So wieder da
Bin wieder da
Realschule ist richtig. Ich gehe nicht davon aus, dass er noch
zum Gymnasium wechseln wird. Allerdings sollte er trotzdem
sein Wissen anwenden können. Was nützen einem sechs Jahre
Schulenglisch wenn man nachher nicht mal in einem fremden Land
Brötchen kaufen kann?
Ja natürlich, da hast du vollkommen recht, ich wollte dir nur erläutern, von welchen Voraussetzungen ich bei ihm ausgegangen bin, weil du nicht die Schulform erwähnt hast. Je nachdem wie die Anforderungen sind, muß man ja die Übungen ansetzen. In einem Gymnasium wird natürlich mehr auf Übertragungsaufgaben gesetzt, als auf Vokabeln und Grammatik im einzelnen. Aber ich da ich von deinen Erzählungen schon von Realschule ausegangen bin, hab ich die Tipps auch dementsprechend gegeben.
Okay, das war wohl die falsche Formulierung. Es hätte heißen
müssen: ich habe ihn alles ausprobieren LASSEN.
Vokabeln lernen fällt „nicht in meinen Zuständigkeitsbereich“.
Als Nachhilfelehrerin bin ich natürlich nicht auf einen
Lehrplan angewiesen, sondern auf das, was der Schüler bzw.
dessen Eltern von mir erwarten. Und da ist die Absprache:
Unterrichtsinhalte wiederholen, Grammatiken üben, aber keine
Vokabeln lernen (frei nach dem Motto: dafür, dass ihr nur da
sitzt und du ihn Vokabeln abfragst, ist der Stundenlohn zu
teuer!). Ich habe also die oben erwähnten Methoden immer nur
einmal beispielhaft mit ihm durchgesprochen und ihm dann
aufgetragen, sie zu Hause anzuwenden. Ob er es denn auch
wirklich TUT kann ich natürlich nicht kontrollieren. Zu Hause
müssen sie sicherlich noch durch Mami’s strenge Kontrolle - es
würde mich also nicht weiter wundern, wenn sie kurzerhand
beschließt, dass diese Variante nicht sinnvoll ist und sie gar
nicht ausprobiert wird.
Ja gut das kann ich verstehen, das würde auch zu lange dauern, mit ihm alle Vokabeln, die er in einer Woche hatte, durchzugehen und zu pauken, da wäre die Stunde schnell vorbei. Daher hatte ich auch das Karteikasten system vorgeschlagen, das Programm kann man ja einfach auf eine Diskette packen. so kann er die Vokabeln zu Hause mit seiner Mutter und bei dir nochmal durchgehen.
Also wenn er z.B. sagt oder du bei dem Programm siehst, das es Vokabeln gibt, die bei ihm nach einer Woche trotz zusätzlichen lernens mit seiner Mutter, immernoch im ersten Kasten hat (in dem den man jeden Tag bearbeiten soll), dann kannst du dich nochmal mit ihm hinsetzen und ihm einen Text geben, wo diese Vokabeln vorkommen, oder ihn Texte schreiben lassen, wo du auf die Grammatikübung die ihr gerade bearbeitet achten kannst und dabei die schwierigen Vokabeln zum Zuge kommen.
Oder zur nächsten Stunde suchst du dir dann ein Thema, das ihn interessiert oder ein Lied/Film etc., wo die Vokabeln vorkommen.
Ich habe versucht, das von Anfang an immer wieder einfließen
zu lassen: Aufgabenstellungen auf Englisch formulieren, die
allgemeine Unterhaltung ins Englische verlegen, nach
Möglichkeit NUR Englisch sprechen. Funktioniert natürlich
nicht, weil er mich überhaupt nicht versteht und ich mit einer
Dreiviertelstunde pro Woche nicht viel reißen kann, wenn diese
Art von Kommunikation sonst nirgendwo gefordert wird.
Das ist natürlich schlecht! Eine dreiviertelstunde ist entschieden zu wenig. Wenn die neue Lehrerin, die ja offensichtlich höhere Anforderungen in Englisch hat,
bei ihm nur noch mehr Lücken aufreißt, dann kann es auch nicht bei einer Dreiviertelstunde bleiben. Das kann auch gar nicht gehen. Wenn er vorher schon Probleme hatte und das bei einer Lehrerin die offensichtlich nicht viel verlangt hat und du ihm da schon eine Dreiviertelstunde Nachhilfe geben mußtest, kannst du ihm in dieser zeit jetzt auch nicht mehr beibringen!
