Ach, weißt Du Rolf,
diese ganz allgemein und weit verbreitete miese Ausdrucksweise rührt her aus einer Gemengelage bestehend aus schlechter Übersetzung von ggf. an sich schon unpräzisen englischen Ausdrücken, und möglichst nicht Nachdenken, und Gewöhnung und daß man sich (vielleicht früher noch mehr als heute) damit ein wenig großtun wollte, als ein Insider eben gelten wollte.
Ich erinnere mich, daß die in meiner Firma früher beschäftigten Softwarer mal vor sehr geraumer Zeit immer rumgeschmissen haben mit dem Ausdruck „shared memory“, und die freien Mitarbeiter feste mit rein in die Kerbe (und vor allem dem Boß zeigen, was wir für tolle sie Hechte sind). Ich natürlich keine Ahnung. Aber wenn man sorgfältig zuhört, macht man sich nach einiger Zeit schon eine Vorstellung davon, was das ungefähr sein könnte; man ist ja nicht ganz blöd. Und wenn man noch einige weitere Zeit zugehört hat, dann kriegt man mit, daß die jetzt durchaus nur von unterschiedlichen Dingen gesprochen haben konnten. Da hab ich dann mal irgendwann eingegriffen, nachgefaßt und drum gebeten, mir doch bitte mal in klarem Deutsch zu erklären, was denn ein „shared memory“ sei. Siehe da, die sind geschwommen, daß es eine Pracht war, ein paar waren dabei, die nicht mal wußten, was das Verb „to share“ bedeuted. Ha ha ha. Aber dicke tun.
Und natürlich spielt da auch einfach Nachlässigkeit, Faulheit mit, und das haben wir schon immer so gemacht/gesagt…
Aber deswegen muß sich doch da nicht jedermann anschließen? Ich z.B. nach Möglichkeit nicht.
Im Übrigen gibt´s diese verbale Rumspritzerei ja nicht nur unter Ingenieuren, sondern auch z.B. unter Architekten und in allen Gruppen (bei uns wollen sie jetzt einen Museumsanbau errichten, und das wird ganz einfach eine völlig ungestalte (ungestaltete) Schuhschachtel, ein Quader, fertig. Man muß aber lesen, was dieses Architektenbüro, das mit seinem Entwurf gewonnen hat, über die „Stringenz dieses Entwurfes,…“ und was weiß ich noch alles sabbert. Das haben die wahrscheinlich als Textbaustein auf ihren PCs.
Oder, unser gewesener Kanzler Schröder, der zur Eröffnung der Cebit sagte (große Schlagzeile in der Zeitung): „Schröder will Wachstumsdynamik verbessern“. Aha, kann ich da nur sagen. WAS will der? Wasn das?
Ein weiterer von einer ganzen Reihe solcher Ausdrücke ist das aus dem amerikanischen übernommene „downloaden“ (uploaden wird erstaunlicherweise will weniger gesagt), und wir reden jetzt halt von „runterladen“. Ich frage mich immer, bin ich jetzt unten oder oben?
(Dabei müßte doch jedermann klar sein: Wo ich bin, ist oben, und wo ich bin, ist auch vorne…
)))
Wie einfach und klar wäre es stattdessen zu sagen: Hinüberladen, herüberladen, alles wäre klar.
Aber, wie der Russe schon wusste: Deutsche Sprak schwere Sprak.
Gruß Antal