Vertrag mit Bauträger

Hallo,

wir sind im Moment auf Haussuche und wollen ev. ein Haus bauen von einem Bauträger bauen lassen. Nun haben wir Kontakt zu einigen aufgenommen, u.a. ist ein Bauträger dabei, mit dem wir einen ersten Termin zu Hause hatten und inzwischen haben wir uns auch deren Musterhaus angeschaut. Bei dem zweiten Termin hätten wir einen Vertrag unterzeichnen sollen, dass wir uns verpflichten mit dieser Firma zu bauen. Die Baubeschreibung haben wir zu diesem Zeitpunkt vorgelesen bekommen, ausgehändigt war uns diese noch nicht, sie wurde uns jetzt mitgegeben.
Als die beiden Vertriebler merkten, dass wir nicht unterschreiben wollen, wollten sie uns mit 10.000 Euro Rabatt locken, ein Angebot das zwar schon vorbei wäre, aber für uns würden sie es noch gelten lassen, wenn wir an diesem Tag unterschreiben.
Problem ist, dass wir keinen Bauplatz haben, diesen noch suchen müssen, würden wir den Vertrag unterschreiben, würde die Firma für uns mitsuchen. Ich denke aber, dass die auch Probleme damit hätten, so wie wir auch (liegt an der Region).

Die Art des Bauens, Material und Ausstattung der Häuser haben uns zwar grundsätzlich schon gefallen, aber die Art wie wir behandelt wurden, läßt die Firma ziemmlich unseriös wirken.

Ist das denn normal, dass man so einen Vertrag unterschreibt?
Oder auf was muss man beim Bauen über einen Bauträger achten?

Danke, Salbei

Hallo!

Oder auf was muss man beim Bauen über einen Bauträger achten?

Man sollte vor allen Dingen darauf achten, sich Bauträger vom Hals zu halten. Was willst Du mit einem Bauträger? Was willst Du mit irgendwelchen Verkäufern, wo man doch zum Hausbau keine Verkäufer, aber dafür einen Architekten und Handwerker braucht?

Um ein Haus zu bauen, sind Vorstellungen der eigenen Wünsche über Größe, Ausstattung und evtl. besondere Funktionen/Bedürfnisse nützlich. Man braucht ein geeignetes Grundstück und dann braucht man nur noch einen Architekten. Der Architekt sollte nicht gleichzeitig ausführender Bauunternehmer sein.

Das individuell geplante Architektenhaus liegt in der gleichen Kostengrößenordnung wie ein 08/15-Typenhaus vom Bauträger. Die Planung durch den Architekten kostet natürlich Geld, aber durch den Verzicht auf einen Bauträger, der leben will und Kosten verursacht, ohne daß er irgendwas zum Hausbau beiträgt, wird die Sache insgesamt nicht teurer.

Typenhäuser mit oder ohne Bauträger haben den Vorzug des erprobten Konzepts. Andererseits gehört es zur Tagesordnung, daß Bautrupps ohne funktionierende Bauüberwachung, d. h. ohne Qualitätskontrolle, vor sich hin murksen. Bei einem individuell geplanten Architektenhaus ist ein guter Architekt regelmäßig auf der Baustelle und läßt nirgends Pfusch durchgehen, weil er die Aufträge nur ausschreibt, die Ausführung überwacht, aber von den Ausführenden unabhängig ist.

Gruß
Wolfgang

Hallo Salbei,

wir haben auch mit Bauträger gebaut, aber solche Preisangebote haben wir nie bekommen :frowning:
Finde ich auch nicht seriös…

Zum einen würde ich mir erst dann einen Bauträger suchen, wenn ich/oder der Bauträger ein Grundstück hätte.
Vielleicht kann man auf dem Grundstück nämlich gar kein Haus bauen wie ihr in der Baubeschreibung habt. Dann wird´s richtig teuer…

Zum anderen solltet ihr den Vertrag und die Baubeschreibung vor der Unterschrift mindestens eine Woche zur Prüfung nach Hause bekommen.

