Von der Schule völlig fertig

Hallo,

Unser Sohn ist 16 Jahre alt und besucht seit einigen Jahren eine gymnasiale Gesamtschule 10. Klasse. In der Schule auch in der Grundschule, hatte er schon von Anfang an große Probleme. Er ist sehr zielstrebig, arbeitet sehr akribisch und überkorrekt. Alles muss genau, exakt und ausführlich ausgeführt und geschrieben werden. Er braucht sehr lange, ehe er Neues versteht und aufnimmt. Für Alles braucht er extrem lange. Im Laufe der Jahre kamen immer mehr Hausarbeiten hinzu. Der Unterrichtsstoff wird immer schwieriger. Er hat es sich in den Kopf gesetzt unbedingt das Abitur zu schaffen. Ich glaube aber, dass er nun an seine äußersten Grenzen gestoßen ist. Er arbeitet trotz des 7-9 stündigen Unterrichts noch zusätzlich fast täglich 4-6 Stunden und länger an den Hausarbeiten. Ich weiß nicht, ob das noch normal ist. Oft sitzt er die halbe Nacht und geht erst morgens um 4.00 Uhr auch unter der Woche ins Bett, da er es einfach nicht mehr anders schafft, sich auf die nächsten Arbeiten sowie massenhaften Schularbeiten fertig zu werden. Ich sagte ihm, wenn er sein Abitur nicht schaffen sollte, ist es auch nicht so schlimm. Doch er will es unbedingt erreichen. Schlafen tut er oftmals nur 3-4 Stunden, um morgens völlig übermüdet die Schule zu besuchen. Manchmal sagt er selbst, während des Unterrichts schläft er schon fast ein. Viele Eltern haben sich bereits beschwerd über den Schulstress und den großen Druck. Anscheinend gibt es auch anderswo ähnliche Probleme. Die Lehrerinnen sagten nur, dass sie am Lehrplan nichts ändern könnten. Man hat ein Konzept ausgearbeitet wie man besser und schneller lernen kann aber bei uns bringt das nicht viel. Ich habe unserem Sohn schon den Stift abends aus der Hand genommen aber er macht trotzdem weiter und macht sich damit völlig fertig. An den Wochenenden ist er dann immer so erledigt, das er 12 Stunden am Stück durchschläft. Inzwischen schläft er ohne es selbst zu merken, beim Essen am Tisch ein, vor dem Fernseher, bei Besuchen auf der Couch, selbst auf der Toilette. Freizeit hat er keine mehr. Kommt so gut wie nicht mehr raus und hat auch kein Interesse mehr daran, weil er nur völlig kaputt in den nächsten Sessel sinkt. Seinen Schwimmverein hat er seit über einem Jahr aus Zeitgründen nicht mehr besuchen können. Zur Zeit ist er nicht mehr aufnahmefähig, da eine Arbeit nach der nächsten anrollt. Wie lange soll das noch so weitergehen. Was kann man ändern, was kann ich tun?

Ich glaube, die Lehrerin ahnt etwas und hat um ein persönliches Gespräch auf dem Elternabend geraten.

Hallo!

Das klingt nicht sehr gut. So eine Phase hatte ich auch mal. Meine Eltern haben dann gesagt, dass ich nur 3 Stunden am Tag etwas für die Schule machen darf. Danach wurden die Schulsachen einkassiert. Die Schulleitung hat dazu einen Brief bekommen, da ich auch nur ein paar Stunden in der Nacht schlief und auch tagsüber oft einnickte. Trotzdem habe ich meinen erweiterten Realschulabschluss geschafft.

Ich wusste, ich habe nicht viel Zeit und habe darum mich beeilt und Sachen auch erst nur grob aufgeschrieben. Hauptsache ich hatte erst einmal etwas zu allem.

Meine Eltern haben mich auch quasi zu Freizeitaktivitäten „gezwungen“. Das tat mir persönlich sehr gut.

Tara

Hallo!

Hilft da nicht das Argument, dass der Mensch nicht lernen kann, wenn er nicht ausgeschlafen ist?

Ich meine, das ist doch eine Tatsache, das muss dein Sohn doch auch merken.

