Von der Bestie zum Biest?

Liebe ExpertInnen,

den Titel „Die Schöne und das Biest“ habe ich halt so hingenommen, weil Musicals wirklich keinen Anspruch auf Sinngehalt erheben. Inzwischen scheint sich aber die Bestie endgültig zum Biest gemausert zu haben: Armin Müller-Stahl spielt Adolf Hitler in dem Film „Gespräche mit dem Biest“. Adolf Hitler ein Biest? Für mich war ein Biest bislang immer weiblich, auf neudeutsch vielleicht als Zicke zu bezeichnen, obwohl es das nicht ganz trifft, da fehlt die Raffinesse. Bin ich etwa einem lebenslangen Irrtum erlegen? Wer weiß was?

Gruß Ralf

Da hilft, lieber Ralf,

natürlich wieder der Kluge:

_ Bestie
Substantiv Femininum Standardwortschatz (14. Jh., Form 15. Jh.), mhd. zunächst in lateinischer Form (bestIA) Entlehnung. Entlehnt aus l. bEstia „Tier, wildes Tier“, dann der deutschen Flexion angepaßt.
Vor allem in den Ableitungen bestialisch, Bestialität übertragen gebraucht für „unmenschlich“. Eine stärker assimilierte Form ist Biest2.
Ebenso nndl. beest, ne. beast, nfrz. bête, nschw. best, nnorw. best; Biest2.
Öhmann, E. ZDW 18 (1962), 96-99;
Brennecke, D. NSt 5 (1976), 113-145;
DF 3 (21997), 254-268. lateinisch l

Biest
Substantiv Neutrum Standardwortschatz vulgär (16. Jh.)Entlehnung.
Über das Westmitteldeutsche in die Hochsprache gekommen. Übernommen aus mndl. beest, das aus afrz. beste entlehnt ist. Dieses aus l. bestia f. „(wildes) Tier“.
Ebenso nndl. beest, ne. beast, nfrz. bête, nschw. best, nnorw. best, beist; Bestie.
Öhmann, E. ZDW 18 (1962), 69-99. l_

Gruß Fritz

Hallo,

den Titel „Die Schöne und das Biest“ habe ich halt so
hingenommen, weil Musicals wirklich keinen Anspruch auf
Sinngehalt erheben.

Das Biest in diesem Zusammenhang ist auch eher asexuell zu sehen.

Inzwischen scheint sich aber die Bestie
endgültig zum Biest gemausert zu haben: Armin Müller-Stahl
spielt Adolf Hitler in dem Film „Gespräche mit dem Biest“.
Adolf Hitler ein Biest? Für mich war ein Biest bislang immer
weiblich, auf neudeutsch vielleicht als Zicke zu bezeichnen,
obwohl es das nicht ganz trifft, da fehlt die Raffinesse. Bin
ich etwa einem lebenslangen Irrtum erlegen? Wer weiß was?

Spricht er in dem Film zufällig mit Magda Goebbels?
Dann ist bestimmt die gemeint, die Kindermörderin.

Ansonsten kann ich nur zustimmen, dass „das Biest“ umgsprl. eigentlich nur für Frauen benutzt wird.

:wink:
Eencockniedo

Ach, nein!

Ansonsten kann ich nur zustimmen, dass „das Biest“ umgsprl.
eigentlich nur für Frauen benutzt wird.

Nur weil Ende des 20. Jhdts so eine Engführung sich breit gemacht hat in der Umgangssprache, wird aus einem Biest noch lange kein weiliches Phänomen.
Im Grimm wird ein Mann als Biest und Beispiel für das Wort genannt!

Biester sind männlich und weiblich!

Gruß Fritz

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Das halte ich für einen Witz!
Hallo,

Das Biest in diesem Zusammenhang ist auch eher asexuell zu
sehen.

Ansonsten kann ich nur zustimmen, dass „das Biest“ umgsprl.
eigentlich nur für Frauen benutzt wird.

Zumindest in der rheinischen Umgangssprache, wahrscheinlich aber auch anderen Orts, kann das ‚Biest‘, wenn der Ausdruck auf Personen angewendet wird, sowohl ein Mann als auch eine Frau sein. So wird jemand bezeichnet der raffiniert, ausgekocht ist und/oder gemein, niederträchtig sein kann. Mit Sexualität hat das überhaupt nichts zu tun.
Mit freundlichen Grüßen
Alexander Berresheim

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den Titel „Die Schöne und das Biest“ habe ich halt so
hingenommen, weil Musicals wirklich keinen Anspruch auf
Sinngehalt erheben.

