'Von was' und ähnliche Kombinationen

Hallo zusammen,
seit einiger Zeit höre ich immer häufiger Ausdrücke, die mir überhaupt nicht gefallen:

"von wo" - statt woher (Das mag ja noch gehen bei „Von wo kommt der Zug, von rechts oder von links?“, aber doch nicht bei „Von wo kommt der Zug, von Frankfurt oder von Köln?“)

Richtig schlimm sind jedoch die Konstruktionen mit dem Wort „was“:

"von was" - statt wovon, woher oder wodurch ("Von was kommt das?)

"mit was" - statt womit („Mit was hat er das gemacht?“)

"aus was" - statt woraus („Aus was besteht das?“)

"für was" - statt wofür („Für was ist das gut?“)

"bei was" - statt wobei („Bei was ist das passiert?“)

Nun habe ich gedacht, das seien Wortschöpfungen der letzten Zeit, bis ich dann einen dieser Ausdrücke in einem Film von 1957 hörte. Das hat mich doch sehr überrascht.

Was haltet Ihr von diesen Ausdrücken? Sind die wirklich schon lange „normal“ oder gar sprachlich richtig?

Gruß
Jette
die sich vehement gegen die Anerkennung von Worten wie „einzigste“, „maximalsten“, „auseinanderdividieren“ u. ä. wehrt.

Hallo Jette,

Als Wiener höre ich die von Dir angeführten Frageformen nahezu ausschliesslich und habe sie für eine Dialekteigenart des Wienerischen gehalten, Dein Posting belegt allerdings, dass ich da irre. Oder sollte unser sprachliche Beeinflussung so weit gehen? Eher ist es normalerweise umgekehrt, die in der BRD synchronisierten Filme und TV - Beiträge hinterlassen ihre Spuren bei uns.
Der von Dir erwähnte Film aus 1957 könnte übrigens hier gedreht und/oder vertont sein, damals war unsere Filmindustrie recht produktiv.

Besten Gruss
von Julius
der seinersets Steigerungsformen wie „meistfotografiertest“ hasst!

Hallo Julius,
danke für Deinen Hinweis! Ich weiß nicht mehr genau, welcher Film es war, ich habe zwei gesehen, einen aus 1940, einen von 1957, und in einem davon war es. Beides sind deutsche Filme, was aber nicht viel bedeutet. Könnte darin also aus dem Österreichischen kommen.

Aber heutzutage hört man diese Ausdrücke ja schon in aktuellen Fernsehberichten. Mich schauderts jedes Mal!

Gruß
Jette
die Dir voll zustimmt bei den „meistgesuchtesten“ Sprachvergewaltigungen

Konstruktionen wie „von was“, „bei was“ etc. können schon deshalb bicht stimmen, weil diese Präpositionen wie von, bei etc. mit Dativ verbunden werden (von Dir, bei diesem Film etc.) und „was“ ja keine Dativform ist, weswegen man auf diese sog. Pronominaladverbien ausgewichen wird.

Hallo Jette,

Was haltet Ihr von diesen Ausdrücken? Sind die wirklich schon
lange „normal“ oder gar sprachlich richtig?

Diese von dir aufgeführten Beispiele gehören zur Umgangssprache und kommen wahrscheinlich im gesamten deutschsprachigen Raum vor. Es gibt keinen Grund über umgangssprachliche Ausdrücke die Nase zu rümpfen.

http://de.wikipedia.org/wiki/Umgangssprache

In der standardisierten Schriftsprache sollte man diese Ausdrücke vielleicht vermeiden, wenn es auf stilistische Eigenheiten ankommt. Es gibt aber keinen Grund diese Schriftsprache zur allgemeingültigen und ausschließlich zu verwendenden und einzigen richtigen Sprachform zu erklären, die nun jeglicher umgangssprachlichen oder dialektgefärbten Besonderheit überlegen ist.

Gruß
Roland

Mich schaudert’s auch
Hallo Jette,

Mich schauderts jedes Mal!

mich schaudert’s auch jedesmal, wenn ich sowas

Sprachvergewaltigungen

lese. Vergewaltigung ist ein Verbrechen und hat m.E. in einem vergleichsweise läppischen Zusammenhang wie falsches Deutsch nichts verloren.

Gruß Gudrun

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Super, Orlando!
Ich hätte’s nicht besser ausdrücken können. Ich habe den Eindruck, dass nicht die Leute, die ‚schlechtes Deutsch‘ sprechen, mehr geworden sind, sondern die Leute, die glauben, Umgangssprache wäre ‚schlechtes (oder gar falsches!) Deutsch‘.

