Von „wiedergeborenen“ Christen

… und anderen Überzeugungstätern
Hallo,
ich habe den Link zwar schon einmal an anderer Stelle gepostet, aber mir erscheinen die darin enthaltenen Informationen so wichtig, so bedrohlich, dass ich sie hier im entsprechenden Brett noch einmal bringen und zur Diskussion stellen möchte.
Die Sendung wurde am 1. Januar auf WDR5 in der Sendereihe „Scala“ ausgestrahlt. Hier das Manuskript als PDF (Acrobat Reader erforderlich)
http://www.wdr5.de/sendungen/scala/manuskript/pdf-fi…

Was mich daran besonders erschreckt, wird in diesem Auszug deutlich:
„Im Herzen der amerikanischen Regierung herrscht eine seltsame Atmosphäre. Die Frau des Generalsekretärs Andrew Card ist Pastorin der Methodistenkirche. Der Vater von Condoleeza Rice, Leiterin des Nationalen Sicherheitsrats, ist Prediger in Alabama. Michael Geerson, Leiter der Redenschreiber des Präsidenten … pflichtet den Prophezeiungen der christlichen Ultrarechten bei, die an ein unmittelbar bevorstehendes Armageddon, an die Rückkehr des Antichristen und das Erscheinen eines neuen Messias glaubt.
Das gesamte Personal des Weißen Hauses nimmt täglich an Bibelgruppen teil. Der Präsidentensaal wirkt wie ein großer Gebetssaal, in dem die Männer zwischen zwei gemeinsamen Lesungen des Alten oder des Neuen Testaments die Geschäfte Amerikas und der Welt führen.“

und weiter:
"Hinter diesem frommen, fast mittelalterlichen Tableau einer Gemeinschaft der Heiligen arbeitet eine ganze Schattenarmee eifernder Glaubensbrüder und fundamentalistischer „Wiedergeborener“
Sie alle schaffen an ihrer „Vision“ eines neuen fundamentalistischen Amerikas – und an riesigen Gewinnen - aus der Rüstungsindustrie des tiefen Südens, dem „Bible Belt“, aus dem Öl im Nahen und Mittleren Osten und den zum Heil der Menschheit unabdingbaren Kriegen und an einer christlichen Sozialordnung.
Das neue Konzept des „konservativen Mitgefühls“ streicht Gelder für öffentliche Sozialeinrichtungen - z.B. von Familienplanung und Schwangerschaftsabbruch, verteilt den Segen stattdessen auf konservative kirchliche Institutionen und stigmatisiert Armut als Mangel an moralischen Werten. Was dem Apostel Paulus dann doch wohl nicht gefallen hätte. Tele-Evangelist Pat Robertson, Gründer des
ultrakonservativen Netzwerks „Christian Coaliton“, ein Freund und Wahlhelfer Bushs, weckt in seiner Show die „Seele Amerikas“ mit martialischem Gerassel auf, mit apokalyptischer Symbolik und messianischer Hoffnung: „Es wird satanische Kräfte geben, gegen die wir kämpfen müssen…“

Und alles nach dem Motto: „Und willst Du nicht mein Bruder sein, dann schlag’ ich dir den Schädel ein.“

Könnt Ihr meine Angst und mein Entsetzen nachvollziehen?
Grüße
Eckard.

Hallo Eckard,

ein klares JA. Ich kann Deine Ängste und Bedenken nur teilen. Ich war selber mal überzeugter Christ und kenne die Methoden, mit denen der Gemeinde die persönliche Meinungen mancher Prediger eingebläut werden. Noch schlimmer ist es, wenn Fanatiker (egal ob aus der christlichen Szene oder sonst wo) Macht erhalten. Dann liegt die Gefahr nahe, das diese Macht für Überzeugungsarbeit missbraucht wird. Und wenn sich gar noch Religion und Politik mischt ist die Kacke am dampfen. Schnell wird aus Begeisterung eine festgefahrene Struktur, und daraus ideologische Ansprüche die sich mit herrischem Gehabe am Leben erhalten wollen. Schon bald ist ein Feindbild erforderlich um dem Ganzen einen täglichen Sinn zu geben. Und dann nimmt man halt was da ist: Schwarze, Juden, den Islam, Behinderte.

