aus einem Artikel in einem anderen Brett schließe ich, daß die Reality-Serie „Survivor“ im deutschen Fernsehen unter dem Titel „Jungle camp“ läuft (stimmt oder? ist das gleiche?) Da ergab sich diese Frage: Wer kennt mehr Beispiele für die seltsame Mode, englische Titel bei der Eindeutschung ausgerechnet ins … Englische! … zu übersetzen. Ist doch komisch oder? Warum nicht „survivor“ einfach lassen oder „Überlebenskünstler“ nehmen?!! Wer denkt sich sowas aus? Oder hat es patenrechtliche Gründe?
Hallo Data,
im Prinzip stimme ich dir zu - es ist ein Unart.
Allerdings uebst du Kritik IMO am falschen Objekt.
„Jungle Camp“ ist nicht der Titel der Sendung, sondern
der Schauplatz (richtig: Dschungel— ehhh, was?Zeltplatz,
waere deutscher gewesen). Die Sendung heisst: „Ich bin
ein Star, holt mich hier raus!“
Aber wenn es denn „Survivor“ gewesen waere, dann
waere das als Titel fuer eine deutsche Sendung nicht
akzeptabel gewesen. „Jungle Camp“ und einiges andere
ist nicht deutsch, aber es ist fuer die Zielgruppe der
Zuschauer verstaendlich. „Survivor“ allerdings nicht.
Ich denke da zum Beispiel an meine Schwester, die mit
Survivor gar nichts anfangen koennte.
Und „Ueberlebenskuenstler“ - das trifft es nun aber
ueberhaupt nicht. Ein Ueberlebenskuenstler ‚ueberlebt‘
im uebertragenen Sinn allenfalls im Grossstadtdschungel,
aber nicht im in der Wildnis (nicht mal in der Pseudo-
wildnis solcher Sendungen). Man muesste sich dann
schon was ganz anderes einfallen lassen.
Ein Ueberlebenskuenstler ‚ueberlebt‘
im uebertragenen Sinn allenfalls im Grossstadtdschungel,
aber nicht im in der Wildnis
stimmt auch… überlebenskünstler ist einer, der sich „von der hand in den mund“ durchschlägt. dann gibt es für survivor - einer, der üblicherweise eine katastrophe (schiffbruch-insel!) überlebt hat bzw. dazu fähig ist - kein richtiges wort?
stimmt auch… überlebenskünstler ist einer, der sich „von
der hand in den mund“ durchschlägt. dann gibt es für survivor
einer, der üblicherweise eine katastrophe
(schiffbruch-insel!) überlebt hat bzw. dazu fähig ist - kein
richtiges wort?
Jedenfalls keines das ‚catchy‘ genug fuer einen Titel waere.
Survivor hat im deutschen zwei moegliche Bedeutungen,
Hinterbliebener (das ist es wohl nicht - obwohl da eine
Komponente im Vordergrund steht, die im englischen auch
mitschwingt;
Ueberlebender - und das ist es wohl hier auch nicht.
Aber ich gucke nicht oft genug deutsches TV, ich bin sicher,
dass „Survivor“ dort kam. Als was?
(Anmerkung: wenn ich im vorigen Posting sagte, dass ‚survivor‘
vom Zielpublikum nicht verstanden wuerde, dann bezog ich mich
speziell auf die ‚ichbineinstar…‘-Zuschauer, diejenigen, die
eine eventuell synchronisierte (*brechreiz unterdrueck*) Version
von ‚Survivor‘ schauen wuerden, koennten den Titel unter Umstaenden
1:1 akzeptieren (siehe Bachelor).
schon irgendwie auch - es soll ja die (fiktive) situation eines schiffbruches gezeigt werden.