Wie fast immer bei diesen Dingen ist es der Synchronwahnsinn und die damit unvermeidlichen Übersetzungskatastrophen.

Auch wenn Biest und Bestie dasselbe Wort sind (bestia), stimme ich dem zu, daß ein Biest ein mieses Weibsstück und eine Bestie ein grausames Ungetüm ist.

Natürlich hätte es „die Schönheit und die Bestie“ heißen müssen, aber der Übersetzer hatte nunmal „the beauty and the beast“ im Kopf.

Macht ja auch Sinn. :stuck_out_tongue:

Gruß
dataf0x

Ansonsten kann ich nur zustimmen, dass „das Biest“ umgsprl.
eigentlich nur für Frauen benutzt wird.

Nur weil Ende des 20. Jhdts so eine Engführung sich breit
gemacht hat in der Umgangssprache, wird aus einem Biest noch
lange kein weiliches Phänomen.
Im Grimm wird ein Mann als Biest und Beispiel für das Wort
genannt!

Biester sind männlich und weiblich!

Mir ist es schleierhaft, warum die Bestätigung meiner Aussage über die derzeitige Verwendung des Wortes Biest soviel Sternchen anzieht. (Neid macht sich breit)

Ich darf mich wohl bestätigt fühlen, auch wenn es merkwürdig anders klingt. Klingt so, als ob Du die deutsche Sprache derzeit nicht magst und lieber zu Grimm’s Zeiten gelebt hättest.

Dass „das Biest“ auch anders verwendet wurde in der anno-dazumal Vergangenheit mag sein, aber ist es relevant für die Beantwortung der Ausgangsfrage?

Eencockniedo

Hallo Een…

Mir ist es schleierhaft, warum die Bestätigung meiner Aussage
über die derzeitige Verwendung des Wortes Biest soviel
Sternchen anzieht. (Neid macht sich breit)

Das hat historische Gruende und korreliert nur wenig mit der
Qualitaet der Antwort.
Nimm fremden Sternchensegen als Gelegenheit, gegen deine Invidia zu
kaempfen.

Klingt so, als ob Du die deutsche Sprache
derzeit nicht magst und lieber zu Grimm’s Zeiten gelebt
hättest.

Glaube ich nicht. Das etymologische Woerterbuch von Grimm wird dem
aktuellen Sprachgebrauch angepasst. Es hat nichts mit Grimms Maerchen
zu tun.

Dass „das Biest“ auch anders verwendet wurde in der
anno-dazumal Vergangenheit mag sein, aber ist es relevant für
die Beantwortung der Ausgangsfrage?

Nein, ist es nicht. Der Punkt geht an dich.

Gruss, Tychi

Biester, geschunden und besternt

Ansonsten kann ich nur zustimmen, dass „das Biest“ umgsprl.
eigentlich nur für Frauen benutzt wird.

Nur weil Ende des 20. Jhdts so eine Engführung sich breit
gemacht hat in der Umgangssprache, wird aus einem Biest noch
lange kein weibliches Phänomen.
Im Grimm wird ein Mann als Biest und Beispiel für das Wort
genannt!

Biester sind männlich und weiblich!

Ich lasse das Zitat stehen, was ich normalerweise nicht täte.

Mir ist es schleierhaft, warum die Bestätigung meiner Aussage
über die derzeitige Verwendung des Wortes Biest

Hier schon, liebes Incognito, bist du einem Missverständnis zum Opfer gefallen. Ich bestätige deine Aussage nicht, sondern spreche ihr eine begrenzte Gültigkeit zu.
Die längste Zeit seiner Vorhandenseinheit in der deutschen Sprache meinte es Männer wie Frauen und dazu noch Tiere.
Erst in jüngerer und jüngster Zeit ist „Biest“ den Frauen vorbehalten.

soviel Sternchen anzieht. (Neid macht sich breit)

Da rühst du an eines der Mysterien des Forums: Fritz und seine Anziehungskraft auf stellare Objekte. Ist inzwischen ein eigenes Forschungsgebiet. Die erste Dissertation dazu ist fast fertig.

Ich darf mich wohl bestätigt fühlen,

Neinnein, darfst du nicht!

auch wenn es merkwürdig anders klingt.

