Vorinstalliert ?

Hallo,

mich würde mal interessieren, warum jeder daherredet, jeder daherschreibt, jeder offenbar und ohne nachzudenken voneinander abschreibt:

Diese oder jene Software ist „vorinstalliert“ !!!

Normalerweise (ich hab jedenfalls m.W. noch nichts anderes erlebt) ist eine Software nicht „vorinstalliert“, die ist INSTALLIERT. Fertig. Die ist drauf, lauffertig und damit installiert.

Oder hab ich da was völlig mißverstanden? Mit der deutschen Sprache?

Grüße Antal

Hallo Antal,

Diese oder jene Software ist „vorinstalliert“ !!!
Normalerweise (ich hab jedenfalls m.W. noch nichts anderes
erlebt) ist eine Software nicht „vorinstalliert“, die ist
INSTALLIERT. Fertig. Die ist drauf, lauffertig und damit
installiert.

die vorinstallierte Software ist drauf, da hast Du recht, aber sie ist nicht lauffertig, denn dazu gehört noch die „Initialisierung“ durch den PC-Nutzer/Besitzer, d.h. Eingabe von Name des Nutzers und evtl. auch noch die Registrierung beim Software-Hersteller.

Oder hab ich da was völlig mißverstanden? Mit der deutschen
Sprache?

Ich finde „vorinstalliert“ völlig okay und empfehle Dir, Dich lieber über „vorprogrammiert“ aufzuregen! :wink:

Gruß Gudrun

des kaisers Bart
Na ja, liebe Gudrun,
ich überlege, wie das war, als ich vor zwei Jahren meinen letzten neuen PC bei irgendso einem Discounter gekauft hatte. Hab ich da noch was eingegeben oder gleich losgelegt? Weiß es wirklich nicht mehr. Ich glaub, ich hab ihn eingesteckt und losgelegt.

Egal, ich will trotzdem mal versuchen an einem Beispiel zu illustrieren, was ich meine.

Wenn ich ein möbliertes Zimmer miete, dann ziehe ich dort ein, öffne den Schrank, hänge meinen Mantel auf den Kleiderbügel, drehe die Heizung auf, schütte Kaffeewasser in die angeschlossene Kaffeemaschine, setze mich mal aufs Sofa und schlage die Zeitung auf.

Das ist eine „möbliertes“ Zimmer.

Habe ich ein Zimmer gemietet, in dem Tisch, Stuhl, Sessel, Sofa und abgeschlagener Schrank in der Mitte zusammengeschoben und von einer Staubschutzplane abgedeckt sind, dann habe ich ein „vor-möbliertes“ gemietet. Da muß ich wirklich noch was „installieren“…

Davon unabhängig ist doch, ob ich zwei Minuten vor dem ersten Betreten meines möblierten Zimmers erst den Schlüssel ausgehändigt gekriegt habe und gleich drauf ein Namensschild an die Tür klebe (muß nicht erwähnen, daß ich die Anmeldung einer Software mit dem Aushändigen des Schlüssels gleichsetze).

Möbliert war das Zimmer in jedem Fall, nicht vor-möbliert. Na, aber vielleicht sehe ich das ja falsch.

Mit Deinem Hinweis auf „vor-programmiert“ hast Du mehr als Recht, man sollte vielleicht noch mehr drauf achten.

Gruß Antal

Hallo Antal

Ich geb dir recht.
Installiert ist installiert.
Ob dann noch eine Initialisierung, Personalisierung,
Registrierung (oder was auch immer)nötig ist, spielt
für mich da keine Rolle mehr.

Die Krux liegt wohl darin, dass die Leute es unbedingt
in EINEM Wort sagen wollen, was doch hinreichend präzis
mit «schon istalliert» benennbar wäre.

Wie lieblich, allgemein verständlich und schlüssig tönt
doch das simple Sätzchen «Die Software ist bereits
installiert.» neben dem technokratischen
Wortkonglomerat!

Aber eben: wer hat dafür schon ein Musikgehör?

Gruss
Rolf

Hi,
für mich besteht auch kein Unterschied zwischen installiert und vorinstalliert. Es gibt leider unzählige Beispiele dieser unnötig geblähten Wörter. Schönes Beispiel aus der Politik: Die CDU legte ein Zukunftsprogramm vor. Mich würde interessieren, wie wohl ein Vergangenheitsprogramm aussähe… Genauso strunzig: Zukunftsinvestitionen…
Unsinnig auch: Rückantwort statt Antwort, Eigeninitiative statt Initiative, anmieten statt mieten…
Leider ertappe ich mich immer wieder dabei, selbst solche Begriffe zu nutzen…

Gruß
andré

Ach, weißt Du Rolf,

diese ganz allgemein und weit verbreitete miese Ausdrucksweise rührt her aus einer Gemengelage bestehend aus schlechter Übersetzung von ggf. an sich schon unpräzisen englischen Ausdrücken, und möglichst nicht Nachdenken, und Gewöhnung und daß man sich (vielleicht früher noch mehr als heute) damit ein wenig großtun wollte, als ein Insider eben gelten wollte.

