Virusinfekt - Antibiotikum

Hallo!

Mein Kleinkind (22 Monate) ist seit einer Woche krank - zuerst fünf Tage Fieber um die 39, 40 Grad, bellender Husten, laufende Nase, Abgeschlagenheit, einmaliges Erbrechen (am ersten Tag), braucht viel Schlaf und Ruhe. Soweit alles „normal“. Der Arzt stellte am dritten Tag einen „Virusinfekt“ fest, der Husten sei eine Begleiterscheinung des Ganzen, Fieber sei wichtig. Nur für den Abend gab es Nurofensaft, der auch wunderbar geholfen hat. Seit drei Tagen ist das Kind komplett fieberfrei, schläft auch wieder sehr gut.

Ich bin kein Freund von harten Medikamenten und freue mich sehr, dass wir es bis hierher völlig ohne Antibiotikum und Fiebermittel geschafft haben. Der Saft, den es an drei Abenden gab, zerstört jetzt mein Weltbild nicht :wink: Ich stelle mir aber schon in die Frage - Warum bekommen alle Kleinkinder um uns herum immer sofort Antibiotikum, wenn es einen „Infekt“ hat?! Mir ist bewusst, dass bei einem „Virusinfekt“ ein Antibiotikum unnütz wäre, aber wie stellt denn der Arzt fest, ob es nun ein Virusinfekt ist oder ein von Bakterien ausgelöster Infekt? Schon bei der letzten Bronchitis im November hieß es auf Nachfrage meinerseits: „Ein Antibiotikum wäre Schießen mit Kanonen auf Spatzen.“ Der Husten war nach zwei Wochen auch so weg. Aber Gedanken mache ich mir schon…

(Es handelte sich diesmal - anders als „normal“ - um den Notdienst der Kinderklinik, der nicht homöopathisch arbeitet. Dass uns der homöopathische Kinderarzt nicht sofort mit Antibiotikum zuballert, kann ich ja noch verstehen.)

Haben wir „Glück“ oder Pech?? Ab wann sollte man - wegen des Hustens - nochmal beim Arzt vorsprechen? Ab wann wird die Gabe von Antibiotikum unabwendbar?

Grüße!

Hallo,
ich weiß nicht, warum alle Kleinkinder „um Dich herum“ bei einem Infekt Antibiotka bekommen, vielleicht haben sie alle den gleichen Arzt?

Bei uns hier ist nicht so, unser Kinderarzt verschreibt solche Medikamente sehr zurückhaltend.

Beatrix

Nachtrag: es gibt bestimmte Symptome, die auf Bakterien hinweisen, z.B. Eiterbeläge bei Halsentzündungen, Verlauf der Krankheit und Höhe des Fiebers oder wie sich der Husten beim Abhorchen anhört. In Zweifelsfällen kann man auch extra im Labor bestimmen lassen, ob Bakterien oder Viren Auslöser der Krankheit sind.

Beatrix

Hallo!

Es ist eher so, dass die Kinder bei sehr verschiedenen Ärzten sind. Oft höre ich „Diesmal sind wir zum Glück ohne AB ausgekommen.“ oder „Dann gab es ein AB und nach drei Tagen war’s gut.“.

Gut, unser Kind hatte auch einfach noch nicht viel (Augenentzündung kurz nach der Geburt - Muttermilch und homöopathische Augentropfen / mal ein paar Tage Schnupfen im ersten Lebensjahr / Drei-Tage-Fieber (ohne Arztbesuch) / Bronchitis letzten Herbst (nur Hausmittel) / jetzt „Virusinfekt“). Aber es verunsichert mich schon, weil ich eben auch darüber nachdenke: Könnte die Gabe von AB die „Leidenszeit“ verkürzen?!

Ich selbst habe ein ambivalentes Verhältnis zu AB, die ich aufgrund chronischer Blasenentzündungen in meiner Jugend nahezu dauerhaft nehmen musste. Mit den Auswirkungen habe ich bis heute zu tun. Deshalb bin ich nicht traurig über den fehlenden Einsatz bei meinem Kind, aber eben verunsichert.