Ich würde das der Mutter mal beibringen, denn du kannst nicht die Schule ersetzen, sondern nur Schwachstellen die im Unterricht auftreten nachbessern.
Es ist klar das du da nichts mehr reißen kannst, wenn der Junge einfach Probleme in dem Fach hat und mit dem GANZEN Unterricht nicht klar kommt.
Klingt gut. Ich weiß zwar noch nicht, wie ich das seiner Mami
als sinnvoll verkaufe, aber ich werde es mal ausprobieren…
Du mußt Mami gar nichts verkaufen. Du kannst ihr sagen, entweder sie oder wir machen das so, oder probieren es zumindest, oder wir lassen es ganz. Es ist nicht deine Aufgabe sie zu einer Sache zu überreden oder ihr was aufzuschwatzen. Du bist da, damit der Junge besser in der Schule wird und versuchst dein Wissen weiterzugeben, auf die Art und Weise, WIE DER JUNGE am besten damit klar kommt. Um festzustellen wie er am besten mit Englisch klar kommt, muß man eben verschiedene Dinge ausprobieren. Im Gegensatz zur Lehrerin kannst du da flexibler sein und das solltest du nutzen. Aber wie schon gesagt, eine Dreiviertelstunde reicht da nicht. Ich denke das man schon zumindest 2x45 Min. haben sollte. Am besten an zwei verschiedenen Tagen (soweit möglich).
Das soll ihn ja nicht viel Freizeit kosten.
Wenn der Mutter das nicht paßt, dann muß sie auch damit klar kommen, daß ihr Sohn nicht besser wird. Du bist da um ihn zu helfen, in der Zeit die dir zur Verfügung steht und wenn sie deine Ratschläge nicht annimmt und ausprobiert, dann kannst du auch nichts verbessern.
Die Null-Bock-Haltung ist ja leider auch nicht im allgemeinen
so. Damit könnte ich umgehen - ist ja im achten Schuljahr
nahezu normal. Wenn es allerdings darum geht, eine neue
Grammatik zu verstehen (wenn sie in der Schule erklärt wird,
rafft er sie in aller Regel nicht, weil er nicht die Traute
hat, die Rückfragen zu stellen, die er hat… wenn ich mit ihm
alles in Ruhe noch einmal durchgehe, ein paar Übungen dazu
mache, etc. ist das überhaupt kein Problem mehr, weil er hier
keine Hemmungen hat die Fragen zu stellen, die er hat), legt
er einen erstaunlichen Ehrgeiz an den Tag. Das lässt sich
sicherlich auch durch die Arbeitsmethoden der früheren
Lehrerin erklären: wie du schon richtig vermutet hattest,
bestanden Klassenarbeiten im wesentlichen aus Lückentexten, so
dass man (wenn man die aktuelle Grammatik denn gelernt und
verstanden hatte) ohne jegliches Vokabelwissen locker eine
zwei schreiben konnte. Dementsprechend war es schon immer
schwierig, ihn überhaupt dazu zu motivieren, frei zu
schreiben: bis zu den Sommerferien war es „nicht nötig“ (es
hat ja außer mir nie einer von ihm verlangt), jetzt ist es
„unmöglich“ (weil die neue Lehrerin Texte erwartet, die er
schlicht und ergreifend nicht bewältigen kann = FRUST). Er
macht da ganz einfach dicht.