Ich würde ihn aber erst in den nächsten Ferien drauf ansprechen. Unausgeschlafen und gestresst wie er ist, wird er im Moment gar nichts annehmen wollen.

Bewegung, besonders an der frischen Luft erhöht die geistige Aufnahmefähigkeit um ein Vielfaches.

Jemand, der sich nie entspannt, kann irgendwann nicht mehr.

Ich denke, wenn er sich nicht mehr so verbissen anklammert, wird er das Abitur schaffen. Aber so nicht. Könnte ihn das überzeugen?

Vielleicht würden auch ein oder zwei Termine bei der Erziehungsberatung helfen.

Vor allem muss er von der Vorstellung wegkommen: Sich kaputtmachen = Abitur. Das Gegenteil ist ja der Fall.

Viele Grüße
Thea

Hallo,

Ich sagte ihm, wenn er sein Abitur nicht schaffen
sollte, ist es auch nicht so schlimm.

Hat er Dich gefragt, ob Du es schlimm findest? Meine Frau hat neulich auch meiner Nichte gesagt, dass sie es gar nicht schlimm findet, dass sie die Klasse jetzt wiederholt. Einfach so, aus dem Blauen heraus.

Du bringst also das Wort schlimm selber ins Spiel. Großer Fehler! Damit sagst Du nämlich gleichzeitig aus, dass Du denkst, dass er das schlimm findet, wahrscheinlich weil andere, bzw. die Gesellschaft das schlimm findet etc…

Mit 16 (und schon viel früher) ist es weniger wichtig, was die Eltern denken, sondern was man selbst denkt und darin, dass er eventuell denkt, dass es schlimm ist hast Du ihn mit Deiner Aussage nur bestätigt.

Du gibst als sein Ziel an „Abitur“. Was will er denn damit. Hat er denn schon einen bestimmten Berufswunsch? Beschäftige Dich mit seinen wirklichen Zielen. Eventuell kannst Du ihm Wege aufzeigen, wie man diese viel einfacher erreicht.

Wenn er nur „Abitur“ als Ziel hat, kannst Du ihm z.B. verdeutlichen, dass das Abitur nur Mittel zum Zweck ist und keinen Wert an sich hat.

Wie lange soll das noch so weitergehen. Was
kann man ändern, was kann ich tun?

Wie gesagt. Rede nicht einfach nur direkt über seine Symptome, sondern lerne mehr über seine sonstigen Gedanken kennen. Versuche Dich nicht auf das Thema Lernen zu konzentrieren und mache Alternativangebote.

Ich glaube, die Lehrerin ahnt etwas und hat um ein
persönliches Gespräch auf dem Elternabend geraten.

Eventuell weiss die Lehrerin auch mehr über sein Privatleben in der Schule und gibt Dir wertvolle Hinweise.

Mir ist es persönlich nie so gegangen, wie Deinem Sohn, aber ich habe einige Mitschüler gehabt, die sich selbst extrem unter Druck gesetzt haben, ohne ersichtlichen Grund.

Besten Gruß
Mathias

Hallo,

der mangelnde Schlaf ist DER Konzentrationskiller schlechthin (und der Gesundheitskiller zugleich, lange wird er sowas gesundheitlich nicht mitmachen können, da wird sich der Körper schon melden). Ich kenne diesen Teufelskreis auch (allerdings lasse ich mich nicht dort hineinreißen und mach mir keinen solchen Stress): Man lernt bis spät in die Nacht, am nächsten Tag ist man im Unterricht völlig unkonzentriert und kriegt schon mal gar nichts mit. Das, was man nicht mitgekriegt hat, muss man dementsprechend selbstständig nacharbeiten (das heißt, die Unterrichtszeit war absolut vergeudete Zeit!), hinzu kommen Hausaufgaben und Lernen für die Arbeiten. Bei miserabler Konzentration dauert das Lernen aber noch wesentlich länger, als man eigentlich hätte lernen müssen. Und so geht es immer weiter.

