wage ich mich auch lieber nicht heran.
Er käme mir womöglich mit kryptisch-Elliptischem o.ä. und würde mir zeigen, dass es eigentlich: „…,wie ich dir jetzt glaube“ hieße und das Komma deshalb durchaus seine, wenn schon nicht obligatorische, so doch zumindest fakultative usw. usf…

Abgesehen davon (,) nehme ich an, auch du hattest deine Freude an dem schönen:

alt: ebensowenig, neu: ebenso wenig, am neuesten: eben so wenig?

Schönen Sonntag noch (,) und pass’ weiterhin gut auf!
Oranier

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hi, Klaus,
Sätze ohne Kommas sind eigentlich mehr etwas für junge Leute, die keine Sprechpausen einlegen und somit auch auf Kommata verzichten können. Als ehemaliger alter Mann muss ich jedoch auf ausreichend viele Kommas bestehen.
Grüße
CF FJ

2 „Gefällt mir“

Lieber den GANZEN Satz
Ihr Lieben

Was hab ich da losgetreten?!

Um noch eine weitere Meinung beizutragen: Mir
wäre fast wichtiger, dass mein Satz in
VOLLSTÄNDIGER Form betrachtet wird, denn hier
fehlen ein paar Worte:

Das, was hinter uns liegt, und das, was vor uns
liegt, verglichen mit dem, was in uns liegt.

Grüsse und ein weiteres Dankeschön von
Rolf

Hi Rolf,
wo ist da noch das Problem?
Ich habe deine Zeichensetzung als korrekt zensiert, Gudrun schließt sich dem an (,) und Fritz beugt sich friedlich der Mehrheit, nicht ohne ein auf Jean Paul und Goethe gestütztes Minderheiten-Votum abzugeben.
Wäre allenfalls noch hinzuzufügen, dass deinem Satz zur wirklichen Vollständigkeit noch das Prädikat fehlt.
Grüße
Oranier

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Das, bester Oranier,

Wäre allenfalls noch hinzuzufügen, dass deinem Satz zur
wirklichen Vollständigkeit noch das Prädikat fehlt.

liegt aber daran, dass nicht vollständig zitiert wurde. Rolfs Satz lautet mit den ergänzten Kommas:

«Das, was hinter uns liegt(,) und das, was vor uns liegt, ist
nichts
, verglichen mit dem, was in uns liegt.»

Gruß Fritz

Hallo zusammen,

„das, was vor uns liegt und das, was hinter uns liegt“ ohne Komma nach „liegt“ ist m.E. ein Unding. Es sei denn, das Erlebte wäre identisch mit dem noch zu Erlebenden. Dann aber hätte der Schreiber des Satzes doch niemals so formuliert, sondern vermutlich: „das was vor und hinter uns liegt“.

Es geht auch hier gar nicht um „Komma oder Nichtkomma vor ‚und‘“, sondern um "Komma oder Nichtkomma NACH eingeschobenem Relativsatz.

Lieber Fritz,
würdest Du denn auch „kein Komma“ befürworten in einem Ausdruck wie „das, was vor uns liegt, und unsere Vergangenheit“?

Gruß
Aia

«Das, was hinter uns liegt(,) und das, was vor uns liegt,
ist
nichts
, verglichen mit dem, was in uns liegt.»

Hallo, Fritz,
nach einem Nebensatz muss doch immer ein Satzzeichen folgen. Oder irre mich da? Also wären folgende Satzzeichen richtig.
Das, was hinter uns liegt, und das, was vor uns liegt, ist nichts(,) verglichen mit dem, was in uns liegt.
Grüße
CF FJ

ich danke Euch allen

Hallo, Rolf,
ich habe gerade noch einmal im Duden recherchiert. Meine Lösungen sind alle richtig.
CF FJ

Hoho, Oranier!

An solche gewagten Satzkonstruktionen, wie:

Man glaubts mir aber eben so wenig, wie ich dir jetzt!

wage ich mich auch lieber nicht heran.

Man nennt diese Stilfigur: Anakoluth!

Wir haben hier eine FAQ dazu.

Er käme mir womöglich mit kryptisch-Elliptischem

Eben nicht! (s. o.)

Gruß Fritz

Oh, hallo, Aja,

lange nichts gehört von dir. :wink:

Es geht auch hier gar nicht um „Komma oder Nichtkomma vor
‚und‘“, sondern um "Komma oder Nichtkomma NACH eingeschobenem
Relativsatz.