Beispiel: letzte Woche war die Wiederholung des simple past
dran. Er kam also mit seinem Englischbuch (das die
Wiederholung gar nicht vorsieht - also keine Materialien zu
dem Thema enthält), dem Workbook (das genauso viel
weitergeholfen hat) und drei Grammatikheften (die seine Mama
gekauft hatte). Ich habe den Schreibtisch bis auf Papier und
Stift leergeräumt und ihn gebeten, einen Satz aufzuschreiben,
in dem das simple past vorkommt. Ergebnis: „Das kann ich
nicht!“ (Etwas wie „The children played in the garden“ oder
„Peter did his homework“ hätte für den Anfang ja vollkommen
gereicht!! Auch ein „falscher“ Satz [„Peter does his
homework“] hätte uns weitergeholfen). Wir haben also gemeinsam
einen Beispielsatz entwickelt, anhand dessen konnte er mir
dann problemlos die gesamte Grammatik erläutern und weitere
Beispielsätze formulieren. Ist es da schon ein Fehler, ihm den
Beispielsatz (mehr oder weniger) vorzugeben? Wie könnte ich
auf anderem Weg erreichen, dass ein Beispielsatz auf’s Papier
kommt, an dem dann die Grammatik geübt werden kann?
Ein Beispielsatz vorgeben ist keine günstige Lösung. Aus dem einfachen Grund, daß er dann das Prinzip kapiert und danach weiter Sätze bildet. Wenn du ihn aber dann nach einigen Wochen wieder nach z.B. Simple Past fragst, wird er es wieder nicht wissen, sondern erst, wenn du ihm wieder einen Satz vorgibst.
Das Problem mit der fehlenden Phantasie läßt sich lösen. Hier rate ich dir zu der Puzzle Methode. Also z.B. Car|Rudolf|Drive
Er muß das dann in die richtige Reihenfolge setzen und in die gewünschte Form bringen.
Was die Zeiten und Formen anbelangt, so ist mir gerade noch etwas gutes eingefallen. Und zwar erinnere ich mich noch daran, daß meine alte Englischlehrerin an meiner Klasse fast verzweifelt wäre, weil es viele Probleme mit den verschiedenen Zeitformen gab. Wir haben dann über die Jahre ein Heft angelegt, wo nur die Zeiten aufgelistet sind.
Da steht dann z.B.
Zeitform
Zeitform wird gebildet durch …(Verb+ed etc.)
Beispielsatz
usw.
Das Heft habe ich damals mit 13 Jahren angelegt und ich habe es heute noch! Immer wenn ich irgendwas mit Englisch Unterricht zu tun hatte und mir spontan nicht einfiel was das nochmal für eine Form war, habe ich dieses Heft gezückt. Ich könnte meine alte Lehrerin für Idee heute noch knutschen. Und ich war damals ein 1er Kandidat, aber jeder vergißt die Formen mal und ist froh wenn er was zum nachkucken hat.
Ich würde auch nicht unbedingt sagen, daß er sich nicht traut zu fragen. Häufig ist es ja so, daß Schüler gerade heute, Angst haben sich zu blamieren, oder schlimmer sogar als Streber dazustehen. Wenn jeder in der Klasse fragen würde, dann wäre das wohl weniger das Thema, aber wenn das natürlich keiner tut, wird er sich wohl auch eher zurückhalten.
Es ist auch bei so ziemlich jedem so, daß man besser ist, wenn man sich nur auf sich selbst und einem Lehrer konzentrieren muß. Gerade bei Sprachen braucht man um vor anderen zu sprechen, viel Selbstbewußtsein und vorallem Übung. Und das ist gerade bei Menschen die schwierigkeiten in einem Fach haben, das Problem.
Da kannst du von deiner Position aus kaum etwas machen, da muß die Lehrerin mal etwas aktiver werden. Aber das ist ja immer das Thema, warum in der Schule zu wenig auf einzelne Schüler eingegangen wird …
Einmal andersrum gefragt: was hältst du davon, dass Mami
diejenige ist die kontrolliert, entscheidet, dirigiert? Im
achten Schuljahr sollte man - meiner Ansicht nach - so langsam
in der Lage sein, seine Hausaufgaben alleine zu bewältigen.
So, wie er jetzt gerade behandelt wird, wird er das aber nie
lernen.
Davon halte ich gar nichts. Ich denke auch, daß sie es etwas zu sehr übertreibt. Wenn ich höre, sie haben nur Grammatikhefte im Haus und sie bestimmt alles. Das hört sich für mich so an, als wenn sie so eine Mutter wäre, die etwas frustriert ist, weil sie im Leben selbst zu wenig erreicht hat und ihr Sohn das nun nachholen soll. Frei nach dem Motto „du sollst es besser haben als wir“ oder „blamier uns ja nicht“.
