Hallo Forum,
warum merkt man die Schmerzen nicht bei einer ambulatenten Behandlung in Vollnarkose. Man fällt doch in eine Tiefschlaft, aber warum sollen die Nerven den Schmerz nicht mehr weiterleiten? Werden die auch in eine „Tiefschlaf“ versetzt? Eigentlich nicht oder?
Danke
Michi.
Ergänzung: Wirkmechanismus Schmerzmittel
Die am häufigsten eingesetzten Schmerzmittel sind Opioide, die an körpereigenen Rezeptoren (so’ne Art Steckdose) wirken. Dockt ein Opioid-Molekül dort an, wird die Schmerzweiterleitung unterbunden oder herabgesetzt. Opioid-Rezeptoren gibt es viele im zentralen Nervensystem, aber auch in peripheren Geweben kommen Sie vor.
Gruß, Dennis
Danke Dennis das war interessant.
Mir geht es nämlich darum: wie kann ich sicher sein, dass ich bei der OP nichts mitbekomme. Wenn ich im „Tiefschlaf“ bin und die Schmerzmittel nicht oder nur schwach wirken da kann ich doch nicht um Hilfe schreien. Ist denn sicher, dass die Schmerzmittel auch ihren Dienst tun?
hey michi,
sollten die schmerzmittel nicht wirken, weil falsch dosiert, o.ä., wird dein körper auch im „tiefschlaf“ reagieren. nämlich mit eindeutigen anzeichen wie zu schnellem herzschlag und blutdruck"problemen".
da du während einer narkose komplett verkabelt bist ( blutdruck, EKG; O2-messung), wird der anästhesist schnell merken, wenn da was nicht stimmt und die dosierung der medikamente anpassen.
gruß,
ramona
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Awareness
Hallo Michi,
leider Gottes ist das wirklich ein Thema in der Anästhesie, man redet von intraoperativen Wachheitszuständen oder „Awareness“. Allerdings ist es genau andersherum als wie Du meinst: Die Wirkung der Hypnotika ist nicht ausreichend. Viele Awareness-Episoden ereignen sich bei Operationen, bei denen der Einsatz hoher Dosen von Hypnotika wegen der damit verbundenen Nebenwirkungen nicht möglich ist (Pat. mit Kreislaufproblemen, Herz-OPs usw.), man kann also keine Sicherheitsmarge für die Dosierung verwenden sondern muss sehr nahe an die Minimaldosis. Die Schmerzmittel (Opioide) sind in dieser Hinsicht weniger kritisch, und deswegen wird man damit eher großzügig umgehen. Ergo findet man eher den Fall, dass Patienten sich zwar an Wahrnehmungen während der OP erinnern, aber dennoch keine starken Schmerzen litten. Ausnahmen stehen in der BILD-Zeitung. Die Angaben zur Häufigkeit schwanken zwischen 0,02% und 2% aller Narkosen.
Folgende Faktoren erhöhen das Risiko für einen Awareness-Zustand:
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Muskelrelaxierung unbedingt notwendig für den Eingriff (Bauch-OPs, Neurochirugie etc.) -> Damit verliert der Anästhesist einen wichtigen Marker für die Narkosetiefe. Lange bevor ein Patient zu Bewusstsein kommt kann man nämlich manchmal schon ungezielte Abwehrbewegungen bei Schmerzreizen beobachten. Narkosevertiefung verhindert dann ein Aufwachen.
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Einsatz von ausreichend hoch dosierten volatilen (dampfförmigen) Anästhetika unmöglich. -> Aus Erfahrung weiss man, dass bei Narkosen mit Narkosedämpfen Awareness seltener auftritt.
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Verzicht auf Benzodiazepine. -> Diese Substanzen sollten heutzutage jede Narkose „begleiten“, denn sie erzeugen zumindest einen Gedächtnisverlust für die Zeit ihrer Wirkung. Ausserdem beruhigen sie und nehmen die Angst. Du weisst schon: „Leck mich am Arsch-Tablette“. Natürlich gibt es Situationen, bei denen diese Medikamente nicht inidziert sind, z.B. spezifische Allergien.
Fazit: Die Wahrscheinlichkeit, einen intraoperativen Wachheitszustand zu erleiden, ist sehr niedrig. Ein Anästhesist, der des Risikos gewahr ist, kann in den meisten Fällen entsprechende Vorsorge treffen. Bespreche Deine Ängste im Prämedikationsgespräch mit dem Arzt, falls es um einen konkret geplanten Eingriff geht.
Gruß, Dennis
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