Kein Virus aber auch kein Hoax
Ich weiss, wir alle sind genervt durch die ständigen „kann man mit einem #-Code umsonst SMS verschicken?“-Anfragen, aber an der Freeze-SMS Sache ist leider wirklich etwas dran. Es ist zwar kein Virus und es werden auch nicht alle folgenden Gespräche abgehört. Vielmehr wird die „auflegen“-Funktion deaktiviert, so dass man das Gespräch nicht beenden kann, und der Gesprächspartner weiterhin mithören kann, was im Umkreis des befallenen Handys gesprochen wird.
Hier 2 Pressemeldungen:
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Hilfe gegen SMS-Attacken
(press1: iBOT) - Seit einigen Tagen sind die SMS-Attacken auf Handys in allen Medien. Der Empfänger erhält eine SMS Nachricht, die mitteilt, daß zahlreiche neue Nachrichten auf der Mailbox eingegangen seien. Zusätzlich werden einige Zeichen - sogenannte ICM-Symbole - angezeigt, die im Handydisplay verbleiben.
Eine schnelle Lösung, die störenden Zeichen wieder vom Handydisplay zu löschen, bietet die Firma 2way interactive GmbH im Internet an. Betroffene Mobiltelefonbesitzer finden den kostenlosen Lösch-Service unter http://www.2way.de. Bisher haben über 80.000 Betroffene den Service des Unternehmens in Anspruch genommen.
Eine weitere, wesentlich unangenehmere Version einer SMS-Attacke ist das „Einfrieren“ des Mobiltelefons im aktuellen Betriebszustand. Im Gegensatz zu einigen Experten, die diese Fehlfunktion der Handy-Software nur einem bestimmten Telefonmodell zuordnen, hat 2way interactive herausgefunden, daß wesentlich mehr Modelle betroffenen sind.
Die schwerwiegendste SMS-Attacke ist der „Abhörmodus“, bei dem der Anrufer, trotz korrekt beendetem Gespräch, im Umfeld des Gerätes weiterhin alles mithören kann. Diese „Fehlfunktion“ wurde live im Studio vorgeführt, obgleich sie von den Netzbetreibern, wie auch von den Geräteherstellern, nicht bestätigt wird.
„Ein wenig verwundert es schon, daß die Netzbetreiber noch keine Gegenmaßnahmen getroffen haben“, so Timo Ludwig, Sprecher der 2way interactive GmbH. „Mittlerweile sind immerhin schon über 80.000 Handybesitzer Opfer dieser üblen Scherze geworden. Die Zahl ist wesentlich höher, als von vielen Experten angenommen wurde.“ so Timo Ludwig weiter. „Hier sind jetzt die Netzbetreiber gefordert. Die Feststellung, daß der Versender solcher SMS-Attacken auf ausländische Mobilfunknetze ausweichen könnte und somit eine Schutzmaßnahme seitens der deutschen Mobilfunkanbieter wirkungslos sei, ist falsch. Die SMS aus dem Ausland wird über das eigene, deutsche Netz an das Handy des Empfängers weitergeleitet, ein an dieser Stelle eingebauter Schutz würde demzufolge greifen.“
Technische Kurzinformation:
Zum Versenden dieser SMS-Attacken wird eine spezielle, technische Infrastruktur benötigt. Ist der SMS Code einmal auf der SIM Karte gespeichert, kann er jederzeit gezielt weitergeleitet werden.
2way interactive GmbH:
2way interactive entwickelt mobile Applikationen für SMS, WAP, GPRS und Mobilfunknetze der dritten Generation (UMTS). Das junge, innovative Unternehmen bietet SMS-Service-Providing und entwickelt sichere, mobile Schnittstellen zu Intranet und Extranet. Zu den Kunden gehören u.a. der Nachrichtensender n-tv, Lufthansa und Roche. Für den Nachrichtensender n-tv realisierte 2way beispielsweise den n-tv WAP Dienst (wap.n-tv.de) und einen SMS-Chat per Videotext.
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Mainz, den 1. Juni 2001, (press1: iBOT) - Die Firmen 2way interactive und xonio.com haben die Anfälligkeit von Handys verschiedener Anbieter auf SMS-Attacken getestet und festgestellt, dass sogar mehr Mobiltelefone betroffen sind, als bisher angenommen wurde. Nicht nur das Nokia 7110 lässt sich durch gezielte SMS-Attacken „einfrieren“, auch die Nokia-Modelle 6210, 6250 und 3330 stürzen nach dem Empfang von speziellen Kurznachrichten ab. Die Handys reagieren auf keinen Tastendruck und können auch nicht mehr ausgeschaltet werden.
