Hi Anna,
nach langem hin und her recherchieren will ich schlicht und
einfach mal eine bestätigung, ob die londoner in ihrem 19
jahrhundert wiklich so konservativ und verschlossen gewesen
sind?!
da frage ich einfach mal was du denn schon recherchiert hast?
Wie sieht deine Annahme zu den Fragen aus?
Und ja, sie waren sehr konservativ, antifeministisch, fortschrittsgläubig und „verschlossen“, wenn es um liberale Ansätze gehen soll.
war sexualität ein stricktes tabu?
Was meinst du mit „stricktes Tabu“?
Damals hatte man natürlich Sex. Aber man sprach darüber nicht. Ausserdem ist das Klassenabhängig. Während im Adel „die Damen monatlich zwischen den Füßen unwohl waren“, hatte ne Arbeiterfrau ständig Schwangerschaften und unzählige Kinder auf zu kleinem Raum - wo sollte da schon sowas wie „Privatsphäre“ herkommen? Da wusste man eben alles über Sex, was man als Kind schon mitbekam. Zudem mussten sich viele Frauen aus der Not (keine Rechte, kein gültiger Arbeitsvertrag daher mussten Arbeiterinnen zu Hungerlöhnen arbeiten und konnten nichts einklagen…) prostituieren. Massive Zuwanderung aus dem Land - viele Mädchen, als Stubenmädchen angeworben (wie heutzutage noch mit den „AuPairs“ aus Bulgarien und Russland) landeten in Bordellen oder wurden schlicht verkauft.
Käuflich waren damals alle Personen die keinen anderen Ausweg mehr kannten in ihrer Notlage. Freiwillig hat sich auch damals keine Frau oder ein Kind in eine Bordell-Sklaverei verkauft! Und damit zu der Bemerkung über „Sex mit Kindern war nicht so schräg angesehen wie heute“ - wenn du Geld hattest konntest du, wie auch heute, fast alles machen. Ob du ein Kind vergewaltigen wolltest oder mit 10 Frauen auf einmal ne Orgie feiern (oder mit Männern) - das war definitiv machbar! ABER - das heisst absolut NICHT das sowas „okay“ war!!!
Das wurde hinter ganz verschlossenen Türen gemacht und wenn das herausgekommen wäre, wäre auch diese Person erledigt gewesen und verurteilt! Die Staatsorgane machten damals eben noch nen Bückling vor dem Adel oder sehr reichen Menschen und liessen ohne Probleme alle Beweise verschwinden. DAS war das einzige Druckmittel das man hatte um sich der „Bestrafung“ zu entziehen! Entweder du hattst Macht, Titel, Geld, Verbindungen - oder du hast im Knast gesessen! (Wie auch heute, nur damals „einfacher“, Kraft Adelstitel z.B.)
By the way - zu den „Ripper Morden“ (die im vikt. England spielten) wurde auch der Verdacht geäussert, der Ripper könnte der Prince Of Wales gewesen sein. Weil der dafür bekannt war das er „seinen Vergnügungen“ in diversen Bordellen nachging, die alle in der Gegend um die Rippermorde lagen. Nur wurden diese Stimmen viel später laut, denn man hatte ja die Würde des Königshauses zu schützen.
Sex war kein striktes Tabu, aber es wurde sprichwörtlich unter der Decke und hinter verschlossenen Türen abgehandelt. Allerdings war die Mode der Damen damals sehr körperbetont (tiefes Dekoltee, enge Taille, stark betonter Hintern) und in England gab es (nicht nur Lady Chatterley) auch schon die ersten Hard Core Romane (siehe auch „Viktorianisches Lesebuch“, nur noch im Antikquariat zu bekommen) - beschreibt übrigens die Gesellschaft, nicht nur deren Verhältniss zum Sex.
Sexualität war eine Sache über die man nicht redete, sie wurde weitestgehend unterdrückt. Man hatte Sex um Kinder zu haben und eine gottesfürchtige Familie zu werden und „Spaß“ hatte man mit Huren, die ja eh „nicht standesgemäß“ waren. Die anständige Tochter hatte, während Vater und/oder Bruder im Bordell waren, ihre Jungfernschaft zu hüten.
was für formaltitäten?
Welche genau meinst du da?
was war dann mit drogen? (opiumkrieg und so)
An sogenannte Drogen konnte man damals z.T. noch recht einfach, wenn du Geld hattest, ran kommen. Da konnte Kokain noch in der Apotheke gelauft werden, auch ohne Rezept (kann sein das es aber im vikt. Zeitalter dann schon kontrolliert wurde, bin mir nicht sicher). Das was wir heute als Drogen kennen, war damals eher ein „Mittel um die Nerven zu beruhigen“.
wie war die königin viktoria überhaupt?
Welche Biografie hast du gelesen und was meinst du mit der Frage „wie war sie“? Wie soll sie denn gewesen sein?
Grüsse
Helena