Virtuelle Geschichte Deutschland ohne die WEnde

Hallo zusammen,

was wäre gewesen wenn die Wende in dieser Form nicht stattgefunden hätte?
Szenario: Die DDR ist zwar bankrott und möchte eine eigenständige demokratische Regierung bilden, eine Eingliederung der demokratischen DDR soll dann einige Jahre später stattfinden. Die europäischen Staaten bzw. nur BRD unterstützen dies und geben Geld zum Wiederaufbau der DDR.

Was wäre gewesen wenn es eine verzögerte Wiedereingliederung gegeben hätte? Hätte das jetzige Ostdeutschland sich selbständig aus der Patsche kommen können? Hätte Ostdeutschland zur eigenständigen Wirtschaftsmacht werden können, eigene Infrastrukuren entwicklen können? Wären weniger Leute in den WEsten ausgewandert weil dort mehr Arbeit ist?

Hallo!

Interessante Frage! Was jetzt kommt, kann natürlich nur reine Spekulation sein:

Ohne eine schnelle Wiedervereinigung wäre die Ost-Mark zur eigenen Währung geworden und hätte gegenüber der D-Mark einen enormen Kursverlust erlitten. Das Gehaltsniveau, die Mieten und die Preise hätten sich in der DDR ähnlich entwickelt, wie in der realen Geschichte in Polen und Tschechien, d. h. die DDR wäre zum Billiglohn-Land geworden. Vermutlich wäre die DDR ein attriktiver Investitionsstandort für Branchen mit hohen Personalkosten geworden. Der Lebensstandard der Menschen hätte sich verbessert, aber nicht so rapide wie direkt nach der Wende. Vielleicht wäre die Arbeitslosenquote niedriger, als sie es jetzt ist, jedoch wäre die Kaufkraft der Ostdeutschen erheblich niedriger.

Wie sich das auf die Ausreisebewegung ausgewirkt hätte, ist schwer zu sagen. Insbesondere bedingen sich Ausreisebewegung und Wiedervereinigung ja auch gegenseitig: Die DDR blutete regelrecht aus und die Bundesrepublik hatte kein Interesse daran, die Immigration von DDR-Bürgern zu stoppen, da sie nicht an einem Fortbestand einer unabhängigen DDR interessiert war. Dein Szenario hätte sich meiner Ansicht nach nur dann ergeben können, wenn die Bundesrepublik von der DDR Abstand genommen hätte und sich z. B. vom Begriff der gesamtdeutschen Nation abgewandt hätte. DDR-Ausreisende hätten dann aus der Bundesrepublik nämlich ausgewiesen werden müssen.

Eine ziemlich merkwürdige Situation hätte sich für die Stadt Berlin ergeben. Hier wären ohne trennende Mauer zwei Welten aufeinander geprallt mit unterschiedlichen Währungen, Lohngefügen und Warenangeboten. Berlin wäre vermutlich zum Schmuggler-Eldorado geworden.

Um die Situation an der innerdeutschen Grenze zu entschärfen, hätte eine bundesdeutsche Regierung auf einen schnellen EU-Beitritt der DDR drängen müssen.

Auch die Innen-Politik der DDR hätte sich anders entwickelt. Zur Zeit der runden Tische (Winter 1989/90) gab es in der DDR haufenweise Parteien, die mittlerweile von der Bildfläche verschwunden sind. Teilweise ist der letzte Rest von ihnen das „Bündnis '90“ im Parteinamen der Grünen (die die westdeutscheste Partei überhaupt ist). Wäre es nicht zu einer Wiedervereinigung gekommen, dann gäbe es noch „Demokratie jetzt“, das „Neue Forum“, … und außerhalb des Bündnis 90 den „Demokratischen Aufbruch“, die „LPD“, usw. Vielleicht hießen die Sozialdemokraten im Osten dann noch „SDP“ und wären stärkste Partei (Die CDU hätte ihr Blockflöten-Image nicht ablegen können und hätte die Hoffnung auf eine baldige Wiedervereinigung enttäuscht. Bei den Volkskammerwahlen würde sie nur bei 20% landen).