Ueberlebender - und das ist es wohl hier auch nicht.
stimmt AUCH - da schiffbruchssituation. aber es fehlt dieses element zb. „cockroaches are real survivors: die sind derart zähe und stark, die halten alles aus!“ das fehlt da. deshalb dachte ich an überlebenskünstler… argh.
diejenigen, die
eine eventuell synchronisierte (*brechreiz unterdrueck*)
Version
von ‚Survivor‘ schauen wuerden
werden reality shows synchronisiert? das sind doch gar keine schauspieler!
gruß
datafox - die „survivor“ als mutter aller reality shows als einzige unter den ganzen „votemichraus“-serien gern sieht. im moment läuft „vanuatu“
schon irgendwie auch - es soll ja die (fiktive) situation
eines schiffbruches gezeigt werden.
Naja, eigentlich eher nicht, denn ein Hinterbliebener ist
per Definition jemand, der zurueckbleibt ,wenn jemand stirbt
(hier war meine Analogie: es bleibt ja immer jemand
zurueck - er ‚ueberlebt‘ die anderen im Spiel, bleibt uebrig).
werden reality shows synchronisiert? das sind doch gar keine
schauspieler!
Keine Ahnung, ob die als Gesamtheit synchronisiert
werden, ich habe aber irgendwo (war’s MTV in DEutschland?)
zumindest einige Szenen gesehen. Nachdem ich mich aus
der Schreck-Starre geloest hatte, schnell weiter
gezappt. Das es keine Schauspieler sind, hat nichts per
se mit dem Synchronisieren zu tun. Genau so schwer, wie bei
einem Pseudo-Dokumentarfilm. In der kurzen Szene, die ich
gesehen habe, war es aber gemacht, wie in einem richtigen
Doku-Film, mit einem Sprecher, der die Texte in indirekter
Rede wiedergibt.
gruesse
Elke
die als einzige „vote mich raus“-Show „The weakest link“
guckt und das auch nur beim Buegeln oder wenn sie ihre
Kinder beeindrucken will
markenrechte bzw. eingeführte Marken spielen in solchen Fällen tatsächlich eine wichtige Rolle. So kann es durchaus sein, dass man sich die Lizenz für die Umsetzung der Spieleidee kauft, nicht aber auch die Lizenz für den Originaltitel erwirbt. Oft wird eine Idee auch mehr oder weniger intelligent gestohlen (Ein Sender fängt mit einer Gerichtsshow an, alle anderen folgen) und dann ist es natürlich nicht möglich, den Originalnamen zu verwenden.
Spaßig finde ich aber oft auch die Sache mit den eingeführten Marktennamen, dass man also identische Produkte in verschiedenen Ländern unter unterschiedlichen Marken laufen lässt. Der neue Rama-Sahneersatz läuft z.B. in Dänemark (neben vielen anderen Produkten) unter der Marke Maizena (die bei uns nur für Maisstärke und wenige Backzutaten bekannt ist).
Die spezielle Sache mit der Umsetzung englischer Begriffe dürfte zudem damit zusammenhängen, dass man versucht einen zwar englisch klingenden, hier aber besser verständlichen Begriff zu finden. Survivor ist eine sicherlich weniger bekannte Vokabel, als die auch ohne Englischkenntnisse zu verstehenden, weil im Deutschen ähnlich vorhandenen oder zumindest mehr oder weniger eingedeutschten Begriffe wie Jungle und Camp.
Gruß vom Wiz
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weil im Deutschen ähnlich vorhandenen oder
zumindest mehr oder weniger eingedeutschten Begriffe wie
Jungle und Camp.
immerhin besser als „urwaldzeltlager“ )))
aber warum ist es besser? wahrscheinlich weil es 1. kürzer ist und 2. international-cool klingt, währen das urwaldzeltlager so nach leibesübungen müffelt
bei Filmen ist es seit vielen Jahren durchaus üblich den englischen Orginaltitel ins Englische zu verdeutschen. Es gibt zahlreiche Beispiele dafür. Ein recht prominentes und noch nicht allzu altes Bespiel fällt mir gerade ein. „Kick It Like Beckham“ heißt in England „Bend It Like Beckham“ (bedeutet hier etwa „Zieh ihn wie Beckham“), was das Ergebnis der Schusstechnik Beckhams auch viel besser wiedergibt.