Nur ist auch in einer Demokratie (ja ich spreche immer noch über Amiland :wink:) ein ausgleichendes Kräfteverhältnis nur schwer herzustellen. Ein satanistischer Linker als Vizepräsident wäre ideal finde ich, dazu ein buddistischer Aussenminister.

olli

Hi,

Könnt Ihr meine Angst und mein Entsetzen nachvollziehen?

Nein, kann ich nicht. Angst lähmt und führt letztlich zur Handlungsunfähigkeit. Und so schrecklich ist die religiöse Ausrichtung der amerikanischen Regierung nicht, dass man Entsetzen empfinden sollte.

Nicht jeder Amerikaner geht mit dem bigotten Gehabe diverser anderer Amerikaner konform. Das alles ist eher lächerlich, als angsterregend.

Viele beruhigende Grüsse,

Herb

Und so schrecklich ist die religiöse Ausrichtung der
amerikanischen Regierung nicht, dass man Entsetzen
empfinden sollte.

Verstehe mich recht, Herb,
nicht die christliche Ausrichtung ist es, die mich schreckt. Es ist der intolerante, selbstgerechte, arrogante Anspruch, allein im Besitz der endgültigen Weisheit zu sein. Allein die (end-)gültigen Maßstäbe setzen zu wollen, wie die Welt zu laufen habe. Die Unfähigkeit und die Unwilligkeit, den eigenen Standpunkt zu hinterfragen. Eher Gefundenhabender als Suchender, Denkender zu sein. Wenn Du so willst, das Fehlen dessen, was dem Christentum zugrunde liegen sollte - der Nächstenliebe.

Wir hatten doch hier in Deutschland erst vor einem halben Jahrhundert Leute, die ihre Ideologie (und diese Erweckungsbewegungen sind nichts anderes) mit Gewalt und Terror durchsetzen wollten.

Daher meine Besorgnis. Denn solche Haltung gebiert im Handumdrehen ihre eigenen Teufel. Die werden doch mit Begriffen wie „Achse des Bösen“ schon deutlich genug an die Wand gemalt. Wie lange noch und „das alte Europa“ ist ebenfalls Teil dieser Achse?

„So schlimm wird es schon nicht werden“ sagten viele Juden 1933 noch und standen fünf Jahre später vor den Ruinen ihrer Synagogen.

„So unrecht können ‚die da oben‘ nicht haben“, sagten viele Deutsche und standen nach Millionen von Toten in ganz Europa 12 Jahre später vor den Ruinen ihrer Existenz als Volk, als Staat, als Familie und als Mensch.

„Das ist doch übertrieben“ sagten die Europäer als Juden aus Deutschland flohen und waren entsetzt, als sich herausstellte, dass sie nur ein Zipfelchen der grausigen Wahrheit gehört hatten.

Wenn man nicht zu Beginn das Unkraut ausreißt, wird man Axt und Säge brauchen, um den daraus wachsenden Baum zu roden.

Gruß Eckard.

Hallo Eckhard,

Deinen Gedanken kann ich durchaus folgen. Das Problem ist, dass die Amerikaner ihren Weg gehen werden, auch wenn der Rest der Welt was dagegen hat. Das ganze braut sich schon sehr lange zusammen, nicht erst seit Bush und Co die Macht ergriffen haben.

Das Einzige, was man dagegen machen kann, ist, die Axt scharf zu halten, und aufzupassen, dass die gleiche Entwicklung hier nicht auch geschieht.

Nochmal: Wenn die Amerikaner sich entschliessen sollten, eine Theokratie aufzubauen, dann kannst Du sie nicht daran hindern. Das würden die USA mit Recht einen Eingriff in ihre ‚inneren Angelegenheiten‘ nennen.

Gruss,

Herb

und wenn man dann, lieber Eckard,
den Bericht über Guantanamo, der eben im Fernsehen lief, dazu nimmt, dann wird man den Gedanken nicht los, dass die Amis wirklich fast durchweg die größten Barbaren unserer Zeit sind.
Taliban und Alkaida sind dagegen bloße Schlingel auf dem Schulhof.
Fritz

Gegen die USA > wofür?

Wenn man nicht zu Beginn das Unkraut ausreißt, wird man Axt
und Säge brauchen, um den daraus wachsenden Baum zu roden.

