Vokabeln gelernt und vergessen, Texte schreiben

Hallo,

ich bin Lehramtsstudentin für Sek I und beiße mir gerade mit meinem bereits erworbenen pädagogischen, didaktischen und fachwissenschaftlichen Wissen an meinem Nachhilfeschüler (Englisch, 8. Schuljahr, Realschule) die Zähne aus.

Es ist in unseren wöchentlichen Sitzungen überhaupt kein Problem Grammatik zu wiederholen und zu trainieren. Das sitzt dann anschließend und ist vor allem auch „dauerhaft sicher“. Anders ist es mit dem Vokabelwissen. Die lernt er nicht mit mir, sondern allein (oder mit Mammie) zu Hause. Vokabeltests sind in aller Regel „sehr gut“ oder „gut“ - allerdings nur, wenn die aktuellen Vokabeln abgefragt werden. Sobald auf Vokabeln, die schon drei Wochen, drei Monate oder drei Jahre alt sind, zurückgegriffen wird, findet man nur gähnende Leere vor. Das wird im achten Schuljahr natürlich mehr und mehr zum Problem. Inzwischen versteht er schon die Aufgabenstellung von Grammatikübungen nicht mehr („Was heißt denn ‚change‘?“). Ich habe schon so ziemlich alles ausprobiert. Vokabelkarten, Computerprogramme, mündlich abfragen, abdecken, deutsch-englisch / englisch-deutsch, englisch erklären - hilft alles nichts. [Allerdings hatte ich selber nie Probleme beim Vokabel-Lernen, so dass mir nicht so schrecklich viele Techniken bekannt sind.] Seine Mammie, die sehr darauf achtet, dass das tägliche Pensum auch immer absolviert wird, bestätigt mir ständig, dass sie regelmäßig Vokabeln lernen, aber zur Wiederholung der alten einfach nicht mehr kommen („Wir müssen dann ja auch noch Deutsch machen und die Erdkunde-Hausaufgaben überprüfen und die Französischvokabeln lernen!“). Und ich verzweifle so langsam.

Um das ganze noch zu toppen hat die Klasse seit Anfang des Schuljahres eine neue Englischlehrerin, die der totale Gegensatz zur vorigen ist. Bis zu den Sommerferien „Vokabelschwäche“ nicht so sehr aufgefallen, weil im Unterricht sowieso alles - vor allem aber Arbeitsanweisungen - auf deutsch geregelt wurden. Drei Sätze frei formulieren war schon das Höchste der Gefühle. Jetzt wird als Hausaufgabe und in der Klassenarbeit plötzlich ein freier Text von 150 bis 200 Wörtern gefordert. Das ist zwar dem Alter angemessen, entspricht aber aufgrund des vorigen Unterrichts überhaupt nicht dem Können der Klasse.

Ganz abgesehen davon, dass es ohne Vokabelwissen ganz schön schwierig ist einen freien Text zu schreiben, ist „Texte schreiben“ ohnehin nicht seine Lieblingsbeschäftigung. Er hat dort keine grundsätzlichen Schwierigkeiten, im Fach Deutsch kommt er problemlos klar. Er hat lediglich keine Lust, sich die Arbeit zu machen (wenn man sich kurz fassen kann, warum sollte ich da 150 Wörter schreiben??). Da „Texte schreiben können“ aber leider nicht vom Himmel fällt, bleibt uns nicht viel anderes übrig, als es fleißig zu üben. Ich tue das jetzt schon seit über einem Jahr - mit mäßigem Erfolg, weil es schwierig ist, ihn überhaupt zu motivieren. Hat jemand da einen guten Literaturtipp oder eine andere Empfehlung? Mir gehen nämlich so langsam die Ideen für kreatives Schreiben aus. Außerdem bin ich reichlich frustriert, weil auf jeden meiner Vorschläge mit der null-Bock-Haltung reagiert wird.

Danke…

Also…langer Text
HI Hanna

Die Null Bock Haltung deines Schülers ist natürlich ein Problem, aber da muß sich ja jeder Lehrer irgendwie mit durchschlagen. Aber ich fange mal von vorne an.

Du sagtest das er nur neuere, gerade gelernte Vokabeln kennt, aber keine älteren. Die Antwort für diese Ursache hast du im Laufe deines Posts selbst gegeben. Seine vorige Lehrerin hat keine freien Texte verlangt, sondern wahrscheinlich nur Lückentexte und haufenweise Vokabeltests. Du hast hier nicht geschrieben auf welche Schule er geht, aber das klingt nach Haupt oder Realschule. Wenn diese Schüler auf ein Gymnasium kommen, haben sie es meist sehr schwer, weil ihnen nie beigebracht wurde, ihre Grammatikkenntnisse praktisch anzuwenden und vorallem ihre Gedanken auszudrücken, was das Vokabellernen etwas erleichtert, da sich praktische Beispiele besser im Gedächtnis einprägen. Außerdem wird hier die Flexibilität im Denken, in der jeweiligen Sprache gefördert.
Das er also schwer Vokabeln über längere Zeit behalten kann, liegt wohl mehr an seine alten Lehrerin, als an ihm selber. Natürlich kann es auch sein, daß es einfach nicht sein Ding ist, mit Sprachen zu hantieren, aber das wird durch Lückentext und Vorsprechmethoden auch nicht gerade verbessert.

Da hat er also im Grunde genommen sehr viel Glück gehabt, daß er jetzt diese Lehrerin bekommen hat. Jetzt kann er noch seine Defizite nachholen. Wenn er in der 11. Klasse angekommen ist und sein Abi machen will (wenn er denn will), dann ist es etwas spät um die Kenntnisse der letzten Jahre nachzuholen und den neuen Ansprüchen gerecht zu werden.

Was mir bei deinen Aufzählungen aufgefallen ist, ist das du den gleichen Fehler machst, wie seine alte Lehrerin:

Ich

habe schon so ziemlich alles ausprobiert. Vokabelkarten,
Computerprogramme, mündlich abfragen, abdecken,
deutsch-englisch / englisch-deutsch, englisch erklären - hilft
alles nichts.

Nämlich nicht das freie Sprechen und formulieren üben.
Das kam so ziemlich am Ende des Textes, so das ich das Gefühl hatte, daß du da mehr von Abstand nimmst, als vom Vokabeln pauken.
Aber ich es ist grundlegend sehr wichtig, daß er nicht hauptsächlich Vokabeln lernt, sondern hauptsächlich Texte liest und vorallem selbst schreibt. Das Vokabeln lernen erfolgt dann hier fast automatisch durch Wiederholung.

Als Pädagogin ist dir sicherlich auch der Vorgang bekannt, wie ein Gedächtnis funktioniert. Also vom erstmaligem lernen im Kurzzeitgedächtnis ablegen zur Wiederholung und kurzfristigen Ablage im Langzeitgedächtnis bis zur entgültigen und langen Speicherung im Langzeitgedächtnis (mal kurzgefaßt).