Im Westen hätte Kohl die Wahl gegen Lafontaine verloren. Nach zwei Jahren käme es zu einer Regierungskrise. Bundeskanzler Lafontaine würde von seinem Super-Minister Schröder und Außenminister Fischer aus dem Amt gejagt werden. Es käme zu Neuwahlen. Der CDU-Spitzenkandidat Schäuble (der nicht im Rollstuhl sitzen würde) würde die „Deutschland-Karte“ spielen und haushoch gewinnen.

Auch gesellschaftlich hätte sich viel geändert. Wer Wird Millionär würde heute von Thomas Gottschalk moderiert werden (Als Thomi mal keine Lust mehr auf „Wetten, dass?“ hatte, wäre nicht Wolfgang Lippert sondern Günter Jauch eingesprungen). An den Supermarktkassen würde nicht Sächsisch sondern nach wie vor Türkisch gesprochen werden…

Michael

Gute Frage

Na auf alle Fälle hätte es erst einmal eine Riesenabwanderung Richtung BRD gegeben.
Die DDR war ja so gut wie pleite - an eine Einführung der D-Mark wäre nicht zu denken gewesen. Unter diesen bedingungen hätte sich das fortgesetzt, was ja 1989 schon begann - eine masssenhafte Ausreise. Und ich glaube nicht, daß die BRD in der Lage gewesen wäre, da Zuzuigsbeschränkungen durchzusetzen. Es ging ja hier nicht um Polen oder Tschechen - es ging um Deutsche. Und die zog es erst einmal zu den Bananen - die Demokratie war da nur ein Nebeneffekt.
ES wären also mindestens die gleichen Transferaufwendungen nötig gewesen, die auch so geflossen sind, um die Leute im Lande zu behalten.
Die Frage nach Einstaatenlösung oder Zweistaatenlösung ist meines Echatens sekundär. ES gab (und gibt) ja auch so viele Anpassungsregelungen. Noch heute gibt es Abschläge bei der rentenberechnung Ost (der Punktwert ist niedriger als im Westen), noch heute gelten unterschiedliche Verdienstregelungen auf vielen Gebieten.
Es ist nur eine generelle Frage, was man anders hätte machen können. Ein Niedrigsteuergebiet, um Wirtschaftsansiedlung zu fördern zum beispiel wäre auch so möglich gewesen und wäre auch heute noch möglich. Das unseelige Prinzip „Rückgabe vor Entschädigung“, daß jahrelang im Osten viele Investitionen blockiert hat, weil Eigentumsfragen nicht geklärt waren, hätte auch so nicht sein müssen. Und m,an hätte auch so besser überlegen können, ob es nicht doch den einen oder anderen Betrieb gegeben hätte, bei dem eine Modernisierung Arbeistplätze gerettet hätte anstatt alles nur abzuwickeln.
Fehler sind da haufenweise gemnacht worden - aber vieles war wohl auch kaum vorhersehbar so.
Im Übrigen: Das Verlangen nach einem einheitlichen Deutschland war einfach zu groß. Zumindest im Osten hätte keine Partei eine Chance gehabt, gewählt zu werden, die damals nicht die schnelle Einheit als Ziel angegeben hätte. Schließlich ist die etwas skeptische SPD bei den Wahlen 1990 mächtig in die Knie gegangen.

Gernot Geyer

Hi um mal was ganz queres zum Thema zu sagen, es gab da mal eine 2teilige Fernsehserie der „3. Weltkrieg“ da wurde in den ersten 10 Minuten abgehandelt was passieren könnte wenn Gorbi abgesetzt worden währe. Und ein Militär in der UDSSR an die Macht gekommen währe und alle Reform Bestrebungen wie damals in Prag hätte Zusammenschießen zu lassen. D.h. das keiner das so abgewartet hätte und lieber den alten Zustand behalten hätte und das System mit Macht am leben halte wollte.
Auch ein Interressanter Gedankengang würde ich sagen.

Ansonsten kann ich meinem vor WWW’ler nur Zustimmen außer das vielleicht Rudi Carell „Wetten Das“ gemacht hätte :wink:!

das weiß keine Sau

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Einleuchtend??
Mich interessiert es vor allem weil ich der Meinung bin wenn die DDR damals eigenständiger Staat geworden werde und es erstmal ein Wiederaufbau gegeben hätte dann wären doch die sozialen Umstände möglicherweise besser. Viele Leute in der DDR hätten sich wie im eigenen Staat selbständig eine Existenz aufbauen können. Investitionen hätten vermehrt stattgefunden, da wohl in die DDR auch mehr Unternehmen investiert hätten.

