was auffallend ist …
… beim Lesen deiner Ausführungen, auch deiner anderen Antworten: Daß du gar nichts äußerst über Interessen deinerseits an einem näheren (erotischen) Kontakt mit dieser Frau.
Du sprichst von Intensität der Atmosphäre, du berichtest von tiefer Krise, Erschöpfung, panikartigen Erscheinungen … aber nur immer im Bezug auf die Frage, ob ihrerseits „etwas ist“ oder „etwas war“.
Zumindest erweckst du den Eindruck, daß das allein dein Problem sei, ob du die Signale, die du empfangen hast, richtig interpretiert hast.
So wie du ihre Signale beschrieben hast: Zweifelst du denn im Ernst daran, daß die noch Mißverständnisse zulassen?
Da du von dir selbst sagst, daß du Frauen liebst, und daher (selbstverständlich) eine besonders ausgeprägte Sensibilität für unterschwellige Signale hast: Meinst du nicht, daß die erste entscheidende Frage für dich sein sollte, ob es dir angenehm oder unangenehm sein würde, wenn ihr erotisches Interesse an dir tatsächlich so ist, wie sie dir ziemlich deutlich gezeigt hat.
Wenn du dieses Interesse nicht teilst (was ich kaum für möglich halte angesichts der unterschwelligen Signale, die du uns in deinem Schreiben vermittelst), dann kann dir der jetztige Zustand doch nur recht sein. Wenn du aber deinerseits Interesse an ihr hast, meinst du, es sei dann noch sinnvoll, jetzt mit der Münze (ich faß es nicht!) abzuchecken, was dir deine eigenen Wahrnehmungen und Gefühle inclusive deiner somatischen Reaktionen vermitteln?
Du beschreibst dich selbst als in solchen Situationen abwartend. Vergiß nicht, daß diese Verhaltensweise dem anderen, der erotische Zuneigung hat und deshalb ebenso sensibel deine Reaktion beobachtet, ebenfalls ein eindeutiges Signal gibt: Nämlich „Sie reagiert in keiner Weise mit gleichem Interesse. Im Gegenteil, sie reagiert verwirrt (Panik, Erschöpfung). Entweder sie steht prinzipiell nicht auf Frauen und ist deshalb irritiert. Oder sie tuts, aber sie hat speziell für mich kein Interesse“. Die Folge ist, sie muß ihre - nun frustrierte - Zuneigung zu dir erst mal verarbeiten. Sie muß selbst durch eine Krise durch.
Sich gegen die eigenen Gefühle gezwungen zu sehen, auf Distanz zu gehen, ist nun wirklich keine Kleinigkeit. Ihre Verhaltensweise, die du gegenwärtig beobachtest, deutet recht gut darauf, daß sie eine Enttäuschung verarbeiten muß.
Jemand, der liebt, deutet Nichtreaktion auf deutliche Signale als Abweisung. Er ist dann bereits verletzt - wenn auch zunächst nur durch sich selbst. Er wird sich zurückziehen, was ihn einiges kostet, um heftigere oder gar andauernde Verletzungen zu vermeiden.
Du sprichst mit dem Forum hier sehr offen und sensibel über sensible Gefühle. Aber nur spekulativ über die möglichen ihrigen. Deine eigenen drückst du nur äußerst indirekt aus: sprichst von „Intensität“, ihre Signale seien „irritierend und ungewöhnlich“, sprichst von heftigen Reaktionen deinerseits, aber nur wegen deiner Ungewißheit, ob du ihre recht eindeutigen Zeichen richtig empfangen hast.
Dennoch liest man gut heraus, daß du von dieser Frau fasziniert bist. Warum um Himmels willen bestehst du auf einem „irgendwann mal darüber reden“? Warum läßt du die Zeit, die du bereits als „inneren Rückzug(!)“ ihrerseits erkennst, tatenlos verstreichen?
Warum gibst du, wenn du nun mal eine zurückhaltende Natur bist und passiv darauf wartest, daß die andere ihre Vorsichtsgrenzen überwindet und NOCH deutlicher wird, als sie es schon war, warum gibst du ihr nicht wenigstens Signale derselben Art und derselben Intensität zurück?
Es gibt kaum etwas faszinierenderes im Leben als Begegnungen mit Menschen, bei denen man sich wegen Ähnlichkeit in dieser und jener Hinsicht (es muß nicht nur die Ähnlichkeit der äußeren Gestalt sein) „wie in einem Spiegel“ selbst anschaut. Schau dir mal „Persona“ von Ingmar Bergmann an …
Und kaum etwas ist schmerzlicher, als eine real vorhandene Möglichkeit eines Faszinosums, deren Ausleben man verhindert hat nur aus Scheu oder Zögerlichkeit, ein kleines Wort zu sagen oder ein Zeichen zu geben.
Wenn du dir deiner eigenen Gefühle zu ihr sicher warst und bist, könnte es sein, daß die Zeit, die du dir noch nehmen willst, bereits abgelaufen ist. Denn jetzt müßtest du die Aktive sein!
Wieso du angesichts der Zeichen, die du von ihr beschreibst, noch von „will nicht ins offene Messer laufen“ sprechen kannst, bleibt ganz und gar unverständlich …
Und doch habe ich immer wieder die Erfahrung gemacht das mir
meine Intuition zu 90%das richtige deutete.
Ja. Und die restlichen 10%: Niemand, der dich so „mustert“ wie sie, wird zu Tode erschrocken sein, wenn du ihm zeigst oder gar sagst „ich finde dich auch faszinierend …“
Gruß
Metapher