Da ich vermute, dass du mit solch einer Argumentation bei ihm nicht durchkommst, könntest du am Anfang ganz rigoros einfordern, dass er z.B. um Punkt 23 Uhr im Bett liegt - egal, was für Arbeiten anstehen, egal, was es für Hausaufgaben gibt etc. Von mir aus wird um die Zeit der Strom in der ganzen Wohnung / im ganzen Haus ausgeschaltet. *g* Wenn du es schaffst, dies unnachgiebig mehrere Wochen durchzuziehen, vermute ich, dass er auch weniger Zeit brauchen wird fürs Lernen an sich (weil die gesamte Unterrichtszeit genutzt wird!). Ein sehr wichtiger Effekt wäre aber auch, dass er sich an regelmäßige Schlafzeiten gewöhnen würde.

Im Übrigen: Zieh das mit der Schlafensgehzeit auch am WE durch (es sei denn, er will doch mal auf eine Party :wink:) und lasse ihn auch nicht den ganzen Tag durchschlafen. Sein Schlafrhythmus ist extrem ungesund. Und ich weiß selbst, dass selbst wenn ich 12 Stunden geschlafen habe, aber dafür erst spät und/oder extrem erschöpft ins Bett gekommen bin, ich am nächsten Tag trotzdem eine schlechte Konzentration habe und müde bin. Das gilt sogar dafür, wenn ich recht normal ins Bett gehe, aber morgens lange schlafe (also bis 12 oder so *g*). Man kann auch zu lange schlafen, dann wacht der Körper gar nicht richtig auf und man wird das Konzentrations- und Müdigkeitsproblem nicht los.

Übrigens, er soll lernen, seinen Lernstoff gleichmäßig auch auf das Wochenende zu verteilen, anstatt das WE durchzuschlafen und die Werktage durchzuackern. Es ist keine Frage der Lernzeit, sondern der vernünftigen Zeitplanung. Wenn er nach dem Abitur studieren will, so prasselt dann eine extreme Fülle an Lernstoff auf ihn herunter, die von einem Normalo gar nicht komplett zu bewältigen ist. Er lernt ja jetzt schon so viel, wie viele gute Studenten nicht. Aber das hat nichts mit seinen Fähigkeiten zu tun, sondern einzig und allein mit Zeitplanung. Prioritäten setzen: Welche Fächer sind besonders wichtig? Und welche Unterrichtsthemen aus diesen Fächern muss ich mir besonders anschauen? Welche Themen sollte ich nur kurz überfliegen, weil ich die eh schon kann und durch nochmaliges Nachlernen nur Zeit vergeuden würde? Einen Zeitplan erstellen, was er an welchem Tag schaffen will (aber dabei unbedingt einen Zeitpuffer mit berücksichtigen, damit er nicht schon wieder die Nacht durcharbeitet, nur um den Zeitplan zu erfüllen!).

Hinzu kommt, dass er vermutlich nicht sehr effizient lernt. Ich bin z.B. jemand, der sich gern ein spannend und ausführlich geschriebenes Lehrbuch vornimmt und es von vorn bis hinten durchliest. Schön, aber ineffizient. Viel effizienter ist ein kompakteres Lehrbuch, aus dem man sich nur genau die Sachen heraussucht, die im Unterricht auch wirklich behandelt wurden. Die und nur die lernt man dann, von mir aus auswendig.

Hat er schon unterschiedliche Lernmethoden ausprobiert? Viele schwören auf Karteikarten, ich kann ihnen nichts abgewinnen. Früher konnte ich besonders gut lernen, wenn ich laut vorlas, mittlerweile ist es umgekehrt, ich kann mich beim lauten Vorlesen nicht auf den Textinhalt konzentrieren. Manche sind auditive Typen (gerade dafür sind die Konzentration und eine aktive Mitarbeit im Unterricht wichtig!), andere müssen alles aufschreiben, um es zu lernen. Lass ihn auch ruhig ab und an dir den gerade gelernten Stoff erklären. Das ist gut fürs Lernen, das ist evtl. interessant für dich und er kommuniziert und spricht auch mal, anstatt nur über den Büchern zu sitzen.