Ich habe auch nicht das Gefühl, als wenn er einer von den hoffnungslosen Fällen wäre, sondern das einfach zu viel aufhebens darum gemacht wird. Das ist für ein Kind meist eine zusätzliche Belastung.
Es ist natürlich wichtig, daß man gerade bei Sprachen am Ball bleibt, weil die nicht so wie bei Mathe sind, wo man sagen kann, entweder hat man das Prinzip verstanden oder nicht. Bei Sprachen kommt es nicht auf ein Prinzip an, sondern nur auf Übung, Erfahrung und Routine. Und natürlich auf ein gewisses Vokabelgrundgerüst.
Wenn Mama meint, daß es nur darauf ankommt, Grammatik zu üben und alle deine Vorschläge ansonsten in den Wind schlägt, solltest du dich oder besser sie fragen, was sie dann noch von dir erwartet, wenn sie auf deine Vorschläge nicht eingeht und du nur 45 Min. die Woche Zeit hast.
Bei den ganzen Überlegungen sollte man vielleicht auch mal auf die Idee kommen, den Jungen zu fragen, wie man es ihm einfacher machen kann, daß er mehr spaß an dem Fach hat und wie er selbst am einfachsten lernt.
Daher würde ich dir einfach vorschlägen: Probier ein paar Tipps aus, frag den Jungen womit er gut klar kommt und was ihm auch etwas mehr gefällt, sag der Mutter was sie besser machen kann und laß dir da nix sagen von wegen „das sehe ich anders“. Wenn sie das anders sieht, braucht sie keine Nachhilfelehrerin einzustellen und kann sich das Geld sparen oder sie soll zu der Schule gehen und mit den Lehrern sprechen, wenn sie die für kompetenter als dich hält. Sie soll zumindest mal deine Vorschläge ausprobieren.
Und wenn es keine großen Verbesserungen gibt, nicht den Druck zu stark erhöhen. Mit der Zeit ändert sich das Lernverhalten und die Interessen jedes Menschen.
Wenn er nicht schlechter durch deine Bemühungen wird, ist das schonmal positiv. Mit der Zeit wird er dann entweder besser oder er schlingelt sich so durch.
Jeder hat mal ein Fach, wo er es einfach nicht gebacken bekommt, da ist einfach die Hauptsache das man zumindest am Ball bleibt und nicht aufgibt.
Und wenn man in vielen Fächern schwächelt, dann ist das zwar nicht vorteilhaft und auch nicht toll, weil man mehr tun muß, aber die Welt geht davon nicht unter und man muß ein Kind deswegen nicht gleich bedrängen.
Einstein hat auch kein Abitur, aber so ein bissel was hat er trotzdem zustande bekommen 
Vielleicht noch ein kleiner Hinweis zu deiner Nachhilfe! Mach dir nicht so einen Kopf um die Mami oder um deinen Schüler. Du hast nachgefragt was du tun könntest (hier) und willst daraus lernen. Das ist schonmal mehr als so mancher Lehrer tut!
Du kannst nichts daran ändern, daß der Junge jetzt einen anderen Unterricht hat oder das seine Mutter so ist wie sie ist und auch nicht das er vielleicht mit Englisch nicht klar kommt.
Du kannst nur versuchen ihm in deinem vorgegebenen Rahmen zu helfen, mit dem Wissen und können das dir zur Verfügung steht und vielleicht auch Ansprechpartner für Fragen und Probleme zu sein. Und ich denke das du mit diesem Post schon viel getan hast.
Also mach dir keinen Kopf, wenn es trotz aller Bemühungen nicht so gut läuft, er wird es auch so schaffen, wie wir alle. Solang er nicht die Schule schmeißt und sich ganz hängen läßt, ist das alles kein Weltuntergang.
Jetzt habe ich schon beim Schreiben feststellen müssen, daß meine eigene Grammatik und Rechtschreibung eine Katastrophe ist, aber das liegt wohl an der schlaflosen Nacht, die ich noch nachholen muß.
Aber du wirst das schon verstehen 
Liebe Grüße
Novalee
Schon mal danke soweit…
Hanna