Ich erinnere mich, daß die in meiner Firma früher beschäftigten Softwarer mal vor sehr geraumer Zeit immer rumgeschmissen haben mit dem Ausdruck „shared memory“, und die freien Mitarbeiter feste mit rein in die Kerbe (und vor allem dem Boß zeigen, was wir für tolle sie Hechte sind). Ich natürlich keine Ahnung. Aber wenn man sorgfältig zuhört, macht man sich nach einiger Zeit schon eine Vorstellung davon, was das ungefähr sein könnte; man ist ja nicht ganz blöd. Und wenn man noch einige weitere Zeit zugehört hat, dann kriegt man mit, daß die jetzt durchaus nur von unterschiedlichen Dingen gesprochen haben konnten. Da hab ich dann mal irgendwann eingegriffen, nachgefaßt und drum gebeten, mir doch bitte mal in klarem Deutsch zu erklären, was denn ein „shared memory“ sei. Siehe da, die sind geschwommen, daß es eine Pracht war, ein paar waren dabei, die nicht mal wußten, was das Verb „to share“ bedeuted. Ha ha ha. Aber dicke tun.

Und natürlich spielt da auch einfach Nachlässigkeit, Faulheit mit, und das haben wir schon immer so gemacht/gesagt…

Aber deswegen muß sich doch da nicht jedermann anschließen? Ich z.B. nach Möglichkeit nicht.

Im Übrigen gibt´s diese verbale Rumspritzerei ja nicht nur unter Ingenieuren, sondern auch z.B. unter Architekten und in allen Gruppen (bei uns wollen sie jetzt einen Museumsanbau errichten, und das wird ganz einfach eine völlig ungestalte (ungestaltete) Schuhschachtel, ein Quader, fertig. Man muß aber lesen, was dieses Architektenbüro, das mit seinem Entwurf gewonnen hat, über die „Stringenz dieses Entwurfes,…“ und was weiß ich noch alles sabbert. Das haben die wahrscheinlich als Textbaustein auf ihren PCs.

Oder, unser gewesener Kanzler Schröder, der zur Eröffnung der Cebit sagte (große Schlagzeile in der Zeitung): „Schröder will Wachstumsdynamik verbessern“. Aha, kann ich da nur sagen. WAS will der? Wasn das?

Ein weiterer von einer ganzen Reihe solcher Ausdrücke ist das aus dem amerikanischen übernommene „downloaden“ (uploaden wird erstaunlicherweise will weniger gesagt), und wir reden jetzt halt von „runterladen“. Ich frage mich immer, bin ich jetzt unten oder oben?

(Dabei müßte doch jedermann klar sein: Wo ich bin, ist oben, und wo ich bin, ist auch vorne… :smile:)))

Wie einfach und klar wäre es stattdessen zu sagen: Hinüberladen, herüberladen, alles wäre klar.

Aber, wie der Russe schon wusste: Deutsche Sprak schwere Sprak.

Gruß Antal

Schwiebelfitz dazu
http://www.spiegel.de/kultur/zwiebelfisch/0,1518,373…

Gruß Eillicht zu Vensre

Deutsche Sprak ot

Aber, wie der Russe schon wusste: Deutsche Sprak schwere
Sprak.

Das sagte, wenn ich mich recht erinnere, nicht ein Russe, sondern Riccaut in „Minna von Barnhelm oder das Soldatenglück“ von G.E. Lessing.

Doch dieser oder jener Russe mag das auch gesagt haben.

Gruß - Rolf

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http://www.spiegel.de/kultur/zwiebelfisch/0,1518,373…

Gruß Eillicht zu Vensre

Uihh danke Dir, da wird einem ja vom Lesen allein schon ganz schwindelig

Antal

Kann schon sein, Rolf, mit der Minna. Aber das mit dem Russen reimt sich schöner :smile:))

Antal

Aber, wie der Russe schon wusste: Deutsche Sprak schwere
Sprak.