Da kommt mir die Idee: Wie wäre es eigentlich mit einer Lerngruppe? Kann er sich nicht mit ein paar ehrgeizigen Mitschülern zusammenschließen, um GEMEINSAM zu lernen (und danach ebenso gemeinsam mal was zu unternehmen)? In vielen Fällen ist gemeinsames Lernen effizienter (aber nur, wenn die Lernenden ungefähr das gleiche Lernniveau haben) und macht mehr Spaß. Außerdem kann man dann eben als „Belohnung“ ins Kino gehen oder im Café (bzw. im Sommer draußen auf der Wiese) lernen statt zu Hause.

Ich hoffe, ich konnte dir irgendwie helfen.

Liebe Grüße,
Anja

Hallo,

dein Artikel hat mich doch ziemlich erschreckt. Ich habe ihn meinem 17jährigen Sohn gezeigt, der „ein Geschenk Gottes“ super leicht lernt.
Und sein Kommentar, „der ist doch krank.“ :wink:

Ehrlich gesagt, würde ich deinen Sohn aus diesem Schultrott rausnehmen. Er muss dringend in eine Kur. Ich weiß nicht, ob es so etwas für Jugendliche gibt, oder ich würde ihn 3-4 Wochen vor Weihnachten einfach krankschreiben lassen, damit er sich mal entspannen kann. Hast du denn mit einem verständnisvollen Arzt mal über das Verhalten gesprochen?

Leider schreibst du sehr wenig über die familiären Hintergründe.

Unser Sohn hatte im Alter von 14 Jahren auch Probleme, uns half damals eine Lernberaterin, die im kinesiologischen Bereich tätig ist, was auch zur Entspannung hilft. Vielleicht magst mal auf Ihre Seite schauen. http://www.familiespehr.com/

Galaktische Grüße

Anderer Ansatz
Hi!

Zunächst würde ich dringend ein persönliches Gespräch mit den Lehrkräften suchen, aber das wurde schon genannt!

Habt Ihr schon mal daran gedacht, den Lernprozess zu optimieren?
Es gibt unzählige Methoden, wie z.B. das Karteikastensystem…

Wenn er Erwachsenen gegenüber „begriffsresistent“ :wink: ist, hilft vielleicht diese Seite hier
http://www.lerntippsammlung.de/Lerntipps.html

Dumm ist allerdings, dass dort auch Referate veröffentlicht sind, aber als erste Spur…

LG
Guido

Hallo,

als ich dein Post gelesen hab, war die erst Frage die ich hatte die warum tut er das? Wer oder was zwingt ihn derartig zu handeln?
Wenn ich richtig liege ist er jetzt in der 11.ten Klasse, wird das Abi an der Schule nach 12 oder 13 Jahren gemacht?

Fakt ist das unzureichender Schlaf zu Konzentrationsmangel führt und zu weiteren schweren gesundheitlichen Folgen.
Du bist Erziehungsberechtigte und es ist meiner Meinung nach dein Recht und deine Pflicht alles gesundheitgefährdende von ihm fern zu halten.
Konkret bedeutet das das du ihm sagst das es dir egal ist wie lange er für sein Abi braucht hauptsache er schläft mindestens seine 8 Stunden pro Nacht. Er befindet sich schon in einer Lernhemmenden Spirale, die hier andere schon sehr gut beschrieben haben.
Meditatives Entspannungstraining kann hier schon ein guter Einstieg sein, du solltest klarstellen das du ihm nicht das Abi missgönnst sondern ihn sinnvoll unterstützen möchtest, auch wenn das heißt das er ein Jahr mehr brauch. Auch solltest du versuchen herrauszufinden warum ihm das so wichtig ist, denn nur dann kannst du ihn gezielt unterstützen sein Ziel auch zu erreichen.
Aus meiner eigenen Biografie weiß ich das es schon ein enormer Druck sein kann wenn einem vieles scheinbar leicht fällt beim lernen… mein Spitzname in der Familie war „Intellegenzbestie“, und der Standardsatz war „Du schaffst das schon, hast es bisher doch auch geschafft“, irgendwann hab ich nichts mehr von meinen Problemen erzählt, und im Dunkeln mit der Taschenlampe gelernt, erst mein heutiger Mann hat mich mit 17 auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt und mir das Gehör geschenkt das ich brauchte. Einziger Unterschied ich hatte immer meine 8 Std. Schlaf, denn auf Bettzeiten wurde Streng geachtet und mit der Taschenlampe läßt es sich nur max. 1h gut arbeiten dann schläft man schon automatisch *grins*
Weiterhin würd ich dir raten dir Hilfe zu holen evnt. in der Schule oder der Familienberatung der AWO. Es lernt sich übrigens mit einem festen Plan besser und gezielter, du hast geschrieben das er sich schon immer schwer getan hat Lehrinhalte zu begreifen, wobei so ganz kann das nicht sein sonst wär er doch nicht auf dem Gymi, oder?
Stellt gemeinsam einen festen Zeitrahmen auf mit festen Lern- und Pausenzeiten auf. Das hilft die Inhalte besser zu be- und verarbeiten und wenns absolut nicht in den Kopf rein will Pause machen und den Kopf frei machen.

