Hallo!
Ich habe ein Verständnisproblem in Rheologie und würde mich freuen, wenn mir jemand helfen könnte.
Nehmen wir mal an, wir wollen die viskoelastischen Eigenschaften einer Probe messen. Dazu legen wir eine Kraft an, aber nicht in eine Richtung, sondern abwechselnd in die eine und dann in die entgegengesetzte Richtung. Dies geschieht in einem piezo-axialen Vibrator. Dabei steigern wir allmählich die Frequenz (insgesamt arbeiten wir im Tieffrequenzbereich bis ca. 5 kHz) und messen die Auslenkung der Probe. Damit wollen wir viskoelastische Eigenschaften der Probe, z.B. das komplexe Schubmodul, die Scherviskosität, die komplexe Federkonstante etc. bestimmen.
Nun verstehe ich die folgenden Punkte nicht:
- qualitativ
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Warum hängen viskoelastische Merkmale eines Stoffes überhaupt von der (Kreis-)Frequenz ab? Das Elastizitätsmodul z.B. ist ja eine Materialkonstante, ich nehme an, dies trifft auch auf das Schubmodul zu. Wie kann sich die Viskosität eines Stoffes ändern? Ok, bei Flüssigkeiten nach dem Maxwell-Modell könnte ich es mir vorstellen, und zwar da sich zuerst die elastischen und dann nach einiger Zeit erst die viskosen Eigenschaften zeigen und aufgrund dessen würde bei verkürzter Krafteinwirkungszeit die Elastizitätskomponente zunehmenden Einfluss haben. Aber wie sieht das bei Festkörpern aus? Inwiefern besteht eine Abhängigkeit von der Frequenz?
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Warum hängen viskoelastische Eigenschaften von der Dicke der Probe ab, wenn E doch eine Materialkonstante ist?
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Wie sollten sich diese Eigenschaften verändern, wenn man in einen Feststoff Luftblasen einbringt? So, wie ich das sehe, ist Luft ja wesentlich elastischer als ein Feststoff (in unserem Fall Agarose - kann man sie überhaupt als Feststoff bezeichnen?). Außerdem ist Luft, im Gegensatz zu Agarose, kompressibel. Wird die Probe dann insgesamt elastischer?
- bezogen auf die Formeln
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Die Versuchsergebnisse zeigen, dass die Scherviskosität exponentiell mit der Kreisfrequenz (bzw. ihrem dekadischen Logarithmus) abfällt. Nun ist die Scherviskosität ja definiert als die Schubspannung pro Scherrate. Dabei fließen die Kraft, die Fläche, die Verformungsgeschwindigkeit und die Dicke der Probe ein. Bei ungefähr gleicher Spannung würde sich die Kraft nicht ändern, Dicke und Fläche bleiben sowieso gleich. Also kann sich nur die Geschwindigkeit ändern. Und hier wieder das Verständnisproblem: Warum? Klar, je weniger Zeit wir haben, desto weniger deformiert sich die Probe und desto kleiner dementsprechend die Strecke, die zurückgelegt wird. Aber erfolgt das nicht proportional?
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Die Federkonstante dürfte mit fallender Auslenkung bei gleichbleibender Kraft steigen. Dementsprechend müsste sie auch mit steigender Frequenz steigen. Nun spuckt mir das Programm einen reellen und einen imaginären Wert für die Federkonstante aus. Die relle Komponente steigt langsam bis zu einer bestimmten Frequenz und sinkt plötzlich ab, gleichzeitig steigt die imaginäre Komponente ebenso plötzlich an (zuvor leicht sinkend). Ich kann mir darunter nur wenig vorstellen. Warum brauchen wir eine KOMPLEXE Federkonstante? Und was bedeuten die einzelnen Komponenten?
So, ihr seht schon, ich habe keine Ahnung von Rheologie, obwohl ich mir schon durchaus etwas zu den theoretischen Grundlagen durchgelesen habe. Ich wäre wirklich dankbar, wenn mir da jemand, möglichst noch heute, weiterhelfen könnte.
Viele Grüße,
Anja