Hallo Lorenz!
Du wirst im Laufe der Zeit anläßlich verschiedener Gelegenheiten von einer Bank irgendetwas wollen. Dabei ist das hier…
Ich kann der Bank allerdings, :anhand meiner Kontoauszüge :von 2004, nachweisen das mein :monatliches Einkommen
ermanent besteht und sehr :hoch ist
… eine ziemlich sichere Methode, damit bei der Bank alle Klappen herunter und alle Lichter auf rot gehen. Ohne verletzend wirken zu wollen, muß ich Dir in aller Deutlichkeit sagen, daß Du Dir mit der Ansicht, Kontoauszüge seien geeignete Einkommensnachweise, ein Schild auf die Stirn klebst, auf dem steht: „Ich habe vom Wirtschaften und von Betriebsführung nicht die leiseste Ahnung“. Nimm das erst einmal einfach hin und sag selbst: Würdest Du jemandem Geld leihen, von dem Du ganz genau weißt, daß er
- keine Ahnung hat, wie man mit Geld umgeht
- nicht weiß, wie er den Überblick behalten kann
- und sich zu allem Überfluß dieser Schwächen nicht bewußt ist?
Kontoauszüge erlauben keinerlei Rückschluß auf das Betriebsergebnis! Du könntest der Bank ebenso gut das Fahrtenbuch oder die Portokasse zeigen. Eine Kreditkarte/ein Kredit hat stets etwas mit Vertrauen und Glaubwürdigkeit zu tun. Dabei erhält das Vertrauen einen nachhaltigen Knacks, wenn Du derart deutlich zeigst, wie fremd Dir kaufmännisches Verhalten und Geldangelegenheiten sind. Ein Banker wird jedem Lehrling mit regelmäßiger Lohnabrechnung eher über den Weg trauen - mit Recht!
Genug gemeckert. In meiner Holsteinischen Heimat hieß es: Was de Buur nich kennt, dat freet er nich (Was der Bauer nicht kennt, das ißt er nicht). Der Bauer ist jetzt der Banker. Er sollte also gelegentlich erfahren, womit Du Deine Zeit so totschlägst. Das bekommt er in aller Kürze und in verständlichen Worten zu hören. Man kennt sich, pflegt den Kontakt, kann sich gegenseitig einschätzen, baut Vertrauen auf. Vertrauen ist gut, Zahlen sind besser. Aber nicht die Zahlen von Kontoauszügen, die kann sich der Banker nötigenfalls ganz ohne Dein Zutun selbst ausdrucken. Du brauchst kaufmännische Zahlen, sprich: Buchführung, Gewinn+Verlust, Bilanz. Dieses Machwerk rückst Du nicht erst zögerlich raus, wenn Dir Finanzamt und/oder Bank die Pistole auf die Brust setzen; Du hast diese Zahlen vielmehr auf dem Laufenden und auf Knopfdruck „am Mann“.
Ganz unabhängig von den Bestimmungen des HGB und der AO kommst Du im praktischen Leben des Selbständigen nicht an einer ordentlichen Buchführung vorbei. Auch wenn Du als Freiberufler umsatzunabhängig grundsätzlich nicht bilanzpflichtig bist, kommst Du schon im eigenen Interesse an der Notwendigkeit einer jederzeit zur Verfügung stehenden Bilanz nicht vorbei. Damit Du überhaupt weißt, wovon die Rede ist, empfehle ich Dir dringend den Besuch eines Buchführungskurses an der VHS. Ergänzend geeignet ist das Buch „Buchführung- Schritt für Schritt“ von Martin Lautenschlager, ISBN 3-581-66211-6 Buch anschauen. Oder noch besser, gut für den Selbstunterricht geeignet, aber vielleicht zu umfänglich für Deine Zwecke ist das Buch von Gerold Mus und Rolf Hanschmann "Buchführung, Grundlagen - Aufgaben, Lösungen.
Wie Du sicher schon gemerkt hast, geht es jetzt nicht nur um die olle Visakarte, es geht um die kaufmännische Betriebsführung und um Deinen Umgang mit der Bank sowie mit dem Finanzamt. Ohne betriebliche Zahlen, deren laufende Erstellung ein bißchen Grundwissen erfordert, kannst Du jedes Ansinnen an die Bank von vornherein knicken, ganz egal, wie groß oder klein die (für sich allein völlig nichtssagenden) Zahlen auf irgendwelchen Kontoauszügen sind. Mit vollständigen (!) Zahlen, also mit G+V und Bilanz, wirst Du erleben, wie Dir alle möglichen Kreditkarten förmlich hinterher getragen werden. Nur am Rande: Es gibt Leute, die haben vermutlich orgasmusähnliche Gefühle, wenn sie diverse Karten in Gold und Platin in der Brieftasche wissen. Dabei ist eine gewöhnliche Kreditkarte manchmal praktisch. Was darüber hinaus geht, ist zum Fenster rausgeschmissenes Geld, um Prolls zu beeindrucken.
Gruß
Wolfgang