Vorgesetzte (-s Gesülze?)

Hallo liebe WWWler,

diese Fragen hätten möglicherweise auch in eines der Bretter „Jobs & Karriere“ oder „Kultur“ (oder vielleicht sogar in „Witze“) gehört, aber hier find ich’s auch nicht falscher:

Mein Teamleiter war mit den Kollegen seiner und seiner vorgesetzten Führungsebene auf einer Klausurtagung. Heute nun bekamen wir zur Information das Ergebnis dieser Tagung in Form folgender Thesen:

<u>Unser Selbstverständnis als Führungsteam</u>
1. Der gemeinsame Erfolg steht im Vordergrund unseres Handelns.
2. Wir binden unsere Mitarbeiter aktiv in unser Handeln ein.
3. Wir vereinbaren unsere Ziele und Aufgaben gemeinsam. Dazu definieren wir Erfolgskriterien, an denen wir unsere Zielerreichung messen.
4. Wir vereinbaren Regeln für unsere Zusammenarbeit und reflektieren diese regelmäßig.
5. Wir handeln im gegenseitigen Vertrauen, indem wir offen und fair miteinander umgehen.
6. Wir vertreten getroffene Entscheidungen gemeinsam und setzen sie um.

Sagt mal, ist denn sowas normal? Da sitzen ca. 10 gut bezahlte Führungskräfte einen halben Tag zusammen, und heraus kommen nur hohle Phrasen? Das sind m.E. Allerwelts-Regeln, die so selbstverständlich sein müssten, dass da keine Worte mehr drüber verloren werden sollten. Oder habe ich übersehen, dass man das Fundament seiner Unternehmenskultur alle paar Jahre wieder neu erfinden muss?

Was habt Ihr für Erfahrungen?

Schöne Grüße
Thomas

Hallo Thomas,

das ist nichts ungewöhnliches.

Aber es geht auch anders :wink:

http://www.familie-ahlers.de/witze/bullshit_bingo.html

Gandalf

Hi Thomas!

Sowas gibt’s wohl in allen Bereichen. Störend ist für einen daran eigentlich nur noch der Gedanke, daß der Unternehmensberater oder -Coach, der solch tiefgreifende Erkenntnis erst anbahnt, für das Seminar wahrscheinlich ein halbes Durchschnittsmonatsgehalt bezieht.

Gruß
Peter

Hallo,
die Punkte

  1. Wir binden unsere Mitarbeiter aktiv in unser Handeln ein.
  2. Wir handeln im gegenseitigen Vertrauen, indem wir offen und
    fair miteinander umgehen.
  3. Wir vertreten getroffene Entscheidungen gemeinsam und
    setzen sie um.

in sprachlich ähnlicher und inhaltlich gleicher Form in unserer Firma publik gemacht, kurz bevor 3 Mitarbeiter auf wirklich schäbige Art „verabschiedet“ wurden.

Gruss
Enno

Hallo

was auf dem Papier steht hat höchst selten damit zu tun, was in der realen
Unternehmensführung passiert.

Hab mir gestern mal wieder die : schwierige Zeiten aber es geht aufwärts-Rede
unseres Vorsitzenden anhören dürfen, die ich so in gleicher Form schon seit 3
Jahren von ihm höre.

Aber ist das wirklich was fürs Psycho-Brett?

LG

Julia

wirklich schauerlich
Hallo Thomas,

bei den Thesen werde ich den Verdacht nicht los, dass Vorgesetzte sich nicht die Mühe machen wollen sich mit der Eigendynamik des Teams und den Eigenarten der Teammitglieder zu beschäftigen. Einmal habe ich von einem Arbeitgeber gehört, dass ein Chef sensibel auf die Besonderheiten seiner Mitarbeiter reagieren soll, während Mitarbeiter diese Sensibilität ihrem Chef gegenüber nicht aufbringen muss.

folgender Thesen:
Unser Selbstverständnis als Führungsteam

  1. Der gemeinsame Erfolg steht im Vordergrund unseres
    Handelns.

das ist doch eine Selbstverständlichkeit! Ohne Umsatz keine Kohle.

  1. Wir binden unsere Mitarbeiter aktiv in unser Handeln ein.

und wie geht im Gegensatz dazu passiv ins Handeln einbinden? Ist damit Mitspracherecht gemeint?