Wir sind beim Bauherren-Schutzbund (http://www.bsb-ev.de/)
Und haben dort Vertrag und Baubeschreibung prüfen lassen, der Berater hat den Vertrag einem spezialisierten Anwalt vorgelegt und selbst die Baubeschreibung geprüft. Hat damals dazu geführt, dass wir den Bauträger zusammen mit dem Grundstück beim ersten mal wieder haben sausen lassen…

Grundsätzlich muss ich sagen, damals als blutige Laien hätten wir uns nie und nimmer getraut, ohne Bauträger oder Architekt zu bauen. Beim jetzigen Grundstück war es so, dass es (eigentlich nicht geplant) eine DHH wurde, und wir den Bauträger des Nachbarn mit „übernommen“ haben, was natürlich eine entsprechende Ersparnis war.

Waren aber trotzdem harte Verhandlungen wg. Baubeschreibung, Zahlungsplan ect.

Der Berater des BSB kam auch regelmässig auf die Baustelle um die entsprechenden Abnahmen zu machen, hat super funktioniert und uns insgesamt ca 1.200 € gekostet, das sind etwas mehr als 0,5 Prozent der Bausumme und hat uns bestimmt mehr als 10.000 € gespart.

Also von den Bauträgern, wie du sie geschildert hat, lieber Finger weg, auch wenn das Haus 250.000 € kostet, irgendwo einfach 10.000 € einsparen, wie soll das gehen?
Die Verträge sind eh´schon immer absolut auf Kante berechnet, mit billigsten Sanitärkeramiken, pro Zimmer nur eine Steckdose und ein Lichtauslass, ein einziger Telefonanschluss im ganzen Haus, ebenso nur eine einzige Fernsehbuchse… Allein bei einer Küche braucht man ca 8 - 10 Steckdosen, pro Stück (Alle Kosten Inbegriffen) ca 25 €.

Die Bauträger selber verzichten sicherlich nicht auf 10.000 € Provision…

grüsse
dragonkidd

Hallo Salbei,

immer wenn jemand zu einem Vertrag „drängt“ ist Vorsicht geboten. Er will verhindern, daß Du mehrere Angebote einholst, Leistung und Qualität vergleichst.
Wenn jemand plötzlich 10.000 Euro Rabatt hervorzaubern kann, dann hat er
Dir vorher zu teuer angeboten.
Finger weg!
Einen Vetrag in dieser Größenordung solltest Du nur nach umgehender Prüfung abschliessen. Ohnehin erst wenn Du ein Grundstück hast.
Ein seriöser Anbieter der zu seinem Angebot steht lässt Dir Zeit sich zu entscheiden.

Gruß elmore

Hallo

alle Vorredner haben es schon gut beschrieben.
Vor allem anderen erstmal:
unseriös finde ich nicht die 10.000 € Nachlass, sondern: einen Vertrag zu unterschreiben obwohl überhaupt noch kein Grundstück vorhanden ist.

Vom Grundstück hängt doch in der Regel alles ab: welche Hausgröße, Dachneigung, mit Keller, ohne Keller etc.

OHNE Grundstück kann man auch kein seriöses Angebot erhalten, in dem normalerweise alle Angaben enthalten sind, auch z.B. die der Erdarbeiten, Erdabfuhr, Kanalarbeiten etc. - diese Kosten lassen Bauträger gern außen vor und da summieren sich dann schnell mal 15.-25.000 €.

Bauträger ist in der Regel nicht schlecht. Wenn alles stimmt!

Architekten arbeiten auch nicht so „selbstlos“ und „neutral“.
Ein Architekt hat in der Regel auch seine Firmen mit denen er baut, das können auch mehrere sein und Provision fliesst da in den meisten Fällen auch. Das kann man eigentlich nur umgehen, in dem man sich die Angebote selbst einholt und vom Architekten lediglich prüfen lässt.

Sucht erst mal in Ruhe ein Grundstück und dann seht weiter.

Hallo Irene!

Architekten arbeiten auch nicht so „selbstlos“ und „neutral“.

Von selbstlos kann natürlich keine Rede sein, ein Architekt ist schließlich nicht die Caritas. Aber mit einem Architekten kann man das individuell geplante Haus bauen, das den eigenen Wünschen sowie den Möglichkeiten des Grundstücks gerecht wird und sich in die Umgebung einpaßt.