Grüße!

Verschreibungspflicht
Hallo,

Du hast natürlich Recht, daß bei einer reinen Virusinfektion ein Antibiotikum nutzlos ist. Aber es scheint bei vielen Ärzten so zu sein, daß sie sich verpflichtet fühlen, irgendwas zu verschreiben, weil sonst die Patienten unzufrieden sind.
Das ist eine blöde Spirale.

Wenn allerdings eine bakterielle Begleitinfektion vorliegt (ist das so?), dann ist eine Antibiotikumgabe ggf. sinnvoll.

Gandalf

Hallo,

also bei einem viralen Infekt, was Erkältungskrankheiten nun mal sind wird idR kein Antibiotikum verschreiben, weil es, wie schon erwähnt eh bei Viren unwirksam ist.
Aber:
Auf von Viren geschwächte Schleimhäute setzen sich nur allzu gerne Bakterien als Sekundärinfektion auf (dann ändert der ausgehustete und wegggeschnupfte Schmodder die Farbe von klar/weiss nach gelb/grün) und dagegen hilft dann das Antibiotikum.

Bei einer eitrigen Bronchitis (auch Viren und Pilze können diese auslösen) würde ich aber nicht allzulange beobachten…

Manche Ärzte geben Antibiotika dann sozusagen prophylaktisch und auch schon mal tatsächlich zur Beruhigung der Mutter…das Immunsystem des Kindes kümmert sich um den Virus ohne dass sich eine bakterielle Infektion dazugesellt und die Mutter hat das Gefühl mit der Medizin alles im Griff zu haben und zu helfen, was sie selbst dann auch ruhiger macht.

Gruß
M.

Hallo,

„Virusinfekt“). Aber es verunsichert mich schon, weil ich eben
auch darüber nachdenke: Könnte die Gabe von AB die
„Leidenszeit“ verkürzen?!

wenn es eine bakterielle Krankheit ist, dann schon, klar.

Es gibt ja auch solche Verläufe, wo zu einer Virusinfektion oft eine bakterielle hinzukommt, z.B. bei Ohrentzündungen als Folge von Schnupfen. Und da ist man dann froh, wenn nach 2 Tagen die Ohrentzündung abklingt (der Körper hat die Infektion selbst besiegt) - im Gegensatz dazu, wenn die Entzündung „schlimmer“ wird, Bakterien sich ausbreiten und dann doch ein Antibiotikum benötigt wird…

LG Beatrix

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Antibiotikum auch bei bakterieller Infektion nicht
Hallo,

auch bei einer bakteriellen Infektion ist es nur selten erforderlich mit einem Antibiotikum zu behandeln. Erst kürzlich kam z.B. heraus, dass so gefürchtete Folgekrankheiten wie Herzschwäche und Nierenschäden bei der eitrigen Mandelentzündung vermutlich durch die besseren Lebensumstände der heutigen Zeit verhindert werden und nicht durch Antibiotika.

In den allermeisten Fällen „banaler“ bakterieller Erkrankungen verkürzt das Antibiotikum die Krankheitsdauer um wenige Tage (aber - nicht zu vergessen - die Ansteckungsfähigkeit sinkt quasi sofort!).

Ich bin beileibe kein Gegner von Antibiotika, aber unkritischer und unwissender Einsatz macht diese tolle Waffe stumpf, wenn sie tatsächlich mal Leben retten könnte.

Ich denke, was schon angedeutet wurde, dass die Eltern mit der Anspruchshaltung „Ich will das Beste für mein Kind“ zum Arzt gehen. Umgekehrt aber nicht akzeptieren, dass das Beste jetzt aber eine Woche zuhause mit liebevoller Zuwendung und Symptomlinderung wäre. Gerade wenn es um das Kind geht (und den Druck vom Arbeitgeber nicht „krank mit Kind“ zu sein), werden Eltern zu Hyänen und Ärzte schwach.

Gruß,

Manticor

Hallo!