Dieses Wissen solltest du auch bei deinen Übungen miteinfließen lassen. Also als Beispiel:
Ihr habt einige Vokabeln, die schaut ihr euch gemeinsam an und lernt sie, wenn er sie meinetwegen nach ein paar Minuten verinnerlicht hat (erste Sichtung der Vokabeln), läßt du ihn ein paar Sätze mit diesen Wörtern schreiben. Also welche die er sich ausdenken muß (fördert die Kreativität). Dann gibst du ihm einen Text, in dem diese Vokabeln vorkommen. Diesen Text muß er dann übersetzen (übertragungsaufgabe und Anwenden der bisherigen Erkenntnisse).
Bei eurer nächsten Unterrichtsstunde, hat er wahrscheinlich wieder neue Vokabeln. erstmal gibst du ihm wieder einen Text oder ein paar Sätze (ganz kurz) die er übersetzen muß, um zu überprüfen was hängengeblieben ist. Dann gehst du wieder wie oben beschrieben vor. Also neue Vokabeln sichten, Sätze schreiben und fremden Text übersetzen. Nur das du diesmal bei dem fremden Text, vermehrt Vokabeln verwendest die aus der letzten Stunde stammen UND aus den neuen bestehen.
Dabei wird er sich mehr auf die neuen konzentrieren und die alten als „selbstverständlich“ aufnehmen. Das sollte man dann nochmal später kontrollieren, ob sie noch hängen, aber nicht mehr primär üben.
Und das machst du dann immer so weiter.

Das hört sich jetzt erstmal ziemlich aufwendig an, aber es ist natürlich immer schwieriger am Anfang. Das Problem besteht ja offensichtlich darin, daß er so fast selbstverständliche Vokabeln wie „change“ nicht versteht und solange das so ist, kannst du den Rest vergessen. Wenn du das Grundgerüst erstmal vermitteln konntest, wird er mit der Zeit auch weniger Probleme haben und auf seinem Grundwissen besser und flexibler aufbauen können.
Zur Zeit sieht es so aus, als wenn er in Gedanken selektiert, also das ist Grammatik und das Vokabeln, das paßt natürlich nicht, wenn man frei reden und schreien soll. Durch diese Übungen, soll dieses Selektieren auch abgewöhnt werden.

Noch einige Tipps:
Als Programm hat sich bei Schülern und Studenten für Fernunterricht, daß Schuhkasten System immer wieder bewährt. Dafür gibt es auch ein Programm z.B. „Lernen durch Wiederholung“. Bei diesem Programm muß man selbst die Vokabeln eingeben und die Übersetzung. Dann kann man sich abfragen lassen und das Programm gibt einem dann die Vokabeln nach dem Schuhkastensystem. Es ist ganz praktisch. Wenn du es haben möchtest, kann ich es dir gern schicken, mußt nur bescheid sagen (freeware).

Wenn du dich mit Literatur über Gedächtnistraining eindeckst, kommen dir vielleicht noch weitere Ideen, was du sonst noch machen könntest. Du lernst dabei nicht nur eine Menge, sondern kannst es dann auch für dich selbst anwenden. Es kann ein richtig spannendes Thema sein.

Ein weiterer Tipp für das freie Schreiben und für Übersetzungstexte, ist noch die Wahl der Texte.
Finde heraus, was er gern mag oder frag ihn, was ihn interessiert. Vielleicht kann er auch selbst Bücher oder Hefte mitbringen, die er übersetzen möchte, dann kannst du dir da das passende raussuchen.
Lieder übersetzen kommt (jedenfalls war das noch zu meiner Schulzeit so) immer gut an.

Leider kann man nicht selbst die „Null Bock“ Haltung von Schülern ändern, aber man kann ja auch mal was neues testen. Manchmal hilfts.

HOffe ich konnte dir etwas helfen.
Viel Erfolg

Grüße
Novalee

Danke für die ausführliche Antwort! Es hat mir schon eine Menge weitergeholfen. Ich hab da aber noch ein paar Rückfragen:

Du sagtest das er nur neuere, gerade gelernte Vokabeln kennt,
aber keine älteren. Die Antwort für diese Ursache hast du im
Laufe deines Posts selbst gegeben. Seine vorige Lehrerin hat
keine freien Texte verlangt, sondern wahrscheinlich nur
Lückentexte und haufenweise Vokabeltests. Du hast hier nicht
geschrieben auf welche Schule er geht, aber das klingt nach
Haupt oder Realschule. Wenn diese Schüler auf ein Gymnasium
kommen, haben sie es meist sehr schwer

Realschule ist richtig. Ich gehe nicht davon aus, dass er noch zum Gymnasium wechseln wird. Allerdings sollte er trotzdem sein Wissen anwenden können. Was nützen einem sechs Jahre Schulenglisch wenn man nachher nicht mal in einem fremden Land Brötchen kaufen kann?

Was mir bei deinen Aufzählungen aufgefallen ist, ist das du
den gleichen Fehler machst, wie seine alte Lehrerin:

Ich

habe schon so ziemlich alles ausprobiert. Vokabelkarten,
Computerprogramme, mündlich abfragen, abdecken,
deutsch-englisch / englisch-deutsch, englisch erklären - hilft
alles nichts.

Okay, das war wohl die falsche Formulierung. Es hätte heißen müssen: ich habe ihn alles ausprobieren LASSEN.

Vokabeln lernen fällt „nicht in meinen Zuständigkeitsbereich“. Als Nachhilfelehrerin bin ich natürlich nicht auf einen Lehrplan angewiesen, sondern auf das, was der Schüler bzw. dessen Eltern von mir erwarten. Und da ist die Absprache: Unterrichtsinhalte wiederholen, Grammatiken üben, aber keine Vokabeln lernen (frei nach dem Motto: dafür, dass ihr nur da sitzt und du ihn Vokabeln abfragst, ist der Stundenlohn zu teuer!). Ich habe also die oben erwähnten Methoden immer nur einmal beispielhaft mit ihm durchgesprochen und ihm dann aufgetragen, sie zu Hause anzuwenden. Ob er es denn auch wirklich TUT kann ich natürlich nicht kontrollieren. Zu Hause müssen sie sicherlich noch durch Mami’s strenge Kontrolle - es würde mich also nicht weiter wundern, wenn sie kurzerhand beschließt, dass diese Variante nicht sinnvoll ist und sie gar nicht ausprobiert wird.

Nämlich nicht das freie Sprechen und formulieren üben.

Ich habe versucht, das von Anfang an immer wieder einfließen zu lassen: Aufgabenstellungen auf Englisch formulieren, die allgemeine Unterhaltung ins Englische verlegen, nach Möglichkeit NUR Englisch sprechen. Funktioniert natürlich nicht, weil er mich überhaupt nicht versteht und ich mit einer Dreiviertelstunde pro Woche nicht viel reißen kann, wenn diese Art von Kommunikation sonst nirgendwo gefordert wird.

