Von Sportlern, Wissenschaftlern, Gewerkschaftlern

Hallo,

Im Zwiebelfisch (bzw. im Tod des Genitivs) ist schön anschaulich beschrieben, dass die Begriffe Sportler und Wissenschaftler (Anhängen der Suffix -ler an ein Substantiv) korrektes Deutsch darstellen, Worte wie SPDler, Unterschichtler und Gewerkschaftler dagegen grenzwertig sind, Hausbesetzler und Protestler dagegen offen verachtend.

Was leider nicht beschrieben wird ist die grammatikalische Regel - gibt es denn eine solche? Oder ist der Unterschied nur inhaltlich festzumachen? Wann darf man ein -ler anhängen und wann nicht?

Mit vielen Grüssen, Walkuerax

P.S. Warum heisst es nicht „Politikler“?

Im Zwiebelfisch (bzw. im Tod des Genitivs) ist schön
anschaulich beschrieben

http://www.spiegel.de/kultur/zwiebelfisch/0,1518,269…

Wann darf man ein -ler anhängen und wann nicht?

Ich denke das ist Sprachgefühl. Manche -ler sind über das läppische Stadium eben hinausgewachsen, zb. der Sportler. Übrigens würde ich Wissenschafter und nicht Wissenschaftler schreiben. Wissenschaftler klingt so nach Gschaftlhuber, wenn du weißt, was das ist :wink:

Wichtig zu erwähnen wäre auch der allseits beliebte Rechtshändler :smile:

Gruß
dataf0x

Vom Sprachgefühl auf ‚-ler‘

Ich denke, das ist Sprachgefühl.

Oh, Datafox, bleib uns doch weg mit deinem Sprachgefühl! :wink:

Das haben wir doch schon längst feierlich zu Grabe getragen. Und in diesem Fall zeigst du selbst, wie wenig weit her es ist mit dem Sprachgefühl, wenn man den Blick über den Tellerrand vernachlässigt.

-ler ist ein Suffix mit dem man aus Nomen Personenbezeichnungen macht; eines unter anderen wie z. B. „-er“, „-iker“, „-ist“, „-ator“, „-frau/-mann“.
Wann welches in Verwendung kommt, entscheidet der ebenfalls weitbeschreite Sprachgebrauch.

Manche -ler sind über das läppische Stadium eben hinausgewachsen, zb. der Sportler.

Du tust so, als ob die Bildung mit „-ler“ einen depravierenden Sinn hätte. Dem ist nicht so. Erst die Verwendung kann einen negativen Aspekt zu einem Wort hinzufügen, also wieder der Sprachgebrauch.

Übrigens würde ich Wissenschafter und nicht Wissenschaftler schreiben.

Damit sagst du leider nichts semantisch Allgemeingültiges, sondern verrätst nur deine österreichische Herkunft und dein Sprachgefühl ist deine eingeschränkte eigene Sprachpraxis, der Sprachgebrauch, wie du ihn gelernt hast und kennst. Dort treten solche Bildungen ohne „l“ - z. Beispiel: Gewerkschafter, Wissenschafter - häufiger auf als im „reichs“-deutschen Sprachgebiet.

Dazu:

_ Wis|sen|schaf|ter , der; -s, - (österr., schweiz.): Wissenschaftler.

Wis|sen|schaft|ler , der; -s, -: jmd., der über eine abgeschlossene Hochschulbildung verfügt u. im Bereich der Wissenschaft tätig ist: ein namhafter, bedeutender W.

© Duden - Deutsches Universalwörterbuch 2001_

Wissenschaftler klingt so nach Gschaftlhuber, wenn du weißt, was das ist :wink:

Für dich vielleicht und viele andere Austrazistler. :wink:

Rechtshändler :smile:

Wo hast du den her? Spaßbildung? Google? Dort gibt es 11 00 Treffer für Rechtshändler, aber google fragt: „Meinten sie Rechtshänder“. Der ergibt dann 228 000 Treffer.

Gruß
Fritz

2 „Gefällt mir“

Hi, Walkürax,

dazu habe ich gerade gefunden:

Zitat:

_# Sagt man „Gewerkschafter“ oder „Gewerkschaftler“?

Wenn die Grundform ein Verb ist, wird die Ableitung (von Nomina agentis) immer auf „-er“ gebildet: Kriegsgewinner (den Krieg gewinnen), Sprecher (sprechen), Weltrekordhalter (den Weltrekord halten), Schneider, Sänger … Wenn die Grundform ein Substantiv ist, wird die Ableitung auf „-ler“ bevorzugt: Kriegsgewinnler (Kriegsgewinn), Altsprachler (alte Sprachen), Weltrekordler (Weltrekord), Postler, Künstler, Sportler, Nachzügler, Zuchthäusler …

Bildungen auf „-er“ mit substantivischer Basis — wie Reeder, Türmer, Schäfer — geraten heute immer mehr außer Gebrauch. Die Bildungen „Gewerkschaftler“ und „Wissenschaftler“ sind grammatisch korrekt und wertneutral. Dennoch halten viele „Gewerkschafter“ und „Burschenschafter“ an den Formen auf „-er“ fest — aus Tradition oder weil sie in den Bildungen auf „-ler“ immer noch eine (vermeintliche) Abwertung erblicken.

(Vgl. P. Eisenberg 1998, „Grundriss der deutschen Grammatik. Das Wort.“, S.266)_

Zitat Ende.

Leuchtet mir irgendwie ein:smile:

LIeben Gruß aus Wien, jenny

Hallo,

P.S. Warum heisst es nicht „Politikler“?

„Politiker“ ist schon Beleidigung genug, da braucht’s kein „l“ mehr …

Grinsegruß
Barney

Übrigens würde ich Wissenschafter und nicht Wissenschaftler schreiben.

Damit sagst du leider nichts semantisch Allgemeingültiges,
sondern verrätst nur deine österreichische Herkunft und dein
Sprachgefühl ist deine eingeschränkte eigene Sprachpraxis

LOL das ist ja ziemlich herabwürdigend! Ist es etwa verkehrt, wenn man so schreibt wie man es gelernt hat? Ist es verkehrt, daß es mehr als eine Form der deutschen Sprache gibt??? Oder gar daß man - oh hilfe! - Österreicher ist? Bin immer wieder erschrocken, welche Herabsetzung das Österreichische durch Deutsche erfährt.

Gruß
dataf0x

4 „Gefällt mir“

Ach, Datafox!

Dass du immer wieder eine sachliche Korrektur deiner Ansichten als persönliche Kritik und „Herabsetzung“ auffassen musst! :frowning:

Und als Viertelsösterreicher fühle ich mich selber und leide darunter fast so sehr wie unter meinem Schwabesein und Deutschersein! ;-}

Friede! Freundschaft! Eierkuchen!

Gruß
Fritz

4 „Gefällt mir“