Da scheint auf jeden Fall etwas dran zu sein. Ich war jetzt eine Woche mit dem Kind zu Hause und wurde jetzt selbst - zum Glück - krank geschrieben, ich stehe aber auch schon mit einem Bein im Mutterschutz und mein Chef ist froh, endlich „Gewissheit“ zu haben, dass ich ab sofort der Arbeit fern bleibe und dieses ewige „Ich melde mich morgen, ob es wieder geht“ ein Ende hat… Jedenfalls hat es mich halt selbst enorm erwischt mit Husten, Schnupfen, Halsweh usw., aber in meinem Zustand WEIß ich ja, dass ich kein AB nehmen werde - es würde mich halt schon „beruhigen“, wenn ich wüsste, das Kind nimmt welches, die Krankheit geht schneller vorbei und v.a. er darf in die Kita, so dass ich mich mal um mich selbst kümmern kann… So werden wir wohl noch ein paar Tage aufeinander hängen, ich werde meine eigenen Beschwerden etwas in den Hintergrund rücken und wir werden das hinkriegen, hoffe ich…

Über Weihnachten hatte ich acht Tage lang Bronchitis und durfte natürlich auch nichts Schulmedizinisches nehmen. Habe meine Schwiegermutter angesteckt, die sofort ein Antibiotikum verschrieben bekam. Und eine Krankschreibung über 10 Arbeitstage! Auch das hat mir zu denken gegeben. Man wird halt nie erfahren, wie so ein Infekt mit oder eben ohne Gabe des Medikamentes verlaufen würde…

Grüße!

Hallo!

Würde denn eine bakterielle Infektion bei einem ansonsten körperlich fitten Kind ohne die Gabe von AB von allein abklingen oder BEdarf es immer der Hilfe eines Medikamentes?

Der Kleine wirft beim Husten nichts aus, es ist trockener, bellender Husten, der ihn auch nicht stört. Nur nachts wird er freilich davon wach und ist in seinem Schlaf gestört, was sich auch auf uns auswirkt. Aber insgesamt kommt da nichts aus ihm raus…

Grüße!

Hallo nochmal!

Auch hier gaaanz wichtig: es gibt sehr viele Antibiotika, die man bei entsprechender Indikation getrost in der Schwangerschaft nehmen kann. Gerade im 2. Trimenon und Anfang des 3. ist das Ungeborene da recht robust (Organe sind ausgebildet und reifen „nur“ noch).

Da gilt es immer abzuwägen: Infekt bakteriell ja/nein? Falls ja, Stress für Ungeborenes größer mit 14 Tagen Fieber der Mutter oder mit 7 Tagen Antibiotikum und 3 Tagen Fieber?

Es ist sehr schwierig herauszubekommen, ob ein Patient an einer bakteriellen Infektion leidet (grüner Schnupfen statt durchsichtiger ist leider kein haltbares Kriterium). Am ehesten (aber nicht perfekt) taugt da der Blutwert Procalcitonin (PCT).

Also: Schwangerschaft und Antibiotika schließen sich nicht aus. :smile: Es ist immer eine Risiko-Nutzen-Abwägung, die man gemeinsam mit dem Arzt durchführen sollte.

Alles Gute!

Manticor

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Hallo!

Ich weiß schon, dass sich das nicht ausschließt, aber bei einem gewöhnlichen Infekt würde ich auch im „normalen“ Zustand kein Antibiotikum wollen und in der Schwangerschaft erst recht nicht. Ich wurde zum Glück vom Fieber verschont -lediglich der Husten quält mich sehr, v.a. nachts. Ich helfe mir mit Zwiebeltee, schwarzem Rettich und Buchweizenhonig. So würde ich es wie gesagt auch im nicht-schwangeren Zustand versuchen. Natürlich stehe ich aufgrund des „Umstandes“ unter ärztlicher Beobachtung. Bisher ist es eben auch gar nicht nötig etwas abzuwägen, weil es keinen Anlass gibt. Nichtsdestotrotz bin ich froh, nun auch die zweite Schwangerschaft behaupten zu können, nichts eingenommen zu haben. Ist doch auch nicht schlecht, oder?! :wink:

Grüße!