  1. Wir vereinbaren unsere Ziele und Aufgaben gemeinsam. Dazu
    definieren wir Erfolgskriterien, an denen wir unsere
    Zielerreichung messen.

erinnert mich an McDonalds mit dem Mitarbeiter des Tages *schüttelgraus*

  1. Wir vereinbaren Regeln für unsere Zusammenarbeit und
    reflektieren diese regelmäßig.

ohne Regeln ist Teamarbeit unmöglich. Aber wenn man Regeln zu großer Aufmerksamkeit schenkt, wird die Improvisationsfähigkeit eines Teams eingeschränkt. Besser wäre es über Handlungsfreiheiten und dessen Grenzen, zu sprechen - um dafür zu sorgen, dass bestehende Regeln elastisch genug für chaotische Situationen sind.

  1. Wir handeln im gegenseitigen Vertrauen, indem wir offen und
    fair miteinander umgehen.

wird beim besagten Umgang kommuniziert oder informiert?

  1. Wir vertreten getroffene Entscheidungen gemeinsam und
    setzen sie um.

klingt nach Lemminge

Was habt Ihr für Erfahrungen?

Deine Empfindlichkeit kann ich sehr gut nachvollziehen. Damit wird das Hemd gewaschen ohne dass jemand dabei nass wird. Und ich habe den Eindruck, dass sie sich dadurch von wichtigen Führungsarbeiten befreien. Es wird nicht mehr auf gegebene Situationen reagiert sondern anhand ihrer Selbstverständnisliste überprüft, welcher Punkt in welcher Situation zur Anwendung kommt.
Denn Unsinn kann man im Geiste nur noch als Heizmaterial verwenden.

viele Grüße
claren

Hallo Thomas,
ich war jetzt zum ersten mal auf so einem Meeting. Neue Produkte entwickeln war das Ziel.

Ein kleiner Teil davon war es, seinen eigenen USP (Unique Selling Proposition) darzustellen, also das was „mich in meiner Position einzigartig macht“.

Ich hatte auf einer Skala von 5-10 die niedriegsten Erwartungen an dieses Meeting (5), da zum Glück noch ein zweiter mit mir. Aber nach dem Meeting sollten wir bewerten, was denn unserer Meinung nach rausgekommen wäre, und da war ich mit meiner 1 (also knapp über 0) deutlich am negativsten eingestellt.

Ich bin auch jemand der gerne beim Kunden konkrete Probleme löst. Dieses allgemeine blabla schreckt mich ab. Aufgrund meines negativen Feedbacks hoffe ich, dass ich nie wieder zu einer solchen Zeitverschwendung eingeladen werde.

Das Highlight war wohl für viele Teilenehmer das gemeinsame Mittagessen auf Firmenkosten.

Ich kann Deine Meinung nur teilen.

Morrighan

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Hi,

auch ich kann dich gut verstehen. Was ich von guten Vorgesetzten erwarte? Das sich sich mir gegenüber so verhalten, dass ich sie respektieren kann. Noch besser, dass ich sie bewundern kann! Ich möchte jemanden über mir haben, von dem ich noch was lernen kann. Sei es fachlich, aber natürlich auch im Umgang mit anderen Menschen bei der Arbeit.

Auch mein Ex-Chef zitierte uns alle zu so einer „Standpauke“ von wegen wir ziehen alle an einem Strang usw usw…

Ehrlich gesagt hat es sich mir gegenüber damit total lächerlich gemacht und es fiel mir merklich schwer meine Langeweile nicht ZU sehr zu zeigen. IMHO zeigt sich Führungskraft grade NICHT darin selbstverständliche Satzhülsen abzuspulen sondern in ganz anderer Weise die man aber nicht so einfach und plakativ darstellen kann.

  1. Wir binden unsere Mitarbeiter aktiv in unser Handeln ein.

Wenn sie das noch nicht vorher wussten, wieso sind sie dann Führungskräfte geworden?

  1. Wir vereinbaren unsere Ziele und Aufgaben gemeinsam. Dazu
    definieren wir Erfolgskriterien, an denen wir unsere
    Zielerreichung messen.

„Vorsprung durch Technik“ sagt in etwa genausowenig aus. Könnte ein Bibeltext sein :wink:

  1. Wir vertreten getroffene Entscheidungen gemeinsam und
    setzen sie um.

Hä? Als Führungskraft sollte er SEINE Entscheidungen SELBST vertreten. Wozu braucht er da seine Mitarbeiter?

Viele Grüße,
J~

narrengeschnatter
hallo thomas,

das sind keine thesen, sondern phrasen. von deinen „führungs“-kräften nachgeplappert, ohne den inhalt erfaßt zu haben, geschweige denn, anwenden zu können.

gruß
ann

Hallo,

Einmal habe ich von einem Arbeitgeber gehört,
dass ein Chef sensibel auf die Besonderheiten seiner
Mitarbeiter reagieren soll, während Mitarbeiter diese
Sensibilität ihrem Chef gegenüber nicht aufbringen muss.

das ist in der Tat graue Theorie. Die Punkte an sich, sind nicht unbedingt als offensichtlich oder lächerlich einzusehen, wenn es in der Realität nicht gänzlich anders laufen würde.