Ihr habt einige Vokabeln, die schaut ihr euch gemeinsam an und
lernt sie, wenn er sie meinetwegen nach ein paar Minuten
verinnerlicht hat (erste Sichtung der Vokabeln), läßt du ihn
ein paar Sätze mit diesen Wörtern schreiben. Also welche die
er sich ausdenken muß (fördert die Kreativität). Dann gibst du
ihm einen Text, in dem diese Vokabeln vorkommen. Diesen Text
muß er dann übersetzen (übertragungsaufgabe und Anwenden der
bisherigen Erkenntnisse).

Klingt gut. Ich weiß zwar noch nicht, wie ich das seiner Mami als sinnvoll verkaufe, aber ich werde es mal ausprobieren…

Noch einige Tipps:
Als Programm hat sich bei Schülern und Studenten für
Fernunterricht, daß Schuhkasten System immer wieder bewährt.
Dafür gibt es auch ein Programm z.B. „Lernen durch
Wiederholung“. Bei diesem Programm muß man selbst die Vokabeln
eingeben und die Übersetzung. Dann kann man sich abfragen
lassen und das Programm gibt einem dann die Vokabeln nach dem
Schuhkastensystem. Es ist ganz praktisch. Wenn du es haben
möchtest, kann ich es dir gern schicken, mußt nur bescheid
sagen (freeware).

Das wäre schön!

Ein weiterer Tipp für das freie Schreiben und für
Übersetzungstexte, ist noch die Wahl der Texte.
Finde heraus, was er gern mag oder frag ihn, was ihn
interessiert. Vielleicht kann er auch selbst Bücher oder Hefte
mitbringen, die er übersetzen möchte, dann kannst du dir da
das passende raussuchen.

Sowas existiert in seinem Haushalt leider nicht. Dafür aber jedes erdenkliche Grammatik- und Grammatikübungs-Buch für die Jahrgangsstufen 5 bis 8.

Lieder übersetzen kommt (jedenfalls war das noch zu meiner
Schulzeit so) immer gut an.

Auch keine schlechte Idee.

Die Null-Bock-Haltung ist ja leider auch nicht im allgemeinen so. Damit könnte ich umgehen - ist ja im achten Schuljahr nahezu normal. Wenn es allerdings darum geht, eine neue Grammatik zu verstehen (wenn sie in der Schule erklärt wird, rafft er sie in aller Regel nicht, weil er nicht die Traute hat, die Rückfragen zu stellen, die er hat… wenn ich mit ihm alles in Ruhe noch einmal durchgehe, ein paar Übungen dazu mache, etc. ist das überhaupt kein Problem mehr, weil er hier keine Hemmungen hat die Fragen zu stellen, die er hat), legt er einen erstaunlichen Ehrgeiz an den Tag. Das lässt sich sicherlich auch durch die Arbeitsmethoden der früheren Lehrerin erklären: wie du schon richtig vermutet hattest, bestanden Klassenarbeiten im wesentlichen aus Lückentexten, so dass man (wenn man die aktuelle Grammatik denn gelernt und verstanden hatte) ohne jegliches Vokabelwissen locker eine zwei schreiben konnte. Dementsprechend war es schon immer schwierig, ihn überhaupt dazu zu motivieren, frei zu schreiben: bis zu den Sommerferien war es „nicht nötig“ (es hat ja außer mir nie einer von ihm verlangt), jetzt ist es „unmöglich“ (weil die neue Lehrerin Texte erwartet, die er schlicht und ergreifend nicht bewältigen kann = FRUST). Er macht da ganz einfach dicht.

Beispiel: letzte Woche war die Wiederholung des simple past dran. Er kam also mit seinem Englischbuch (das die Wiederholung gar nicht vorsieht - also keine Materialien zu dem Thema enthält), dem Workbook (das genauso viel weitergeholfen hat) und drei Grammatikheften (die seine Mama gekauft hatte). Ich habe den Schreibtisch bis auf Papier und Stift leergeräumt und ihn gebeten, einen Satz aufzuschreiben, in dem das simple past vorkommt. Ergebnis: „Das kann ich nicht!“ (Etwas wie „The children played in the garden“ oder „Peter did his homework“ hätte für den Anfang ja vollkommen gereicht!! Auch ein „falscher“ Satz [„Peter does his homework“] hätte uns weitergeholfen). Wir haben also gemeinsam einen Beispielsatz entwickelt, anhand dessen konnte er mir dann problemlos die gesamte Grammatik erläutern und weitere Beispielsätze formulieren. Ist es da schon ein Fehler, ihm den Beispielsatz (mehr oder weniger) vorzugeben? Wie könnte ich auf anderem Weg erreichen, dass ein Beispielsatz auf’s Papier kommt, an dem dann die Grammatik geübt werden kann?

Einmal andersrum gefragt: was hältst du davon, dass Mami diejenige ist die kontrolliert, entscheidet, dirigiert? Im achten Schuljahr sollte man - meiner Ansicht nach - so langsam in der Lage sein, seine Hausaufgaben alleine zu bewältigen. So, wie er jetzt gerade behandelt wird, wird er das aber nie lernen.

Schon mal danke soweit…

Hanna

Hallo Hanna,

Vokabeln lernen fällt „nicht in meinen Zuständigkeitsbereich“.
Als Nachhilfelehrerin bin ich natürlich nicht auf einen
Lehrplan angewiesen, sondern auf das, was der Schüler bzw.
dessen Eltern von mir erwarten. Und da ist die Absprache:
Unterrichtsinhalte wiederholen, Grammatiken üben, aber keine
Vokabeln lernen (frei nach dem Motto: dafür, dass ihr nur da
sitzt und du ihn Vokabeln abfragst, ist der Stundenlohn zu
teuer!). Ich habe also die oben erwähnten Methoden immer nur
einmal beispielhaft mit ihm durchgesprochen und ihm dann
aufgetragen, sie zu Hause anzuwenden. Ob er es denn auch
wirklich TUT kann ich natürlich nicht kontrollieren. Zu Hause
müssen sie sicherlich noch durch Mami’s strenge Kontrolle - es
würde mich also nicht weiter wundern, wenn sie kurzerhand
beschließt, dass diese Variante nicht sinnvoll ist und sie gar
nicht ausprobiert wird.

hier liegt eines der Hauptprobleme. Seine Mutter (ist sie irgendwie Lehrerin oder hat sie irgendeine Ausbildung, die sie qualifiziert, zu entscheiden, was gut und was schlecht ist??) spielt eindeutig eine zu starke Rolle. Solange ich Nachhilfe gegeben habe, habe immer ich zusammen mit dem Schueler entschieden, was ihr/ihm aus meiner Sicht am besten weiterhilft. Haben sich die Eltern eingemischt, habe ich mit diesen direkt Ruecksprache gehalten und in der Regel Verstaendnis geerntet bzw. mich durchgesetzt. Falls sie voellig unkooperativ waren (das war aber in den schaetzungsweise 5 Jahren nur einmal der Fall), habe ich mich allein mit der Drohung, dass ich so nicht arbeiten kann und auf die Nachhilfe nicht angewiesen bin, durchgesetzt.