Statt solche Möglichkeiten zu nutzen, wird überwiegend phantasieloser Einheitsbrei in die Landschaft gesetzt. Gestaltung kommt dabei nicht vor und falls doch, mit Elementen, die nicht in die Umgebung passen. Ich finde es schade, daß so viel phantasieloses Zeug gebaut wird, weil viele Leute irrigerweise glauben, daß ihr Typenhaus vom Bauträger billiger als das individuell geplante Haus wird. Dabei ergibt sich letztlich nur der Vorteil, daß man sich sein zukünftiges Haus vorher als Musterhaus fix und fertig ansehen kann. Aber auch dieser Vorteil hat sich inzwischen überlebt. Schließlich kann man heute das individuell geplante Haus in genau der in Aussicht genommenen Lage und Ausrichtung in allen Details am PC erstellen und sogar zu jeder beliebigen (virtuellen) Tageszeit bei allen vorkommenden Lichtverhältnissen virtuell durch die Räume gehen. Dabei wird es fast zum Kunststück, Planungsfehler zu machen.

Ein reiner Bauträger ist weder Bauunternehmer noch Architekt. Er ist Organisator, trägt zu Gestaltung und Bau nichts bei, verursacht aber Kosten. Ein Bauträger macht bei Reihen- und Doppelhäusern Sinn, aber beim frei stehenden Gebäude für einen einzigen Bauherrn/Eigentümer halte ich einen Bauträger für überflüssig. Dazu kommt in etlichen Fällen eine teure Verquickung von Grundstückskauf und Hauskauf, indem auf den Gesamtbetrag die Grunderwerbsteuer fällig wird.

Ein Architekt hat in der Regel auch seine Firmen mit denen er
baut, das können auch mehrere sein und Provision fliesst da in
den meisten Fällen auch. Das kann man eigentlich nur umgehen,
in dem man sich die Angebote selbst einholt und vom
Architekten lediglich prüfen lässt.

Für Laien ist das keine Option. Wer in der Lage ist, vergleichbare Angebote einzuholen, also sämtliche zu erledigenden Schritte ausschreibungsgerecht zu Papier bringen kann, verfügt über vertiefte einschlägige Kenntnisse und braucht Architekten und Statiker allenfalls als Berater und für den Stempel zur Vorlage selbst gefertigter genehmigungsfähiger Pläne. Das ist für die meisten Bauwilligen kein gangbarer Weg.

Beim privaten Hausbau geht schon seit langer Zeit eine „architektonische Handschrift“ zugunsten langweiliger Einheitsbauweise weitgehend verloren. Das ist eine unnötige Verarmung, weil es noch nie zuvor bessere Planungshilfen und noch nie zuvor eine größere Vielfalt an Baumaterialien als heute gab. Es gibt überhaupt keine Notwendigkeit mehr, auf 08/15-Einheitsstil zurück zu greifen.

Gruß
Wolfgang

Oft nicht zu umgehen
Hallo Wolfgang,

prinzipiell gebe ich Dir Recht. In vielen Neubaugebieten hat der Bauwillige aber keine Wahlmöglichkeit. Wird ein Baugebiet ausgewiesen kaufen oft Bauträger oder Fertighausfirmen das Gros der Bauplätze auf. Dann verkaufen Sie natürlich nur an Bauwillige die auch mit ihnen bauen. So enstehen dann Siedlungen wie „Kampahausen“ und die Eigenheime ähneln sich alle sehr. Bedauerlich daran ist auch, das kleine bis mittelständige Baufirmen, die früher oft den Rohbau gemauert haben kaum noch zum Zuge kommen.
Gruß elmore

Hallo!

kaufen oft Bauträger … das Gros der Bauplätze auf.

Ja, Bauplätze, ich dachte eher an Grundstücke…

Gruß
Wolfgang

Bei Euch handelt es sich nicht um einen Bauträger, sondern um ein Hausbauunternehmen. Bauträger verkaufen Haus und Grundstück. Bei der Hausbaufirma will sich der Anbieter den Auftrag sichern. Es kann sein, dass Ihr ein Baugrundstück findet, dass Euch gefällt. Dieses bietet ein Bauträger (Grundstück mit Haus) an. Wenn Ihr bereits unterschrieben habt, dann müßt Ihr eine Entschädigung zahlen, wenn Ihr aus dem Vertrag aussteigen wollt. Also es gibt keinen Grund einen Bauvertrag zu unterschreiben, wenn es kein Grundstück gibt. Außerdem ist ein Preisnachlass von 10.000 € ungewöhnlich. Der Verkäufer muss oder will verkaufen und vertraglich binden. Wer 10.000 € gibt, kann auch 15.000 € geben. Also Finger weg vom Vertrag und Grundstück suchen. Wenn Ihr wollt, erhaltet Ihr von mir die Profistrategien für die Grundstückssuche.

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]