Verwechslung von trennbaren Verben mitBindewörtern

Es gibt einige, die machen es, mein Vater ist darin der Extremste. Er trennt einfach alles, auch die Bindewörter und schiebt, falls ein Wort nicht am Anfang kam, es kurzerhand hinten dran. Leider ist mir nicht wenig davon in Fleich und Blut übergangen.
Ich habe noch keinen erlebt, den es gestört hat, gechweige, so glaube ich, wahrnahm. Im Umgangssprachlichen ist das sowieso immer so eine Sache. Dennoch ist es so etwas für mich, wie ein Fingernagel, der sich auf einer Schultafel abradiert.

Ich möchte euch daher Fragen, ob ihr das auch kennt, schon mal wahrgenommen habt und kommentieren könntet?
Ob es an einem „verwirrten“ Sprachgefühl zwischen Bindewörtern und trennbaren Verben liegt oder etwas anderem? Könnt ihr mir sagen, ob ich überhaupt richtig liege, dass die Beispielsätze grammatikalisch falsch und auch umgangssprachlich nicht in Ordnung sind?

Hier ein paar Musterbeispiele:

Was glaubst du, hast du für eine Geschwindigkeit damit? (Was für)
Da solltest du für stimmen. (Dafür)
Da könntest du etwas gegen tun. (Dagegen)
Ich denke, da gibt es ein Mittel dafür (Ich denke, dafür)
Da solltest du dich drum kümmern. (Darum)
Da denke ich dran. (Daran)
Wo hast du dich für entschieden? (Wofür)

Mein Vater setzt auch fast immer das Subjekt am Schluss.
(Nicht selten vergisst er es auch und jeder fragt sich dann, wovon er gesprochen hat) Kennt ihr auch Menschen, die das machen?

Die sollten sich doch was schämen, die Leute.
Den muss mal einer fällen, den Baum.
Das sollte doch jetzt mal gemacht werden, den Rasen mähen.

Mich kräuselt es da echt und ich finde es absolut nicht schön so zu sprechen, so einen Ausdruck zu haben.
Danke für die Antworten!

Hallo,

da dir gute Sprache am Herzen zu liegen scheint, gebe ich dir den Rat, den Superlativ „extremst“ aus deinem Sprachgebrauch zu streichen. Der ist nämlich nicht sinnvoll, da „extrem“ selbst schon ein Superlativ ist und „äußerst“ heißt. Du hast also im Prinzip gesagt, dein Vater ist der Äußersteste.

Ich habe noch keinen erlebt, den es gestört hat,

Ich werde heute keine Ausnahme machen.

Ich möchte euch daher Fragen, ob ihr das auch kennt, schon mal
wahrgenommen habt

Ja, an allen Ecken und Enden begegnet einem das, und da ich mich für Sprache interessiere, nehme ich es auch wahr.

Ob es an einem „verwirrten“ Sprachgefühl zwischen
Bindewörtern und trennbaren Verben liegt oder etwas anderem?

Das Sprachgefühl jedes Sprechers ist notwendigerweise „verwirrt“, weil keiner ein Sprachgefühl für Hochdeutsch hat, allenfalls eins für seinen Heimatdialekt. Mit Bindewörtern hat das von dir beanstandete Phänomen nichts zu tun, sondern mit den sog. Demonstrativadverbien wie dafür, dagegen, damit usw. die man anstelle von „für es“ usw. benutzen muss und eine adverbielle Präpositionalgruppe oder ein Präpositionalobjekt vertreten. Im Standarddeutschen dürfen sie nicht getrennt werden, was aber in der Umgangssprache sehr wohl vorkommt. Mit trennbaren Verben hat die Erscheinung auch nichts zu tun, deine Sätze enthalten keine trennbaren Verben.

Könnt ihr mir sagen, ob ich überhaupt richtig liege, dass die
Beispielsätze grammatikalisch falsch und auch
umgangssprachlich nicht in Ordnung sind?

Ja das kann ich dir sagen. Deine Sätze sind sämtlich standardsprachlich ungrammatisch. Sprache ist meiner Meinung nach ein Werkzeug, um Mitzuteilungen zu senden. Falsch ist demzufolge ein Satz, den mein Gegenüber nicht kapiert. Richtig ist er, wenn er mich versteht. Deine Sätze sind sämtlich dazu geeignet, dem Hörer die Intention des Sprechers klar zu machen, deshalb habe ich *da* nicht das Geringste *gegen* einzuwenden, solange man sie in der gesprochenen Sprache belässt.