Das ist erhellender Einwand. Demzufolge ist das Komma da nicht fakultativ.

würdest Du denn auch „kein Komma“ befürworten in einem
Ausdruck wie „das, was vor uns liegt, und unsere
Vergangenheit“?

Ich tät da eins stzen, täte aber nicht reklamieren, wenns einer wegließe.

Kommas sind zu guter Letzt Geschmackssache. Sie sollen beim Verständnis des Geschriebenen helfen. Wenn sie das tun, ist es gut!

Und manchmal tun sies auch gegen die Regel. Kafka ist ein Beispiel dafür. In der Verfilmung des „Amerika“-Fragments hat Jean-Marie Straub alle Kommas, die Kafka recht willkürlich gesetzt hat, exakt so sprechen lassen, also eine Pause machen lassen. Was den Film nicht unbedingt leichter rezipierbar macht.

Hör auch mal, unserem Innenminister, zu. Der redet auch, viele Pausen also Kommas, an, falscher Stelle.

Deshalb finde ich die Freiheiten, die die Neue Rechtschreibung da zulässt, auch prima.

Gruß Fritz

Für das fragliche Komma gibt es aber gute Gründe! Und zwar
bessere als für das vor dem „und“.

Eine Kommaeinforderung hätte ich noch, Fritz,
für das Komma gibt es Gründe, und zwar bessere.
CF FJ

Wenn Du schon dabei bist, hättest Du nicht auch das Komma
zwischen
ebensowenig und wie monieren müssen?

Gruß Gudrun *istschonwiederwech*

Lieber Oranier,

du setzt mir hier immer noch eins drauf und
bistschonwiederwech!

ich mache auch nur Geplänkel, besser: ich übe mich darin. :wink:

Das ist doch nur so ein Geplänkel zwischen mir und Fritz.
Wie würde ich denn dastehen, wenn ich mich hier dauerhaft als
kleinkarierter Kommafehlerjäger etablieren würde, wo er
imstande ist, das gesamte Gewicht der Weimarer Klassik gegen
mich ins Feld zu führen?

Pfffftttt. Keine falsche Ehrfurcht. Die haben auch nur mit Wasser gekocht. Und gingen zu Fuß dahin, wo der Kaiser …!

An solche gewagten Satzkonstruktionen, wie:

Man glaubts mir aber eben so wenig, wie ich dir jetzt!

wage ich mich auch lieber nicht heran.
Er käme mir womöglich mit kryptisch-Elliptischem o.ä. und
würde mir zeigen, dass es eigentlich: „…,wie ich dir jetzt
glaube“ hieße und das Komma deshalb durchaus seine, wenn schon
nicht obligatorische, so doch zumindest fakultative usw.
usf…

Nachdem ich mir jetzt aufgrund Fritz’ Hinweis in der FAQ angeschaut habe, was ein/eine Ana…? (wie hieß dat? Mist, FAQ schon wieder zugeklappt!) sein soll, komme ich erst recht zu dem gefühlten Schluß, daß das Komma da nicht hingehört.

Abgesehen davon (,) nehme ich an, auch du hattest deine Freude
an dem schönen:

alt: ebensowenig, neu: ebenso wenig, am neuesten: eben so wenig?

Aber ja doch. Zumal ich mich nicht mehr so recht traue, da eh’ schon einen schlechten Ruf als Beckmesserin, und da finde ich es wirklich gut, daß Du diesen Part übernommen hast! :wink:

Schönen Sonntag noch (,) und pass’ weiterhin gut auf!

Zweimal dto.!

Gruß Gudrun

Hoho, Oranier!

An solche gewagten Satzkonstruktionen, wie:

Man glaubts mir aber eben so wenig, wie ich dir jetzt!

wage ich mich auch lieber nicht heran.

Man nennt diese Stilfigur: Anakoluth!

s.u.!

Wir haben hier eine FAQ dazu.

Er käme mir womöglich mit kryptisch-Elliptischem

Eben nicht! (s. o.)

danke, war mir entfallen, deswegen „o.ä.“ in der Erwartung deines präzisierenden Kommentars.
Oranier

Hallo,

Es geht auch hier gar nicht um „Komma oder Nichtkomma vor
‚und‘“, sondern um "Komma oder Nichtkomma NACH eingeschobenem
Relativsatz.

Das ist erhellender Einwand. Demzufolge ist das Komma da nicht
fakultativ.

Interessant! Worin soll der Unterschied zu meiner Aussage bestehen (außer dass ich statt „Relativsatz“ „Nebensatz“ schreibe), mit der du nicht übereinstimmst (s.o,!)?