Entwarnung: bislang keine Gefahr durch Handy-Viren:
„Von einer Bedrohung durch so genannte „Handy-Viren“ kann jedoch keine Rede sein“, betont Timo Ludwig, Geschäftsführer von 2way interactive. „Bei den SMS-Attacken wird kein Programm ins Mobiltelefon geschleust, das sich selbständig vervielfältigt.“ Vielmehr handelt es sich um einen Softwarefehler in einer Nokia-spezifischen Handy-Funktion. Bis auf die vier genannten Modelle des finnischen Herstellers zeigten sich die restlichen getesteten 14 Mobiltelefone verschiedener Marken immun gegen diese SMS-Attacken. Nach dem Ergebnis des ausführlichen Tests der beiden Mobilfunk-Experten steht nicht zu erwarten, dass weitere Modelle, die sich derzeit schon auf dem Markt befinden, betroffen sind.
Keine Geräteschäden zu befürchten, einfache Abhilfe:
Die „Killer-Viren“ erweisen sich in der Praxis eher als lästig denn als zerstörerisch. „Die SMS-Angriffe verursachten bei keinem der getesteten Handys bleibende Schäden“, hat Xonio-Testchef Wolfgang Pauler festgestellt. Um ein „eingefrorenes“ Handy wieder funktionsfähig zu machen, muss der Akku abgezogen und wieder eingesetzt werden. „Schutzmaßnahmen auf Seiten der Handybenutzer gibt es allerdings keine, da der Empfang von SMS-Nachrichten auf den Handys nicht abgestellt werden kann. Wir können den Nutzern nur empfehlen, sich nach dem Auflegen durch einen Blick aufs Display davon zu überzeugen, dass ein Gespräch wirklich beendet ist.“, sagt Wolfgang Pauler.
Versand nur mit speziellen Hilfsmitteln möglich
Zum Versenden dieser SMS-Attacken ist eine spezielle, technische Infrastruktur notwendig. Mit gewöhnlichen SMS-Programmen lässt sich diese „aggressive“ SMS nicht versenden. „Die Gefahr einer flächendeckenden Ausbreitung der SMS-Angriffe schätzen wir als gering ein“, so Timo Ludwig.
Diese Geräte sind durch die SMS-Attacke („Einfrieren“) angreifbar:
Gerätetyp (getestet mit Softwareversion)
Nokia 6210 (03.04)
Nokia 6250 (03.00)
Nokia 7110 (04.84)
Nokia 3330 (03.05)
Die Modelle 3210, 6250 und 7110 stürzten im Test beim Eintreffen der SMS sofort ab. Das Nokia 3330 meldet die ankommende Kurznachricht. Löscht der Nutzer die SMS durch Betätigen der C-Taste, passiert nichts. Wählt man den Softkey „Optionen“, erstarrt das Handy zwar, doch nach einer Minute führt es automatisch einen Neustart durch. Das Entfernen des Akkus oder eine erneute Eingabe der PIN ist nicht notwendig.
Diese Geräte sind immun gegen das „Einfrieren“:
Alcatel One Touch 501, Nokia 8890, Ericsson R 380s, Nokia 9110i
Ericsson R 320s, Samsung SGH-N100, Ericsson T 20e, Siemens C 35i
Motorola Timeport 260, Siemens S 35i, Nokia 3210, Siemens SL45
Nokia 3310, Trium Neptune
Technische Hintergrundinformation:
Bei der ausgelösten Fehlfunktion handelt es sich um einen Fehler in der Firmware der vier oben aufgeführten Nokia-Handys. Eine spezielle Daten-SMS mit einem sogenannten User Data Header (UDH) löst den Fehler aus. Sie erzeugt einen Buffer-Overflow in der Software, der das Endgerät zum „Einfrieren“ bringt: Das Gerät reagiert auf keinen Tastendruck, auch der AUS-Knopf funktioniert nicht mehr. Obwohl keine Benutzer-Eingabe mehr möglich ist, laufen Hintergrundprozesse weiter. So bleibt z.B. eine Sprachverbindung auch nach dem Einfrieren aktiv und kann nur durch kurzzeitiges Entfernen des Akkus beendet werden.
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In der Hoffnung, etwas zur Klärung und Beruhigung beigetragen zu haben…
Gruß,
Myriam