Ich habe versucht, das von Anfang an immer wieder einfließen
zu lassen: Aufgabenstellungen auf Englisch formulieren, die
allgemeine Unterhaltung ins Englische verlegen, nach
Möglichkeit NUR Englisch sprechen. Funktioniert natürlich
nicht, weil er mich überhaupt nicht versteht und ich mit einer
Dreiviertelstunde pro Woche nicht viel reißen kann, wenn diese
Art von Kommunikation sonst nirgendwo gefordert wird.

Dein Ansatz ist voellig richtig! Leider funktioniert das auch bei Gymnasiasten in der 9. Klasse nicht. Ich glaube, das liegt einfach daran, dass die Leute, die Nachhilfe in Anspruch nehmen, meist schon so grosse Probleme haben, dass an „freies Sprechen und Schreiben“ nicht zu denken ist. Und wenn die Lage so dramatisch ist, dass ernsthafte Gefahr besteht, das Klassenziel zu verfehlen, muss die Zahl der Stunden pro Woche erhoeht werden (Stichwort: Tropfen auf den heissen Stein), sonst kaempfst Du auf verlorenem Posten. Und das ist wirklich frustrierend - fuer beide Seiten.

Klingt gut. Ich weiß zwar noch nicht, wie ich das seiner Mami
als sinnvoll verkaufe, aber ich werde es mal ausprobieren…

Siehe oben! Du musst entscheiden koennen, was probiert werden soll!

Noch einige Tipps:
Als Programm hat sich bei Schülern und Studenten für
Fernunterricht, daß Schuhkasten System immer wieder bewährt.
Dafür gibt es auch ein Programm z.B. „Lernen durch
Wiederholung“. Bei diesem Programm muß man selbst die Vokabeln
eingeben und die Übersetzung. Dann kann man sich abfragen
lassen und das Programm gibt einem dann die Vokabeln nach dem
Schuhkastensystem. Es ist ganz praktisch. Wenn du es haben
möchtest, kann ich es dir gern schicken, mußt nur bescheid
sagen (freeware).

Das haette ich auch gerne!

Ein weiterer Tipp für das freie Schreiben und für
Übersetzungstexte, ist noch die Wahl der Texte.
Finde heraus, was er gern mag oder frag ihn, was ihn
interessiert. Vielleicht kann er auch selbst Bücher oder Hefte
mitbringen, die er übersetzen möchte, dann kannst du dir da
das passende raussuchen.

Sowas existiert in seinem Haushalt leider nicht. Dafür aber
jedes erdenkliche Grammatik- und Grammatikübungs-Buch für die
Jahrgangsstufen 5 bis 8.

Liest er denn gar keine Comics oder so? Da liesse sich schon was englisch-sprachiges organisieren. Ich habe damals in Latein oefter mit den lateinischen Asterix-Heften gearbeitet.

Lieder übersetzen kommt (jedenfalls war das noch zu meiner
Schulzeit so) immer gut an.

Auch keine schlechte Idee.

Da gibt’s gute Websites! Habe die links aber gerade nicht griffbereit :frowning: koennte ich aber raussuchen :smile:

in dem das simple past vorkommt. Ergebnis: „Das kann ich
nicht!“ (Etwas wie „The children played in the garden“ oder
„Peter did his homework“ hätte für den Anfang ja vollkommen
gereicht!! Auch ein „falscher“ Satz [„Peter does his
homework“] hätte uns weitergeholfen). Wir haben also gemeinsam
einen Beispielsatz entwickelt, anhand dessen konnte er mir
dann problemlos die gesamte Grammatik erläutern und weitere
Beispielsätze formulieren. Ist es da schon ein Fehler, ihm den
Beispielsatz (mehr oder weniger) vorzugeben? Wie könnte ich
auf anderem Weg erreichen, dass ein Beispielsatz auf’s Papier
kommt, an dem dann die Grammatik geübt werden kann?

Du hast aus meiner Sicht das Richtige getan. Wie anders sollte - ohne ewiges Haengen und Wuergen - ein Beispielsatz erzeugt werden. Allerdings koennte man das auch ueber die Definition (des simple past z. B.) angehen, einen deutschen Satz mit einfacher Vergangenheit formulieren lassen und sich dann was englisches ueberlegen …

Einmal andersrum gefragt: was hältst du davon, dass Mami
diejenige ist die kontrolliert, entscheidet, dirigiert?

Siehe oben!

Im
achten Schuljahr sollte man - meiner Ansicht nach - so langsam
in der Lage sein, seine Hausaufgaben alleine zu bewältigen.
So, wie er jetzt gerade behandelt wird, wird er das aber nie
lernen.

Genau! Ueberhaupt stellt sich grundlegend die Frage, ob er auf der Realschule richtig aufgehoben ist oder nicht. Witzigerweise kann eine Diskussion hierueber die Motivation eines Nachhilfeschuelers schlagartig erhoehen :smile:

Viele Gruesse,

Henning.

Huhu Novalee,

Dann kann man sich abfragen
lassen und das Programm gibt einem dann die Vokabeln nach dem
Schuhkastensystem. Es ist ganz praktisch. Wenn du es haben
möchtest, kann ich es dir gern schicken, mußt nur bescheid
sagen (freeware).

Darf ich auch bescheid sagen, bitte? *Kopfschiefleg* Ich hab da nämlich auch so jemanden, mit dem ich englisch Übersetzungen übe :smile:

Liebe Grüße

Petzi

Hallo,

schon wieder eine Reaktion, vielen Dank! Freut mich, dass ich mit meinem Problem nicht völlig alleine bin… :wink:

hier liegt eines der Hauptprobleme. Seine Mutter (ist sie
irgendwie Lehrerin oder hat sie irgendeine Ausbildung, die sie
qualifiziert, zu entscheiden, was gut und was schlecht ist??)

Im Gegenteil. Sie hat selbst nur eine äußerst mäßige Schulbildung genießen dürfen (Volksschule bis zur achten Klasse, glaube ich) und versucht jetzt alles, was sie verpasst hat, an ihren Söhnen wieder gutzumachen.

Das Problem ist also nicht nur, dass sie nicht in der Lage ist „qualifiziert“ über gut und schlecht zu entscheiden, sondern auch, dass sie fachlich absolut ahnungslos ist. Ihr Englisch ist nicht besser als das eine Sechstklässlers.

Ich habe versucht, das von Anfang an immer wieder einfließen
zu lassen: Aufgabenstellungen auf Englisch formulieren, die
allgemeine Unterhaltung ins Englische verlegen, nach
Möglichkeit NUR Englisch sprechen. Funktioniert natürlich
nicht, weil er mich überhaupt nicht versteht und ich mit einer
Dreiviertelstunde pro Woche nicht viel reißen kann, wenn diese
Art von Kommunikation sonst nirgendwo gefordert wird.

