Vertrauensfrage

hallo, liebe www-surfer,

was meint Ihr dazu? Ein Partner, dem man seit vielen Jahren vertraut, mit dem man sozusagen gute und schlechte Zeiten durchlebt, geliebt, gestritten, gehadert, gekämpft hat, sagt plötzlich: „Du bist die Letzte, die Fehler eingesteht.“
Dabei habe ich bisher gedacht, dass ich es bin, die stets nach gibt.
Ich bin völlig durcheinander und fühle mich ganz entsetzlich verletzt. Ich bin sprachlos, obgleich das eher nicht passiert.
Obwohl. So eine Bemerkung sollte einen doch nicht so aus der Bahn werfen, oder?
Habt Ihr einen Tipp für mich? Oder bin ich einfach nur zu arrogant, mir die Wahrheit einzugestehen? Da ich diesen bestimmten Satz erst vor einer Stunde gehört habe und mich seitdem mehr als einsam fühle, kann es sein, dass ich vielleicht überregariere…
Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende!
Gruß Gabi

Vertrauenssache
Hi Gabi,

was meint Ihr dazu? Ein Partner, dem man seit vielen Jahren
vertraut, mit dem man sozusagen gute und schlechte Zeiten
durchlebt, geliebt, gestritten, gehadert, gekämpft hat

Deine Frage (und deine beschriebene Reaktion) zeigt aber, daß ihr trotzdem nicht gerade gelernt habt, euch miteinander auseinanderzusetzen …

… sagt plötzlich: „Du bist die Letzte, die Fehler eingesteht.“
Dabei habe ich bisher gedacht, dass ich es bin, die stets nach
gibt.

Hm, du erzählst aber doch jetzt gerade ein Beispiel eines Fehlers, den er dir vorhält, und den du nicht eingesteht, oder?

Und so plötzlich - und also ohne, daß dem etwas vorausging - kann es unmöglich gewesen sein, wenn er nicht etwa im Traum gesprochen hat oder Psychotiker ist?

Ich bin völlig durcheinander und fühle mich ganz entsetzlich verletzt.

Das ist möglich. Aber hast du ein Gefühl dafür, was dich daran verletzt? Wenn es eine absolut unbechtigte Vorhaltung wäre, wärst du erstaunt über IHN, aber nicht verletzt … und die Folge wäre, daß du ihn fragst, woraus er das folgert. Vielleicht weiß er doch Beispiele? z.B. das aktuelle, was ihn zu dieser Bemerkung veranlaßt hat.

Stutzig macht nämlich dein Wörtlein „plötzlich“ … kann es nicht vielleicht DOCH sein, daß du dein dialogisches Verhalten zu wenig an der Reaktion des Gesprächspartners orientierst und korrigierst?

Ich bin sprachlos, obgleich das eher nicht passiert.

D.h. du hast immer eine Antwort parat? Immer wie aus der Pistole geschossen einen Kommentar? Nie ein Zögern, ein Nachdenken, kurz oder auch manchmal länger, bevor und sprichst? Dann läge es an, zu überlegen, ob du mit dieser Eigenschaft den anderen vielleicht doch überrollst? Sprichst du, oder sprichst du mit ihm? (Nein, das ist nicht dasselbe!)

Obwohl. So eine Bemerkung sollte einen doch nicht so aus der Bahn werfen, oder?

Ist DAS die Frage? Oder ist die Frage doch eher, ob er Recht hat oder nicht? Ob er eine notwendige Korrektur anmeldet oder nicht?

Habt Ihr einen Tipp für mich?

Für was denn?

Oder bin ich einfach nur zu arrogant, mir die Wahrheit einzugestehen?

Woher soll das einer von uns wissen? Aber wenn du dich das schon selbst fragst, wäre das ein Hinweis auf die anliegende Denkrichtung …

Da ich diesen bestimmten Satz erst vor einer Stunde gehört habe und mich seitdem mehr als einsam fühle

Wegen so einer Lappalie fühlst du dich einsam? Das dürfte ein Hinweis für dich selbst sein, daß es dich heftig in einem recht unbeweglichen Selbstbild trifft. Und mit einem unelastischen Selbstbild ist man sehr leicht unnachgiebig … Wegen eines Kommentars, über den man sich doch auseinanderstzen kann! Zumal ihr, deiner Meinung nach, viel Erfahrung im Streiten, Hadern, Kämpfen habt? Und zumal ihr „seit vielen Jahren vertraut“ seid?

Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende!

Wieso? Seit 1 Stunde rotierst du bis zum Einsamkeitsgefühl - und erwartest Antworten oder Reaktionen doch erst nach dem Wochenende?

Geh doch einfach mal ganz radikal und mutig deine Erinnerung durch: Es könnte doch sein, daß ihm mit dieser „plötzlichen“ Bemerkung etwas rausgeplatz ist, was er dir immer schon mal gerne sagen wollte, aber nie zu sagen wagte … eben weil er dich so erlebt, daß du die Letzte bist, die Fehler eingesteht?

