Vollrente erst ab 67

Hi!

Das Patentrezept lautet schlicht: mehr Arbeitsplätze.

das Patentrezept lautet anlagefinanzierte Rente.

Hatten wir das nicht schon mal in Deutschland?
Und ist das nicht schon zwei Mal schief gegangen (1923 und 1945)?

Genau das war doch der Grund, warum es bei der Rente zum Generationenvertrag gekommen ist.

Grüße
Heinrich

Hi!

Unbegreiflich ist mir, daß man das System der Renten an diesen
herrlich vielen Arbeitsplätzen noch immer orientiert.

Bei deinem Gedankengang mit den vielen Handarbeitern auf dem Lande und den Kabelverlegern in Indonesien gibt es einen kleinen Fehler:

Vollbeschäftigung zu fordern bedeutet nicht, zum Maschinenstürmer zu werden und automatisierte Arbeitsabläufe wieder von Hand erledigen zu lassen.

Die Frage ist, neue Arbeitsplätze zu schaffen, entweder in bestehenden Berufen oder in neuen Berufen.

Ich habe vor einigen Tagen auf dem Dachboden ein Protestblatt gefunden, das die Gewerkschaften Anfang der 80er verteilt haben. Da ging es um Arbeitsplatzvernichtung durch den Einzug der Computer in den Büros. Und? Wie viele Menschen stehen heute durch die DV-Industrie in Lohn und Brot - angefangen von der Forschung, der Chip- und Rechner-Produktion, dem Handel, der Programmierung usw.?

Grüße
Heinrich

Hallo Christian,

auch weiterhin gehst Du anscheinend davon aus, daß Menschen,
die nicht körperlich arbeiten, in der Lage sind, ihren Beruf
unbegrenzt auszuüben. Es gibt auch geistigen Verschleiß.

Wo habe ich jemals geschrieben „Unbegrenzt“?
Ausserdem kann körperliche Arbeit (z.B. Bürobote - er bewegt sich) durchaus positiv im Sinne von „Fitbleiben“ sein - HARTE körperliche Arbeit - schwere Gegenstände/ auch Menschen heben/ bewegen unter ungünstigen ergonomischen Bedingungen (z.B. Umzugshelfer/ Krankenschwester) aber nicht.

Meiner Meinung nach, gibt es keinen natürlichen „geistigen Verschleiß“, bei gesunden Menschen bis 67 Jahre, wenn die Gehirnzellen nicht trainiert werden, verkümmern sie.

Du meinst also sicherlich die „Stresssituation“, der Du in Deinem Beruf ausgesetzt bist und da gebe ich Dir recht, Das wirst Du wohl nicht ohne Weiteres bis zum 67 Lebensjahr, ohne körperliche Beeinträchtigung, so ausüben können (Herzinfarkt, Schlaganfall).

Aber, wenn Du Dein Stresspensum (die Mehrbelastung), reduzieren könntest, denke ich, dass Du Deinen Beruf ohne weiteres bis zum Alter von 67 Jahren, würdest ausüben können.

Kannst Du Dir vorstellen, dass zu Dir ein 65jähriger Umzugshelfer, mit 2 Bandscheibenvorfällen kommt und Dir Dein Klavier in den 3.Stock trägt?

Würdest Du Dich sicher fühlen, wenn eine 65jährige Krankenschwester, versucht Dich zu stützen, wenn Du, nach einem Schlaganfall geschwächt, versuchst die 2 Treppen von Deinem Schlafzimmer hinunter ins Erdgeschoss zu gelangen, wenn sie Dir erklärt, dass sie Dich aber nicht mehr festhalten könnte, solltest Du straucheln, da sie schon 2 Bandscheibenvorfälle erlitten hat und körperlich nicht mehr dazu in der Lage wäre?

Gruß,
Christian

Gruß
karin

anlagefinanziertes Rentensystem
Hallöchen,

Hatten wir das nicht schon mal in Deutschland?
Und ist das nicht schon zwei Mal schief gegangen (1923 und
1945)?

hm, Weltwirschaftskrise und Zweiter Weltkrieg. Ich bin mir nicht sicher, ob man das als Maßstab anlegen sollte.

Genau das war doch der Grund, warum es bei der Rente zum
Generationenvertrag gekommen ist.

M.W. war es so, daß die anlagefinanzierte Rente geplant war, aber man die damaligen Rentner aus der Staatskasse nicht hätte versorgen können und sie auch nicht verhungern lassen wollte. Später wäre eine Umstellung immer teurer geworden, deswegen hat man es gleich ganz gelassen, wobei man sich das Ende der 60er Jahre hätte schon leisten können. Ein sukzessiver Übergang wäre früher mit viel weniger Schmerzen möglich gewesen, als es heute oder gar in Zukunft der Fall ist bzw. sein wird.