Dein Ansatz ist voellig richtig! Leider funktioniert das auch
bei Gymnasiasten in der 9. Klasse nicht. Ich glaube, das liegt
einfach daran, dass die Leute, die Nachhilfe in Anspruch
nehmen, meist schon so grosse Probleme haben, dass an „freies
Sprechen und Schreiben“ nicht zu denken ist. Und wenn die Lage
so dramatisch ist, dass ernsthafte Gefahr besteht, das
Klassenziel zu verfehlen, muss die Zahl der Stunden pro Woche
erhoeht werden (Stichwort: Tropfen auf den heissen Stein),
sonst kaempfst Du auf verlorenem Posten. Und das ist wirklich
frustrierend - fuer beide Seiten.

Stimmt, das ist sicherlich der Hintergrund, den man beachten sollte…

Ich habe auch schon darüber nachgedacht, die Stundenzahl zu erhöhen. Problem: der gute Junge muss an allen anderen Wochentagen schon regelmäßig für andere Fächer nach- (und manchmal auch vor-) arbeiten. Ich würde ihm zwar vielleicht aus fachlicher Hinsicht einen Gefallen tun, aber pädagogisch gesehen wäre es ziemlich dumm. 14-jährige müssen schon auch noch ein bißchen Freizeit haben.

Liest er denn gar keine Comics oder so? Da liesse sich schon
was englisch-sprachiges organisieren. Ich habe damals in
Latein oefter mit den lateinischen Asterix-Heften gearbeitet.

Er liest aus Prinzip nicht. Die wenige Freizeit, die er hat, verbringt er meines Wissens am Computer.

Aber Comics sind sicherlich auch ein guter Ansatzpunkt. Werde das auch mal ausprobieren :wink:

Hallo,

Im Gegenteil. Sie hat selbst nur eine äußerst mäßige
Schulbildung genießen dürfen (Volksschule bis zur achten
Klasse, glaube ich) und versucht jetzt alles, was sie verpasst
hat, an ihren Söhnen wieder gutzumachen.

Oje!

Ich habe auch schon darüber nachgedacht, die Stundenzahl zu
erhöhen. Problem: der gute Junge muss an allen anderen
Wochentagen schon regelmäßig für andere Fächer nach- (und
manchmal auch vor-) arbeiten. Ich würde ihm zwar vielleicht
aus fachlicher Hinsicht einen Gefallen tun, aber pädagogisch
gesehen wäre es ziemlich dumm. 14-jährige müssen schon auch
noch ein bißchen Freizeit haben.

Wenn er soviel Zeit investieren muss, oje. Der Arme. Lassen denn seine Noten vermuten, dass er die Realschule schaffen wird - mit einigermassen guten Noten? Oder ist er schlicht und ergreifend generell ueberfordert?

Gruss Henning.

Wegen der großen Nachfrage - hier ein Link
Hallo
Wegen der großen Nachfrage und mangels kompetenz seitens Yahoo, ein klitzekleines 2 MB Programm zu verschicken, habe ich mal im Netz gestöbert und das Programm auch inzwischen auf öffentlichen Seiten gefunden. Hier ist der Link nochmal für alle:

http://www.winload.de/download/290/Schule_Bildung/So…

Die Bedienung ist relativ einfach, wenn auch etwas gewöhnungsbedürftig. Es gibt sicherlich noch mehr Karteikasten Programm, allerdings sind die meisten etwas aufwändig oder man kann nicht so viel selbst Einstellen.

Ich hoffe es hilft euch

Viele Grüße
Novalee

Erstmal einkaufen dann Antworten :smile:

Hi Hanna
Ich hab deinen Text mal eben überflogen, muß allerdings erstmal einiges erledigen, dann kann ich dir auch ausführlich Antworten :smile:

Bis dann

Grüße
Novalee

Hallo,

Wenn er soviel Zeit investieren muss, oje. Der Arme. Lassen
denn seine Noten vermuten, dass er die Realschule schaffen
wird - mit einigermassen guten Noten? Oder ist er schlicht und
ergreifend generell ueberfordert?

Ich würde sagen: es würde ihm nicht schaden, mal ein bißchen weniger zu tun und dafür einen freien Nachmittag genießen zu können… Er hat es zwar nötig, einiges an Zeit außerhalb der Schule zu investieren, aber ich denke, es wäre erfolgreicher, wenn er hin und wieder auch mal die Perspektive hätte, nicht nur für die Schule zu leben. Prinzipiell ist er auf der Realschule schon genau richtig.

Hallo Hanna,

noch als kleine Ergänzung zu den guten Tipps: Ich hab mich mit Latein sehr schwer getan, weil die Vokabeln eben nicht in Zusammenhang sprechend geübt werden. Meine Gedächtnistrainingskniffe waren:

  1. Vokabelkartei in drei Stufen. Ins erste Kästchen kamen sie, wenn ich sie einmal konnte, nach ein paar Tagen wiederholst du die Vokabeln aus diesem Kästchen. Die, die du kannst, kommen in ein zweites Käsctehn, die anderen wieder auf Start-), bei der dritten Widerholung (1-2 Wochen später) kamen sie in den großen Pool der dreimal gekonnten. Die hab ich so nach und nach wieder der ersten Runde zugeführt. Auf diese Weise habe ich ständig einige wiederholt und andere neu gelernt. Ein kleines Päckchen Vokabeln hatte ich immer dabei für Zwischendurch. Gelernt wurde jeden Tag. Anders ging’s nicht.

  2. Ich bin jemand, der auch gerne Worte hört: Ich habe mir Vokabeln nicht nur vorgesagt, sondern auch auf Kassette gesprochen und mir z.B. in der Bahn angehört, wenn ich mein Zimmer aufräumte - überall!!!:smile:

Das klappte sehr gut, kostet aber natürlich Zeit. Ich war zu dem Zeitpunkt auch schon etwas älter und motivierter, vermute ich.

In modernen Sprachen - gerade Englisch - gibt es aber ja noch so viele andere Möglichkeiten, Spaß an der anderen Sprache zu erzeugen: Popsongs, englische Filme…und viel Englisch sprechen, erstmal kurze Sätze sprechen lassen, vorlesen lassen usw. Lass ihn alles - wenn’s geht - auf Englisch sagen und fragen.

grüßle,

barbara

So wieder da
Bin wieder da

Realschule ist richtig. Ich gehe nicht davon aus, dass er noch
zum Gymnasium wechseln wird. Allerdings sollte er trotzdem
sein Wissen anwenden können. Was nützen einem sechs Jahre
Schulenglisch wenn man nachher nicht mal in einem fremden Land
Brötchen kaufen kann?

