Vorbereiten aufs Sterben

Hallo liebe Leute,

wie bereitet man sich und seine Familie am besten auf das Sterben eines nahen Angehörigen vor?

Gibt es ein Forum wo man Fragen stellen kann und Unterstützung findet?

In meinem Bekanntenkreis wird wahrscheinlich eine junge Mutter ihre halbwüchsigen Kinder verlassen müssen. Wie kann man die Kinder unterstützen, damit sie weiterhin ihre Schule schaffen usw.

Liebe Grüße
Bastett

Hallo,

vor 2 Jahren ist bei uns auch eine Mutter verstorben. Ihr Mann und sie haben mit ihren 3 Kindern in der letzten Zeit alles sehr bewusst zusammen gemacht. Sie haben die Beerdigung mit allem drum beredet und organisiert. Da die Familie sehr mit der Kirche verbunden war, wurde viel über die Kirche und Gott geredet.
Jeder konnte noch alles mit der Mutter zusammen machen, wozu er Lust hatte( soweit es der Gesundheitszustand der Mutter mitmachte).
Bei uns in Gemeinde gibt es einen Hospiz, deren ehrenamtlichen Mitarbeiter helfen Familien. Frag doch mal bei euch nach, die geben auf alle Fälle Ratschläge.

Manu

Hallo Bastett,

ich selbst bin zwar Geigerin, habe aber mehrfach aus Interesse in Krankenhäusern gearbeitet, zuletzt auf einer Palliativstation, auf der ich mich intensiv mit dem Thema Tod, Sterben, Trauer und Bergleitung auseinandersetzen musste. Ganz zentral auch für meinen inneren Umgang und meine Vorbereitung fand ich immer das Gespräch und den Austausch mit der/dem Sterbenden selbst, in dem auch Ängste oder Sorgen angesprochen werden können, vor allem wenn wie bei Deiner Bekannten Kinder Fragen haben. Entscheidend finde ich außerdem, dass das Thema nicht tabuisiert wird (da habe ich nach Deinen Zeilen auch nicht den Eindruck), sondern dass es in den Alltag integriert wird, weil es eben auch zum Alltag gehört. Wichtig ist für Helfer, Begleitende, nahe Angehörige, eben für alle, die die Krankheit mittragen, zu wissen, dass sie nicht um jeden Preis „durchhalten“ müssen, sondern sich auch selbst Hilfe suchen und annehmen können. Ich habe erlebt, dass es sowohl der/dem Sterbenden als auch den Angehörigen sehr gut tun kann, gemeinsam über eine Trauerzeremonie oder Trauerfeier zu sprechen, wie sie gestaltet sein soll, usw. Natürlich sind das alles keine Dinge, die eben mal in Kürze besprochen werden können, oft sind es kurze Momente in einem Gespräch, die sich ganz natürlich ergeben. In jedem Fall blieb in meinem bisher Erlebten das offene Gespräch immer die wichtigste Form, in der Sterbende und BegleiterInnen ihre Bedürfnisse äußern und gemeinsam einen guten Weg finden konnten.

Sicherlich können auch Hospize und soziale Dienste Dir weiterhelfen, schau mal hier: http://www.hospiz.net/adressen/index.html

Ein gutes Forum zur Sterbebegleitung habe ich bisher noch nicht entdeckt - mag es vielleicht daran liegen, dass jede Sterbebegleitung ein urpersönliches und tiefes Erlebnis ist, das unter Umständen nicht so einfach in Worte zu fassen ist? Nebenbei könnte ich mir vorstellen, dass professionelle SterbebegleiterInnen der Schweigepflicht unterliegen.

Ich schreib Dir noch ein paar Buchtitel und -autorInnen auf, die sich von unterschiedlichen Zugängen her mit dem Sterben beschäftigen:

Anne-Marie Tausch, Reinhard Tausch
„Sanftes Sterben“

Monika Specht-Tomann, Doris Tropper
„Bis zuletzt an deiner Seite“

Jiddu Krishnamurti
„Über Leben und Sterben“

Marie de Hennezel, Jean-Yves Leloup
„Die Kunst des Sterbens“

Dorothee Döring
„Leben in Würde bis zuletzt“

zwei Erfahrungsberichte, die ich sehr mochte:

Michael Schophaus
„Im Himmel warten Bäume auf dich“

Ken Wilber
„Mut und Gnade“

außerdem noch ein Link mit Literaturempfehlungen, um Kinder an das Thema heranzuführen, da hab ich aber nicht alle gelesen:
http://www.kinder.trauer.org/buecher.htm

Ich wünsch Dir und Deinen Bekannten eine gute und reiche gemeinsame Zeit, in der Ihr Euch auch gegenseitig begleitet.