  1. Der gemeinsame Erfolg steht im Vordergrund unseres Handelns.

das ist doch eine Selbstverständlichkeit! Ohne Umsatz keine Kohle.

Betonung auf gemeinsam. D.h. der Erfolg wird nicht von 2-3 Leuten hingewurschtelt, sondern im Kollektiv erarbeitet. Und jeder profitiert entsprechend davon (Kohle, Beförderung, Jobsicherheit etc.).

  1. Wir binden unsere Mitarbeiter aktiv in unser Handeln ein.

und wie geht im Gegensatz dazu passiv ins Handeln einbinden?
Ist damit Mitspracherecht gemeint?

Ja, also keine Entschlüsse verkünden, sondern zusammen, unter Einbeziehung aller Beteiligten, zur Entscheidung kommen.

  1. Wir vereinbaren unsere Ziele und Aufgaben gemeinsam.
    Dazu definieren wir Erfolgskriterien, an denen wir unsere
    Zielerreichung messen.

erinnert mich an McDonalds mit dem Mitarbeiter des Tages
*schüttelgraus*

*g* - an sich nur ein Aspekt von 2. der nochmal aufgedröselt wird.

  1. Wir vereinbaren Regeln für unsere Zusammenarbeit und
    reflektieren diese regelmäßig.

ohne Regeln ist Teamarbeit unmöglich. Aber wenn man Regeln zu
großer Aufmerksamkeit schenkt, wird die
Improvisationsfähigkeit eines Teams eingeschränkt. Besser wäre
es über Handlungsfreiheiten und dessen Grenzen, zu sprechen -
um dafür zu sorgen, dass bestehende Regeln elastisch genug für
chaotische Situationen sind.

Da wird ja keine Aussage über die Vielfalt der Regeln bzw. ihren einschränkenden Charakter gemacht, sondern nur, daß sie ab und zu wieder auf ihre Sinnigkeit überprüft werden. Was anderes stelle ich mir als kaum möglich vor.

  1. Wir handeln im gegenseitigen Vertrauen, indem wir offen und
    fair miteinander umgehen.

wird beim besagten Umgang kommuniziert oder informiert?

Sollte zumindest. Auch das frühzeitig mitteilen von Mißständen.

  1. Wir vertreten getroffene Entscheidungen gemeinsam und
    setzen sie um.

klingt nach Lemminge

*g* - an sich auch etwas selbstverständliches. Individualität bis zur Entscheidung, danach muß die Minorität auch mit Mißständen leben. Bezieht sich insbesondere auch auf die „Außendarstellung“ einer Firma. Generell schlecht gegenüber Kunden ist es, sie (unfreiwillig) in interne Streits/Diskussion zu involvieren.
Die Punkte halte ich also an sich für nicht verkehrt, im Hinblick auf die Realität, kann man deren Verkündung aber als verlogene Sch*iße verbuchen.

Gruss
Enno

Hi Thomas,
mit sowas werden wir in der Firma auch konfrontiert. Anstatt dass Vorgesetzte es zu schätzen wissen, wenn Mitarbeiter ihre Arbeit gut und vernünftig machen, werden diese mit Banalitäten-Müll aus dem BWL-Studium zugetextet!
Und der Müll ist, zumindest in unserer Firma, englisch-deutsch ( mehr englisch ) z.B: employee feedback management für Mitarbeiterbefragung.
Schätze, wir ahmen immer mehr die US-Amerikaner nach…
Je hirnloser die Leute, desto schlimmer die denglischen Phrasen!

Nicht ärgern - drück einfach auf „escape“!
tina

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führungsleitsätze sind nicht schlecht
die armen pannemänner der mittleren führungsebene müssen, um ihre jobs nicht zu verlieren, jeden mist von oben nach unten durchdrücken, egal, was es ist. führungsleitsätze sind ja nicht schlecht, aber hat einer mal ein unternehmen erlebt, die diese auch aktiv leben? gibt es ein land, in dem die 10 gebote/ oder die gesetze alle eingehalten werden? nein! ich finde, wir sollte qualitätsmanagementsysteme mit einem gelassenen lächeln mitspielen, weil wir wissen, daß auch das vorbeigeht. VOM WIEGEN WIRD DAS SCHWEIN NICHT FETTER!!!