Servus!
„Was wäre gewesen wenn…“ - diese Frage verbietet sich eigentlich von selbst - es war eben nicht so.
In meinem Geschichtsstudium kam schon in der allerersten Vorlesung der Satz: „Diese Frage darf sich ein Historiker nicht stellen.“ Daran halte ich bis heute fest.

Bestes Beispiel:

die Bundesrepublik hatte kein Interesse
daran, die Immigration von DDR-Bürgern zu stoppen, da sie
nicht an einem Fortbestand einer unabhängigen DDR interessiert
war.

Und wenn sie doch daran interessiert gewesen wäre?
Was wäre denn gewesen, wenn Kohl hätte in die Zukunft schauen können oder eben eine andere Phantasie besessen hätte, als er sie hatte, und sich den ganzen Schmonz mit „Billiglohnland DDR“, etc.p.p. ausgemalt hätte?
Was wäre gewesen, wenn er auf die Idee gekommen wäre, daß die Wiedervereinigung dazu führen könnte, daß die ganzen Ostrenten mit den Beiträgen der West-Arbeiter bezahlt werden müssen und dass das zu einer Rentenkatastrophe im Westen führen müsste?
Was wäre gewesen, wenn sich daraufhin die BRD auf eine Position wie „Wiedervereinigung erst, wenn die DDR auf dem wirtschaftlichen, rechtlichen, gesellschaftlichen Niveau der BRD ist“ versteift hätte?
Das hätte geheissen, die Wiedervereinigung auf den St.Nimmerleins-Tag zu verschieben, denn eine solche Angleichung wäre schlicht Unsinn gewesen - daß die DDR auch die guten Regelungen der DDR-Rechtssprechung und v.a. Sozialversorgung über Bord wirft, während sich die BRD kein bisschen in Richtung DDR bewegt, davon kann niemand ausgehen.
Von der Parteienlandschaft der DDR ganz zu schweigen: Die war damals so im Fluß, daß es auch ohne Wiedervereinigung heute wohl einen Großteil nicht mehr geben würde.

Ich bleib dabei: Die „Was wäre gewesen, wenn…“-Frage ist vielleicht als Gedankenspielerei interessant, führt aber zu nix!
Denn Tatsache war, die DDR war pleite, und aus dieser Tatsache folgen im Falle einer Weiterexistenz der DDR fast schon zwingend verschiedene weitere Tatsachen, die auf ähnliche Art auch in anderen Ostblockstaaten auftraten (Ich denke, die Slowakei kann ein ganz gutes Beispiel sein: Denen ist auch trotz existenter Altindustrien erstmal der wichtige tschechische Markt verloren gegangen, und die großen Nachbarn dachten erst mal an sich selbst und ihre eigenen Märkte):
Die DDR-Wirtschafts war so marode, daß im Falle eine Nicht-Wiedervereinigung auch die gesunden bzw. sanierungsfähigen Betriebe unter gegangen wären. Die Arbeitslosenzahlen wären erstmal (wie im übrigen Ostblock auch) in die Höhe geschossen, die Menschen hätten noch neidischer nach Westen geschaut, und die ganze politische Wende hätte sich wahrscheinlich erstmal wieder umgekehrt (vgl. Polen, Rumänien, Bulgarien etc., wo auch sehr schnell wieder Kommunisten bzw. Reformkommunisten am Ruder waren, weil die Bevölkerung von der Wenderegierung enttäuscht war, die nicht von heute auf morgen den großen Wohlstand brachte).
Den genialen Politiker, der das alles verhindern hätte können, sehe ich in der politischen Nachwende-Landschaft der DDR nicht, denn auch Gysi hätte sich nicht so leicht in der Spät-SED durchsetzen können. Ich denke, eine PDS hätte es daher nicht gegeben, die Kommunisten/Sozialisten hätten sich verstreut und mehrere SED-Nachfolgeparteien gegründet, das SED-Vermögen hätte vielleicht auch zu einem Riesenfilz geführt, und ein Chaos wäre das Resultat gewesen.

