Hallo!
… und viele große Firmen aus „meiner branache“ mich ohne probleme unterbuttern konnten…
Am Markt etablierte Unternehmen werden Dich nicht unterbuttern, sie werden Dich gar nicht wahrnehmen, es sei denn, Du lieferst ein Produkt, das wenigstens regional wirtschaftlich interessante Käufergruppen findet.
Klar ist es auf gut glück immer sehr riskant aber wer nicht wagt der nicht gewinnt oder etwa nicht ?
Versuche „auf gut Glück“ muß man sich leisten können. Wenn das Scheitern der Existenzgründung am Versuch hängt, kann man sich solchen Versuch nicht leisten.
aber was kann eine Cap oder ein T-shirt besser als das andere außer gut auszusehen ?
Ich verstehe zwar nichts von Textilien, aber es gibt ganz sicher beträchtliche Qualitätsunterschiede bei Material, Verarbeitung und Paßform. Das Wäschestück kann z. B. nach einem Dutzend Waschgängen noch gut in Form sein. Es gibt hauchdünne Lappen und es gibt stabile Gewebe. Es gibt Material, das eher einer Plastiktüte entspricht und es gibt Material, das sich angenehm tragen läßt. Es gibt besonders farbechte Textilien und andere, die abfärben. Es gibt gesundheitlich bedenkliche, etwa allergene Textilfarben und es gibt besonders hautverträgliche Wäsche. Es gibt Textilien, die unter fragwürdigen Arbeitsbedingungen gefertigt werden und Produktionen mit bestimmten eingehaltenen Standards. Es gibt Produzenten, die Material verwenden, das gerade billig am Markt zu haben ist und es gibt andere, die bis zum letzten Faden genau wissen, woher sämtliche Bestandteile kommen und die vor allen Dingen auf immer gleiche Qualität achten. Es gibt Produzenten, die ihre Kunden über Alleinstellungsmerkmale, Kundennutzen und Qualität finden und bei Zulieferungen z. B. auf regionale Nähe achten und es gibt Produzenten, die meinen, jeden Cent rausquetschen zu müssen, von ihrer regionalen Infrastruktur leben, aber ihrer Region nichts zurückgeben wollen. Es gibt Marktteilnehmer mit saumäßiger Organisation und es gibt kaufmännisch und organisatorisch vorbildlich geführte Unternehmen. Es gibt Schnellzahler und es gibt Klammfürsten, denen keine Ausrede zu dämlich ist, um nicht dennoch benutzt zu werden. Es gibt Lieferanten, die pünktlich liefern und bei Verzögerungen rechtzeitig Bescheid geben und es gibt Zeitgenossen, die Termine verstreichen lassen und es nicht für nötig halten, sich zu melden. Es gibt branchenkundige Fachleute, die genau wissen, was ein Händler verkaufen kann, welche Marge er braucht und wie die Ware präsentiert werden muß und es gibt Leute, die von all dem keine Ahnung haben. Es gibt Hersteller, die sich bei Reklamationen hartleibig verhalten und es gibt andere, die ihren Kunden in jeder Situation das Gefühl vermitteln, gut und fair betreut zu werden. Es gibt zahllose Unterschiede und Möglichkeiten, um sich vom Wettbewerb abzuheben.
Ganz egal, welche Produkte Du in den Markt bringen willst, wird das Vorhaben nur mit qualitativ hochwertiger Ware im oberen Preissegment funktionieren. Etwas anderes kommt für Existenzgründer nicht in Frage; billige Massenware eignet sich nur für kapitalkräftige Leute. Hochwertige Ware kann man in Coesfeld herstellen, aber auch in China. Um Qualität zu sichern, braucht man unmittelbaren Kontakt mit dem Produzenten. Es reicht nicht, irgendwelche Agenten mit chinesischen Kontakten zu kennen. Man muß sich vielmehr vor Ort engagieren. Ohne solches Engagement sind Ideen, im Ausland etwas fertigen zu lassen, Schnapsideen. Jeden Tag gibt es Leute aus Unternehmen aller Größenordnungen, die das nicht glauben wollen und ausnahmslos ihre Vorhaben an die Wand fahren. Deshalb solltest Du Dich umgehend von der Idee trennen, in China fertigen zu lassen. Zuschnitt- und Nähmaschinen arbeiten im Inland nicht teurer als in China. Wenn Dein Produkt die Lohnkosten einer hiesigen Arbeitskraft nicht verträgt, ist das Produkt ungeeignet, darauf eine Existenz zu gründen.
Gruß
Wolfgang