Ja natürlich, da hast du vollkommen recht, ich wollte dir nur erläutern, von welchen Voraussetzungen ich bei ihm ausgegangen bin, weil du nicht die Schulform erwähnt hast. Je nachdem wie die Anforderungen sind, muß man ja die Übungen ansetzen. In einem Gymnasium wird natürlich mehr auf Übertragungsaufgaben gesetzt, als auf Vokabeln und Grammatik im einzelnen. Aber ich da ich von deinen Erzählungen schon von Realschule ausegangen bin, hab ich die Tipps auch dementsprechend gegeben.

Okay, das war wohl die falsche Formulierung. Es hätte heißen
müssen: ich habe ihn alles ausprobieren LASSEN.

Vokabeln lernen fällt „nicht in meinen Zuständigkeitsbereich“.
Als Nachhilfelehrerin bin ich natürlich nicht auf einen
Lehrplan angewiesen, sondern auf das, was der Schüler bzw.
dessen Eltern von mir erwarten. Und da ist die Absprache:
Unterrichtsinhalte wiederholen, Grammatiken üben, aber keine
Vokabeln lernen (frei nach dem Motto: dafür, dass ihr nur da
sitzt und du ihn Vokabeln abfragst, ist der Stundenlohn zu
teuer!). Ich habe also die oben erwähnten Methoden immer nur
einmal beispielhaft mit ihm durchgesprochen und ihm dann
aufgetragen, sie zu Hause anzuwenden. Ob er es denn auch
wirklich TUT kann ich natürlich nicht kontrollieren. Zu Hause
müssen sie sicherlich noch durch Mami’s strenge Kontrolle - es
würde mich also nicht weiter wundern, wenn sie kurzerhand
beschließt, dass diese Variante nicht sinnvoll ist und sie gar
nicht ausprobiert wird.

Ja gut das kann ich verstehen, das würde auch zu lange dauern, mit ihm alle Vokabeln, die er in einer Woche hatte, durchzugehen und zu pauken, da wäre die Stunde schnell vorbei. Daher hatte ich auch das Karteikasten system vorgeschlagen, das Programm kann man ja einfach auf eine Diskette packen. so kann er die Vokabeln zu Hause mit seiner Mutter und bei dir nochmal durchgehen.
Also wenn er z.B. sagt oder du bei dem Programm siehst, das es Vokabeln gibt, die bei ihm nach einer Woche trotz zusätzlichen lernens mit seiner Mutter, immernoch im ersten Kasten hat (in dem den man jeden Tag bearbeiten soll), dann kannst du dich nochmal mit ihm hinsetzen und ihm einen Text geben, wo diese Vokabeln vorkommen, oder ihn Texte schreiben lassen, wo du auf die Grammatikübung die ihr gerade bearbeitet achten kannst und dabei die schwierigen Vokabeln zum Zuge kommen.
Oder zur nächsten Stunde suchst du dir dann ein Thema, das ihn interessiert oder ein Lied/Film etc., wo die Vokabeln vorkommen.

Ich habe versucht, das von Anfang an immer wieder einfließen
zu lassen: Aufgabenstellungen auf Englisch formulieren, die
allgemeine Unterhaltung ins Englische verlegen, nach
Möglichkeit NUR Englisch sprechen. Funktioniert natürlich
nicht, weil er mich überhaupt nicht versteht und ich mit einer
Dreiviertelstunde pro Woche nicht viel reißen kann, wenn diese
Art von Kommunikation sonst nirgendwo gefordert wird.

Das ist natürlich schlecht! Eine dreiviertelstunde ist entschieden zu wenig. Wenn die neue Lehrerin, die ja offensichtlich höhere Anforderungen in Englisch hat,
bei ihm nur noch mehr Lücken aufreißt, dann kann es auch nicht bei einer Dreiviertelstunde bleiben. Das kann auch gar nicht gehen. Wenn er vorher schon Probleme hatte und das bei einer Lehrerin die offensichtlich nicht viel verlangt hat und du ihm da schon eine Dreiviertelstunde Nachhilfe geben mußtest, kannst du ihm in dieser zeit jetzt auch nicht mehr beibringen!
Ich würde das der Mutter mal beibringen, denn du kannst nicht die Schule ersetzen, sondern nur Schwachstellen die im Unterricht auftreten nachbessern.
Es ist klar das du da nichts mehr reißen kannst, wenn der Junge einfach Probleme in dem Fach hat und mit dem GANZEN Unterricht nicht klar kommt.

Klingt gut. Ich weiß zwar noch nicht, wie ich das seiner Mami
als sinnvoll verkaufe, aber ich werde es mal ausprobieren…

Du mußt Mami gar nichts verkaufen. Du kannst ihr sagen, entweder sie oder wir machen das so, oder probieren es zumindest, oder wir lassen es ganz. Es ist nicht deine Aufgabe sie zu einer Sache zu überreden oder ihr was aufzuschwatzen. Du bist da, damit der Junge besser in der Schule wird und versuchst dein Wissen weiterzugeben, auf die Art und Weise, WIE DER JUNGE am besten damit klar kommt. Um festzustellen wie er am besten mit Englisch klar kommt, muß man eben verschiedene Dinge ausprobieren. Im Gegensatz zur Lehrerin kannst du da flexibler sein und das solltest du nutzen. Aber wie schon gesagt, eine Dreiviertelstunde reicht da nicht. Ich denke das man schon zumindest 2x45 Min. haben sollte. Am besten an zwei verschiedenen Tagen (soweit möglich).
Das soll ihn ja nicht viel Freizeit kosten.
Wenn der Mutter das nicht paßt, dann muß sie auch damit klar kommen, daß ihr Sohn nicht besser wird. Du bist da um ihn zu helfen, in der Zeit die dir zur Verfügung steht und wenn sie deine Ratschläge nicht annimmt und ausprobiert, dann kannst du auch nichts verbessern.