Jetzt bin ich doch auf die „Was wäre gewesen, wenn…“-Schiene geraten. Sorry for that.

VG
Christian

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lesetip
hallo harwin,

dazu gibt es eine SF-geschichte im sammelband " stalins früher tod".
sehr amüsiant zu lesen, was nach dem fund von goldvorräten in der ddr und dem anschluß der alten BL an die ddr passiert wäre:

http://www.amazon.de/Alexanders-abwegige-Geschichten…

geschichtswissenschaftlich natürlich unfug.

strubbel
S:open_mouth:)

Robert Cowley und Niall Ferguson sind wohl Historiker die dem nachgehen.

Virtuelle Geschichte / http://www.niallferguson.org/

Hallo,

Meine ganz persönliche Meinung, nach dem Erleben von Ost-Bürgern nach der Wende:
Die meisten DDR-Bürger hatten ganz private Visionen. Die wären in noch größeren Scharen in den Westen gekommen, wenn man ihnen nicht die Perspektive einer schnellen drastischen wirtschaftlichen Verbesserung im Osten gegeben hätte (auch wenn es zum Teil gelogen war).
Wie schon gesagt war die DDR pleite und Privatleute dort hatten kein nennenswertes Vermögen zum investieren. Ohne die Billionen aus dem Westen wäre die ehem. DDR noch lange nicht auf dem Stand wie heute.
Vielleicht wäre die Entwicklung - so sie denn stattgefunden hätte - nachhaltiger gewesen, nur ohne Volk, die wären nämlich vorher (fast) alle abgehauten.

Gruß
Werner

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Gut aber bei anderen Staaten wie der Tschechien oder Polen ging es doch auch. Der Westen investierte doch auch in diese Länder, und es dauerte vielleicht länger doch die Leute wurden selbständiger und es wurde in die Wirtschaft investiert.

Einen Bericht zufolge vom gestrigen Tag im Fernsehen habe ich entnommen das jeder 5te Mensch in Leipzig von Hartz IV lebt, und viele Geschäfte bankrott gegangen sind. Vor allem sind ganze Strassenzüge entvölkert. Viele kleine Unternehmen sind auch pleite gegangen weil die Bevölkerung gegen Westen gewandert ist.

Ich denke sie wären geblieben wenn es Investoren gegeben hätte und eine Zuwanderung in WEsten unterbunden worden wäre.

Ein eigenständiger Staat DDR nach der WEnde der so wie es z. B. die EU von anderen Staaten fordert erst wachsen hätte müssen.

Die Republik Tschechien, Polen und andere wurden weil sie bestimmte Kriterien nicht erfüllt haben auch nicht sofort in die EU aufgenommen.

So hätte man das auch mit der damaligen DDR machen müssen.

So wurden sie „Abhängig“ gemacht bzw. vom Kapitalismus geblendet.

Einer späteren Eingliederung hätte doch nichts im Weg gestanden.

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Hallo Harwin.
Da ignorierst du aber wesentliche Unterschiede.
Die DDR Bürger die sich im Westen ein besseres Leben versprachen hätten sich mit abstrakten Überlegungen über die Vorteile einer langsamen eigenständigen Ost-Entwicklung kaum aufhalten lassen. Die Menschen der DDR konnten einfach in den Westen gehen, es gab da keine juristische oder sprachliche Hürde (die kulturelle war ja eher der Auswanderungsgrund) - oder wolltest du sie nach dem Fall der Mauer auf einmal zu Ausländern erklären und die Mauer auf Westseite wieder errichten?
Na dann viel Spass!

Die Polen und Tschechen haben eine eigene nationale Identität was man von der DDR nicht wirklich sagen kann und sie konnten nicht einfach in den Westen, der ließ sie nämlich nicht so einfach rein.

Gruß
Werner

Servus!

Die Polen und Tschechen haben eine eigene nationale Identität
was man von der DDR nicht wirklich sagen kann

Also, da muß ich widersprechen. Ich brauch mir nur meine geliebte Gattin anschauen…
Viele Leute in der DDR identifizierten sich tatsächlich mit „ihrem“ Deutschland. Sie tun es heute noch!