Anna

Kübler-Ross
Als vor 9 Jahre eine Freundin von mir an Krebs gestorben ist, fand ich die Bücher von Elisabeth Kübler-Ross sehr hilfreich: http://www.elisabethkublerross.com/German/pages/book…

Grüße
Christiane

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Hallo Bastett
Das ist in der Tat ein Szenario, das man sich nur sehr schwer vorstellen kann. Die probleme sind imens, die da auf Familie und Angehörige zukommen. Die Hilfsbereitschaft sicher sehr groß, aber wie kann man es effektiv gestalten? Wie lange kann man es durchziehen? Wie es überhaupt „anpacken“? Wenn ich richtig gelesen habe, so geht es dir hauptsächlich um die Kinder und deren Zukunft. Ich weiß nicht, wie die Familie ganz allgemein zum Thema Tod steht. Wird es totgeschwiegen? Spricht man nicht über „sowas“? Dann ich die Barriere sicher größer, als wenn die Familie das Thema als etwas natürliches ansieht.
Ich glaube, den Kindern das Thema so weit wie möglich vorzuenthalten, damit sie noch eine „schöne Jugend“ haben, ist grundfalsch. Sie sollten von Anfang an dabei sein dürfen, es erleben dürfen.Auch die Sorgen, die Hilflosigkeit und das Ende der Mutter erleben dürfen.
Für unseren Kulturkreis ist dieser Gedanke abstoßend, doch der Tod gehört zum Leben. Im Grunde ist er sogar das Ziel des Lebens. Alles strebt darauf zu. Wir haben das Leben, um bis zum Ziel etwas daraus gemacht zu haben, um am Ende zu unserem Ursprung zurückkehren zu können. Kinder sind in ihren Seelen noch viel mehr verwurzelt mit diesen Gedanken als wir Erwachsenen. Doch man muß ihnen auch erlauben, ihre Gedanken und Gefühle leben zu können. Kein „du mußt stark sein“, kein „geht mal raus“. oder ähnliches. Nein, die ganze Gefühlspalette sollte erlaubt sein, von hilflosem schreien bis zum verzweifelten Hass auf die Welt. Erst wenn alles herausdarf, kann der Frieden zurückkommen. Und genauso sollte auch die Mutter selbst leben und sich selbst er-leben dürfen. Kein Verwandter sollte trösten, ablenken. Nein, sie eher in den Arm nehmen, festhalten, sagen „ja… ich weiß…“ und die Dinge geschehen lassen. Dabeisein, und geschehen lassen.
Wer dort helfen kann, der sollte sein Herz öffnen, den Dingen, die er erlebt. Die grenzenlose Verzweiflung, die ohnmächtige Wut. Wer daran teilhaben darf, der sollte nicht mit dem Kopf dabei sein, sondern aus vollem Herzen. Selbst all diese Gefühle spüren, sie rauslassen, sie teilen, erleben, wie daraus neue Kraft entsteht.Neues Annehmen der Unabänderlichkeit. Demut nennt man es auch - das akzeptieren des Unabänderlichen, Frieden schließen, mit den Dingen, die man nicht ändern kann. Es ist wie ein „Phoenix aus der Asche“. Das Sterben findet vor dem körperlichen Sterben statt. Indem man lernt, es zu akzeptieren und gereift seinen Weg auf der Welt beenden kann.
Wer das schafft, wer andere dabei begleiten kann, ist wahrhaft begnadet. Er erlebt Großes. Und als genau das sollte es erlebt und behandelt werden.
Dann können die Kinder stark aus diesem Erlebnis hervorgehen. Es wird sie prägen, aber auf eine ganz andere, nicht traumatische Weise. Und auch die Mutter wird gehen können, weil alles getan ist, was getan werden konnte.

Kübler Ross ist wirklich empfehlenswert

Alle guten Wünsche für den schweren Weg, Kraft und Liebe.
alles Liebe
Kerstin

Begleitung
…ich hab noch was vergessen. Einige Heilpraktiker bieten Sterbebegleitung an. Es ist eine Begleitung, die nicht rein religiös geprägt ist und auch nicht medizinisch. Es ist eine Begleitung im reinsten Sinn des Wortes. Sie beginnt mit der Tatsache, daß jemand sterben muß und endet mit der Begleitung der Hinterbliebenen nach der Beerdigung. Ich kenne persönlich auch eine Heilpraktikerin, die das macht. Ich weiß jedoch nicht, wo du wohnst. Wenn ich mal vermitteln soll - vielleicht kennt sie Adressen - melde dich ruhig.

Liebe Grüße
kerstin