Dafür 'nen Stern,

  • André
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lese. Vergewaltigung ist ein Verbrechen und hat m.E. in einem
vergleichsweise läppischen Zusammenhang wie falsches Deutsch
nichts verloren.

Erschauderst du dann auch, wenn du das Wort „Raubvogel“ hörst, weil Raub ein Verbrechen ist? Oder noch viel schlimmer: "Mordsgaudi?

Du Arme…

Viele Grüße,
Sebastian

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Hi,

Sebastian!

Manche, die auszogen, das Gruseln zu lernen, fanden es schon beim Wort „Kopfsalat“.
Hannes

Hallo,

ich möchte euch auch zustimmen. Nachdem du, André mich vor einiger Zeit mal von wegen Umgangssprache - Hochdeutsch mir den Kopf gewaschen hast (ich weiß den konkreten Fall nicht mehr), bin ich in mich gegangen (oder sollte ich sagen: dein Ansatz macht Sinn
–? :stuck_out_tongue: ): deine Ansätze haben mich überzeugt.

Gruß
Elke

… ist kein Kraut gewachsen!
War ja zu erwarten, daß irgendso ein Intelligenzler es nicht begreift …

Gruß Gudrun

War ja zu erwarten, daß irgendso ein Intelligenzler es nicht
begreift …

? Versteh ich wirklich nicht. Was gibt’s da zu begreifen?

Du hast also eine persönliche Abneigung gegen ein spezielles Wort aus dem Bereich Straftaten, aber nicht gegen andere ähnliche. Ist das Wort irgendwie aufgeladen für dich, weil du dich diesbezüglich gesellschaftlich oder politisch engagierst? OK, aber warum sollte es deswegen aus dem normalen Sprachschöpfungsprozeß fallen? Welche Gefahr siehst du denn da, die du z.B. bei „Raubvogel“ nicht siehst?

Oder ist es wirklich nur Abscheu dagegen, das Wort zu hören? Die liegt dann aber vor allem in deiner privaten Disposition begründet; jemand anderes könnte das gleiche in Bezug auf „Mord“ oder „Wackelpudding“ empfinden.

Wenn du eine auf den ersten Blick seltsam anmutende Forderung stellst, musst du sie schon begründen. „War zu erwarten, dass irgendeiner das nicht begreift“ ist nicht sehr produktiv.

Grüße,
Sebastian

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Schön erklärt Sebastian,

ich gehe allerdings davon aus, dass sie eine Intelligenzlerin ist, die es nicht begreift.

LG
CI

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Ich verstehe Gudruns Abneigung so:

Sie ist nicht gegen die Verwendung von Straftatwörtern im Nicht-Straftat-Kontext (Raubvogel und Mordsgaudi wären also okay), sondern vermutlich gegen die polemische Verwendung von speziell „Sprachvergewaltigung“ (oder „Vergewaltigung der deutschen Sprache“), denn das ist ein hirnloser, überzogener, unseriöser und dadurch lächerlicher Terminus, den praktisch nur Leute verwenden, die sich nie ernsthaft mit Linguistik oder Germanistik beschäftigt haben, dafür aber als Journalisten oder Buchautoren oder selbsternannte Sprachkritiker das Ruhm und/oder Geld einsacken oder vllt. nur ihre überragende Intelligenz verglichen mit den „dummen Sprachvergewaltigern“ ausdrücken wollen.

Wenn man sich nämlich mal anguckt, wer das Wort in dem Kontext benutzt, sind das immer irgendwelche unseriösen Journalisten (BILD-Autoren und Bastian Sick, die ich auf die selbe Stufe stellen würde), Buchautoren, die’s ihm gleichtun wollen, oder Leute, die sich mit diesem Mittel gerne klüger fühlen möchten (was an sich aber nicht schlimm ist).
Schonmal 'nen Sprachwissenschaftler sowas sagen hören? Oder Germanisten?

So in der Art versteh ich das, daher auch mein Sternchen für Gudruns Aussage. Ob sie’s genauso oder ähnlich meint, kann sie nur selbst sagen.