Die Null-Bock-Haltung ist ja leider auch nicht im allgemeinen
so. Damit könnte ich umgehen - ist ja im achten Schuljahr
nahezu normal. Wenn es allerdings darum geht, eine neue
Grammatik zu verstehen (wenn sie in der Schule erklärt wird,
rafft er sie in aller Regel nicht, weil er nicht die Traute
hat, die Rückfragen zu stellen, die er hat… wenn ich mit ihm
alles in Ruhe noch einmal durchgehe, ein paar Übungen dazu
mache, etc. ist das überhaupt kein Problem mehr, weil er hier
keine Hemmungen hat die Fragen zu stellen, die er hat), legt
er einen erstaunlichen Ehrgeiz an den Tag. Das lässt sich
sicherlich auch durch die Arbeitsmethoden der früheren
Lehrerin erklären: wie du schon richtig vermutet hattest,
bestanden Klassenarbeiten im wesentlichen aus Lückentexten, so
dass man (wenn man die aktuelle Grammatik denn gelernt und
verstanden hatte) ohne jegliches Vokabelwissen locker eine
zwei schreiben konnte. Dementsprechend war es schon immer
schwierig, ihn überhaupt dazu zu motivieren, frei zu
schreiben: bis zu den Sommerferien war es „nicht nötig“ (es
hat ja außer mir nie einer von ihm verlangt), jetzt ist es
„unmöglich“ (weil die neue Lehrerin Texte erwartet, die er
schlicht und ergreifend nicht bewältigen kann = FRUST). Er
macht da ganz einfach dicht.
Beispiel: letzte Woche war die Wiederholung des simple past
dran. Er kam also mit seinem Englischbuch (das die
Wiederholung gar nicht vorsieht - also keine Materialien zu
dem Thema enthält), dem Workbook (das genauso viel
weitergeholfen hat) und drei Grammatikheften (die seine Mama
gekauft hatte). Ich habe den Schreibtisch bis auf Papier und
Stift leergeräumt und ihn gebeten, einen Satz aufzuschreiben,
in dem das simple past vorkommt. Ergebnis: „Das kann ich
nicht!“ (Etwas wie „The children played in the garden“ oder
„Peter did his homework“ hätte für den Anfang ja vollkommen
gereicht!! Auch ein „falscher“ Satz [„Peter does his
homework“] hätte uns weitergeholfen). Wir haben also gemeinsam
einen Beispielsatz entwickelt, anhand dessen konnte er mir
dann problemlos die gesamte Grammatik erläutern und weitere
Beispielsätze formulieren. Ist es da schon ein Fehler, ihm den
Beispielsatz (mehr oder weniger) vorzugeben? Wie könnte ich
auf anderem Weg erreichen, dass ein Beispielsatz auf’s Papier
kommt, an dem dann die Grammatik geübt werden kann?

Ein Beispielsatz vorgeben ist keine günstige Lösung. Aus dem einfachen Grund, daß er dann das Prinzip kapiert und danach weiter Sätze bildet. Wenn du ihn aber dann nach einigen Wochen wieder nach z.B. Simple Past fragst, wird er es wieder nicht wissen, sondern erst, wenn du ihm wieder einen Satz vorgibst.

Das Problem mit der fehlenden Phantasie läßt sich lösen. Hier rate ich dir zu der Puzzle Methode. Also z.B. Car|Rudolf|Drive
Er muß das dann in die richtige Reihenfolge setzen und in die gewünschte Form bringen.

Was die Zeiten und Formen anbelangt, so ist mir gerade noch etwas gutes eingefallen. Und zwar erinnere ich mich noch daran, daß meine alte Englischlehrerin an meiner Klasse fast verzweifelt wäre, weil es viele Probleme mit den verschiedenen Zeitformen gab. Wir haben dann über die Jahre ein Heft angelegt, wo nur die Zeiten aufgelistet sind.
Da steht dann z.B.

Zeitform
Zeitform wird gebildet durch …(Verb+ed etc.)
Beispielsatz
usw.

Das Heft habe ich damals mit 13 Jahren angelegt und ich habe es heute noch! Immer wenn ich irgendwas mit Englisch Unterricht zu tun hatte und mir spontan nicht einfiel was das nochmal für eine Form war, habe ich dieses Heft gezückt. Ich könnte meine alte Lehrerin für Idee heute noch knutschen. Und ich war damals ein 1er Kandidat, aber jeder vergißt die Formen mal und ist froh wenn er was zum nachkucken hat.

Ich würde auch nicht unbedingt sagen, daß er sich nicht traut zu fragen. Häufig ist es ja so, daß Schüler gerade heute, Angst haben sich zu blamieren, oder schlimmer sogar als Streber dazustehen. Wenn jeder in der Klasse fragen würde, dann wäre das wohl weniger das Thema, aber wenn das natürlich keiner tut, wird er sich wohl auch eher zurückhalten.
Es ist auch bei so ziemlich jedem so, daß man besser ist, wenn man sich nur auf sich selbst und einem Lehrer konzentrieren muß. Gerade bei Sprachen braucht man um vor anderen zu sprechen, viel Selbstbewußtsein und vorallem Übung. Und das ist gerade bei Menschen die schwierigkeiten in einem Fach haben, das Problem.
Da kannst du von deiner Position aus kaum etwas machen, da muß die Lehrerin mal etwas aktiver werden. Aber das ist ja immer das Thema, warum in der Schule zu wenig auf einzelne Schüler eingegangen wird …

Einmal andersrum gefragt: was hältst du davon, dass Mami
diejenige ist die kontrolliert, entscheidet, dirigiert? Im
achten Schuljahr sollte man - meiner Ansicht nach - so langsam
in der Lage sein, seine Hausaufgaben alleine zu bewältigen.
So, wie er jetzt gerade behandelt wird, wird er das aber nie
lernen.

Davon halte ich gar nichts. Ich denke auch, daß sie es etwas zu sehr übertreibt. Wenn ich höre, sie haben nur Grammatikhefte im Haus und sie bestimmt alles. Das hört sich für mich so an, als wenn sie so eine Mutter wäre, die etwas frustriert ist, weil sie im Leben selbst zu wenig erreicht hat und ihr Sohn das nun nachholen soll. Frei nach dem Motto „du sollst es besser haben als wir“ oder „blamier uns ja nicht“.

Ich habe auch nicht das Gefühl, als wenn er einer von den hoffnungslosen Fällen wäre, sondern das einfach zu viel aufhebens darum gemacht wird. Das ist für ein Kind meist eine zusätzliche Belastung.
Es ist natürlich wichtig, daß man gerade bei Sprachen am Ball bleibt, weil die nicht so wie bei Mathe sind, wo man sagen kann, entweder hat man das Prinzip verstanden oder nicht. Bei Sprachen kommt es nicht auf ein Prinzip an, sondern nur auf Übung, Erfahrung und Routine. Und natürlich auf ein gewisses Vokabelgrundgerüst.
Wenn Mama meint, daß es nur darauf ankommt, Grammatik zu üben und alle deine Vorschläge ansonsten in den Wind schlägt, solltest du dich oder besser sie fragen, was sie dann noch von dir erwartet, wenn sie auf deine Vorschläge nicht eingeht und du nur 45 Min. die Woche Zeit hast.

Bei den ganzen Überlegungen sollte man vielleicht auch mal auf die Idee kommen, den Jungen zu fragen, wie man es ihm einfacher machen kann, daß er mehr spaß an dem Fach hat und wie er selbst am einfachsten lernt.

Daher würde ich dir einfach vorschlägen: Probier ein paar Tipps aus, frag den Jungen womit er gut klar kommt und was ihm auch etwas mehr gefällt, sag der Mutter was sie besser machen kann und laß dir da nix sagen von wegen „das sehe ich anders“. Wenn sie das anders sieht, braucht sie keine Nachhilfelehrerin einzustellen und kann sich das Geld sparen oder sie soll zu der Schule gehen und mit den Lehrern sprechen, wenn sie die für kompetenter als dich hält. Sie soll zumindest mal deine Vorschläge ausprobieren.
Und wenn es keine großen Verbesserungen gibt, nicht den Druck zu stark erhöhen. Mit der Zeit ändert sich das Lernverhalten und die Interessen jedes Menschen.
Wenn er nicht schlechter durch deine Bemühungen wird, ist das schonmal positiv. Mit der Zeit wird er dann entweder besser oder er schlingelt sich so durch.
Jeder hat mal ein Fach, wo er es einfach nicht gebacken bekommt, da ist einfach die Hauptsache das man zumindest am Ball bleibt und nicht aufgibt.