Dies ist so ungefähr das Argument der USA/GB im Irak-Krieg.
Ich nehme an Du warst gegen diesen Prävetivschlag?

Die USA sind nicht schwarz oder weiss. Sie sind grau.
Es gibt genug Argumente gegen die Politik dieses Landes.
Aber jedem der nun beginnt zu verurteilen empfehle ich einen Besuch des „Haus der Geschichte“ in Bonn.
Nicht nur das einem gewahr wird, dass es die BRD in ihrer heutigen Form ohne die USA nicht geben würde. Es bleibt auch die Frage nach einer Alternative!

Im übrigen sieht es ja dezeit so aus als sein die derzeitige US-Regierung nicht mehr allzu lange am Ruder. Wir werde sehen was folgt.

Nicht nur das einem gewahr wird, dass es die BRD in ihrer
heutigen Form ohne die USA nicht geben würde.

„trotz“ es muss heißen „trotz“ den USA.

„Nicht nur dass einem gewahr wird, dass es die BRD in ihrer heutigen Form TROTZ den USA nicht geben würde“

So?
Welchen Sinn ergibt das?

die Frage nach einer Alternative!

Oh, falls wir ganz aktuell mal eben schnell eine kleine
Diktatur in D kriegen sollten, möchte ich bitte von den
Niederländer und Schweizern befreit werden.

Arme Maus!
Wären nach dem 2. Weltkrieg in der Hohen Kommission die Franzosen anstellen den USA die bestimmende Macht gewesen - was ungefähr einer „Befreiung“ durch unsere niederländischen Nachbarn entspräche - gäbe es die BRD als freie und unabhängige Nation nicht.

US-Amerikanische
Medienlandschaft. Die werden schon noch rechtzeitig ein
publikumswirksames „event“ aus dem Ärmel schütteln.

Du scheinst das US-Volk für blöd zu halten. Das ist Dein Fehler, nicht meiner.

Hallo Marion.

Glorifizierung von Geschichte

Das liegt mir völlig fern.
Aber Du hast recht, das hier rutscht mittlerweile zu sehr aus dem Brett „Religion & Ethik“ raus, deshalb belasse ich’s nun auch dabei.
Auf solche Verallgemeinerungen wie „Amis sind ungebildet“, „Holländer sind offen und freundlich“ reagiere ich nunmal allergisch. Ansonsten hätte ich mich in dieses Posting garnicht eingemischt.

Im Allgemeinen grüßt man hier bei w-w-w anders.

Dafür möchte ich mich noch entschuldigen! Da hast Du natürlich recht, das hätte ich mir klemmen müssen.

Schönen Tag noch und Gruß aus Duisburg
Garvey

Hallo, Garvey,
ich erspare uns allen meine Antwort auf Dein „Totschlag-Argument“.
Aber darauf möchte ich doch aeingehen.

Die USA sind nicht schwarz oder weiss.

Das hätte ich auch niemals behauptet. Und ich empfand die USA während der vielen Male, die ich dort war nicht als grau, sondern als recht bunt.
Wogegen ich mich wandte, war die (auch nach der Constitution) unzulässige Vermischung fundamental-christlicher Ansichten mit der realen Zielsetzung US-amerikanischer Politik, die ich in der Tat als bedrohlich ansehe. Ich wandte mich gegen die schleichende Unterwanderung und Umdeutung der ursprünglich liberalen (nicht als parteipolitische Richtung gemeint) Verfassung, die in der Tat, insoweit stimme ich Dir sogar zu, wesentliche Impulse für die Entwicklung der Demokratie in Europa gegeben hat.

Ob und inwieweit die gegenwärtige Administration die Wahlen übersteht, ist eigentlich von minderer Bedeutung. Das Gift des Fundamentalismus hat sich schon sehr tief in die amerikanische Gesellschaft eingefressen. So tief, dass selbst eigentlich Andersdenkende diese Geisteshaltung als gegeben hinehmen und kaum mehr als das wahrnehmen, was sie bedeutet und bewirkt.

Vergleichbar - und hier komme ich wieder auf das 3. Reich zurück - ist die Durchdringung breiter, eigentlich völlig apolitischer Teile des deutschen Volkes mit Gedankengut aus der braunen Ideologieküche. Daran leiden wir in Form verquaster rechter Schwafler noch heute.