Freilich anders, ganz anders und gar nicht merkwürdig!

Klingt so, als ob Du die deutsche Sprache derzeit nicht magst

Vieles von dem, was heute unter der Bezeichnung „Deutsche Sprache“ umgeht, hat mit dieser wenig zu tun.

Ein Beispiel: In der Krimiserie vom Kommisar Beck aus Schweden gab es beim letzten Mal eine gruselige Mordtat, bei der dem Opfer auch noch die gesamte Kopf- und Gesichtshaut abgezogen wurde.
Die Synchronisation nannte dies „schänden“. Schänden ist aber was anderes, obwöhl es dieselbe Etymologie hat.
Was gemeint war, was „schinden“!

DatafOx hat weiter oben schon darauf hingewiesen, dass dem Titel „Die Schöne und das Biest“ keineswegs eine gute Vertrautheit mit der deutschen Sprache zu Grund liegt, die die Wortbedeutung genau kennt, sondern eine Übersetzerfaulheit!
Aus „the beauty and the beast“ wird „die Schöne und das ´Biest“; satt „Die Schöne und das Ungeheuer/Monster“!

und lieber zu Grimm’s Zeiten gelebt hättest.

Genauso ist es! Vielviel lieber! Oder noch fünfzig Jahre früher!

Dass „das Biest“ auch anders verwendet wurde in der
anno-dazumal Vergangenheit mag sein, aber ist es relevant für
die Beantwortung der Ausgangsfrage?

Ei freilich doch! Wie denn wohl nicht?

Ralf kannte - wie du - nur die beschänkte Verwendung und fragte, ob er einen beschränkten Begriff des Begriffes habe.

Genau dies ist der Fall und das sagte ich und belegte es mit Grimm, der zwar kein etymologisches Wörterbuch ist - obwohl es viel Etymologie enthält, Tychi! -, dafür aber DAS WÖRTERBUCH DER DEUTSCHEN SPRACHE ist!

Gruß Fritz

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Hi Tychi,

Dass „das Biest“ auch anders verwendet wurde in der
anno-dazumal Vergangenheit mag sein, aber ist es relevant für
die Beantwortung der Ausgangsfrage?

Nein, ist es nicht. Der Punkt geht an dich.

Vielleicht liegt’s aber auch daran, dass manche Leute
Quellen zitieren und ihre Behauptungen mit etwas anderem
untermauern, als mit einem Gefühl oder einem „ich benutze
es so“*) und einer seltsamen historischen Randbemerkung.

Grüße
Elke

*) ich möchte hier anmerken, dass ich selten hier, manch-
mal im Fremdsprachen-, öfter aber im Dialektbrett ebensolche
Postings absetze, die einfach nur meine individuelle Erfahrung
schildern. Das kennzeichne ich aber so und erwarte dafür
weder Zustimmung noch einen Sternenregen, sondern schildere
damit nur einen Erfahrungsstand. Außerdem beziehe ich mich
da gern auf „gehörte Erfahrung“ und nicht nur auf meinen privaten
Idiolekt.

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Klingt so, als ob Du die deutsche Sprache
derzeit nicht magst und lieber zu Grimm’s Zeiten gelebt
hättest.

Glaube ich nicht.

Dazu meine eigene Antwort.

Das etymologische Woerterbuch von Grimm wird dem aktuellen Sprachgebrauch angepasst.

Wie ich schon sagte, ist der Grimm kein etymologisches Wörterbuch. Und von einer Anpassung an der aktuellen Sprachgebrauch kann auch keine Rede sein. Es gibt allenfalls Ergänzungen.

Es hat nichts mit Grimms Maerchen zu tun.

Mehr als man vielleicht denkt, denn DER Grimm ist ebenso zeitlos wie die Grimms.

Dass „das Biest“ auch anders verwendet wurde in der
anno-dazumal Vergangenheit mag sein, aber ist es relevant für
die Beantwortung der Ausgangsfrage?

Nein, ist es nicht. Der Punkt geht an dich.

Das ist sehr wohl relevant. Und nix mit Punkt und Stern fürs Incognito!

Verzeih, Tychi, aber diese Richtigstellung musste schon sein.