Und wenn man in vielen Fächern schwächelt, dann ist das zwar nicht vorteilhaft und auch nicht toll, weil man mehr tun muß, aber die Welt geht davon nicht unter und man muß ein Kind deswegen nicht gleich bedrängen.
Einstein hat auch kein Abitur, aber so ein bissel was hat er trotzdem zustande bekommen :smile:

Vielleicht noch ein kleiner Hinweis zu deiner Nachhilfe! Mach dir nicht so einen Kopf um die Mami oder um deinen Schüler. Du hast nachgefragt was du tun könntest (hier) und willst daraus lernen. Das ist schonmal mehr als so mancher Lehrer tut!
Du kannst nichts daran ändern, daß der Junge jetzt einen anderen Unterricht hat oder das seine Mutter so ist wie sie ist und auch nicht das er vielleicht mit Englisch nicht klar kommt.
Du kannst nur versuchen ihm in deinem vorgegebenen Rahmen zu helfen, mit dem Wissen und können das dir zur Verfügung steht und vielleicht auch Ansprechpartner für Fragen und Probleme zu sein. Und ich denke das du mit diesem Post schon viel getan hast.

Also mach dir keinen Kopf, wenn es trotz aller Bemühungen nicht so gut läuft, er wird es auch so schaffen, wie wir alle. Solang er nicht die Schule schmeißt und sich ganz hängen läßt, ist das alles kein Weltuntergang.

Jetzt habe ich schon beim Schreiben feststellen müssen, daß meine eigene Grammatik und Rechtschreibung eine Katastrophe ist, aber das liegt wohl an der schlaflosen Nacht, die ich noch nachholen muß.
Aber du wirst das schon verstehen :smile:

Liebe Grüße
Novalee

Schon mal danke soweit…

Hanna

Jetzt habe ich schon beim Schreiben feststellen müssen, daß
meine eigene Grammatik und Rechtschreibung eine Katastrophe
ist, aber das liegt wohl an der schlaflosen Nacht, die ich
noch nachholen muß.

So ein bißchen merkt man’s :wink:

Deshalb besonders DANKE für deine lange Antwort. Es hat mir ein gutes Stück weitergeholfen. Dass man sich einfach mal so Zeit nimmt um jede Menge Tipps zu verteilen und Meinungen abzugeben ist nicht selbstverständlich.

Hanna

So ein bißchen merkt man’s :wink:

Deshalb besonders DANKE für deine lange Antwort. Es hat mir
ein gutes Stück weitergeholfen. Dass man sich einfach mal so
Zeit nimmt um jede Menge Tipps zu verteilen und Meinungen
abzugeben ist nicht selbstverständlich.

Doch wenn man das jeden Tag beruflich oder privat macht schon. Außerdem erweitert es den eigenen Horizont um ein vielfaches, auch wenn man nur Fragen beantwortet.
Von Daher gern geschehen. Ich hoffe es hilft.

Grüße
Novalee
Die sich jetzt wirklich aufs Ohr haut

Hanna

Motivation und Mammie
Hallo Hanna,

die auch für mich lehrreichen Tipps unten möchte ich noch ergänzen: nach meiner ERfahrung haben dieses Problem besonders oft männliche Schüler mit einer engagierten Mutter. Die Motivation spielt nämlich beim Lernen die entscheidendste Rolle überhaupt. Was man nicht wirklich lernen will, lernt man trotz aller Mühe nicht. Der Junge macht brav mit, was seine Mutter mit ihm übt. Er lernt aber nichts, weil er es nicht selbst will.

Ich selbst habe mich mit Latein, meiner lieben Mama, riesigen Karteikästen und eine unglaublich geduldigen Nachhilfelehrerin abgemüht. Es war furchtbar und ich habe das Latinum leztendlich nur mit Schummeln bestanden. Später, auf der Uni, w o l l t e ich Altgriechisch lernen. Siehe da, es ging plötzlich, das Graecum bestand ich zwar knapp, aber nach nur einem Jahr und ohne Schmu. Das Problem beschränkt sich also nicht auf Jungs.

Als Lehrerin habe ich Extremfälle vor allem mit Jungs erlebt. Sie lernten ausschließlich mit Mama und kamen dann in der Oberstufe in ziemliche Nöte. Es ist auch eine Gewohnheitssache, ob man es schafft, allein am Tisch zu sitzen und zu arbeiten. Am besten wäre es, wenn du ihn und seine Mutter langsam da hin führen könntest. Voraussetzung wäre, dass der Junge selbst wirklich Englisch lernen will und nicht nur irgendwelche Lernaufgaben abreißen.

Es würde helfen, wenn er sich in ein englisch sprechendes Mädchen verknallen würde. Oder wenn er ein Hobby hätte, wo es fast nur englische Fachbücher drüber gibt. Oder wenn er sich in englische Liedtexte reinsteigern könnte. Vielleicht hilft ein Englandaufenthalt, ohne Mama. Oder englische Comics oder so etwas.

Alles Gute,
Juliane

Hallo,

danke für deine Antwort.

Weg von Mammie und hin zum selbstständigen Lernen - das muss ganz klar das Ziel sein. Wenn du ihn kennen würdest, wüsstest du, was ich mir da zur Aufgabe gemacht habe… *seufz*

Um deine Vermutung zu bestätigen: ja, es hängt an Mammie. Und zwar alles… Als sie neulich anrief, habe ich ich versucht deutlich zu machen, warum es so wichtig ist, dass ihr Junge Vokabeln so lernt, dass er sie auch behält und ferner übt, freie Texte zu formulieren. Das habe ich meinem Nachhilfeschüler jetzt schon seit über einem Jahr zu erklären versucht (immer mit dem Ergebnis: wieso sollte ich das lernen? Außer dir fragt doch eh nie einer danach??). Und, oh Wunder, letzten Mittwoch hatte er es plötzlich begriffen. Vielleicht wäre es effektiver seiner Mammie Englisch beizubringen und sie die Stunde machen zu lassen!?

Aber es wird schon hinhauen. Letzten Mittwoch haben wir schon (meiner Ansicht nach äußerst erfolgreich - ich war nämlich nach 45 Minuten ausnahmsweise mal nicht frustiert und hatte außerdem noch den Eindruck, dass er was gelernt hat…) auf neue Art und Weise Vokabeln gelernt. Bin gespannt, was er nächsten Mittwoch davon noch weiß…

Hanna