Von Herzen / aus Herzen

Hallo!

Aus tiefstem Herzen wünsche ich Ihnen alles Gute
oder
Von Herzen wüsche ich Ihnen alles Gute

Wann und in welchen Kombinationen verwendet man „von Herzen“ oder „aus Herzen“?

Danke sehr

Hi, @Nadja !

Von Herzen!

…wünsche ich Euch ein schönes Wochenende.

Gruß, K.

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Servus,

das ist einfach Geschmackssache. Beides ist ja der verzweifelte Versuch, eine Floskel zu steigern, um sie noch besser *) klingen zu lassen. Wenn’s ums Steigern geht, stelle ich mir einen Richtungswechsel vor à la „Aus nicht ganz so tiefem Herzen…“, da kommt natürlich nichts Gutes bei rum.

Gruß
Ralf

*) Hier gleich die nächste Floskel, die mich immer wieder zu Tränen rührt: Niemand will besser werden, alle werden noch besser, damit der Anschein, es sei nicht alles gut, zugekleistert wird.

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Mach’s jut - mach’s besser.

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das Herz?

Das ist mit den vorgelegten Formulierungen keineswegs gemeint.

Es geht ganz schlicht um die Verwendung der Worte „von“ und „aus“ an dieser Stelle. Als Muttersprachler machst Du das so, wie Du es gewohnt bist. Aber warum wird bei den beiden Formulierungen (übrigens nicht nur den festen Wendungen, die Nadja vorgelegt hat, sondern ganz regelmäßig, z.B. er kommt von Langenschemmern, aber er stammt aus Langenschemmern) einmal von und einmal aus gesagt? Weißt Du dazu was? Kannst Du das begründen?

Schöne Grüße

MM

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Nein, ist es nicht.

Schöne Grüße

MM

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nein, durchaus nicht ausschließilich.

Was sollte denn an der Formulierung

Wir bedauern aus tiefstem Herzen das Leid, das den Menschen widerfahren ist.

falsch sein?

Schöne Grüße

MM

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Ich sehe das so:

Die Sätze a) und b) sind inhaltlich und auch in der grammatikalischen Logik gleich:

a) Mein Bedürfnis nach Ruhe entspringt aus meinen Erfahrungen im Krieg.

b) Mein Bedürfnis nach Ruhe kommt von meinen Erfahrungen im Krieg.

Jedoch scheint a) wegen der Konstruktion mit “entspringen” eindrücklicher. Nun scheint es, dass bei “aus ganzem Herzen” im Laufe der Zeit “entspringen” wegrationalisiert wurde. Irgendwie kann man auch diese Konstruktion nicht mehr ohne Adjektiv gebrauchen, “aus Herzen wünsche ich” funktioniert nicht. Daher erscheint mir diese Konstruktion nun weniger Gewicht zu haben als mit “von”: “von Herzen” scheint mehr von Herzen zu kommen als “aus ganzem Herzen”. Vielleicht liegt das auch daran, dass man darüber stolpert, dass der Verfasser betonen musste, dass es aus ganzem Herzen komme - und nicht aus halbem Herzen. Was aber auch dem Umstand geschuldet ist, dass “aus Herzen” nicht funktioniert und man da irgendwas einfügen muss.

Das weiß ich dazu.

mit herzlichen Grüßen

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Servus,

den Unterschied zwischen der Verwendung von von und aus nimmst Du dabei als gegeben hin - der ist aber Gegenstand der Frage.

Schöne Grüße

MM

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Mehr weiß ich nicht dazu. “von” klingt bedeutungsvoller, aber beides kann nahezu synonym verwendet werden in meiner Wahrnehmung.

Herzensgrüße

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  • ich ruf jetzt mal den magister doctissimus (non solum) in rebus philologicis zu Hülf:

@Metapher - auch wenn Du den Unterschied zwischen diesem von und diesem aus schon mehrfach erklärt haben solltest - ich habe, vgl. Toilette der Venus, ein nicht sehr brauchbares Gedächtnis, und den oberschwäbischen Pfaffenwitz mit dem Sieb aka Seiher erzähle ich ein andermal - : Magst Du denn den Unterschied nochmal erklären, nach dem Nadja hier fragt? Mir wird er umso unerklärlicher, je mehr ich drüber sinniere.

Sei gegrüeszet!

MM

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Dem einen ist der Unterschied herzlich egal, der andere macht eine Herzensangelegenheit daraus: Vielleicht sollte man einfach seinem Herzen folgen bei der Wahl der Formulierung.