Mein Vater setzt auch fast immer das Subjekt am Schluss.
(Nicht selten vergisst er es auch und jeder fragt sich dann,
wovon er gesprochen hat) Kennt ihr auch Menschen, die das
machen?

Meinst da, dass man sich fragt, wovon er gesprochen hat? Ja, bei jedem x-beliebigen Politiker.

Die sollten sich doch was schämen, die Leute.
Den muss mal einer fällen, den Baum.
Das sollte doch jetzt mal gemacht werden, den Rasen mähen.

Ja, kenne ich. Die finde ich nicht schlecht, diese Marotte. Mache ich manchmal auch so. Sie ermöglicht pointierte Formulierungen, wenn man die Spannung bis zum Schluss halten kann. Vergessen (wie dein Vater) sollte man den hinten drangesetzten Satzteil natürlich nicht, denn dann wird der Satz sogar in der Umgangssprache falsch, weil man ihn nicht versteht. (s.o.)

Mich kräuselt es da echt und ich finde es absolut nicht schön
so zu sprechen, so einen Ausdruck zu haben.

Ich empfinde Mitleid, weil du dann offensichtlich sehr oft gekräuselt rumläufst. Als Hilfestellung sei gesagt, dass du das Rheinland meiden solltest, dort wird die extremst gemacht, die Trennung der Demonstrativadverben.

Danke für die Antworten!

Bitte

Gruß

Marco

Hallo Konrad,

dein Problem ist mir bekannt, umgangssprachlich (oder im Internet) :wink: mache ich das auch manchmal. Die ersten beiden Sätze sind meinem Sprachgefühl nach falsch, schöner wäre auf jeden Fall:
Was glaubst du, welche Geschwindigkeit hast du damit?
Du solltest dafür stimmen!, oder Dafür solltest du stimmen! (je nach Betonung) Satz drei würde ich wie in der Klammer formulieren, also: Ich denke, dafür gibt es ein Mittel. oder Ich denke, da gibt es ein Mittel für.

Ähnlich verhält es sich mit einigen Pronomen in bestimmten Kasus, wie z.B. Meinetwegen/Deinetwegen anstatt wegen mir/dir und Wofür? anstatt für was?.

Allgemein lässt sich sagen, dass die Sätze in den Klammern formaler und stilistisch schöner sind.

Die unteren Sätze sind nicht falsch, sondern proleptisch, bzw. als Hyperbaton verfasst. Allerdings ist hier Vorsicht geboten: Es handelt sich um ein Stilmittel, das nur rhetorisch geschickt eingesetzt werden sollte!

Ich hoffe ich konnte dir weiterhelfen!

mfg.
murphys_law

Hi,
Marco F. hat’s schon super erklärt. Hier nur eine kleine Ergänzung von mir:
In der Linguistik wird dieses Phänomen, das v.A. im Englischen sehr häufig vorkommt, „preposition stranding“ genannt, auf Deutsch habe ich dafür „Präpositionsstranden“ gehört, also Sätze wie "What are you talking about?"

Es gibt da auch Wikipedia-Artikel zu:
http://de.wikipedia.org/wiki/Preposition_Stranding
http://en.wikipedia.org/wiki/Preposition_stranding

Wie du siehst, mach ich das auch häufig. :wink:

Das andere, was du erwähnst, mit den Subjekten ist eine Eigentümlichkeit, aber keineswegs falsch, das Subjekt ist in deinen Beispielsätzen ja meist enthalten, meist als Pronomen, es wird aber hinten noch einmal wiederholt, dann ist es kein Argument des Verbs mehr, sondern nur ein Adjunkt, d.h. etwas, was man auch weglassen kann (das geht beim Subjekt ja sonst nur sehr selten).

Häufig findet man sowas auch im Französischen, glaube ich… da kommt ein Aktant im Satz nur als Pronomen vor und wird diesem Satz dann als Adjunkt nachgeschoben.