Das sagte, wenn ich mich recht erinnere, nicht ein Russe,
sondern Riccaut in „Minna von Barnhelm oder das Soldatenglück“
von G.E. Lessing.

heute schon ‚verbucht‘?
Hallo zusammen!
das erinnert mich an meinen letzten Einkauf im Baumarkt.
Kunde mit neuer Auto-Starterbatterie an der Kasse. Er will das Pfand nicht bezahlen, da er den alten Akku schon an der Info abgegeben hatte.
Kassiererin: Ich weiss nicht, wie ich das jetzt verbuchen soll!
Kunde: Nicht auch noch verbuchen jetzt!!! Es reicht, wenn sie es einfach richtig buchen :smile:
Fazit: ginsende Kundin in der Warteschlange, verwirrte Kassiererin, der das wohl offensichtlich nix sagte!

LG Ulli, die heute auch schon gebucht hat :smile:

Kann schon sein, Rolf, mit der Minna. Aber das mit dem Russen
reimt sich schöner :smile:))

Wo denn? o.O

Gruß,

  • Andrße

Hallo Antal,

Wieder jemand, der sich über die natürliche Sprachentwicklung aufregt… na fein. Ich denke nicht, dass deine Ausdrucksweise komplett frei von derartigen Redundanzen ist. Das soll keine Kritik sein, aber oft sind auch linguistisch gebildetere Leute sich unnötigen semantischen Wiederholungen wie „vorinstalliert“ nicht bewusst. War auch ich mir bisher nicht — und ich werde das Wort natürlich auch weiterhin verwenden, da es sich (meiner Meinung nach), wie so viele andere Wörter auch, schon in den deutschen Sprachschatz eingenistet hat und sich deshalb
Eine Sprache entwickelt sich. Neue Ausdrücke, seien es Markennamen, Fremdwörter, Zusammensetzungen oder komplette Neuschöpfungen gelangen täglich in die deutsche Sprache. Nur ein kleiner Teil wird von den Menschen angenommen, dies entscheiden nicht einzelne Personen, sondern die Sprachökonomie. Wird ein Ausdruck gebraucht, benutzt man ihn. Wenn nicht, gerät er schnell wieder in Vergessenheit. Du kennst sicher „sitt“ (nicht durstig): Nette Idee, aber mangels Anwendung ungebräuchlich und deswegen heute nur noch als Meta-Wort angewandt, wenn man über das Wort an sich spricht.

Schon klar, dass „vorinstalliert“ eine gewisse Redundanz aufwirft. Aber diese Redundanzen gibt es sehr häufig, in allen Sprachen. Sicher sagst du auch sowas wie „in dem Haus drin“ (da hast du 2× die selbe Lokalbestimmungen). Sie sind dem Sprachverständnis nicht hinderlich, sondern erleichtern oft das Verständnis zusätzlich. Wenn auch nur geringfügig. Hier unterstreicht die Vorsilbe „vor-“ eben den Aspekt des bereits Abgeschlossenen.

Das interessante ist übrigens (und man möge mich korrigieren, falls ich falsch liege), dass nach der Einführung der einen oder anderen Rechtschreibreform (inzwischen habe auch ich als Verteidiger des Großteils jener Reformen etwas den Überblick verloren) plötzlich die Zahl derer, die sich über den Ausdruck anderer mockieren und die deutsche Sprache in ihrem Usus bemängeln und kritisieren, sprunghaft angestiegen. Ich bezweifle stärkstens, dass sich in 1, 2 Generationen, wenn die Reformen gefestigt sind und nicht mehr so an ihnen gerüttelt wird (ich gebe zu, eine teilweise Revidierung war nötig), noch irgendwer über sie aufregen würde. Oder ärgerst du dich noch, dass es jetzt Tür und Tier heißt, statt Thür und Thier, oder (vor)installieren statt installiren? Diejenigen, die mit dem „Neuschrieb“ aufwachsen, werden ihn wohl genauso ansehen wie wir damals die ‚unsrige‘ Schreibung à la „daß“, „kennenlernen“ (schreibt man ja Gott sei Dank wieder zusammen), usw.

Es ist fürs Sprachverständnis auf lange (also so *richtig* lange) Sicht übrigens eher hinderlich, wenn man auf alten Traditionen beruht. Siehe Englisch: Da kann man ohne Kenntnis des Wortes kaum sagen, wie es auszusprechen ist, weil die Schreibung sich in den vergangenen Jahrhunderten kaum geändert hat.

Wir sehen also:
Redundanz muss nix schlechtes sein.
Redundanz muss nix schlechtes sein.