Zur anlagefinanzierten Rente gibt es bei der zu erwartenden demographischen Entwicklung in Deutschland keine Alternative. Es gibt eben nur die o.g. Stellschrauben:
Entweder arbeiten die kommenden Generationen bis 75 oder die Beiträge steigen auf 50% oder die Renten sinken auf Taschengeldniveau. Es gibt keine Kluft zwischen arm und reich, sondern es wird eine Kluft zwischen Privatvorsorgern und AufdasRentensystemvertrauern geben und es wird eine sehr tiefe Kluft sein.

Da ich nicht daran glaube, daß die Denkweise unserer Politiker in absehbarer Zeit eine langfristige wird, bin ich inzwischen heilfroh, sehr frühzeitig die Weichen für eine vom staatlichen System weitgehend unabhängige Altersvorsorge gestellt zu haben.

Gruß,
Christian

Bin ich jetzt ein Maschinenstürmer? o.T.
ttt

Warum finden denn Berufe, die mit schwerer körperlicher Arbeit
verbunden sind, immer weniger Bewerber?
Warum wollen viele Jugendliche heutzutage lieber einen
Büroberuf ergreifen und nicht z.B. Krankenschwester/-pfleger,
Altenpfleger/in werden?

Das dürfte in dem Fall weniger mit Scheu vor körperlicher Arbeit, sondern eher mit der schlechten Bezahlung und den sehr unpopulären Arbeitszeiten (Schichtdienst, Wochenenddienst) in diesen Berufen zusammenhängen.

Aus demselben Grund bleiben auch viele Ausbildungsstellen beispielsweise im Hotelgewerbe unbesetzt, und das ist wirklich nicht körperlich anstrengend.

ben

Hey Wolfgang,

Die Bevölkerungsentwicklung mit durchschnittlich 1,4 Kindern
pro Frau hat zur Folge, daß die Einwohnerzahl abnimmt,

was jetzt mal ne interessante Frage an unsere Mathematiker wäre, wann wir wieder Vollbeschäftigung hätte. Ist mir grade zu anstrengend und ich habe auch keine exakten Daten vorliegen.

prozentuale Anteil älterer Menschen steigt und die Zahl der
Erwerbstätigen wird kleiner Für genauere Betrachtungen müßte

Das stimmt alles, unbestritten. Was aber ohne Arbeitsplätze sich auch nicht ändern wird. Dann wären die Mehr-Kinder doch nur neue Sozialhilfefälle, Arbeitslos etc. pp.

Bevölkerungsentwicklung einen Arbeitskräftemangel mit sich
bringen wird. Wir werden es uns recht bald nicht mehr leisten
können, 60-jährige in Rente zu schicken, weil sie am
Arbeitsmarkt fehlen.

Was aber auch ohne Seiten der Unternehmer nicht lösbar sein wird. Wenn viele nicht mehr ausbilden wollen, dann ist es doch nebensächlich, wieviele Jugendliche eine Lehrstelle suchen. Fakt ist doch, dass man am besten mit Vitamin-B an eine Lehrstelle kommt. Heute stehen die Kiddies auf der Straße und übermorgen lamentieren viele, dass es halt kein Fachpersonal gibt…
Aber wohersolls denn kommen?

sich der ältere Beschäftigte auf dem Laufenden gehalten hat.
Von daher ist es heute oft eine Dummheit, die erfahrenen Leute
zu früh in den Ruhestand gehen zu lassen und in nicht so

und es wird doch so gehandelt. Ich verstehe es nicht, und finde es auch nicht gut. Auch wenn ein „Alter“ relativ teuer ist, so ist er vielleicht billiger, in dem er durch seine Erfahrung was bringt. Aber diese "Lebens- und Wissens- Erfahrung lässt sich halt nicht messen. Ich denke, je größer ein Betrieb ist, desto schwieriger ist es auch. Weil Vorstand x gar nicht weiss und abschätzen kann was y drauf hat. Ein kleinerer Betrieb… da weiss der Boss schon noch, was jeder kann, weil schließlich auch jeden noch (oft) persönlich kennt.

ferner Zukunft wird diese Vorgehensweise überhaupt nicht mehr
funktionieren. Es fehlen dann junge Leute. Es gehört nicht
viel Phantasie dazu, daß irgendwann die Altersgrenze

Trotzdem fehlt mir der Zusammenhang… Längere Lebensarbeitszeit bedeutet, dass junge arbeitslos bleiben. Das bringt doch den sozialen Kassen nix.