VG
Christian

Hallo,
ich will den DDR Bürgern ihren Stolz auf das was sie ja auch geleistet haben nicht madig machen und ein sentimentales Wir-Gefühl wird sicher auch aus dem empfingen von aktueller Benachteilugung gespeist. Das kann man aber wohl kaum auf eine Stufe stellen mit der nationalen Identität einer eigenen Sprachgemeinschaft mit jahrhundertelangen Traditionen.

Ich fühle mich auch reginal verwurzelt und schimpfe da schon mal auf arrogante Andere von weit weg in Deutschland, das hebt aber meine Identität als Deutscher nicht auf. Ich kenne auch aus vielen Begegnungen mit der realen DDR einige der Unterschiede, trotzdem käme ich nicht auf die Idee die Bürger der DDR für was anderes als Deutsche zu halten. Ich vermute stark das gilt auch umgekehrt.

Gruß
Werner

Servus!

ich will den DDR Bürgern ihren Stolz auf das was sie ja auch
geleistet haben nicht madig machen und ein sentimentales
Wir-Gefühl wird sicher auch aus dem empfingen von aktueller
Benachteilugung gespeist. Das kann man aber wohl kaum auf eine
Stufe stellen mit der nationalen Identität einer eigenen
Sprachgemeinschaft mit jahrhundertelangen Traditionen.

Na, das sag mal einem Schwaben, Sachsen, Rheinländer, Westfalen, Bayern, usw.usf.
Die alle haben zwar nur eine - ich will´s mal so nennen - infranationale Identität, eben aufgrund eigener (Dialekt-)Sprachgemeinschaften und jahrhundertelanger Traditionen, aber aus all diesen identitäten setzt sich die deutsche Identität zusammen - plus diejenigen, die einfach nicht lange genug in einem Teil Deutschlands gelebt haben (bzw. deren Familien), um eine Identität dazu aufzubauen und deswegen eine „gesamtdeutsche“ Identität haben. nach einigen Generationen werden aber auch die Mitglieder dieser Familien höchstwahrscheinlich eine regional-deutsche Identität gebildet haben (siehe die vielen urdeutschen/ur-ruhrpöttischen Nachfahren polnischer Bergarbeiter im Ruhrgebiet).
Dasselbe haben die DDR-Bürger gemacht.
Die DDR ist meines Erachtens durchaus mit einem der deutschen Teilstaaten vor 1871 zu vergleichen (in punkto Identität natürlich nur, ideologische Gegensätze der Art wie es der West-Ost-Gegensatz gewesen ist, gab es damals nicht).
Also haben die DDR-Bürger eine Identität aufgebaut, die darauf beruhte, im „besseren“ oder auch nur „anderen“ Deutschland zu leben, das ständig von Westen her bedroht wird und auch im Osten keine richtigen Freunde hat (auch wenn in dieser Hinsicht die Obrigkeit was anderes behauptete).
Das läßt sich m.E. durchaus parallelisieren mit dem Selbstbewußtsein bspw. der Schweizer, die vor der Bildung der Eidgenossenschaft ja auch nur ein Sammelsurium von Herrschaften waren und plötzlich eine staatliche Identität hatten.
Glaubst du nicht, ein Staat"Nordelbien", gebildet aus den Ländern Norddeutschlands - muß ja nicht als Folge eines Weltkriegs passieren, kann ja auch sein, daß die nördlichen deutschen Bundesländer sich aus Unzufriedenheit abspalten - daß also dieser Staat nicht auch ein „nordelbisches“ oder - nach einer Wiedervereinigung mit Restdeutschland - „norddeutsches“ Selbstverständnis hätte, das das vormalige hamburgische, mecklenburgische, schleswigsche, holsteinische Bewusstsein überlagert?

VG
Christian

Hallo Christian,
das ist alles richtig was du schreibst. Es ging aber um einen Vergleich mit der Situation in Polen und Tschechien nach der Wende und warum es nicht gut möglich war in der DDR eine eigene Entwicklung zu durchlaufen wie eben in den anderen Staaten des ehem. WP.
Mein Punkt war, dass die DDR eben keine mit Staaten wie Tschechien und Polen vergleichtbare Identität entwickelt hatte. Das es auch innerhalb deutschlands regionale „Nationalgefühle“ gibt habe ich ja selbst angebracht. Nur was folgt daraus für die hier aufgeworfene Frage?

Gruß
Werner