Gruß Fritz

2 „Gefällt mir“

Das hast du schön gesagt, Elke!
Möge es schönes Gehör finden!
Gruß Fritz

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Dank an alle
Moin, Ihr Lieben,

wenn ich das richtig verstanden habe, ist durch einen Übersetzungsfehler dem Biest, das wohl unbestreitbar in den letzten 50 - 100 Jahren als tückisches, hinterhältiges Weib unterwegs war, versehentlich seine ursprüngliche Bedeutung als Ungeheuer zugewiesen worden. Manchmal staune ich, welche intellektuellen Bocksprünge mit Unterstützung von Kluge und Grimm vollführt werden, um menschlichem Murks höhere Weihen zukommen zu lassen.

Gruß Ralf

Vergebliche Liebesmüh!
Moin, du Lieber,

leider war das nun alles vergebliche Liebesmüh!

das wohl unbestreitbar in den letzten 50 - 100 Jahren als tückisches, hinterhältiges Weib unterwegs war

Genau das wurde bestritten und widerlegt! Ist aber bei dir nicht angekommen! Schade!

Manchmal staune ich, welche
intellektuellen Bocksprünge mit Unterstützung von Kluge und
Grimm vollführt werden, um menschlichem Murks höhere Weihen
zukommen zu lassen.

Erstaunlicher ist, dass ein intelligenter Mensch aus was für Gründen auch immer, von Vorurteilen so schwer ablässt.
Auch der simple Duden sagt nichts vom weiblichen Biest!

_}Biest, das; -[e]s, -er [niederd. beest= Untier

Aber genug damit!
Fritz_

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offff topic
Hallo Fritz

Das ist sehr wohl relevant. Und nix mit Punkt und Stern fürs
Incognito!

Zum Namen unseres lieben neuen Forummitgliedes:
Een = ein (holl.) Cock = Hahn (engl.) nie = nie (hochdt.) do = da
(dialekt)
Ein Hahn nie da! (Wenn frau ihn braucht!)
oder war es doch was anderes, was nie da ist, habe ich vielleicht
falsch übersetzt

zitiert aus:
http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…
Hilft doch sehr, wenn man sich eine Vorstellung machen moechte, wer
da so schreibt.

Verzeih, Tychi, aber diese Richtigstellung musste schon sein.

Das ist voellig in Ordnung.

Gruss, Tychi

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Wen meinst du?
Hallo Elke

Vielleicht liegt’s aber auch daran, dass manche Leute
Quellen zitieren und ihre Behauptungen mit etwas anderem
untermauern, als mit einem Gefühl oder einem „ich benutze
es so“*) und einer seltsamen historischen Randbemerkung.

Ich fuehle mich nicht angesprochen. Sollte ich?
Gruss, Tychi

Hi Tychi,

Ich fuehle mich nicht angesprochen. Sollte ich?

Nein.
Oder doch: du hast E. einen Punkt zuerkannt, wo
keiner zuzuerkennen war.
Aber ich habe mich nicht auf deine Postings zum Thema
(zu Themen) bezogen.

Grüße
Elke

Zum Namen unseres lieben neuen Forummitgliedes:
Een = ein (holl.) Cock = Hahn (engl.) nie = nie (hochdt.)
do = da

Wobei, lieber Tychi, „cock“ im englischen durchaus noch eine weitere Bedeutung hat!

Gruß
Eckard

Zum Namen unseres lieben neuen Forummitgliedes:
Een = ein (holl.) Cock = Hahn (engl.) nie = nie (hochdt.)
do = da

Wobei, lieber Tychi, „cock“ im englischen durchaus noch eine
weitere Bedeutung hat!

Hi Eckard,

was bei E. durchaus ebenso oder gar noch mehr
zuzutreffen scheint.
Aber so deutlich wollen wir ja gar nicht werden.

Grüße
Elke

Hallo,

weiss gar nicht warum es um Sternchen zu meinem Beitrag geht, weil ich doch gar keine bekommen habe.

Zum Namen unseres lieben neuen Forummitgliedes:
Een = ein (holl.) Cock = Hahn (engl.) nie = nie (hochdt.)
do = da
(dialekt)
Ein Hahn nie da! (Wenn frau ihn braucht!)
oder war es doch was anderes, was nie da ist, habe ich
vielleicht
falsch übersetzt

Anders übersetzt könnte es auch heißen,

Kein Schwanz da!
(wenn Frau ihn braucht) kann dabei ruhig stehen bleiben.

Hier im Sprachforum ist die Mehrdeutigkeitsdiskussion wohl angebracht und daher will ich mal die gewollte Mehrdeutigkeit hier auch bestätigen.

Eencockniedo