Ich finde halt, der Staat müsste sich selber mal als Unternehmen begreifen. Man muss überlegen, ob es wirklich unterm Strich ne Ersparnis bringt. Und nicht nur den einzelnen Pott sehen. Vielleicht sollten die einfach ne gesamte Buchhaltung mit Kostenstellungrechnung im kaufmännischem Sinne machen. Es gibt natürlich beim Staat Kostenstellen, die man nicht aus unrentabilität auflösen kann z.B. Sozialhilfe, aber der Gedanke, dass von links nach rechts geschiebe zwar die einzelne Kostenstelle ent- bzw. belastet, aber noch lange nix am Gesamtergebnis ändert… ich fände das überdenkenswert

einen Menschen dem körperlichen und geistigen Verfall anheim
zu geben, ist nämlich die, ihn in den Ruhestand zu versetzen.

Das glaube ich nicht. Ich denke, das liegt in jedem einzelnem. Aber wenn… dann wäre es doch die Lösung… wir schicken alle mit spätestens… aber absolut, sagen wir mal 58 in Rente/Pension und die hälfte davon verstirbt uns nach spätestens 2 Jahren an Langeweile/Unterforderung. Wenn das so wäre, warum tun wir es dann nicht einfach, sondern lassen das faule Pack bis 67 arbeiten, damit sie dann noch heftig lange leben *fg. Außerdem sollte das gleiche für Politiker gelten, ich wäre dankbar dafür. Also… nicht fürs sterben… sondern für politisch abtreten als relativ junger (zumindest, was Politker betrifft)

Wer heute etwas für das Rentensystem tun will, muß bei den
Kleinkindern anfangen, die noch Windeln tragen. Sie müssen in
ordentlichem familiären Umfeld aufwachsen und die denkbar
beste Ausbildung erhalten. Hauptschulabschluß für ausnahmslos
alle, Abitur nach 12 Jahren, keine Zeit für Kriegsspiele
vergeuden, qualifizierte Berufsausbildung oder Studium mit
Trimestern und Leistungsdruck, daß es raucht. Spätestens mit
Mitte 20 muß das erledigt sein. Dann ist Zeit für 40 bis 50
Jahre Arbeitsleben.

Das bieten wir der Jugend aber nicht, und von daher müssen sich mal die Erwachsenen (allen voran Unternehmer) an der Nase zuppeln. Was wir bieten ist Perspektivlosigkeit, die irgendwann auch angenommen wird. Es gibt mit sicherheit viele, die auch nix machen wollen. Aber gemessen an der Masse, kann das nur ein Bruchteil sein. Ohne Zukunftsperspektiven ist es halt schwer. Ich denke, wir sind nicht mehr weit von amerikanischen Verhältnissen.

Ein Zukunftskonzept, das der Jugend auch Perspektiven bietet, ist ja nicht verkehrt. Es ist aber nicht so… und ich fürchte, dass wir auf der Spirale nach unten bleiben. Ich kann´s nicht ändern

Herzlichst

Sarah

Hey Heinrich,

Das Patentrezept lautet schlicht: mehr Arbeitsplätze.

das Patentrezept lautet anlagefinanzierte Rente.

Hatten wir das nicht schon mal in Deutschland?
Und ist das nicht schon zwei Mal schief gegangen (1923 und
1945)?

Genau das war doch der Grund, warum es bei der Rente zum
Generationenvertrag gekommen ist.

Um das System am Laufen halten zu können, sind mehr Arbeitsplätze unabdinglich. Die vielen Arbeitslosen fegen (ob der fehlenden Beiträge) die Kassen leer und ziehen nur Geld. Das ist betriebswirtschaftlich nicht sonderlich rentabel. Darüberhinaus konsumieren sie weniger, das ist auch für die Wirtschaft nicht gut.
Auch die Wirtschaft… und ich meine jetzt mal die großen (nicht den Bäcker um die Ecke) müssten sich dessen mal bewusst werden, dass sie sich langfristig selber das Wasser abgraben. Jeder will doch Umsatz. Wer soll den Umsatz machen, wenn keiner Geld hat? Das klingt jetzt nicht sonderlich intelligent, aber wer meinen Faden weiterspinnen kannt, weiss, was ich meine.