Liebe Grüße,

  • André

Der Russe
Na, mit dem

Wie der Russe schon wußte…

hat sogar einen richtig schönen Rythmus und läßt sich für vielerlei Fälle verblüffend anwenden (verblüffend, weil Dein Gesprächspartner natürlich nicht weiß, was das plötzlich mit einem Russen zu tun haben soll)

Grins Antal

Aga.

Das sagte, wenn ich mich recht erinnere, nicht ein Russe,
sondern Riccaut in „Minna von Barnhelm oder das Soldatenglück“
von G.E. Lessing.
Doch dieser oder jener Russe mag das auch gesagt haben.

Oder der Böhme in der Langversion : „Deitsche Sprach schwäre Sprach. Sagt man der Regent, ist es ein Keenig. Sagt man die Regent, macht es Musik. Sagt man das Regent, macht es nass.“

Gruß Eillicht zu Vensre

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Nein, mein lieber Anfré,

ich „rege mich nicht über diese Sprachentwicklung“ auf. Mir ist das, zumindest in diesem Falle, völlig wurscht. Andere Dinge, auf die Du ja auch ausführlich eingehst in Deinem Beitrag, sind mir allerdings weit weniger „wurscht“, sie sind hier allerdings nicht Thema und zudem, zu sicher 90 %, kann ich Deiner Line wiederum nicht folgen.

Wozu solche „schiefen“ Ausdrücke wie „vorinstalliert“ führen können, kann ich Dir an meinem Beispiel zeigen. Als gebranntes Kind mit Software und Computern, das eigentlich noch nie erlebt hat, daß etwas in diesem Sektor trotz aller gegenteiliger Schwüre auf Anhieb funktionierte, reagiere ich auf alles, was auch nur entferntest nach verbaler Einchränkung klingt, sehr allergisch. Ich habe nämlich keine Zeit zu vertun.

Wenn also jemand schreibt, und für mich hat das jahrelang gegolten, nicht sicher wissend, was die damit meinen: IST das nun dort ordentlich und lauffähig installiert oder NICHT?

Stand (und steht) in einer Brochure diese oder jene Software ist „vorinstalliert“ blättere ich einfach weiter, bis ich ein Angebot finde, auf dem klipp und klar steht, diese Progarmm ist ohne Einschränkung „lauffähig installiert“ (ohne vor~).

D.h., dem einen oder anderen ist da vielleicht ein Geschäft verloren gegangen, nur wegen des unbedachten dämlichen „vor~“. Ich führe ein klein wenig Buch über alle Ausgaben in diesem Sektor und da kommen doch einige 10 000 Euro zusammen. Aber, sie´s drum, ist das etwa mein Geschäft, das ebschädigt wurde?

Und ich reagiere auch heute noch so;: Wenn mir jemand erzählt, diese Software sei „vorinstalliert“, kaufe ich das Gerät nicht, es könnte ja sein, er meint das mal wörtlich. Käme ich dann und beschwerte mich, sagt er leichthin: Wir haben das doch genau beschrieben: VORinstalliert!!

Abschließend: Kennst Du den Unterschied zwischen einer „Entwicklung“ und einer „Vorentwicklung“ ? Eben.

Antal

Wie seltsam, wie seltsam. Ich könnte mir nicht vorstellen, ein Gerät nicht zu kaufen, nur weil den Verkäufern ein Lapsus unterlief. Schon gar nicht, wenn es keiner ist, denn „vorinstalliert“ ist definitiv keiner, sonst wäre „ich selbst“ ja auch falsch. Neulich fiel mir noch eine gute Sprachredundanz ein, aber ich hab sie mir nicht aufgeschrieben. Asche auf mein Haupt.
Um nochmal zu der Gerätefrage zurückzufinden: Ich wähle die von mir zu kaufenden Geräte eher nach ihrer Qualität aus, nicht nach dem Doitsh ihrer Produktbeschriebungen. Damit haben die Hersteller meist nicht viel zu tun.

Übrigens, wenn du in einen Laden gehst, wohlwissend, dass du Probleme mit Softwareinstallation hast, dann könntest du sagen: „Ich hätte das Programm gerne vorinstalliert.“. Würdest du hier nur installiert einsetzen, kann es leicht zu Missverständnissen kommen.

Mit dem „Aufregen über Sprach- und Schreibfehler“ bezog ich mich nicht nur auf dich, sondern allgemein auf Leute, die krampfhaft versuchen, Fehler zu finden, wo entweder keine sind oder etwas aufgetaucht ist, was sie noch nicht kannten.

Liebe Grüße,

  • André