Mehr kann ich dazu nicht sagen

Gruß Andrea

Hi,

mehrere Sachen - ich versuch’ mal, mich nicht allzu sehr zu verheddern:

  1. Klar, dass sich der Schlafmangel EXTREM auf die Fähigkeit, überhaupt irgendwelche Informationen aufzunehmen & zu verarbeiten, schlägt.

Er MUSS pünktlich ins Bett, egal, wie viel er meint, noch tun zu müssen.

Ausserdem lässt die Konzentrationsfähigkeit sowieso nach ner Weile nach - deshalb immer mal Pausen machen, an die frische Luft etc.! Mal fünf oder zehn Minuten Pause zu machen können ihm mehrere Stunden Schufterei ersparen!

(nen Freund von mir hat z.b. beim Lernen für’s Abi immer zwischendurch jonglieren geübt).

  1. Ich selbst war früher auf ner anderen Schule als alle meine Freundinnen. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie eine Freundin (heute selbst Haupt- und Realschullehrerin), die immer nur ne mittelmässige Schülerin war, sich über eine andere aufregte, die immer supergut in der Schule war. Ihr flog halt alles zu (der zweiteren), und es wurde daher angemerkt, dass die ja gar nicht wüsste, wie man lernt, weil sie noch nie etwas ‚im Schweisse ihres Angesichts‘ hätte erarbeiten müssen.

Was meine Freundin nicht wusste: Mir gings genauso. Mir flog immer alles zu (bis zu einem gewissen Zeitpunkt, oder Schwierigkeitsgrad, zugegebenermassen). Ergebnis: Ich habe NIE das Lernen gelernt!!

Wir nehmen jetzt mal an, dass er die Krise irgendwann meistert, irgendwann Abitur hat & studiert, oder ne Ausbildung macht, etc.

WENN er später lernt, klarzukommen, kann es gut sein, dass er besser klarkommt als die, die das Lernen eben nie gelernt haben.

  1. Wobei wir hier wären:
    Momentan ist der erste Schritt, dass er erstmal nicht für die Schule lernt, Wissen paukt etc, sondern lernt, seine Zeit einzuteilen & Prioritäten zu setzen. Dazu gehört z.B., eben nicht ganz so akribisch zu sein.

Ergotherapie wäre eine Option, die mir einfällt. Eine, die ich definitiv in Erwägung ziehen würde.

Ich muss ehrlich sagen, ich glaube einfach nicht, dass er bis 4 Uhr morgens lernt!

Womit ich sagen will:
Er VERBRINGT DIE ZEIT damit, zu lernen, oder dies zu versuchen.
Aber durch seine völlige Übermüdung, durch fehlende Pausen, durch den mentalen Stress kommt er nicht zu viel.

Nur mal kurz was zu mir:
Ich habe ADS. Das wusste ich zwar weder als Schülerin, noch als Studentin. Und da ich intelligent war, fiel es auch nicht weiter auf.
Nur: Ich verbrachte den ALLERgrössten Teil der Zeit, in der ich versuchte, meine Hausaufgaben zu machen, damit, diese eben nicht zu machen. Ich konnte mich nicht konzentrieren. Selbst in Klassenarbeiten hab’ ich es fertiggebracht, die ersten 20 Minuten nur aus dem Fenster zu starren. Bis dann die Panik einsetzte - oh sch***, die Zeit rennt!
Und mit genug Panik, mit genug Feuer unterm A****, konnte ich wie ne Verrückte arbeiten.