Da lauert die eigentliche Gefahr, dass es „normal“ und salonfähig wird, fundamentalistisch-ideologische Begriffe und Denkweisen zu verwenden.

Dagegen wandte ich mich und deshalb schrillen bei mir die Alarmglocken.

Lies Dir das Manuskript (noch) einmal in Ruhe durch.

Gruß Eckard.

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hallo,

Könnt Ihr meine Angst und mein Entsetzen nachvollziehen?

nein. erklär mal. ich hab angst vor den islamischen diktaturen und nicht vor den usa.

gruß
datafox

Hallo Eckard

Deine Besorgnis kann ich grundsätzlich teilen, da die Menschen eben im Grunde genommen nicht gut sind, Macht im Grunde genommen korruptiert, etc
Deine Besorgnis kann ich im speziellen der USA aber nicht teilen, da die Ausrichtung sich ja EIGENTLICH auf die Bibel beruft und ich finde, dass wenn man sich an die Bibel hält (und sich nicht nur darauf beruft) vieles auf der Welt besser wäre.

Konkret:
Regierungen haben alle eine Zielvorstellung, ein Leitbild oder was auch immer in dieser Richtung. Die einen wollen sich möglichst bereichern und so (zB einige Diktaturen), die anderen sprechen irgenwelchen Gruppen/Sachen Ihre Existenz ab und kämpfen dagegen (zB die Palästinenserführung die Existenz des Staates Israel), wiederum andere eine gewisse Wertvorstellung (Nazideutschland) oder religiöse Grundlagen (Scharia,Bibel) bzw Teilgrundlagen (heiliger Krieg)
Wenn so eine Regierung sich ehrlich auf eine gute Grundlage bezieht ist dies positiv. In vielen Fällen (siehe oben) ist die Grundlage aber sehr negativ, heute ist insbesondere der fanatischen islamische Extremismus meines Erachtens unser gegenwärtiges und zukünftiges Hauptproblem, nebst den diversen Diktaturen aller Schattierungen.

Wie in einer Firma ist die Grundlage/das Leitbild aber nur ein Teil der ganzen Sache. Wenn es nicht ehrlich ist, kann man es missbrauchen. Ein Beispiel aus der Vergangheit sind zB Religionskriege, welche bei einigen eigentlich keine waren, so wie Hussein die Problematik auch versuchte zu einem Glaubenskrieg zu machen, was ihm zum Glück nur zu einem kleinen Teil gelang.
Aber sogar wenn das Leitbild/aUSRICHTUNG/gRUNDLAGE gut und ehrlich gemeint ist (HABE ZUWENIG iNFOS UM DIES IM fALLE DER usa BEURTEILEN ZU KÖNNEN), steht dann der Mensch mit all seinen Fehlern, Versuchungen, falschen einschätzungen, falschen Interpretationen und seinem Ego etc dahinter. Das heisst, trotz guter Grundlage können dann falsche Sachen entstehen. Ein kleines Beispiel: Gemäss Bibel soll man nicht lügen. Wegen den angeblichen Massenvernichtungswaffen im Irak, kann ich mir durchaus vorstellen, dass die US Regierung da, ungeschminkt und hart gesagt, bewusst gelogen hat!

Zusammengefasst die Grundlage auf die sich die US Regierung bezieht, ist meines erachtens gut, sonst müssten wir ja dem christlichen glauben abschwören. Wie die US regierung dies umsetzt, sollte uns nicht stören und Ihnen überlassen sein, sofern es eben so umgesetzt und nicht zurechtgebogen wird, wie es zb bei der erwähnten Massenvernichtungswaffen der Fall gewesen sein KÖNNTE. Die Gefahr für die Welt geht meines Erachtens von anderen Seiten aus. Hast Du zB gewusst, dass die grösste Gruppe Verfolgter auf der Welt die Christen sind? Darüber liest man kaum was und nur wenige wissen dies. Während der Nazizeit waren es wahrscheinlich die Juden, heute sind es die Christen, wir spüren dies hier zum Glück (noch??) nicht so direkt indirekt aber schon. Wie die Zukunft (terroranschläge auch bei uns) aussehen wird, habe ich mir eine Meinung gebildet (siehe Bibel)

Gruss
Beat