Kommas sind zu guter Letzt Geschmackssache. Sie sollen beim
Verständnis des Geschriebenen helfen. Wenn sie das tun, ist es
gut!

Und manchmal tun sies auch gegen die Regel. Kafka ist ein
Beispiel dafür. In der Verfilmung des „Amerika“-Fragments hat
Jean-Marie Straub alle Kommas, die Kafka recht willkürlich
gesetzt hat, exakt so sprechen lassen, also eine Pause machen
lassen. Was den Film nicht unbedingt leichter rezipierbar
macht.

Hör auch mal, unserem Innenminister, zu. Der redet auch, viele
Pausen also Kommas, an, falscher Stelle.

Wieso „an falscher Stelle“? Der befleißigt sich der allgemeinen Verfertigung der Gedanken beim Sprechen und bedient sich der Rupprichtschen Freiheit, seine mündliche Kommasetzung adäquat zu seiner Kurzatmigkeit bzw. Langsamgedanklichkeit zu gestalten.

Deshalb finde ich die Freiheiten, die die Neue Rechtschreibung
da zulässt, auch prima.

Ich dachte, du hättest dich von dem Einwand erhellen lassen (s.o.!). Die neue Rechtschreibung lässt im vorliegenden Fall genauso wenig Freiheiten zu wie die alte.

Die ganze Argumentation liest sich überzeugend, geht aber von einem falschen Verständnis der Funktion von Zeichensetzung aus.
Die Satzzeichen sind dazu da, einen geschriebenen Text syntaktisch zu strukturieren, und dienen nicht, wie die Pausenzeichen bei Gesangsnoten, als Hilfen zum Atemholen bei einem gesprochenen Text, der ganz anderen Regeln folgt (Überschneidungen nicht ausgeschlossen).

Grüße
Oranier

1 „Gefällt mir“

Weißt du, Oranier,

wo du Recht hast, hast du Recht. Aber ebenso ist das Rechthaben bisweilen doch eine recht lästige Sache, besonders für andere.

Ich weiß das; aus eigener Erfahrung.

Zeichensetzung und Ortografie beruhen auf Konventionen. Man kann sich an Konventionen halten; man kann es aber auch lassen.

Ich besitze keinen Anzug und ich trage nie feste Schuhe, sondern nur Sandalen. Also kann ich nicht in konventionellem Aufzug in die Oper oder zu einem Bankett gehen oder zu sonst einem Anlass, wo sowas heute noch verlangt wird.

Als Knabe habe ich gelernt, dass man bei einem Gottesdienst, oder wenn man ein Gotteshaus - ich verwende jetzt mal diese wirre Terminologie - betritt, die Kopfbedeckung abnimmt. Den jungen Leuten auf der Marienwiese gestern war das offensichtlich Wurst.

Und dann noch das:

**Kommas werden dort gesetzt, wo man beim Sprechen eine Pause setzen würde.

Sie helfen beim Schreiben, den Satz klar zu strukturieren und beim Lesen, den Satz besser zu verstehen. Zweideutige Konstruktionen können durch Kommas eindeutig gemacht werden.

Beispiel: Immer funktionierte unser Auto nicht, ohne Bedenken habe ich es verkauft. Immer funktionierte unser Auto, nicht ohne Bedenken habe ich es verkauft.

Die neue Rechtschreibung hat die teilweise widersprüchlichen Kommaregeln von früher beseitigt und nur mehr relativ wenige verpflichtende Kommas übrig gelassen. Viele Regeln der alten Rechtschreibung dürfen aber nach wie vor verwendet werden. Gerade bei komplexen Satzstrukturen ist auch eine Anwendung nach manch alter Regel sinnvoll.**

=> http://www.lernpfad.at/html/kommaregeln.html

Unten gibt es einige Test. Erzählst du nachher, welche Ergebnisse du erreicht hast?

Hör auch mal, unserem Innenminister, zu. Der redet auch, viele Pausen also Kommas, an, falscher Stelle.

Wieso „an falscher Stelle“?

Das ist nach deinen Grundsätzen gesprochen!

Der befleißigt sich der allgemeinen Verfertigung der Gedanken beim Sprechen und bedient sich der Rupprichtschen Freiheit

Ebendebendebend! Das wollte ich dir doch klarmachen!

Alles übrige schenk ich dir.

Gruß Fritz

Ach übrigens, nun bin ich schon wieder gefragt worden, was du für einer seist. Man vermutet in dir eine Reinkarnation eines früheren WWW-Nutzers.