Ich bin heute noch genauso: Ich müsste jetzt eigentlich noch was tun, aber statt dessen glotz ich lieber ins internet. Ablenken bis zum Geht-nicht-mehr.

Mit Begleitung, im Dialog, oder einfach, wenn ich unter anderen Leuten bin, geht’s wieder. Nur nicht alleine - da bleibt einfach irgendwie die Zeit stehen.

Nun, ich will nicht sagen, dass er so ist.

Aber es ist eindeutig, dass sein Rhythmus völlig durcheinandergeraten ist. Er ist in einer Art Spirale, oder Teufelskreis, gefangen.

Und eventuell stimmt das, dass ein Kommentar wie ‚ist doch nicht schlimm, wenn Du Dein Abi nicht schaffst‘ ihm noch mehr Angst einjagt - oh Gott, ich werde mein Abi nicht schaffen!!!

NOCH ist er in der 10ten.

Dh, jetzt wäre die beste Zeit, sich zu organisieren, die Zeiteinteilung, und die Methoden zum Lernen, etc etc, zu üben.
Sei es durch Ergotherapie oder auf andere Weise.

Denk’ doch mal ein bisschen um:
Nicht, es ist nicht schlimm, wenn Du Dein Abi nciht schaffst, sondern:
Es ist nicht schlimm, wenn Du ein Jahr wiederholst, UM Dein Abi zu schaffen, UM wieder den richtigen Rhythmus zu finden, UM all das zu erlernen, was zum Lernen fehlt.

Wenn er zB die 10te wiederholen würde, und gleichzeitig eben daran arbeiten kann, wird er am Ende der wiederholten 10ten sicherlich nicht schlechter abschneiden als so.

Dann hätte er erstmal nen guten Realschulabschluss in der Tasche, und kann dann ganz ohne Ängste bis zum Abi weitermachen.

Nun, Du kennst ihn, Du weisst, was relevant & nicht relevant ist, von dem, was ich sagte.

gruss, isabel

Der Weg ist das Ziel
Vielleicht sollte Euer Sohn sein Primärziel (Abitur) auf mehreren Etappen erreichen. Kleines pers. Beispiel: Ich hatte nur Hauptschulabschluß, wollte mich aber auch zum Abi hocharbeiten. Wegen finanz. Lage und sozialen Ängsten entschied ich mich, erst einmal eine Berufsausbildung zu absolvieren. Während der Ausbildung holte ich die mittl. Reife per Abendkurs (2 Jahre/1 Abend die Woche)nach. Nachdem ich ein Jahr als Geselle gearbeitet habe, bin ich dann für 2 Jahre auf eine st. Fachschule für Technik (für Technikerausbildung) gegangen, wo man in Zusatzkursen auch die Fachhochschulreife (sprich Fachabitur) absolvieren konnte. Unter dem Strich gesehen bin ich so noch schneller zu meinem Ziel gekommen. Ich hatte mit 23 Jahren meinen staatl. gepr. Techniker inkl. Fachabitur in der Tasche und besitze noch zudem einen Gesellenbrief. Das muß ein Abiturient, der bis zum 18. Lebensjahr die Schulbank gedrückt hat mir erst mal nachmachen.
Was ich damit sagen will: Ich empfand diesen Weg als stressfreier. Bei der Abendschule wurden Berufsschulfächer mit anerkannt, so brauchte ich nur noch einige Fächer zu belegen, die zur mittl. Reife notwendig waren. Genauso war es bei der Technikerausbildung. Vor allem zehrte ich hierbei von meinem Wissen, das mir während der Berufsausbildung beigebracht wurde.
Ein weiterer Vorteil: Ich lag meinen Eltern nicht so auf der Tasche. Erst Ausbildungsvergütung und nachher konnte ich bei der Technikerausbildung gutbezahlte Ferienjobs in meinem gelernten Beruf machen und wurde nicht mit 7,50 €/Std. abgespeißt.