Der Generationenvertrag… ja, der knebelt mich, ich gehöre nicht zu den Großverdienern, die Gottlob aussteigen können. Aber ich habe zwei Augen und einen Lohnzettel, wenn ich mal draufspitz und die Abgabe für RV mulitipliziere, mir vorstelle, ich versichere mich privat… ich bekäme im alter ne goldne Nase, soviel drück ich als Kleinverdiener ab.

Nur mal so…

Herzlichst

Sarah

buchempfehlungen:
hi,

buchempfehlung für die nachtschicht zwischendurch:

oswald metzger - einspruch
meinhard miegel - die deformierte gesellschaft

als kleiner einstieg in die illusionen des deutschen schlaraffenlandes. wenn du glück hast und die regierungen der nächsten jahre nichts tun, wirst du mit 65 jahren:

  • 22% rentenbeitrag zahlen
  • 25% krankenkasse zahlen
  • 3% pflegeversicherung zahlen
  • 8% arbeitslosenversicherung zahlen (hier ist man sich aber nicht so sicher)
  • nur knappe 55% vom letzten netto als rente beziehen
  • und zu guter letzt vielleicht noch 3-4 jahre schaffen müssen, weil deine private vorsorge doch nicht die lücke zwischen soll und ist einnahmen als rentner reichen.

mfg dennoch

vom showbee

auch hi,

buchempfehlung für die nachtschicht zwischendurch:

Ich arbeite nicht in der Nacht, allerdings hätte ich früher, als ich auf einer chirurgischen Station, nachts für 40 Menschen dazusein hatte, plus administrative Aufgaben erfüllen musste, plus Vorbereitungen für den Tagdienst treffen musste, niemals die Zeit dazu gehabt, Bücher zu lesen - hier scheinst Du Illusionen zu haben.

oswald metzger - einspruch
meinhard miegel - die deformierte gesellschaft

Ist mir zu teuer, das Geld dafür spare ich mir lieber, um mir im Alter eine private Pflegehilfe finanzieren zu können, da es zu dem Zeitpunkt, in dem ich pflegebedürftig werde, kaum noch Pflegekräfte geben wird.

als kleiner einstieg in die illusionen des deutschen
schlaraffenlandes.

Schlaraffenland?
Ich habe immer hart arbeiten müssen, um mir meinen Lebensunterhalt zu verdienen - Du auch?

wenn du glück hast und die regierungen der
nächsten jahre nichts tun, wirst du mit 65 jahren:

  • 22% rentenbeitrag zahlen
  • 25% krankenkasse zahlen
  • 3% pflegeversicherung zahlen
  • 8% arbeitslosenversicherung zahlen (hier ist man sich aber
    nicht so sicher)
  • nur knappe 55% vom letzten netto als rente beziehen
  • und zu guter letzt vielleicht noch 3-4 jahre schaffen
    müssen, weil deine private vorsorge doch nicht die lücke
    zwischen soll und ist einnahmen als rentner reichen.

Schön - und was sollte die Regierung Deiner Meinung nach tun, ausser das Rentenalter auf 67 Jahre hochzusetzen?

mfg dennoch

vom showbee

Gruß
karin

Hallo Heinrich

Ich habe vor einigen Tagen auf dem Dachboden ein Protestblatt
gefunden, das die Gewerkschaften Anfang der 80er verteilt
haben. Da ging es um Arbeitsplatzvernichtung durch den Einzug
der Computer in den Büros. Und? Wie viele Menschen stehen
heute durch die DV-Industrie in Lohn und Brot - angefangen von
der Forschung, der Chip- und Rechner-Produktion, dem Handel,
der Programmierung usw.?

Nicht halb so viele, wie durch die Computer überflüssig geworden sind.
Aber das ist ja nichts schlechtes!
Es ist auch nicht schlecht, statt 100 Leute einen Bagger graben zu lassen. Es ist nur nicht in Ordnung, daß der eine Baggerfahrer genau so viel Lohn bekommt, als würde er mit der Schaufel graben und die anderen 99 bekommen gar nichts. Es wurde doch der gleiche Wert geschaffen.

Zurück in’s Büro.
Hier haben früher 20 Leute Karteien manuell verwaltet. Heute macht das mein Computer. Den Vorteil hat der AG. Und deshalb soll ich nun arbeiten, bis ich 67 bin, weil die anderen 20 Stellen weg gefallen sind?
Dann stellen wir doch in die Produktion auch noch Roboter, dann wird niemand mehr gebraucht. Die Produktion können wir dann aber einstellen, weil ja niemand mehr Geld verdient und deshalb auch nichts verkauft wird. An wen denn auch. … Also irgend etwas ist da falsch.
cu Rainer