Grüße,

  • André
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Hallo Jette
Es ist eine mundartliche Eigenart, es gibt auch Leute, die „das Einzigste“ als mundartlich verteidigen.
Aber davon wird es nicht richtiger, siehe Diskussion „Diaspora“.
Ein wirklich neue Welle ist " von daher " statt deswegen oder deshalb, das finde ich furchtbar ebenso wie Anhäufung von extrem und massiv bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit.
Gruss
Rochus

Hallo Jette

Hallo Rochus, hier André…

Es ist eine mundartliche Eigenart, es gibt auch Leute, die
„das Einzigste“ als mundartlich verteidigen.

Hm, mundartlich vielleicht nicht, eher umgangssprachlich. Ich denke nicht, dass „einzigste“ und „von was“ sich auf bestimmte Gebiete beschränkt.

Aber davon wird es nicht richtiger, siehe Diskussion
„Diaspora“.

Im Schriftdeutschen/Standarddeutschen nicht, das ist klar. Dort gibt es festgeschriebene Regeln. Wenn ich in der Umgangssprache „einzigste“ sage, ist’s natürlich keineswegs falsch.

Ein wirklich neue Welle ist " von daher " statt deswegen oder
deshalb, das finde ich furchtbar ebenso wie Anhäufung von
extrem und massiv bei jeder passenden und unpassenden
Gelegenheit.

Wirklich neu? Ich frage mich gerade, von wann wohl der erste Beleg mit „von daher“ stammt… aber wie rausfinden?

Gruss
Rochus

Gruß,

  • André
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Hallo André!

Ich habe den
Eindruck, dass nicht die Leute, die ‚schlechtes Deutsch‘
sprechen, mehr geworden sind, sondern die Leute, die glauben,
Umgangssprache wäre ‚schlechtes (oder gar falsches!) Deutsch‘.

Letzteres mag wohl sein; jedoch denke ich auch, dass die Leute, die „schlechtes Deutsch“ sprechen, mehr geworden sind - und zwar schlechtes Deutsch in dem Sinne, dass sie die Varietät, die sie sprechen, für Standarddeutsch halten und, was m.E. noch viel schlimmer ist, alles, was sie im Fernsehen hören, in der BILD lesen oder auf der Werbetafel eines Imbisses sehen, für Hochsprache ansehen und unreflektiert nachplappern.
Die Gefahr, die ich darin sehe, ist nicht so sehr, dass sich die Umgangssprache verändert, sondern dass dies immer schneller geschieht. Solch einer rasanten Entwicklung war zuvor nur die Jugendsprache unterworfen, und was die Folgen sind, kann man sich vor Augen führen, wenn man Jugend- und Umganssprache vergleicht:

Lies mal einen Text, der ca. 1950 in „Jugendsprache“ geschrieben wurde. Er wirkt allenfalls komisch. (Dasselbe gilt für „Wörterbücher der Jugendsprache“, die spätestens nach 5 Jahren komplett veraltet sind.) Wenn jedoch, sagen wir, ein Dramatiker ein Schauspiel 1950 umgangssprachlich schreibt oder Umgangssprache gar als Stilmittel zur Charakterisierung einer Figur verwendet, dann wirkt das heute noch ebenso.
Damit will ich nicht sagen, dass die Umgangssprache sich nicht wandelt - Umgangssprache des 19. Jahrhunderts wirkt für uns heute auch hochgestochen. Ich kann noch nicht einmal genau ausdrücken, warum ich diesen schnellen Wandel als problematisch ansehe. Vielleicht deshalb, weil dadurch das Verständnis zwischen verschiedenen Generationen erschwert wird - und das Generationenverhältnis ist ohnehin schon nicht unproblematisch.

Ich schätze übrigens die Bücher von Bastian Sick sehr. Sicher, seine journalistische Kompetenz bleibt auf BILD-Niveau, wodurch sich viele offenbare Fehler einschleichen; und von deskriptiver Sprachwissenschaft hat er wohl auch noch nichts gehört. Dennoch ist die große Leistung dieser Bücher, dass sie viele Menschen zur Intensiven Beschäftigung mit Sprache angeregt haben. Das hat André Meinunger nicht geleistet (weil der nicht die Werbetrommel rührt). Und gerade beim Lesen des dritten Bandes vom „Dativ“ stellte sich bei mir der Eindruck ein, dass auch Herr Sick die Meinung vertritt, die Entscheidung, was „richtiges Deutsch“ ist, sei hochgradig subjektiv. Wirklich anders als hier im Forum, finde ich, klang das bei ihm im Buch nicht.

Liebe Grüße
Immo