Servus Infi,
die weltweit vertretene Lehrmeinung ist, daß Entzündungen des Zahnfleisches von Bakterien verursacht werden. Das ist nicht nur eine Bakterienart, sondern eine ganze Menge, die die Mundhöhle als Heimat benutzen. (Prevotella intermedia, Porphyromonas und der beliebte actinobacillus actinomycetemcomitans gehören zu den ekelhafteren Vertretern dieser Parasiten) - Das schreibe ich nur hin, um meine hohe fachliche Kompetenz anzudeuten, und damit Du was zum googeln hast
).
Als weitere Variable kommt noch die Abwehrkompetenz des ‚Wirtsorganismus‘ (Dein Freund also) dazu. Diese Kompetenz ist bei ihm statistisch sicher durch das Rauchen verringert, und zwar deutlich. Neben der ererbten (und variablen) Ausstattung der Abwehrmechanismen variiert der Gesundheitszustand (Diabetiker z.B. kriegen leichter Zahnfleischentzündungen), die hormonelle Situation, der Ernährungsszustand (Vitamine, Mineralien) und der Lebensstil (Zähneputzen, Zahnseide - ja, oder nein, wieviel Marlboro, Caipi etc.?). Das Zahnfleich hat nur eine sehr dünne schützende Epithelschicht, ist immer naß, und der Mund bietet gute Brutbedingungen (37 Grad Celsius). Der Zahn ist im Knochen mit Hilfe hochkomplexer Bio-Federelemente aufgehängt, die bei Entzündungen rasch zerstört sind. Unter diesen Bedingungen ist es eh’ ein Wunder, daß wir jenseits der dreissig noch die meisten Zähne haben. :-0
Das ist nur so, weil die meisten von uns doch das tun, was ihnen die Mama eingetrichtert hat, nämlich Mundygiene betreiben. Daß das verschieden betrieben werden kann, merkt man, wenn man die ersten Male neben dem neuen Bettgenossen im Badezimmer steht - da gurgelt der eine mehr, als er putzt, da schrubbt sich der andere das Zahnfleisch von den Wurzeln.
Was mich an Deiner Schilderung wundert: zur professionellen Zahnreinigung gehört UNVERZICHTBAR die individualisierte Beratung und Überwachung in Sachen Mundhygiene. Dein Freund müßte z.B. schon wissen, daß Entzündung (Schwellung. Blutung) und Zurückgehen des Zahnfleisches zwei Paar Stiefel sind. Er müßte geeignete Mittel (Zahnseide, Zahnzwischenraumbürste) kennen und gezielt einsetzen. Wenn er all dies schon tut (?) wird’s internistisch. Nikotin absetzen (doch, doch - kann man), Blutzucker testen lassen. Vielleicht auch mal die Hygienikerin wechseln.
Gott, ist das ein Roman geworden - sorry. Wahr ist trotzdem: ein gesunder junger Mann im Besitz einer Zahnbürste und von 20 m Zahnseide hat kein entzündetes, blutendes Zahnfleisch. Basta.
Kai
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