Und wenn er Unrecht haben sollte - naja, dann sags ihm, daß du dich selbst anders erlebst - vielleicht ist ER einsichtig und nachgebend - und gut ists.

Schönes Wochenende! :wink:

Metapher

Danke Metapher,
Du sprichts Dinge an, die ich so nicht gesehen, erklärt oder geglaubt habe. Viel öfter sollte ich mir Rat holen, merke ich. Vor allem für das MITEINANDER REDEN UND AUSEINANDERSETZEN. Es ist wahrscheinlich ein Irrtum, denn ich war bisher der Ansicht, dass ich das kann.
Tschüssi
Gabi

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

hallo gabi,

dein partner und du ihr seid in vorwürfe verstrickt ´a la „DEIN fehler ist es…DU mußt eingestehen dass…“ usw.

du könntest auf den satz „du bist die letzte, die fehler eingesteht!“ antworten: „kann schon sein, welchen wünscht du dir denn, dass ich eingestehe?“ und dann redet ihr wieder über euer erleben und macht sätze, die anfangen mit: ICH (möchte…, denke…, bin verletzt, wenn…fühle mich…). hört euch beide zu, laßt ausreden und schaut dann mal weiter.

die vorwürfe bringen nur mehr streit, weil man sich entweder sofort verteidigt und zurückschießt oder sich verletzt zurückzieht und gar nichts mehr sagt.

Hi!

Vor allem für das MITEINANDER REDEN UND AUSEINANDERSETZEN. Es
ist wahrscheinlich ein Irrtum, denn ich war bisher der
Ansicht, dass ich das kann.

Dafür kann ich dir das Buch „Miteinander Reden - Störungen und Klärungen“ von Schulz von Thun empfehlen.

Tara

hallo gabi,

ich denke, dass es tatsächlich für Dich Zeit ist, das Fremdbild mit dem Eigenbild in Deiner Beziehung abzugleichen. Menschen entwickeln sich, ihre Persönlichkeit verändert sich und ihr Eigenbild „wächst“ meist nicht im selben Tempo mit. Und das gilt natürlich für Dich genauso wie für Deinen Partner.

Hilfreich ist immer mal wieder, bewußt den „Spiegel“ des anderen zu suchen. Das muss nicht Dein Partner sein, auch gute, langjährige Freunde oder Deine Familie können durchaus hilfreich sein, wenn man sie direkt befragt und offen(!) für Kritik ist.

Ich z.B. hielt mich lange Jahre für einen sehr konzilianten Teamplayer, der dachte, er müßte durchsetzungsfähiger werden. Na ja, daran habe ich auch in dieser Zeit gearbeitet, bis mir deutlich gemacht wurde, dass ich über mein Ziel mittlerweile hinausschieße und gerne mal „unangenehm“ dominant werde. Wenn man mir dies nicht in aller Deutlichkeit gesagt hätte, würde ich heute noch glauben, dass ich meine Durchsetzungsfähigkeit stärken müsste:wink:

Und deshalb: Nimm diese Kritik als wertvollen Anreiz, Dich, Deine Persönlichkeit und Deine Rolle in der Beziehung mal wieder bewußt zu hinterfragen. Und wenn Du wieder weißt, wer Du für andere bist, dann wird es auch einfacher, Deinen Partner zu verstehen.

Grüße
Jürgen

Hi Gabi,

Dein Posting hat mich spontan an die Situation in einer Firma erinnert, wenn eine Reklamation oder Kundenbeschwerde eingeht.

Selbst wenn meine Assoziation völlig daneben ist, kann man vom Umgang mit „schwierigen Kunden“ ggf. abschauen.

Mir scheint der Vorwurf Deines Partners sehr pauschal, als ob da irgendwas den letzten tropfen gebildet hat, der das Fass zum Überlaufen brachte.

Nähere Dich dem „Anliegen“ Deines Partner durch hinterfragen, um den Vorwurf möglichst zu konkretisieren und einzugrenzen. Bitte um konkrete Beispiele für das Verhalten, das er bemängelt und bitte ihn möglichst genau zu sagen, WAS konkret ihn an diesem Verhalten stört. Lass´ ihn reden, antworte nicht inhaltlich oder entgegne nicht inhaltlich, sondern zeige Verständnis für seine Verärgerung (so wie er die Dinge sieht, scheint er ja sehr verärgert zu sein) ohne bereits (D) ein Fehlverhalten einzugestehen. Wenn Dein Partner das getan hat, frage ihn, was ihn sonst noch stört resp. gestört hat.

Am Ende solltest Du sehr konkret eingrenzen können, was Deinem Partner an Deinem Verhalten nicht gefällt. Erbitte Dir ggf. Bedenkzeit, um darauf (mit dem nötigen Abstand) antworten zu können. Wichtig ist, es geht um (D)ein Verhalten, nicht um (D)eine Person. Ggf. kannst Du auch (er-)klären, welche äußeren Umstände oder Einflüsse Dich zu einem bestimmten Verhalten „verleiten“ - manchmal ist es z. B. die Trägheit eines Partners, die den anderen treibt und der deshalb vermeintlich dominat ist.