Um es ganz kurz zu sagen: „aus Herzen“ gibt es gar nicht. Die Präposition bezieht sich auf „Tiefe“, nicht auf „Herz“. Der Ausdruck „aus tiefstem Herzen“ eigentlich „aus der (untersten) Tiefe des Herzens“. Hier wird also ein Nomen mit einer Genitivergänzung in ein Adjektivattribut der Genitivergänzung verwandelt. Diese rhetorische Figur nennt man Hypallage („Vertauschung“, „Verwechslung“).

Etwas weiter ausgeholt: Unter den sprachlich erstarrten bzw. ritualisierten Formeln eines positiven Wunsches für den Gesprächspartner, ist das elliptische „Alles Gute!“ die banalste und bedeutungsloseste. Geradezu jeder beliebigen Person, mit der man im Gespräch war, kann man es beim Abschiedsgruß beifügen. In der schriftlichen Form passt gegebenenfalls auch das komplette „ich wünsche dir alles Gute.“ Hier ist weder emotionales noch rationales Engagement
involviert und wird auch vom Empfänger der Botschaft nicht so aufgefasst. Dasselbe auch für die ebenso banale Ellipse „gute Besserung!“

Zu dieser bloßen Höflichkeitsformel passen auf keinen Fall die beiden von dir erwähnten Adverbiale.Weder das emphatische „von Herzen“, noch erst recht nicht dieses „aus tiefstem Herzen“. Beides wäre allein möglich bei einem explizierteren Wunschinhalt, der auch Attribute enthält. Beim einen etwa „von Herzen wünsche ich dir baldige Genesung von diesen Malästen / gutes Gelingen bei deiner Prüfung / viele Abenteuer auf deiner Reise“ oder so. Es gehört jedenfalls schon zur sog. „gehobenen“ Sprache, ist aber dennoch nicht viel „stärker“ als etwa „herzlich“

Das andere - „aus tiefstem Herzen“- greift dagegen sehr dramatisch und grenzwertig in die Kiste uralter symbolischer Sprachformeln. Das Herz als Metapher oder Periphrase oder Symbol oder Ort von Seele, Emotion, Gedankentiefe, Gewissen, moralische Instanz usw. findet sich schon zahlreich in althebräischen und altgriechischen Versionen. Das ist uralter Fundus, der sich bis heute erhalten hat. Dabei ist der Zusatz der „Tiefe“ noch einmal eine Steigerung der Emphase des Ausdrucks. Nicht das Herz überhaupt, sondern darin nocheinmal die Tiefe ist die allerletzte Instanz von Echtheit, von höchstem ehrlichem Engagement usw. Die ganze Persönlichkeit sozusagen ist darin enthalten. Das muss nicht nur positiv sein: Die „Tiefe des Herzens“ kann auch eine „Mördergrube“ sein.

Der Ausdruck ist also jedenfalls eine Hyperbel, die nur in speziellen dramatischen Szenarien zur Sprache kommen könnte, in denen der Inhalt des entsprechenden, jetzt potenzierten Wunsches sich auf etwas sehr Fundamentales im Leben des anderen beziehen würde.

Das führt dann auch zu deiner eigentlichen Frage: Der Unterschied der Präpositionen „von“ und „aus“ in diesem Kontext. Das ist jetzt ganz einfach: „von“ bezeichnet lediglich den Ort oder vielmehr die Instanz, von dem der Wunsch herkommt. „Von Herzen“ bedeutet, daß dem Wunsch sozusagen ein „Ehrlichkeitszertifikat“ beigegeben ist. Und ein emotionales „zur Seite stehen“.

„Aus tiefstem Herzen“ ist dagegen, wie schon gesagt, ein ganz anderes sprachliches Kaliber. Die „Tiefe des Herzens“ bringt das ganze Gewicht dieses Ausdrucks zur Geltung, das es als Erbe aus dem historischen Fundus mit sich bringt.

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…jedoch insofern brauchbar, als es willkommenen Anlass bot, die sehr interessante Derivation - sozusagen eine Variante der Philosophie dans le boudoir - nochmal zu aktualisieren :innocent:

Ach bitte doch! Deine geographisch-ethnographisch - oft quasi mikroskopisch-lokalen - Anekdoten sind ja doch immerwieder willkommene Kleinodien dieses Forums.

Einen Gruß aus tiefstem Herzen :wink:

Metapher

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