Manchmal fehlt das Subjekt aber trotzdem, z.B. bei:
"Ist schon 'ne tolle Sache, so 'ne elektrische Zahnbürste."
Hier würde ich’s genauso analysieren und davon ausgehen, dass der eigentliche Satz (bis zum Komma) eine Ellipse ist. Es kann auch nur eine Ellipse sein, da das Verb in deutschen Hauptsätzen immer an 2. Stelle steht, also „[Das] ist schon…“ usw.

Grüße,

  • André

Interessant ist in dem Kontext auch folgendes Zitat aus dem oben genannten Wikipedia Artikel: „This construction is typologically rare, but widely found in Germanic languages, including English and the Scandinavian languages; whether or not German and Dutch exhibit legitimate preposition stranding is debatable.“

mfg.
murphys_law

Der ist nämlich nicht sinnvoll, da „extrem“
selbst schon ein Superlativ ist und „äußerst“ heißt. Du hast
also im Prinzip gesagt, dein Vater ist der Äußersteste.

http://www.canoo.net/services/Controller?dispatch=in…

Mit Bindewörtern hat
das von dir beanstandete Phänomen nichts zu tun, sondern mit
den sog. Demonstrativadverbien

Pronominaladverbien…Demonstrativadverb ist „da“ oder „dort“.

wie dafür, dagegen, damit usw.
die man anstelle von „für es“ usw. benutzen muss und eine
adverbielle Präpositionalgruppe oder ein Präpositionalobjekt
vertreten. Im Standarddeutschen dürfen sie nicht getrennt
werden, was aber in der Umgangssprache sehr wohl vorkommt. Mit
trennbaren Verben hat die Erscheinung auch nichts zu tun,
deine Sätze enthalten keine trennbaren Verben.

Ich glaube, das hast du missverstanden. Die Frage des Fragenden bezog sich auf eine tiefgründigere Tatsache. Manche Menschen halten in dem Satz

„Da will ich jetzt etwas für haben“

das Verb „für haben“, „dafür haben“ oder gar „dafürhaben“ für ein trennbares Verb, wohl völlig unwissend, dass es überhaupt so etwas wie „trennbare Verben“ gibt. Dass „dafür“ ein eigenes Satzglied ist und nichts mit dem Verb zu tun hat, geht in der Satzkonstruktion unter.

Das dürfte der Hinweisende gemeint haben. Sonst würde die Überschrift keinen Sinn machen.

http://www.canoo.net/services/Controller?dispatch=in…

Die Tatsache, dass man „extremst“ rein formal bilden kann, macht das Wort noch nicht sinnvoll und gleich gar nicht zu gutem Deutsch. Falls jemand meine veräppelnde Intention nicht bemerkt haben sollte: Ich hätte die Bemerkung nicht gemacht, wenn sich der Fragesteller nicht über umgangssprachliche Lappalien aufgeregt und zu gutem Deutsch aufgerufen hätte.

Pronominaladverbien…Demonstrativadverb ist „da“ oder „dort“.

jupps, da habe ich mich mit der Benamsung vertan. Danke für den Hinweis.

Die Frage des
Fragenden bezog sich auf eine tiefgründigere Tatsache.

Das ist mir in der Tat entgangen.

Vielen Dank - Fragen wurden beantwortet
Und ja, ich meinte mit Bindewörtern die Präpositionaladverben.
Ich habe vielleicht ein bisschen übertrieben, dass es mich kräuselt, wenn man sie trennt. Aber ich halte es für kein gutes Deutsch.

Wegen „der Extremste“ hatte ich extra nochmal ebenfalls bei canoo geguckt. Ich dachte, es wäre möglich von dem „Extremsten unter den Extremen“ zu sprechen. Meinen Vater korrigiere ich übrigends nie, dass würde ihn nur irritieren und korrigieren würde er es eh nicht xD

Ich danke allen für eure Antworten, meine Fragen wurden gut beantwortet! :smile:

Und ja, ich meinte mit Bindewörtern die Präpositionaladverben.

Prnominaladverbien

Ich habe vielleicht ein bisschen übertrieben, dass es mich
kräuselt, wenn man sie trennt. Aber ich halte es für kein
gutes Deutsch.

also dann doch nicht die Verben gemeint…da hab ich mich wohl geirrt…